{"id":561,"date":"2009-02-25T23:38:13","date_gmt":"2009-02-25T21:38:13","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=561"},"modified":"2009-02-26T23:56:14","modified_gmt":"2009-02-26T21:56:14","slug":"heidelberg-stadtische-buhne-goyescas-i-pagliacci-%e2%80%93-der-bajazzo","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=561","title":{"rendered":"Heidelberg, St\u00e4dtische B\u00fchne &#8211; GOYESCAS, I PAGLIACCI \u2013 DER BAJAZZO"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Enrique Granados (1867-1916), Libretto: Fernando Periquet, UA 1916, New York<br \/>\nRegie: Aron Stiehl, B\u00fchne: J\u00fcrgen Kirner, Kost\u00fcme: Viola Sch\u00fctze, Choreographie: Francisco Sanchez, Beleuchtung: Steff Fl\u00e4chsenhaar, in spanischer Sprache mit \u00dcbertitel<br \/>\nDirigent: Cornelius Meister, Philharmonisches Orchester, Chor und Extrachor, Einstudierung: Jan Schweiger,<br \/>\nSolisten: Silke Schwarz (Rosario), Emilio Pons (Fernando), Jana Kurucov\u00e1 (Pepa), Gabriel Urrutia Benet (Paquiro)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 21. Februar 2009 (Premiere; deutsche Erstauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/heidelberg-goyescas.jpg\" TITLE=\"heidelberg-goyescas.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/heidelberg-goyescas.jpg\" ALT=\"heidelberg-goyescas.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Die Madrider Majas und Majos (Volk\/Jugendliche) spielen Pelele (traditionelles Spiel mit einer Strohpuppe) und  tanzen ausgelassen. Als der Torero Paquiro dabei, sehr zum \u00c4rger seiner Pepa Rosario,  zum Laternenball am Abend einl\u00e4dt, reagiert ihr Geliebter Fernando eifers\u00fcchtig und wirft ihr zu Unrecht Untreue vor. Auf dem Ball sind Rosario und Fernando als Adlige unter dem einfachen Volk Au\u00dfenseiter. Paquiro fordert Rosario dennoch zum Tanz auf, woraufhin ihr Geliebter, wiederum von unbegr\u00fcndeter Eifersucht \u00fcbermannt, die Situation v\u00f6llig eskalieren l\u00e4sst \u2013  es kommt zur Herausforderung zum Duell mit Paquiro, in dem Fernando sein Leben l\u00e4\u00dft.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nUm der feurigen und bunten Musik \u2013 beeinflu\u00dft durch die Bilder Francisco Goyas \u2013 Platz zu lassen, ist die B\u00fchne umso schlichter gestaltet: filigrane, wei\u00dfe Streben teilen den Raum in vier Abteilungen, in jeder davon waltet einer der Protagonisten. Es wird so die Unm\u00f6glichkeit des Zusammenkommens der Figuren symbolisiert. Eine gute Idee, die durch mangelnde Aktion auf der B\u00fchne aber teilweise langweilen konnte. Ganz im Stile Goyas waren die farbenpr\u00e4chtigen und traditionellen Kost\u00fcme gestaltet (Paquiro nat\u00fcrlich als Torero erkennbar), der Chor dagegen in Graut\u00f6nen gehalten. Auch ein Gem\u00e4lde des Malers war als Requisite in die Handlung miteingebunden, offenbarte aber \u2013 ebenso wie ein blinder Spiegel im Vordergrund und Bilder zuschauender Augen im Hintergrund der B\u00fchne \u2013 bis zum Schlu\u00df nicht seinen symbolischen Sinn.