{"id":5662,"date":"2014-04-21T09:57:12","date_gmt":"2014-04-21T08:57:12","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5662"},"modified":"2014-04-29T19:15:14","modified_gmt":"2014-04-29T18:15:14","slug":"pelleas-et-melisande-coburg-landestheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5662","title":{"rendered":"PELL\u00c9AS ET M\u00c9LISANDE &#8211; Coburg, Landestheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Claude Debussy (1862-1918), Drame lyrique\u00a0 in f\u00fcnf Akten, Libretto: Maurice Maeterlinck, UA: 30. April 1902 Paris, Op\u00e9ra Comique, Salle Favart<\/p>\n<p>Regie: Jakob Peters-Messer, B\u00fchne: Markus Meyer, Kost\u00fcme: Sven Bindseil<\/p>\n<p>Dirigent: Roland Kluttig, Philharmonisches Orchester Landestheater Coburg, Chor des Landestheaters Coburg, Choreinstudierung: Lorenzo Da Rio<\/p>\n<p>Solisten: Joel Annmo (Pell\u00e9as), Verena Usemann (M\u00e9lisande), Rainer Scherer (Golaud), Michael Lion (Arkel), Gebriela K\u00fcnzler (Genevi\u00e8ve), Luise Hecht (Yniold) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. April 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Coburg-Pelleas_21.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5663\" alt=\"Claude Debussy: Pell\u00e9as et M\u00e9lisande\/ ML Roland Kluttig\/ R Jakob Peters-Messer\/ B Markus Meyer\/ K Sven Bindseil\/ Premiere: 19.April 2014  Landestheater Coburg\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Coburg-Pelleas_21.jpg\" width=\"593\" height=\"395\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Coburg-Pelleas_21.jpg 593w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Coburg-Pelleas_21-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 593px) 100vw, 593px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Prinz Golaud findet im Wald ein sch\u00f6nes, r\u00e4tselhaftes M\u00e4dchen, ihre Vergangenheit bleibt unbekannt, aber er heiratet sie und f\u00fchrt sie heim. Sein Gro\u00dfvater Arkel, seine Mutter Genevi\u00e8ve und sein j\u00fcngerer Halbruder Pell\u00e9as nehmen die Fremde freundlich auf. Doch M\u00e9lisande f\u00fchlt Beklemmungen in der dunklen, alten Burg. Bei einem Spaziergang mit Pell\u00e9as, bei dem sie sich wohl f\u00fchlt, verliert M\u00e9lisande ihren Ehering. Das erz\u00fcrnt Golaud, und er schickt die beiden in die Dunkelheit, den Ring zu suchen. Die Suche war aber vergeblich. Als Golaud Pell\u00e9as unter dem Fenster seiner Frau antrifft, steigert er sich in Eifersucht hinein, fordert ihn auf, sich von M\u00e9lisande fern zu halten. Pell\u00e9as entschlie\u00dft sich, abzureisen, aber trifft nochmals M\u00e9lisande. Sie gestehen einander ihre Liebe. Golaud, der sie belauscht hat, t\u00f6tet Pell\u00e9as, von Eifersucht geistig verwirrt und mi\u00dfhandelt seine schwangere Frau. Das Kind wird geboren, aber die Mutter stirbt.<\/p>\n<p><b>Vorbemerkung<\/b><\/p>\n<p>Dieses Meisterwerk am Endpunkt der Romantik greift viele Themen Wagners auf und rechnet doch gnadenlos mit Wagner ab. Zugegeben, im ersten Moment ist ein Werk, das noch r\u00e4tselhafter als Parsifal, eine gr\u00f6\u00dfere Liebetrag\u00f6die als Tristan und noch mystischer als der <i>Ring<\/i> (Waldweben!), ist ein harter (H\u00f6r) Brocken f\u00fcr das Publikum. Aber durch die direkte Art der Pr\u00e4sentation \u2013 n\u00e4mlich nur die Handlung durch durchdachte Personenf\u00fchrung zu erz\u00e4hlen, werden alle inneren Triebe und Motivationen verst\u00e4ndlich.<\/p>\n<p>In dieser Oper gibt es keine Arien, keine Duette im traditionellen Sinn, daf\u00fcr lange Monologe und Dialoge in einer Art Sprechgesang, die von der Mittellage ausgehen und nur selten melodi\u00f6s werden.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild l\u00e4\u00dft sich weder zeitlich noch \u00f6rtlich einordnen, besteht nur aus einem dunklen Labyrinth von W\u00e4nden, Fenstern und Treppen, die sich auf einer Drehb\u00fchne zu einem Wald, einem Schlo\u00df mit d\u00fcsteren Kellern (mit Leichen darin) oder einer Grotte formen lassen. Selbst die dunkle Tapete mit Blumenrankenmustern, unterschiedlich angeleuchtet, bietet keinen Hinweis auf Zeit und Ort. Das gilt auch f\u00fcr die Kost\u00fcme, w\u00e4hrend sie f\u00fcr Pell\u00e9as und M\u00e9lisande hell und bunt (Blumenkinder?) gehalten sind, tragen alle anderen dunkle Kleidung (Arkel als Blinder zus\u00e4tzlich eine Sonnenbrille), unterst\u00fctzen so die schwarze, die mache dem <i>Fin de Si\u00e8cle<\/i> als depressive Grundstimmung zuordnen.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Stimmlicher H\u00f6hepunkt des Abends ist dennoch <b>Joel Annmo<\/b> als Pell\u00e9as, seine nachdenkliche, fast geistig abgehobene tenorale Gesangslinie tr\u00e4gt er im besten Belcanto-Stil vor. Szenisch dominant hingegen <b>Rainer Scheerer<\/b> als Golaud, der immer tiefer in den Wahnsinn abgleitet, der mit seinem facettenreichen, vollt\u00f6nenden und in der Tiefe fundierten Ba\u00dfbariton immer schw\u00e4rzer und b\u00f6sartiger wird. <b>Verena Usemann<\/b> ist f\u00fcr die M\u00e9lisande die ideale jugendlich-naive und glasklar-leicht stimmliche Darstellerin. Sie stellt M\u00e9lisande in ihrer zerbrechliche Lieblichkeit hervorragend dar. <b>Michael Lion<\/b> ist wie immer der in allen Belangen \u00fcberzeugende Hausba\u00df. Er findet auch in der Rolle des blinden Arkel mit tiefer, sonorer und raumf\u00fcllend wohlklingender Stimme den passenden, ver\u00e4chtlichen Ausdruck. <b>Gabriela K\u00fcnzler<\/b> ist als Genevi\u00e8ve mit ihrer harten Altstimme (mit Tendenz zum Mezzo) in ihrem Element, ihr Piano klingt vollst\u00e4ndig transparent und tragend.<\/p>\n<p><b>Roland Kluttig<\/b> f\u00fchrt das Orchester mit sicherer Hand durch die mystischen Untiefen dieser verschlungenen Komposition. Er vermag es, die musikalischen R\u00e4tsel dem H\u00f6rer erkl\u00e4rbar zu machen &#8211; aber Vorsicht! Ein vollst\u00e4ndiges Verstehen dieses Werkes w\u00fcrde zum v\u00f6lligen Wahnsinn des Zuh\u00f6rers f\u00fchren.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Das Publikum l\u00e4\u00dft sich auf fast drei Stunden Depressionen ein, ben\u00f6tigt etwas Zeit, sich darauf einzustellen, bejubelt aber die Produktion am Ende einstimmig.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Andrea Kremper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Joel Annmo (Pell\u00e9as) und Verena Usemann (M\u00e9lisande) im Licht<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. 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