{"id":5618,"date":"2014-04-07T22:00:21","date_gmt":"2014-04-07T21:00:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5618"},"modified":"2014-04-08T22:05:50","modified_gmt":"2014-04-08T21:05:50","slug":"the-rake%ca%bes-progress-die-karriere-eines-wuestlings-leipzig-oper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5618","title":{"rendered":"THE RAKE\u02beS PROGRESS \u2013 DIE KARRIERE EINES W\u00dcSTLINGS &#8211; Leipzig, Oper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Igor Strawinsky (1882-1971), Oper in drei Akten und einem Epilog Libretto: Wystan Hugh Auden und Chester Kallman nach William Hogarth. UA: 11. September 1951 Venedig, Teatro La Fenice<\/p>\n<p>Regie: Damiano Michieletto, B\u00fchne: Paolo Fantin, Kost\u00fcme: Carla Teti, Licht: Alessandro Carletti<\/p>\n<p>Dirigent: Anthony Bramall, Gewandhausorchester und Chor, Choreinstudierung: Alessandro Zuppardo<\/p>\n<p>Solisten: Marika Sch\u00f6nberg (Anne Trulove), Norman Reinhardt (Tom Rakewell), Tuomas Pursio (Nick Shadow), Karin Lovelius (Baba the Turk), Sandra Janke (Mother Goose), Dan Karlstr\u00f6m (Sellem), Milcho Borovinov (Trulove), Sejong Chang (W\u00e4rter)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung:\u00a0 5. April 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Leipzig-The-Rakes-Progressf.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5619\" alt=\"Leipzig The Rakes Progressf\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Leipzig-The-Rakes-Progressf.jpg\" width=\"638\" height=\"424\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Leipzig-The-Rakes-Progressf.jpg 638w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/04\/Leipzig-The-Rakes-Progressf-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 638px) 100vw, 638px\" \/><\/a>Kurzinhalt <\/b><\/p>\n<p>Die <i>Karriere eines W\u00fcstlings <\/i>erz\u00e4hlt vom Aufstieg und Fall des Tom Rakewell, eines Tunichtguts, der den Bund mit dem Teufel eingeht. Tom ist verlobt mit Anne Trulove und tr\u00e4umt von einem unbeschwerten Leben, das nicht den soliden Vorstellungen seines Schwiegervaters entspricht. Wie gerufen erscheint Nick Shadow, um zu verk\u00fcnden, da\u00df Tom ein betr\u00e4chtliches Verm\u00f6gen von einem unbekannten Onkel geerbt h\u00e4tte und sofort nach London reisen m\u00fcsse. Shadow stellt sich ihm als Diener zur Seite und macht ihn mit den Lastern des Gro\u00dfstadtlebens vertraut. Anne reist ihm nach und wird Zeugin seiner bevorstehenden Heirat mit der b\u00e4rtigen Jahrmarktssensation Baba. Tom verspekuliert nach und nach sein gesamtes Verm\u00f6gen, Shadow offenbart sich ihm als Mephisto und fordert Rakewells Seele als Lohn f\u00fcr seine Dienste. Noch einmal kann dieser sich durch den Gedanken an seine Liebe befreien; doch Shadow schl\u00e4gt ihn mit Wahnsinn; er endet im Irrenhaus und stirbt nach einem letzten Besuch von Anne.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung <\/b><\/p>\n<p>Das italienische Regieteam um <b>Damiano Michieletto<\/b> verlegt das urspr\u00fcnglich im 18. Jahrhundert angesiedelte Sittengem\u00e4lde in die heutige Zeit. Die Er\u00f6ffnungsszene in Truloves&#8216; Garten wird zum Schrebergartenidyll. Das zentrale Londoner B\u00fchnenbild besteht aus einem riesigen, blau gekachelten Gold-Pool, in dem die moderne Spa\u00dfgesellschaft sich zwischen Gummipuppen und Schwimmtieren allen Exzessen dieser Welt hingibt; im B\u00fchnenhimmel leuchten die Sieben Tods\u00fcnden (ohne den Geiz) in Neon-Reklame-Lettern. Die Kost\u00fcme f\u00fcgen sich in das grelle Ambiente: Lack, Leder, Strapse, Nadelstreifen und Trikots. Eine Moulin-Rouge-Kulisse, die sich schnell in Nichts aufl\u00f6st; die Leuchtreklame erlischt, der Swimmingpool, vermoost, wandelt sich zum finsteren Hinterhof und wird am Ende durch hochgefahrene W\u00e4nde zur beklemmenden Szenerie des Irrenhauses.