{"id":5621,"date":"2014-04-09T19:35:58","date_gmt":"2014-04-09T18:35:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5621"},"modified":"2014-04-10T16:27:54","modified_gmt":"2014-04-10T15:27:54","slug":"otello-ossia-il-moro-di-venezia-otello-oder-der-mohr-von-venedig-paris-theatre-des-champs-elysees","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5621","title":{"rendered":"OTELLO OSSIA IL MORO DI VENEZIA \u2013 OTELLO ODER DER MOHR VON VENEDIG &#8211; Paris, Th\u00e9\u00e2tre des Champs-\u00c9lys\u00e9es"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Gioachino Rossini (1792-1868), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Francesco Berio di Salsa nach William Shakespeare, UA: 4. Dezember 1816 Neapel, Teatro del Fondo<\/p>\n<p>Regie: B\u00fchne: Moshe Leiser\/Patrice Caurier, B\u00fchne: Christian Fenouillat, Kost\u00fcme: Agostino Cavalca. Licht: Christiphe Forey<\/p>\n<p>Dirigent: Jean-Christophe Spinosi, Ensemble Matheus, Choeur du Th\u00e9\u00e2tre des Champs-Elys\u00e9es<\/p>\n<p>Solisten: John Osborn (Otello), Cecilia Bartoli (Desdemona), Edgardo Rocha (Rodrigo), Barry Banks (Iago), Peter K\u00e1lm\u00e1n (Elmiro), Liliana Nikiteanu (Emilia), Nicola Pamio (Der Doge), Enguerrand De Hys (Ein Gondolier)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 7. April 2014 (Premiere, Produktion des Opernhauses Z\u00fcrich)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/2014040504-23VP.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5622\" alt=\"OTELLO -\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/2014040504-23VP.jpg\" width=\"640\" height=\"432\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/2014040504-23VP.jpg 640w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/2014040504-23VP-300x202.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 640px) 100vw, 640px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Desdemona liebt Otello, den Afrikaner, der gerade f\u00fcr Venedig einen Sieg errungen hat. Doch Desdemonas Vater, Elmiro, lehnt Otello wegen seiner Hautfarbe ab. Er beschlie\u00dft, seine Tochter mit Rodrigo zu verm\u00e4hlen. Als Otello erscheint und um Desdemonas Hand bittet, enth\u00fcllt diese, da\u00df sie sich heimlich Otello versprochen hat und weigert sich, Rodrigo zu heiraten. Rodrigo schw\u00f6rt Otello zu t\u00f6ten. Jago macht Otello mit einem Brief und einer Haarlocke Desdemonas eifers\u00fcchtig indem er vorgibt, sie h\u00e4tte ihn Rodrigo geschickt. In Wirklichkeit ist es ein von Vater abgefangenen Brief seiner Tochter an Otello. Es kommt zum Zweikampf Rodrigos und Otellos. Desdemona schreitet ein. Elmiro erscheint, und es kommt zum endg\u00fctigen Bruch zwischen Vater und Tochter. Otello wird aus Venedig verbannt. Doch vorher t\u00f6tet er Desdemona aus Eifersucht in ihrem Schlafgemach. Nach einem Duell mit Rodrigo gesteht Jago sterbend seine Intrige. Rodrigo und Emiro sind zu sp\u00e4t bereit, in Desdemonas Verm\u00e4hlung mit Otello einzuwilligen. Otello gibt sich selbst den Tod.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Die Inszenierung Moshe Leisers und Patrice Cauriers und ihres Teams ist dezent und einfach: Ein fast leerer venezianischen Palast \u2013 Empfangssaal, Schlafzimmer, Abstellkammer \u2013 und Kost\u00fcme der heutigen Zeit (um 1960). Die Herren in Smoking oder Uniform, die Damen, Emilia in etwas saloppem Hosenanzug und Desdemona in schwarzem, enganliegendem Dreiviertel-Kleid oder in wei\u00dfer Unterw\u00e4sche (ein langes Abendkleid und langes Nachthemd w\u00e4ren vielleicht gef\u00e4lliger gewesen!).