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nW\u00e4hrend<strong> Silke Schwarz<\/strong> (Rosario) im ersten Bild der Oper etwas bla\u00df ausfiel und den Eindruck vermittelte, die Stimmlage ihrer Rolle sei zu tief angesetzt, entwickelte die Sopranistin bis zu ihrer wunderbar interpretierten Nachtigallarie im dritten Bild eine kernige Stimme, die in allen Tonlagen wunderbar zur farbenfrohen Musik harmonierte. <strong>Jana Kurucov\u00e1<\/strong> (Pepa) schaffte es dagegen nicht, sich dem zur\u00fcckgenommenen, nicht allzu vibratolastigen Gesangstil anzupassen und wirkte phasenweise als eifers\u00fcchtige Pepa zu albern und eingebildet. <strong>Gabriel Urrutia Benet<\/strong> (Paquiro) verk\u00f6rperte mit dr\u00f6hnendem und sicher gef\u00fchrtem Bariton einen stimmigen Torero \u2013 man merkte dem S\u00e4nger seine spanische Herkunft an. <strong>Emilio Pons <\/strong>(Fernando) wirkte in seiner Rolle teilweise etwas verloren, was aber an der Inszenierung liegen mag. Dennoch schmeichelte er mit einem warmen Timbre, das von w\u00fctend\/eifers\u00fcchtig zu melancholisch\/todess\u00fcchtig viele Facetten zu bieten hatte. Besonders gelobt werden mu\u00df unbedingt der von <strong>Jan Schweiger<\/strong> einstudierte <strong>Opernchor<\/strong>, welcher musikalische und sprachliche Schwierigkeiten (nach einigen Unstimmigkeiten mit dem Orchester zu Beginn) t\u00e4nzerisch leicht einerseits, aber auch kraftvoll und fr\u00f6hlich andererseits meisterte. Dem <strong>Orchester<\/strong> h\u00f6rte man an der leuchtenden Besetzung an, da\u00df sein Dirigent sich eingehend mit der Partitur und der urspr\u00fcnglichen Klavierfassung besch\u00e4ftigt hat.<\/p>\n<p><strong>I PAGLIACCI \u2013 DER BAJAZZO<\/strong><\/p>\n<blockquote><p>von Ruggero Leoncavallo (1857-1919), Libretto: Ruggero Leoncavallo, UA 1892, Mailand<br \/>\nRegie: Aron Stiehl, B\u00fchnenbild: J\u00fcrgen Kirner, Choreographie: Francisco Sanchez, Kost\u00fcme: Viola Sch\u00fctze, Beleuchtung: Steff Fl\u00e4chsenhaar; Dramaturg: Ulrich Volz, Dirigent: Cornelius Meister, Orchester: Philharmonisches Orchestre, Opernchor, Extrachor und Kinderchor des Theaters, in italienischer Sprache mit \u00dcbertitel<br \/>\nSolisten: Silke Schwarz (Nedda), Winfrid Mikus (Canio), Emilio Pons (Beppo), Gabriel Urrutia Benet (Tonio), Sebastian Geyer (Silvio)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 21. Februar2009 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/heidelberg-bajazzo.jpg\" TITLE=\"heidelberg-bajazzo.jpg\"><img SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/heidelberg-bajazzo.jpg\" ALT=\"heidelberg-bajazzo.jpg\" ALIGN=\"right\" \/><\/a>Canio entdeckt, da\u00df seine Frau Nedda ihn betr\u00fcgt. Er will den Namen ihres vermeintlichen Freundes aus ihr herauspressen. Doch beide m\u00fcssen auf die B\u00fchne, da die Auff\u00fchrung Der Bajazzo beginnt. Im St\u00fcck stellt Canio den betrogenen Ehemann Bajazzo dar. Auf der B\u00fchne spielt Canio demnach die eben erlebte Auseinandersetzung mit Nedda nach. Dabei fordert er von Colombine\/Nedda den Namen ihres Liebhabers. Als Nedda sich weigert, f\u00e4llt Canio im wahrsten Sinne des Wortes aus der Rolle und t\u00f6tet Nedda auf offener B\u00fchne.