{"id":5560,"date":"2014-01-10T19:38:15","date_gmt":"2014-01-10T18:38:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5560"},"modified":"2014-03-12T19:45:40","modified_gmt":"2014-03-12T18:45:40","slug":"tiroler-festspiele-winter-2014-erl","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5560","title":{"rendered":"Tiroler Festspiele Winter 2014, Erl"},"content":{"rendered":"<blockquote><p><b><i>Don Giovanni<\/i><\/b><\/p>\n<p>von W.A. Mozart (1756-1791), Dramma giocoso in zwei Akten, Libretto: Lorenzo da Ponte, UA: 1787, Prager Fassung<\/p>\n<p>Solisten: Lucio Gallo (Don Giovanni), Yasushi Hirano (Leporello), Johannes Schmidt (Il Commendatore), Anna Princeva (Donna Anna), Ferdinand von Bothmer (Don Ottavio), Sabina von Walther (Donna Elvira), Sophie Gordeladze (Zerlina), Frederik Baldus (Masetto)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 3. Januar 2013<\/p>\n<p><b><i>Tosca<\/i><\/b><\/p>\n<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Libretto: Giuseppe Giacosa und Luigi Illica, nach dem Schauspiel von Victorien Sardou; UA: 14. Januar 1900 Rom, Teatro Costanzi<\/p>\n<p>Solisten: Rossana Potenza (Floria Tosca), Bruno Ribeiro (Mario Cavaradossi), Giulio Boschetti (Baron Scarpia), Julian Orlishausen (Cesare Angelotti), Oliviero Giorgiutti (Mesner), Silvano Paolillo (Spoletta), Nicola Ziccardi (Sciarrone), Ezio Maria Tisi (Schlie\u00dfer), Maria Ladurner (Hirt)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. Januar 2013<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Erl-DonGiovanni.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5561\" alt=\"Erl DonGiovanni\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Erl-DonGiovanni.jpg\" width=\"666\" height=\"444\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Erl-DonGiovanni.jpg 666w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Erl-DonGiovanni-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 666px) 100vw, 666px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/b><\/p>\n<p>Im Winter 2013\/2014 finden zum zweiten Mal die Winter-Festspiele statt. Zu diesem Zweck wurde ein beheizbares Festspielhaus, als Pendant zum Passionsspielhaus, errichtet, das im Sommer weiter genutzt wird. Im Festspielhaus befinden sich auch die Arbeits- und Produktionsr\u00e4ume. Weitere R\u00e4ume befinden sich auf dem neu errichteten, kostenlosen Parkhaus, das auf vier Parkebenen die Parksituation in Erl entspannt.<\/p>\n<p>Beide H\u00e4user stehen wie eine Trutzburg an den Hang geklebt auf der gr\u00fcnen Wiese. Die Gastronomie ist einfach, aber gut, ein Champagner-Publikum findet sich hier nicht ein. Gefeiert wird im Anschlu\u00df in den Restaurants in Erl und Umkreis. Ein Shuttleservice in die n\u00e4here Umgebung oder bis nach M\u00fcnchen oder Salzburg entspannt die Verkehrssituation. Der steil ansteigende Zuschauerraum des Festspielhauses fa\u00dft 732 Zuh\u00f6rer, die Akustik tendiert zu einer \u00dcberakustik: Es ist zwar manchmal etwas zu laut, hingegen ist jede Gesangsphrase h\u00f6rbar, ist jedes Wort zu verstehen. F\u00fcr Konzerte wird der Orchestergraben nach oben gefahren, dann ergibt sich eine ideal auf das Orchester abgestimmte Akustik. B\u00fchnentechnik wie Hubpodien oder Versenkungen gibt es nicht, der Personalstamm f\u00fcr Technik und Beleuchtung l\u00e4\u00dft sich an zwei H\u00e4nden abz\u00e4hlen: Die Personalkosten werden Erl wohl nicht davonlaufen.