{"id":5577,"date":"2014-03-21T19:42:33","date_gmt":"2014-03-21T18:42:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5577"},"modified":"2014-03-23T10:03:32","modified_gmt":"2014-03-23T09:03:32","slug":"platee-paris-opera-comique","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5577","title":{"rendered":"PLAT\u00c9E &#8211; Paris, Op\u00e9ra Comique"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jean Philippe Rameau (1683-1764), Ballet bouffon (com\u00e9die lyrique) in drei Akten mit einem Prolog, Libretto: Adrien-Joseph le Valois d\u2019Orville, UA: 31. M\u00e4rz 1745 Versailles, Grand Man\u00e8ge (4. Februar Paris, 1749, Acad\u00e9mie de Musique)<\/p>\n<p>Regie: Robert Carsen, B\u00fchne und Kost\u00fcme: Gideon Davey, Licht: Robert Carsen und Peter Praet, Choreographie: Nicolas Paul, Dramaturgie: Ian Burton<\/p>\n<p>Dirigent: Paul Agnew, <i>Les Arts Florissants<\/i> und Chor<\/p>\n<p>Solisten: Marcel Beekman (Plat\u00e9e), Simone Kermes (La Folie), Virginie Thomas (Thalia), Cyril Auvity (Merkur, Thespis), Emmanuelle de Negri (Clarine, Amor), Edwin Crossley-Mercer (Jupiter), Jo\u00e3o Fernandes (Momus), Marc Mauillon (Citheron, Momus des Prologs), Emilie Renard (Juno), T\u00e4nzer und Statisten<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 20. M\u00e4rz 2014 (Premiere), Koproduktion mit dem Theater an der Wien<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Paris-Platee.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5578\" alt=\"Paris Platee\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Paris-Platee.jpg\" width=\"667\" height=\"438\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Paris-Platee.jpg 667w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Paris-Platee-300x197.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 667px) 100vw, 667px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Wir sind im Jahre 1745, noch im Zeitalter der Barockoper, aber in Frankreich hat sich die Musik, nicht zuletzt durch Rameaus Erneuerungen, von den strengen Riten eines Lully und Louis XIV weitgehend gel\u00f6st, ist freier geworden. <i>Rameau ist der vielseitigste, produktivste und kl\u00fcgste Kopf unter den franz\u00f6sischen Musikern seines Zeitalters, als Komponist der bedeutendste seiner Generation. Findet auch keine seiner Opern Aufnahme im Ausland, so wirkt doch kein anderer franz\u00f6sischer Musiker des 18. Jahrhunderts, ausgenommen vielleicht <\/i><i>Andr\u00e9-Ernest-Modeste Gr\u00e9try<\/i><i>, so \u00fcber die Grenzen Frankreichs hinaus<\/i>, Arnold Feil in Metzler Musik.<\/p>\n<p>Dar\u00fcber hinaus ist Rameau ein Satiriker, ein Mann von z\u00fcgellosem Humor und diesem Charakterzug verdanken wir ein Unikum in der Musikgeschichte: die Oper <i>Plat\u00e9e<\/i>. F\u00fcr die Hochzeit des Dauphin geschrieben, (was f\u00fcr eine Thema f\u00fcr eine Hochzeit!), wird sie in Versailles als \u201egeschmacklos\u201c abgelehnt, erf\u00e4hrt aber vier Jahre sp\u00e4ter in der Acad\u00e9mie Royale de Musique in Paris einen regelrechten Triumph, und tr\u00e4gt damit viel dazu bei, da\u00df diese komische Oper immer h\u00e4ufiger in diesem strengen Tempel der Trag\u00f6die (Acad\u00e9mie Royale)<i> <\/i>Einla\u00df findet.