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDas B\u00fchnenbild der Inszenierung verk\u00f6rpert ganz das <em>Theater im Theater<\/em>: Im ersten Akt sind der B\u00fchneneingang und ein leerer Theatersaal die Schaupl\u00e4tze, im zweiten Akt ist auf der linken B\u00fchnenh\u00e4lfte ein Theaterpublikum zu sehen, das wiederum selbst einem Spiel des Theaterensembles um Canio folgt, welches auf der rechten Seite stattfindet. Die Kost\u00fcme sind im Stile der Kultsendung <em>Klimbim <\/em>aus den 1970er Jahren gehalten. Eine Idee, die mit Pelzm\u00e4nteln und Gummistiefeln h\u00fcbsch und mit Liebe zum Detail durchgef\u00fchrt wurde. \u00dcberhaupt lassen viele witzige Kleinigkeiten die Auff\u00fchrung zum einzigartigen Genu\u00df werden: ein Chor, der als kreischende Fanmasse Handyfotos von den Stars des Ensembles schie\u00dft ebenso wie der verspielte Kinderchor oder ein Arlecchino in Superman-Unterw\u00e4sche.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\n<strong>Gabriel Urrutia Bennet<\/strong> (Tonio) er\u00f6ffnete auf wunderbar ironische und clowneske Weise die zweite H\u00e4lfte des Abends und begeisterte mit einer meisterhaft zwischen Schmeichelei und Rachelust changierenden, messerscharfen Stimme. <strong>Silke Schwarz <\/strong>(Nedda) verk\u00f6rperte mit mal divenhaften, mal unschuldigem, immer sehr kernigem Timbre eine ungl\u00fcckliche Nedda, die mit ihrer luftig-leichten, sehnsuchtsvollen Vogelarie fast zu Tr\u00e4nen r\u00fchrte. <strong>Emilio Pons <\/strong>(Beppo) steckte den Zuh\u00f6rer vor allem mit seinem St\u00fcck <em>O Colombina <\/em>als Arlecchino leidenschaftlich an, das er mit weichem, angenehmem Timbre schwungvoll und mitrei\u00dfend interpretierte. <strong>Sebastian Geyer<\/strong> (Silvio) wirkte neben den anderen Protagonisten unscheinbar: Beim Singen legte er jede Art von Mimik ab und hatte keine Eigeninterpretation oder individuelle Stimmfarbe zu bieten. <strong>Winfrid Mikus<\/strong> (Canio) war seine Rolle geradezu auf den Leib geschneidert, man sah den leibhaftigen Canio vor sich. Sowohl mit polterndem, brutalen Gehabe \u00fcberzeugte er wie auch mit volumin\u00f6ser, sicher gef\u00fchrter und schillernder Tenorstimme, die keinen Widerspruch duldete.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEin ungew\u00f6hnlicher, wunderbarer Premierenabend, an dem man gar nicht merkt, da\u00df zwei Opern auf dem Programm stehen, so kurzweilig einerseits und gut aufeinander abgestimmt andererseits sind diese beiden Werke in der Heidelberger Inszenierung. Das Publikum dankt mit nicht enden wollendem Applaus.<\/p>\n<p>Leonore Kratz<\/p>\n<p>Bilder: Markus Kaesler<br \/>\nDie Bilder zeigen   Paquiro und Fernando (Goyescas) bzw. Nedda, Beppo, Tonio und Canio (Der Bajazzo).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Enrique Granados (1867-1916), Libretto: Fernando Periquet, UA 1916, New York Regie: Aron Stiehl, B\u00fchne: J\u00fcrgen Kirner, Kost\u00fcme: Viola Sch\u00fctze, Choreographie: Francisco Sanchez, Beleuchtung: Steff Fl\u00e4chsenhaar, in spanischer Sprache mit \u00dcbertitel Dirigent: Cornelius Meister, Philharmonisches Orchester, Chor und Extrachor, Einstudierung:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=561\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[90,1],"tags":[],"class_list":["post-561","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-heidelberg-stadtische-buhne","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/561","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=561"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/561\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=561"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=561"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=561"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}