{"id":564,"date":"2009-02-03T15:51:42","date_gmt":"2009-02-03T13:51:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=564"},"modified":"2009-03-05T19:24:39","modified_gmt":"2009-03-05T17:24:39","slug":"hannover-staatsoper-idomeneo","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=564","title":{"rendered":"Hannover, Staatsoper &#8211; IDOMENEO"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Giambattista Varesco nach Antoine Danchets Trag\u00e9die lyrique Idom\u00e9n\u00e9e (1712) von Andr\u00e9 Campra<br \/>\nUA: 29. Januar 1781, Hoftheater M\u00fcnchen<br \/>\nRegie: Philipp Himmelmann, B\u00fchne: Elisabeth Pedross, Kost\u00fcme: Petra Bongard, Licht: Susanne Reinhardt, Video: Rainer Schwarz<br \/>\nDirigent: Martin Haselb\u00f6ck, Nieders\u00e4chsisches Staatsorchester und Chor Hannover<br \/>\nSolisten: Idomeneo (Tomasz Zagorski), Idamante (Barbara Senator), Ilia (Ania Wegrzyn), Elettra (Brigitte Hahn), Arbace (Ivan Tur\u0161i\u0107), Gran Sacerdote di Nettuno (Karsten Ru\u00df), La Voce (Shavleg Armasi) u.a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 30. Januar 2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/hannover-idomeneo.jpg\" TITLE=\"hannover-idomeneo.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/hannover-idomeneo.jpg\" ALT=\"hannover-idomeneo.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Erst im Herbst 1780 erhielt Mozart, gerade 24 Jahre alt, den Auftrag, f\u00fcr den M\u00fcnchner Hof eine Karnevalsoper f\u00fcr die kommende Saison zu schreiben. Mozart, genial wie er nun mal war, hat sich aber nicht damit zufrieden gegeben, das antike  Drama um den kretischen K\u00f6nig Idomeneo zu vertonen, sondern hat vielmehr neue Akzente gesetzt, die unser Verh\u00e4ltnis zum Schicksal bzw. zu h\u00f6heren M\u00e4chten definieren, aber auch in Frage stellen. Idomeneo verspricht Neptun als Opfer den ersten Menschen, den er am Strand sehen wird, wenn Neptun ihn vor dem Ertrinken rettet. Fatalerweise ist dies aber sein Sohn Idamante. Idomeneo versucht seinen Sohn zu retten, doch Neptun verfolgt das kretische Volk mit schlimmen Plagen. Das Ganze ist noch mit einer Liebesgeschichte Idamante mit Ilia, Tochter des Priamos und Elettra, Schwester des Orest, verwoben. Erst als Ilia, Idomeneo selbst und Idamante den G\u00f6ttern ihren Tod anbieten, sind diese befriedigt. Neptun erweist den Kretern Gnade, aber Idomeneo mu\u00df auf die K\u00f6nigsw\u00fcrde verzichten und die Herrschaft an Idamante und Ilia abgeben.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nIn eindringlich wird die karge Szene ganz in wei\u00df gesetzt, sogar die Per\u00fccken sind wei\u00df, rot ist nur das reichlich verschmierte Blut. In der Mitte der B\u00fchne befindet sich ein gigantischer &#8211; nat\u00fcrlich auch wei\u00dfer &#8211; rechteckiger Klotz, der sich meistens dreht. Die Darsteller sehen aus wie eine \u00c4rzte-Demo gegen die Gesundheitsreform des 25.Jahrhunderts. Durchaus effektvoll die Videoprojektionen von Rainer Schwarz, einmal das Tosen des Meeres darstellend, aus dem Gischtnebel sch\u00e4lt sich dann der reichlich mitgenommene Idomeneo heraus. Auch das Ungeheuer, das die Kreter  verspeist, wird so in drohenden Rott\u00f6nen surrealistisch dargestellt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\n<strong>Martin Haselb\u00f6ck<\/strong> leitete das recht gerade, ja fast milit\u00e4risch aufspielende <strong>Nieders\u00e4chsische Staatsorchester<\/strong>; der<strong> Chor<\/strong> ist, wie gewohnt, tadellos einstudiert von <strong>Dan Ratiu<\/strong>.<br \/>\n<strong>Tomasz Zagorski<\/strong> war der Titelpartie in jeder Hinsicht gewachsen. Darstellerisch packend in seiner mitrei\u00dfenden Verzweiflung, wu\u00dfte er mit konditionsstarkem, vollem und wohlt\u00f6nendem Tenor zu beeindrucken. Die weibliche Siegespalme des Premierenabends mu\u00df zweifellos <strong>Ania Wegrzyn<\/strong> als Ilia \u00fcberreicht werden, die mit ihrer flexiblen, immer sicher und sauber gef\u00fchrten Stimme auftrumpfte. Nahezu ebenb\u00fcrtig die s\u00e4ngerische und schauspielerische Leistung von <strong>Barbara Senator<\/strong> als Idamante. <strong>Brigitte Hahn<\/strong>, einer ansonsten verl\u00e4\u00dflichen Gr\u00f6\u00dfe der Staatsoper Hannover, schien die Rolle der Elettra gar nicht zu liegen. Man meinte f\u00f6rmlich ihr Unbehagen zu sp\u00fcren. Die Stimmf\u00fchrung, besonders zu Anfang ungewohnt rauh, ja manchmal sogar etwas br\u00fcchig, vielleicht weil sie das Ganze einerseits mit zuviel Abneigung, andererseits aber zu sehr forcierend angegangen ist, fing sie sich aber doch noch weitgehend im Verlauf des Abends. Rollendeckende Leistungen von <strong>Ivan Tur\u0161i\u0107<\/strong> als Arbace und von <strong>Karsten Ru\u00df<\/strong> als Oberpriester. Kleiner Gag am Rande: Zum (guten) Schlu\u00df ert\u00f6nt hinter dem wei\u00dfen Quader die machtvolle, Gnade verk\u00fcndende himmlische Stimme von <strong>Shavleg Armasi<\/strong>. Dann trifft man sich vor dem wei\u00dfen Stein, um den aufbrandenden Premierenapplaus entgegen zu nehmen, nat\u00fcrlich alle in blendendem Wei\u00df \u2013 au\u00dfer Shavleg Armasi als schwarzer Rabe im Smoking. Nur ein vereinzelter Buh-Rufer f\u00fcr das Regieteam.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\n&#8222;Gut gesungen, Inszenierung passt, ist aber Geschmackssache!&#8220;<\/p>\n<p>Dr. R\u00fcdiger Ehlert<\/p>\n<p>Bild: Thomas M. Jauk<br \/>\nDas Bild zeigt: Ania Wegrzyn als Ilia und Barbara Senator als Idamante.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang Amadeus Mozart (1756-1791), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Giambattista Varesco nach Antoine Danchets Trag\u00e9die lyrique Idom\u00e9n\u00e9e (1712) von Andr\u00e9 Campra UA: 29. 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