<\/p>\n<p>Desdemona ist hier nicht die reuige, gef\u00fcgige Tochter eines venezianischen Patriziers, sondern eine feministische Furie, die auf einem Billardtisch stehend, Bierflasche in der Hand, in einer leidenschaftlichen Cabaletta dem Vater ihre Wahrheiten ins Gesicht schleudert (Finale 2. Akt). Auch Otello ist nur sehr kurz der triumphierende Kriegsheld, bald aber nur mehr der unsichere, von Zweifeln und Eifersucht geplagte afrikanische Immigrant in einer rassistischen Gesellschaft. Das entspricht teilweise dem\u00a0 Textbuch, teilweise nicht. Die Choreographie ist gut. Alle Einzelheiten der Handlung sind wohl durchdacht und ausgearbeitet.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>F\u00fcr <b>Cecilia Bartoli<\/b> <i>ist Rossini immer mein Gesangslehrer gewesen. Meine Mutter und Rossini. Seine Technik, die Elastizit\u00e4t der Stimme, die er sucht, sind Elemente der stimmlichen Gesundheit. Er ist f\u00fcr S\u00e4nger ein guter Arzt. <\/i>(In <i>Classica<\/i>, April 2014).<\/p>\n<p>In dieser, einer der seltenen Auff\u00fchrungen einer <em>opera seria<\/em> von Rossini, hat sie ihrem Meister eine meisterhafte Huldigung dargebracht \u2013 durch eine Darbietung, in der ihr ganzes Wesen und ihr ganzes musikalisches und technisches K\u00f6nnen wie ein mitrei\u00dfendes Feuerwerk zum Ausdruck kommen. In der Weiden-Arie und dem anschlie\u00dfenden Gebet <i>Assisa a\u2019 pi\u00e8d\u2019un salice \u2013 am Fu\u00df einer Weide<\/i> <i>sitzend <\/i>und<i> Deh calma, o ciel \u2013 bes\u00e4nftige, o Himmel <\/i>(3. Akt, 1. und 2. Szene) gibt sie auch der lyrischen Seite ihrer Stimme Ausdruck. <b>John Osborn<\/b> ist mit kr\u00e4ftigem, auch in den hohen Lagen wohl abgerundetem Tenor eindruckvoll als der tragische Otello. <b>Edgardo Rochas<\/b> heller lyrischer Tenor kommt vor allem in den schwierigen Melismen des 2. Akts voll zur Geltung. <b>Barry Banks<\/b>\u00a0 ist mit hoher, manchmal etwas nasaler Tenorstimme der perfide Jago. <b>Peter K\u00e1lm\u00e1n<\/b> mit sch\u00f6n timbriertem Bariton als Elmiro und <b>Lialiana Nikiteanu<\/b> mit sanftem Mezzo als Emilia sowie <b>Nicola<\/b> <b>Pamio<\/b> als Doge vollenden das hervorragende Ensemble. Besonders im 2. Akt steigert sich die Dramatik in Musik und Handlung vom Duett Otello-Rodrigo <i>Rodrigo &#8230; e che mai brami?<\/i> <i>\u2013 Rodrigo \u2026 und was w\u00fcnschst du<\/i> (8. Szene) \u00fcber das Terzett mit Desdemona <i>Ahim\u00e8! Fermate, udite \u2013 Ach, haltet ein, h\u00f6rt&#8230;<\/i> (9. Szene) bis zum Finale des Aktes Desdemona-Emiro-Chor <i>Qual nuova a me recate? \u2013 Welche Neuigkeit bringt ihr? &#8230; <\/i><\/p>\n<p><b>Jean-Christophe Spinosi<\/b> dirigiert die Solisten, sein <i>Ensemble Matheus<\/i> und den Chor des Th\u00e9\u00e2tre des Champs Elys\u00e9es mit Energie und Hingabe.<\/p>\n<p><b>Fazit <\/b><\/p>\n<p>Es ist in dieser Auff\u00fchrung recht gut gelungen, ein Drama des 16. Jahrhunderts in unsere Zeit zu versetzen. Vor allem aber ist es gelungen, die technisch schwierigen Hauptrollen der Oper mit einer Primadonna und\u00a0 drei hervorragenden Ten\u00f6re zu besetzen. Das Ergebnis ist ein Feuerwerk der Musik und des K\u00f6nnens, das mit gro\u00dfem Beifall bedacht wurde.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Vincent PONTET\/WikiSpectacle<\/p>\n<p>Das Bild zeigt:\u00a0Cecilia Bartoli (Desdemona),\u00a0 John Osborn (Otello) re., Edgardo Rocha (Rodrigo) li.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 7. 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