{"id":5609,"date":"2014-03-16T09:44:35","date_gmt":"2014-03-16T08:44:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5609"},"modified":"2014-03-31T09:49:22","modified_gmt":"2014-03-31T08:49:22","slug":"aufstieg-und-fall-der-stadt-mahagonny-hof-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5609","title":{"rendered":"AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY &#8211; Hof, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Kurt Weill (1900-1950), Oper in drei Akten, Libretto: Bertolt Brecht, UA: 9. M\u00e4rz 1930 Leipzig, Neues Theater<\/p>\n<p>Regie: Peter Kupke, B\u00fchne: Peter Schulz, Kost\u00fcme: Susanne Suhr<\/p>\n<p>Dirigent: Ivo Hentschel, Hofer Symphoniker, Opernchor und Extrachor, Choreinstudierung: Cornelius Volke<\/p>\n<p>Solisten: Stefanie Rhaue (Leokadja Begbick), Karsten Jesgarz (Fatty, Prokurist), Jens Waldig (Dreieinigkeitsmoses), Inga Lisa Lehr (Jenny Hill), Brenden Patrick Gunnell (Jim Mahoney), Mathias Frey (Jack O\u2019Brien), Birger Radde (Bill, genannt Sparb\u00fcchsenbill), Hyung-Wok Lee (Joe, genannt Alaskawolfjoe), Mathias Frey (Tobby Higgins)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. M\u00e4rz 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Hof-Mahagonny.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5610\" alt=\"Hof Mahagonny\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Hof-Mahagonny.jpg\" width=\"673\" height=\"445\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Hof-Mahagonny.jpg 673w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Hof-Mahagonny-300x198.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 673px) 100vw, 673px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Die Witwe Begbick, Fatty und Dreieinigkeitsmoses sind in der W\u00fcste auf der Flucht vor den Konstablern liegen geblieben und gr\u00fcnden dort die Stadt Mahagonny, in der alle Bed\u00fcrfnisse befriedigt werden. Seit Jenny mit sechs leichten M\u00e4dchen dazugekommen ist, str\u00f6men zuerst die Goldsucher, dann auch vier Holzf\u00e4ller aus Alaska herbei: Jim, Jack, Bill und Joe. Jim kauft sich Jenny, aber die Preise fallen, die Menschen wollen Mahagonny verlassen. Da n\u00e4hert sich ein Hurrikan, verschont aber im letzten Moment die Stadt.<\/p>\n<p>Jim formuliert das neue Gesetz: <i>Du darfst Alles!<\/i> Jack fri\u00dft sich zu Tode, Dreieinigkeitsmoses pr\u00fcgelt Joe im Boxring zu Tode. Jim verliert bei dieser Boxwette all sein Geld und kann das folgende Saufgelage nicht bezahlen. W\u00e4hrend der M\u00f6rder Higgins vor Gericht nach einer Zahlung freigesprochen wird, wird Jim zum Tode verurteilt, da das schlimmste Verbrechen in Mahagonny ist, kein Geld zu haben! Das z\u00fcgellose Leben steigert sich, es kommt zu Tumulten gegen steigende Preise. Der Fall von Mahagonny ist nicht aufzuhalten.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Ein einfaches B\u00fchnenbild wird hier verwendet: Drei schmucklose Geb\u00e4udefronten bilden den Abschlu\u00df nach den Seiten und den Hintergrund, eine Rampe f\u00fchrt rechts zu einer Art Empore vor dem rechten Geb\u00e4ude. So entsteht eine gro\u00dfe, leere Spielfl\u00e4che, die immer wieder umgebaut wird. Mit wenigen Gegenst\u00e4nden wird der Charakter des B\u00fchnenbilds bestimmt. So werden f\u00fcr die Verhandlung vor Gericht lediglich drei Stehpulte f\u00fcr die Richter in schwarzen Roben und ein K\u00e4fig f\u00fcr den Angeklagten aufgebaut.\u00a0 Die halbhohe Brecht-Gardine, die immer wieder von Personal auf- und zugezogen wird, verdeckt die Umbauten auf der B\u00fchne nur teilweise, ist eigentlich nur ein Zitat, erf\u00fcllt so den Gedanken Brechts nicht. Die dezent gehaltene Garderobe erinnert an die 1930er Jahre in USA oder Europa.