{"id":5666,"date":"2014-04-29T16:26:05","date_gmt":"2014-04-29T15:26:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5666"},"modified":"2014-05-03T16:36:32","modified_gmt":"2014-05-03T15:36:32","slug":"fraeulein-julie-hof-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5666","title":{"rendered":"FR\u00c4ULEIN JULIE &#8211; Hof, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Antonio Bibalo (*1922), Kammeroper in drei Akten nach dem gleichnamigen Schauspiel von August Strindberg, in deutscher Sprache; UA: 1975, Dortmund, zweite Fassung mit reduziertem Orchester: 1984, Berlin<\/p>\n<p>Regie: Uwe Drechsel, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Beata Kornatowska<\/p>\n<p>Dirigent: Roland Vieweg, Hofer Symphoniker<\/p>\n<p>Solisten: Mathias Frey (Jean), Johanna Brault (Julie), Inga Lisa Lehr (Kristin)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. April 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Hof-Fr\u00e4ulein.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5667\" alt=\"Hof Fr\u00e4ulein\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Hof-Fr\u00e4ulein.jpg\" width=\"544\" height=\"374\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Hof-Fr\u00e4ulein.jpg 544w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/05\/Hof-Fr\u00e4ulein-300x206.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 544px) 100vw, 544px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Mittsommernacht auf einem schwedischen Adelssitz: Julie, die Tochter des abwesenden Grafen, spielt unstandesgem\u00e4\u00df mit dem Diener Jean, was seine Verlobte Kristin und die \u00fcbrige Gesellschaft sehr verwundert. Nachdem sie sich von ihm verf\u00fchren l\u00e4\u00dft, l\u00f6sen sich die Rollenvorgaben &#8222;Reich gegen Arm&#8220; und &#8222;Frau gegen Mann&#8220;, der Kampf um die Dominanz beginnt. Die gemeinsame Flucht scheitert, Gewalt eskaliert, der verzweifelten und willenlosen Julie bleibt am Schlu\u00df nur die Flucht in den Selbstmord.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Ein sehr einfaches B\u00fchnenbild ist auf der Studio-B\u00fchne aufgebaut: Vorne links befindet sich das kleine Orchester, dann folgen einige Wandteile, die auch eine T\u00fcr f\u00fcr die Auftritte enthalten. Ein Tisch und eine Wasserschale stehen mitten im Raum. Auf die Wand werden als Schattenspiele die Geschehnisse hinter der B\u00fchne projiziert. Julie tr\u00e4gt ein Reitkost\u00fcm, Jean ein Dienerkost\u00fcm bestehend aus wei\u00dfem Hemd, dunkler Hose und gestreifter Weste, Kristin ist eine zeitlose K\u00f6chin. Die Mitsommernachtsfeier wird durch ein Kinderballett lebendig.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger-Orchester<\/b><\/p>\n<p><b>Johanna Brault<\/b> ist eine Spezialistin f\u00fcr zeitgen\u00f6ssisches Musiktheater, kann mit ihrer Stimme der Rolle der Julie in dieser Kammeroper Charakterz\u00fcge verleihen. Bestechend wie sie mit gesanglichen Stilmitteln, den zahlreichen Farb-Facetten ihrer Stimme der Verzweiflung, den Abgr\u00fcnden einer gequ\u00e4lten Seele Gestalt verleiht und damit auch dem Schauspiel Strindbergs sehr nahe kommt. Gut entwickelt hat sich <b>Mathias Frey<\/b>, der am Haus der zweite Tenor f\u00fcr kleinere Rollen ist. Als leichter, lyrischer Tenor hat er sicherlich eine Zukunft. <b>Inga Lisa Lehr<\/b> ist am Haus die liebenswerte jugendlich naive Operettensoubrette und gibt der Kristin den Jungm\u00e4dchen-Charme einer charakterlosen verlassenen Liebhaberin. Die graue Eminenz des Abends ist <b>Roland Vieweg<\/b>, der nicht nur das Streicher-Quintett, ein Klavier und drei Solisten sicher durch die schwierigen Welten der Dissonanzen, teilweise ausschweifenden Melodik und Zw\u00f6lftontechnik, f\u00fchrt, sondern auch die Stimmen und Orchester zu einer ausgewogenen Einheit formt. Dar\u00fcber hinaus gelingt es ihm auch, eines der Meisterwerke Strindbergs musikalisch zu einem H\u00f6rspiel zu formen, das genauso wie das Schauspiel den Zuh\u00f6rer zu einem Parforceritt durch die seelischen Abgr\u00fcnde des Kampfes &#8222;Liebhaber gegen Geliebter&#8220; mitrei\u00dft und nach 90 Minuten quasi erschlagen zur\u00fcckl\u00e4\u00dft.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Eine etwas bla\u00df wirkende Regie zeigt auf der B\u00fchne keine \u00fcberzogene Hektik oder Regieeinf\u00e4lle. Sie schafft aber den Raum, in dem S\u00e4nger und Orchester gemeinsam die Welt Strindbergs zum Leben erwecken, das Publikum auf eine wilde extreme Gef\u00fchlsreise mitrei\u00dfen. Zum Schlu\u00df extremer Jubel in dem kleinen Studio, das die Protagonisten belohnt.<\/p>\n<p>Es ist aber bezeichnend f\u00fcr die Wirkung solcher zeitgen\u00f6ssischer Kammeropern, da\u00df sich auch das Theater Hof nicht traut, eine solche Produktion, wie sonst \u00fcblich, auf die Reise zu seinen Gastspielorten zu schicken.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Harald Dietz, SFF Fotodesign, Hof<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Johanna Brault (Julie), Mathias Frey (Jean)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. 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