\u00a0<strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Im Prolog, nach einem ausgiebigen Bacchanale, beschlie\u00dfen Thespis, Thalia und Momus eine Satire der G\u00f6tter und Menschen zu spielen und w\u00e4hlen dazu das Thema, wie Jupiter es anstellen soll, die ihn mit ihrer ewigen Eifersucht verfolgende Juno davon zu heilen: Jupiter soll vorgeben, sich in die t\u00f6richte, h\u00e4\u00dfliche Nymphe Plat\u00e9e zu verlieben, die dennoch davon \u00fcberzeugt ist, da\u00df alle M\u00e4nner ihr nachstellen. Wenn Juno dann das unwahrscheinliche Liebespaar \u00fcberrascht, w\u00fcrde sie einsehen, wie sinnlos ihre Eifersucht sei. Sie w\u00fcrde dann aufh\u00f6ren ihrem Mann nachzuspionieren.<\/p>\n<p>Plat\u00e9e, von Merkur \u00fcber Jupiters Liebe zu ihr unterrichtet, wartet ungeduldig auf den G\u00f6ttervater. Nach einigen Verkleidungen erscheint Jupiter in voller Herrlichkeit, umgeben von seinen Freunden, die Plat\u00e9e bewundernd huldigen, sich aber insgeheim \u00fcber sie lustig machen. Auch La Folie erscheint und unterh\u00e4lt die Versammelten mit ihren Geschichten. Plat\u00e9e ist au\u00dfer sich vor Freude. Da Amor an der Groteske nicht teilnehmen wollte, mu\u00df Mumus sich als Amor verkleiden. Gerade als Jupiter und Plat\u00e9e sich auf ihr \u201eHochzeitslager\u201c zur\u00fcckziehen wollen, erscheint die bestellte Juno, bricht beim Anblick der \u201eBraut\u201c in helles Gel\u00e4chter aus. Der Sch\u00fcrzenj\u00e4ger Jupiter und Juno vers\u00f6hnen sich. In der allgemeinen Heiterkeit bleibt Plat\u00e9e hilflos, entt\u00e4uscht und gedem\u00fctigt allein zur\u00fcck. Ein groteskes, grausames Ende.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Robert Carsen hat die Satire in die heutige Zeit versetzt. Der Prolog spielt in einem Nachtclub mit der \u00fcblichen Spiegelkugel am Plafon und rundherum Staniolpapierstreifen-Vorh\u00e4nge, die sich im Luftzug bewegen und alles Licht wiederspiegeln. Eine fr\u00f6hliche Menge, trinkt, tanzt und vergn\u00fcgt sich in altgriechischen Gew\u00e4ndern wie bei einem Maskenball.<\/p>\n<p>Im folgenden spielt die Handlung im Milieu der <i>Haute Couture<\/i>, welche ein Grand Hotel bev\u00f6lkert. Erst im Speisesaal, dann im Prunksaal und zuletzt in der Hochzeitssuite. Alles ist in einer <i>Art d\u00e9co<\/i> Stil gehalten. Die Kost\u00fcme ebenso verschiedenartig wie extravagant, das ergibt eine\u00a0 wogende bunte Menge. Eine richtiggehende Modenschau l\u00e4uft ab, als\u00a0 im zweiten Akt die verschiedenen Verwandlungen des Jupiter als Gladiator, als V\u00f6gel aller Art usf. und als zuletzt im Hochzeitkleid vorbeiziehen. Im dritten Akt sieht man auf dem gro\u00dfen Bildschirm eine phantastische Modenschau in der Hochzeitssuite .<\/p>\n<p>Um das Modeelement noch weiter zu unterstreichen, erscheint Jupiter mit Frackjacke und engen, schwarzen, ledernen Hosen, eine wei\u00dfe Angorakatze im Arm, Abbild Karl Lagerfelds. Merkur ist ein, manchmal etwas \u00fcberforderter, Hoteldirektor Citheron. Der beflissene Barman, will es all seinen verw\u00f6hnten Kunden recht machen. Aber auf der Theke sich von Plat\u00e9e vergewaltigen lassen will er nicht. Die nymphomane Plat\u00e9e ist hinrei\u00dfend t\u00f6richt und h\u00e4\u00dflich und l\u00e4cherlich, wenn auch in ihrer Eitelkeit von Gegenteil \u00fcberzeugt. Juno ist eine <i>matter-of-fact-no-monkey-busniness<\/i>-Dame in Coco-Chanel Kost\u00fcm. La Folie repr\u00e4sentiert den gefeierten Rockstar des Hochzeitsfestes.