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p><b>Das Gewandhausorchester<\/b> wird Strawinskys Hommage an Mozart, H\u00e4ndel und Purcell, vermischt mit Verdi und der Musiksprache des 19. Jahrhunderts, in all seinen Facetten gerecht. Geradezu traumwandlerisch f\u00fchrt <b>Anthony Bramall<\/b> durch diese neoklassizistische Partitur: energisch, aber mit verhaltenen Tempi und einer zur\u00fcckhaltenden Begleitung der Gesangssolisten. In den Orchesterintroduktionen der einzelnen Akte, den Belcanto-Passagen und pastoralen Szenen, in der Arien- und Rezitativbegleitung gestaltet Bramall einen berauschenden Strawinsky-Klang. <b>Marika Sch\u00f6nberg <\/b>singt und spielt die Rolle der treuen Anne Trulove ausdrucksvoll und intensiv in Farbe, Phrasierung und Tonmalerei. Sie trifft den Belcanto-Ton in <i>I go to him. <\/i><i>Love cannot falter \u2013 Ich gehe zu ihm. Liebe kann nicht wanken.<\/i> (Schlu\u00df 1. Akt) \u2013 auch wenn sie den eindringlichen Effekt des hohen C als Schlu\u00df von Arie und Akt verspielt \u2013 ebenso wie den Mozart-Klang und begegnet stilistisch uneinheitlichen Arien wie <i>Quietly night, O find him and caress \u2013 Still, du Nacht, ach finde und liebkose ihn <\/i>(3. Szene\/1. Akt) differenziert und vokal biegsam. Der britische Tenor <b>Norman Reinhardt<\/b> ist eine Idealbesetzung des Titelhelden. Ein Tom Rakewell, der ersch\u00fcttert. Reinhardts Stimme ist geschmeidig, fein gl\u00e4nzend und schmerzlich sch\u00f6n in <i>How dark and dreadful is this place \u2013 wie dunkel und furchtbar ist es hier<\/i>. Nicht minder eindrucksvoll verk\u00f6rpert <b>Tuomas Pursio<\/b> den Teufel mit stimmlicher Vitalit\u00e4t und l\u00e4ssiger Nonchalance. Er hinterl\u00e4\u00dft intensive Bilder als Teufelsgeiger, in Nebelschwaden tanzend. Die w\u00fctend punktierten Rhythmen zum H\u00f6hepunkt der Kartenspiel-Szene (3. Akt) entfaltet er kraftvoll und mit vibrierender Resonanz. Auch in den kleinen Rollen werden gro\u00dfe Stimmen aufgeboten: virtuos und farbenreich <b>Milcho Borovinov<\/b> (Trulove) als Ba\u00df, agil und rasant der Tenor <b>Dan Karlstr\u00f6m <\/b>(Sellem), <b>Sandra Janke<\/b> ist eine klangvolle Mother Goose. Mezzosopranistin <b>Karin Lovelius<\/b> singt die an sich spr\u00f6de, plappernde Rolle des androgynen T\u00fcrkenweibes nuancenreich, mit gekonnt falscher Stimme und sehr volumin\u00f6s. Der <b>Chor der Oper Leipzig<\/b> ist in jedem Akt eine Bereicherung, besonders eindrucksvoll in der finalen Szene der Anstalt.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Diese Produktion wurde vom Leipziger Publikum mit gro\u00dfer Begeisterung aufgenommen. Die drastische Parabel auf die heutige Spa\u00dfgesellschaft funktionierte einwandfrei und bescherte dem Publikum pralle Bilder und ersch\u00fctternde Momente. F\u00fcr musikalische H\u00f6hepunkte sorgte eine erstklassige S\u00e4ngerriege, die auch darstellerisch und dank einer stringenten Personenf\u00fchrung sehr \u00fcberzeugend war. Bramall und das Gewandhausorchester spielten gl\u00e4nzend, transparent und bis in die Instrumentalsoli ungeheuer eindrucksvoll. Trotz der sehr gewagten Adaption ist hier eine Symbiose von szenischem und musikalischem Konzept gelungen.<\/p>\n<p>Norma Strunden<\/p>\n<p>Bild: Kirsten Nijhof<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Tuomas Pursio (Nick Shadow) und Ensemble Oper Leipzig<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung:  5. April 2014 (Premiere), Das Gewandhausorchester wird Strawinskys Hommage an Mozart, H\u00e4ndel und Purcell, vermischt mit Verdi und der Musiksprache des 19. 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