<\/p>\n<p><b>Auf<\/b><b>f\u00fchrung, S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Ein Markenzeichen in Erl: Die Inszenierungen sind schlicht und einfach, verzichten auf Effekte oder sinnlose Regieeinf\u00e4lle. Somit wird, mit solider Personenregie, die Handlung entlang der Vorgaben des Komponisten erz\u00e4hlt. Daraus folgt, da\u00df die Musik unter <b>Gustav Kuhn<\/b> mit seinem <b>Orchester<\/b> <b>Accademia di Montegral<\/b> und der <b>Chorakademie der Tiroler Festspiele Erl<\/b> die erste Geige spielt.<\/p>\n<p>Die Klangfarben sind beeindruckend vielf\u00e4ltig und unter Kuhn entsteht unter den optimalen Bedingungen der Akustik des neuen Festspielhauses ein unvergleichlicher weicher romantischer Klang, der sich quasi zu einer Hausmarke von Erl entwickelt hat. Erfolgreich auch die Zusammenarbeit mit dem Chor. Zwar wirkt der Chor etwas statisch und die breite Aufstellung quer \u00fcber die B\u00fchne f\u00fchrt manchmal dazu, da\u00df ab und an Stimmgruppen dominieren, oder Abstimmungsprobleme zwischen Chor, Orchester und Solisten h\u00f6rbar werden. Das Klangerlebnis mit dem Chor \u2013 besonders mit dem T\u00f6lzer Knabenchor in der <i>Tosca<\/i> \u2013 besticht aber immer wieder.<\/p>\n<p><b><i><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Erl-Tosca.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5562\" alt=\"Erl Tosca\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Erl-Tosca.jpg\" width=\"684\" height=\"456\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Erl-Tosca.jpg 684w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Erl-Tosca-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 684px) 100vw, 684px\" \/><\/a>Tosca<\/i><\/b><b> <\/b><\/p>\n<p>Hier unterst\u00fctzt das B\u00fchnenbild durch seine Einfachheit die Wirkung der Musik. Eine Rampe in Form einer Treppe wird zum zentralen Element \u2013 und zur Schlu\u00dfapotheose, wenn Tosca langsam hinaufschreitet und von einem Engel (in Personalunion mit dem Hirtenknaben) in Empfang genommen wird. Die wei\u00dfe Wand im Hintergrund enth\u00e4lt ein schwarzes Loch, das die Konturen der wei\u00dfen Treppe genau aufnimmt. Wenige Gegenst\u00e4nde gen\u00fcgen, die R\u00e4ume zu charakterisieren. Ein Christus am Kreuz klebt hoch oben an der Wand, in der Rampe befindet sich die Kapelle, ein Tisch f\u00fcr die Malutensilien, das Bild, das Cavaradossi malt, sieht man hingegen nicht.<\/p>\n<p>Im zweiten Akt steht vor dem Loch in der Wand (in dem sich der Zugang zum Folterkeller befindet) ein wei\u00dfer Tisch mit E\u00dfgeschirr und zwei Kerzenleuchtern \u2013 letztere stellt Tosca neben die Leiche. Am Schlu\u00df steht die Rampe genau vor der Kontur in der Wand. Am Fu\u00df der Rampe wird Cavaradossi erschossen, dort steht auch der wei\u00dfe Tisch wieder, an dem er seine letzten Stunden verbrachte.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Die phantasievollen Kost\u00fcme im klassischen r\u00f6mischen Schnitt sind zeitlos und nehmen Anleihen an vielerlei Epochen. In der Rolle des Cavaradossi singt <b>Bruno Ribeiro<\/b> mit Verve, Empathie und strahlendem Durchhalteverm\u00f6gen. Ein italienischer Tenor par Excellanze!<\/p>\n<p><b>Rossana Potenza<\/b> gilt eher als dramatischer Sopran. Damit ist sie f\u00fcr die Verzweiflungs- und Wutanf\u00e4lle der Tosca bestens geeignet, auch wenn die Sch\u00e4rfen nicht zu \u00fcberh\u00f6ren sind. Aber manche Italianit\u00e0\u00a0 gelingt: <i>Vissi d\u2019arte, vissi d\u2019amore \u2013 ich lebte f\u00fcr die Kunst und die Liebe<\/i>. Etwas mehr Klangf\u00fclle, etwas mehr D\u00e4monie und Ausdruck m\u00f6chte man <b>Giulio Boschetti<\/b> f\u00fcr die Rolle des Scarpia w\u00fcnschen. Seine lyrische, wohlklingende Stimme hat 2012 an gleicher Stelle zum Figaro viel besser gepa\u00dft. Von den Nebenrollen besticht vor allem <b>Julian Orlishausen <\/b>als Angelotti, der mit gekonnter Phrasierung und warmen Stimmschattierungen seinen beweglichen Bariton in den Verzweiflungspassagen eine impulsiv eindrucksvolle, aber dennoch genaue Stimmf\u00fchrung geben kann. Auch <b>Maria Ladurner<\/b> kann mit ihrem jugendlichen hellen Sopran den Hirten h\u00f6hensicher gestalten, w\u00e4hrend <b>Silvano Paolillo<\/b> als Spoletta manchen Einsatz verpa\u00dft.