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger-Orchester<\/b><\/p>\n<p>Dem Dirigenten<b> Ivo Hentschel <\/b>gelingt der mehr als beeindruckende Nachweis, da\u00df diese Oper mehr ist als nur eine Jazz-Oper. Vielmehr sieht er sie als eine gro\u00dfe Oper aus den 1920er Jahren, die ihre Jazz-Elemente als gesellschaftskritische Gegenpole einsetzt. Traumhaft sicher f\u00fchrt er dabei das Orchester durch Weils schwierige Klangwelten und l\u00e4\u00dft die vielen musikalischen Zitate wie Bachs Oratorien h\u00f6rbar herauskristallisieren.<\/p>\n<p>Ihm zur Seite stehen gut aufeinander abgestimmte Solisten, an der Spitze <b>Stefanie Rhaue<\/b>, die als Mezzo des Hauses mit ihrer dunkel timbrierten kr\u00e4ftigen Stimme eine sehr resolute Begbick Kontur verleiht. <b>Karsten Jesgarz<\/b> gestaltet, als beweglicher Spieltenor, den Fatty als dynamischen Lebensmann und ist eine genauso sichere Bank wie <b>Jens Waldig<\/b>, der mit treffsicheren und durchschlagsstarken Bariton einen etwas tumben Schl\u00e4ger Dreieinigkeitsmoses abgibt. <b>Inga Lisa Lehr<\/b> verk\u00f6rpert am Haus die liebenswerte, jugendlich naive Operettensoubrette und gibt der Jenny einen Jungm\u00e4dchen-Charme und nichts Verruchtes. Dabei st\u00f6\u00dft sie an ihre stimmlichen Grenzen und ist wegen Tremolierens selten wortverst\u00e4ndlich. <b>Brenden Patrick Gunnell<\/b> ist ein durchschlagsstarker Tenor mit klarer H\u00f6he und manchmal etwas nasalem Klang. Er r\u00fcckt die Rolle des Jim Mahoney in den Bereich der gescheiterten Helden Richard Wagners. Gut entwickelt hat sich <b>Mathias Frey<\/b> in der Doppelrolle als Jack und Tobby, der als lyrischer Tenor sicherlich eine Zukunft hat. <b>Birger Radde<\/b> ist als Bill ein durchschlagsstarker Bariton, der trotzdem noch Raum f\u00fcr Gef\u00fchl und W\u00e4rme hat, <b>Hyung-Wok Lee<\/b> hat einen sicheren Ba\u00df mit gro\u00dfer Tiefe und gibt dem Joe als Boxopfer einen w\u00fcrdigen Abgang.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Das war jetzt \u201eBrechts Episches Theater\u201c? Die Frage der Dame einen Platz weiter ist berechtigt, denn moralische Abgr\u00fcnde und soziale Mi\u00dfst\u00e4nde kommen in diesem St\u00fcck nicht vor: Keine Huren, sondern eher ein Damenkr\u00e4nzchen, keine Saufgelage, Jack \u00fcberfri\u00dft sich an zwei Terrinen in einem vornehmen Lokal und auch das Ende Mahagonnys in Chaos und Feuerbrand wird durch einen Ehrenchor w\u00e4hrend der Beerdigung Jims konterkariert. Vielleicht meint der Berliner Brecht-Spezialist Peter Kupke dem Hofer Publikum nichts zumuten zu d\u00fcrfen, er pr\u00e4sentiert ein harmlos nettes Singspiel in Kost\u00fcmen der der Urauff\u00fchrungszeit. Die heftigen Publikumsreaktionen w\u00e4hrend der Urauff\u00fchrung 1930 kann man nicht nachvollziehen. Auch w\u00e4re eine \u00dcbertitelung sehr hilfreich gewesen, denn teilweise wird sehr undeutlich artikuliert. So feiert das Publikum haupts\u00e4chlich und zu recht die musikalische Leistung des Ensembles sehr lange und lautstark.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Harald Dietz, SFF Fotodesign, Hof<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Karsten Jesgarz (Fatty, der \u201eProkurist\u201c), Jens Waldig (Dreieinigkeitsmoses), Brenden Patrick Gunnell (Jim Mahoney), Hyung Wook Lee (Joe, genannt Alaskawolfjoe), Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. 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