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Oper steht und f\u00e4llt mit der Rolle der Plat\u00e9e, die <strong>Marcel Beekman<\/strong> mit unwiderstehlicher Komik und gro\u00dfer Musikalit\u00e4t ausf\u00fcllt, ein wahrer Marathon. Bisweilen tut er mit vollendeter Stimmtechnik seinem hohen wohlklingenden Tenor (t\u00e9nor \u00e0 la fran\u00e7aise) Gewalt an, l\u00e4\u00dft ihn gequetscht oder \u00fcbernasal klingen, um die L\u00e4cherlichkeit der Rolle zu unterstreichen. Auffallend bei ihm, wie bei allen Solisten, ist die ausgezeichnete Diktion. Als La Folie in extravaganten Kost\u00fcmen und mit entsprechender Mimik spielt und singt <strong>Simone Kermes<\/strong> mit ihrer reichen Sopranstimme, die beiden einzigen wirklichen Arien der Oper, wahre Bravourarien mit endlosen Koloraturen, auch in den Spitzent\u00f6nen vollendet kontrolliert. Diese Bravourarien sind in Wirklichkeit Rameaus Parodie der damals exzessiv virtuosen italienischen Oper. <strong>Ceryl Auvity<\/strong> entledigt sich seiner Rolle als Merkur und Hoteldirektor, (auch Thespis im Prolog), mit heller, fast beschw\u00f6render Contratenor-Stimme. <strong>Marc Mauillon <\/strong>ist sein treuer Barmann Citheron mit sch\u00f6n timbriertem Bariton. Der volle, warme Ba\u00dfbariton <strong>Edwin Crosslex-Mercers<\/strong> macht ihn zu einem w\u00fcrdigen Jupiter. Mit allen \u00fcbrigen Solisten, dem Chor, den T\u00e4nzern und Statisten ergibt das ein eindrucksvolles, unglaublich energiegeladenes, schwungvolles Ensemble, das choreographisch vorbildlich koordiniert ist, wobei die Regie f\u00fcr S\u00e4nger und Schauspieler bis ins einzelne Detail humorvoll ausgekl\u00fcgelt ist.<\/p>\n<p>Schon das Finale des Prologs ist eine eindruckvolle Szene des Zusammenwirkens von Orchester, Solisten, Chor, T\u00e4nzern und Statisten. Es folgen viele andere. Die modernen Tanzeinlagen sind in den meisten F\u00e4llen gut auf das Geschehen abgestimmt.<\/p>\n<p><strong>Paul Agnew<\/strong>, der f\u00fcr den genesenden William Christie hatte einspringen m\u00fcssen, dirigiert dieses vielk\u00f6pfige Ensemble und die sich in Rythmen und <i>tempi<\/i> \u00fcberschlagende Partitur mit ihren programmusikalischen Elementen mit gro\u00dfem K\u00f6nnen. Chor und Orchester der <i>Arts Florissants<\/i> halten sich, wie immer, vorbildlich, zumal Rameau seit Jahrzehnten zum ihrem Spezialrepertoire geh\u00f6rt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Die Oper ist ein fabelhafter Klamauk und war es wohl schon zu Zeiten Rameaus. Offensichtlich liegt dieses Thema Robert Carsen mehr als das der <i>Zauberfl\u00f6te<\/i> (vgl. Besprechung vom 17. 3. 2014). Nur die minimal gekleidetete <i>Plat\u00e9e<\/i> in der Schlu\u00dfszene ist nicht nur grotesk, sondern richtig peinlich\u00a0 und f\u00e4llt aus dem sonstigen \u00e4sthetischen Rahmen. Schade, denn sonst ist es eine der witzigsten und best gelungensten modernen Anpassungen einer Barockoper seit David McVicars legend\u00e4rer <i>Agrippina <\/i>Inszenierung<i>. <\/i>Dennoch w\u00e4re es vielleicht f\u00fcr das Aufrechterhalten der Spannung von Vorteil gewesen, die eine oder andere der Balleteinlagen im dritten Akt zu streichen und damit die Oper etwas zu verk\u00fcrzen.<\/p>\n<p>Diese Neu-Inzenierung von <i>Plat\u00e9e<\/i>, die schon im Theater an der Wien in \u00d6sterreich Triumphe gefeiert hat, wurde auch in Paris mit Begeisterung aufgenommen. Und geht danach weiter nach New York. Auch dem im Publikum anwesenden William Christie wurde Beifall gezollt.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Monika Rittershaus (Aufnahme aus dem Theater an der Wien)<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Cyril Auvity (Mercure), Marcel Beekman (Plat\u00e9e), Edwin Crossley-Mercer (Jupiter), Marc Mauillon (Cith\u00e9ron), Jo\u00e3o Fernandes (Mommuss) und\u00a0 A. Schoenberg Chor<strong><br \/>\n<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 20. 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