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Ist in der <i>Tosca<\/i> die Rampe das pr\u00e4gende Element, so dominiert den <b><i>Don Giovanni<\/i><\/b> eine Kugel, die einen W\u00fcrfel ausf\u00fcllen will: Je nach Situation ver\u00e4ndert sich die Position der beiden Figuren zueinander. Neben einem gro\u00dfen verschiebbaren Vorhang komplettieren wenige Gegenst\u00e4nde das sparsame B\u00fchnenbild, die Kost\u00fcme sind farbenfroh im historisierenden Stil und werden teilweise nach jeden Auftritt gewechselt.<\/p>\n<p>In der Titelrolle kann man einen geradezu triumphal singenden <b>Lucio Gallo<\/b> als Don Giovanni erleben. Die lyrischen Passagen wie das St\u00e4ndchen singt er volumin\u00f6s, die dramatischen Passagen mit viel Verve und Kraft. So kann er die beiden Damen <b>Sabina von Walther<\/b> (Donna Elvira) und <b>Sophie Gordeladze<\/b> (Zerlina) verf\u00fchren. Diese verf\u00fcgen \u00fcber einen wunderbar sicheren Sopran, auch in den h\u00f6chsten H\u00f6hen, Mozarts Koloraturen perlen gl\u00e4nzend von ihren Lippen, jedoch klingen die Stimmen zu \u00e4hnlich. Dagegen f\u00e4llt die Stimme von <b>Anna Princeva <\/b>auf: Sie leiht der etwas hilflosen Donna Anna die passende weiche Mozartstimme. In den Grenzbereichen klingt die Stimme manchmal eng gef\u00fchrt, jedoch bleiben die T\u00f6ne intonationssicher und ihr Text klar wortverst\u00e4ndlich. <b>Ferdinand von Bothmer<\/b> (Don Ottavio) kommt an diesen grandiosen Leistungen nicht heran, er wirkt dagegen bla\u00df und durchschlagsschwach. Dennoch verf\u00fcgt er \u00fcber ein strahlendes Timbre in der H\u00f6he. Seine Liebesschw\u00fcre kann er im <i>sotto voce<\/i> hauchen. Der Gehilfe Leporello wird von <b>Yasushi Hirano<\/b> schelmisch angelegt. Schon die Registerarie gestaltet er mitrei\u00dfend mit viel Wohlklang und Klangvolumen. Seine Verzweiflungsausbr\u00fcche folgen stets der Gesangslinie, seine Aussprache ist vorbildlich.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Der einhellige und heftige Jubel des Publikums kann man als eindrucksvolle Unterst\u00fctzung werten. Dies unterstrich Gustav Kuhn in einer kurzen Ansprache nach der Pause des Konzertes: In Erl bem\u00fche man sich, junge Menschen an die klassische Musik heranzuf\u00fchren, vulgo neue Kreise f\u00fcr die klassische Musik zu interessieren. Das ist auch gelungen \u2013 selten kann man so viele Menschen unter 30 Jahren sehen \u2013 neben denen, denen die \u201eAusw\u00fcchse des Regietheaters\u201c zuviel geworden sind. Im Sommer wird dieser Weg mit Wagners <i>Ring des Nibelungen<\/i> fortgesetzt \u2013 zu Ehren des Pr\u00e4sidenten Hans Peter Haselsteiner wird der zweite Zyklus in 48 Stunden gespielt.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Tiroler Festspiele Erl<\/p>\n<p>Die Bilder zeigen: 1) Don Giovanni, Lucio Gallo (Don Giovanni), Sophie Gordeladze (Zerlina), Frederik Baldus (Masetto)<\/p>\n<p>2) Tosca, Rossana Potenza (Floria Tosca), Bruno Ribeiro (Mario Cavaradossi)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Im Winter 2013\/2014 finden zum zweiten Mal die Winter-Festspiele statt. 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