{"id":5531,"date":"2014-02-25T15:20:31","date_gmt":"2014-02-25T14:20:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5531"},"modified":"2014-07-08T08:21:02","modified_gmt":"2014-07-08T07:21:02","slug":"carmen-luzerner-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5531","title":{"rendered":"CARMEN &#8211; Luzerner Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georges Bizet (1838-1875), Op\u00e9ra Comique in vier Akten, Libretto: Henri Meilhac und Ludovic Hal\u00e9vy, nach der Novelle<i> Carmen<\/i> von Prosper M\u00e9rim\u00e9e, UA: 3. M\u00e4rz 1875, Paris Op\u00e9ra-Comique, Salle Favart<\/p>\n<p>Regie: Tobias Kratzer, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Rainer Sellmaier, Licht: G\u00e9rard Cleven, Choreinstudierung: Mark Daver, Dramaturgie: Dr. Christian Kipper<\/p>\n<p>Dirigent: Howard Arman, Luzerner Sinfonieorchester, Chor und Extrachor, Luzerner Kantorei<\/p>\n<p>Solisten: Carolyn Dobbin (Carmen), Carlo Jung-Heyk Cho (Don Jos\u00e9), William Berger (Escamillo), Flurin Caduff (Zuniga), Jutta Maria B\u00f6hnert (Mica\u00ebla), Todd Boyce (Moral\u00e8s), Marie-Luise Dressen (Merc\u00e9d\u00e8s), Dana Marbach (Frasquita), Utku Kuzuluk (Remendado), Robert Maszl (Danca\u00efro)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 23. Februar 2014 (Premiere, in franz\u00f6sischer Sprache)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Luzern-Carmen.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5532\" alt=\"Luzern Carmen\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Luzern-Carmen.jpg\" width=\"690\" height=\"459\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Luzern-Carmen.jpg 690w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/03\/Luzern-Carmen-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 690px) 100vw, 690px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Es ist ein unruhiges Sevilla in der Zeit um 1820. Die junge Zigeunerin Carmen wird von den M\u00e4nnern begehrt. Nach einem heftigen Streit mit einer Angestellten der Tabakfabrik wird sie verhaftet. Don Jos\u00e9 soll sie ins Gef\u00e4ngnis bringen. Auf dem Weg dorthin wird er von der Zigeunerin so sehr umworben, da\u00df er sie entkommen l\u00e4\u00dft. Ihre Freundinnen wundern sich \u00fcber die Ver\u00e4nderungen Carmens, die geduldig auf Don Jos\u00e9 wartet und sich nicht auf das Werben anderer M\u00e4nner einl\u00e4\u00dft. Als der Geliebte eintrifft, versucht sie ihn f\u00fcr sich allein zu gewinnen. Doch Don Jos\u00e9 kann sich nicht f\u00fcr das gesetzlose Leben in v\u00f6lliger Freiheit entscheiden. Carmen ist zutiefst entt\u00e4uscht und gekr\u00e4nkt, sie wendet sich von ihm ab. Dar\u00fcber hinaus verliebt sie sich in den Stierk\u00e4mpfer Don Escamillo. Aber Don Jos\u00e9 will Carmens Liebe zur\u00fcckerobern. F\u00fcr die Ablehnung seiner Liebeserwartung ersticht er sie.<b> <\/b><\/p>\n<p><b>Vorbemerkung<\/b><\/p>\n<p>In dieser Produktion wird eine neuartige und direkt auf die Prosper M\u00e9rim\u00e9es Novelle abgest\u00fctzte Version inszeniert, die durch starke K\u00fcrzung der Dialoge sowie der Umgestaltung zu einem neuen Glanz zu gelangen versucht. Der urspr\u00fcngliche Handlungsablauf ist v\u00f6llig ver\u00e4ndert.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Die B\u00fchne erscheint als ein kleiner, einfacher und grau angestrichener Raum mit einem altmodischen, blauen Ledersofa, wei\u00dfem Gartensessel, einem runden Sofatisch mit Handy und Zeitschrift, Flachbildschirmfernseher und dar\u00fcber einem pr\u00e4parierten Stierkopf, einigen St\u00fchlen und einer Kommode mit Telefonanschlu\u00df. An der hinteren Wand befindet sich das Badezimmer mit einer zerschlagenen T\u00fcre. Stets sichtbar ist ein Spiegel \u00fcber dem Waschbecken. Rechts daneben h\u00e4ngt das Kost\u00fcm des Torero in strahlendem Blau. \u00dcber diesem Raum verl\u00e4uft ein Gang mit durchgezogenem grauem Metallgitter, der eine Fabrikanlage oder ein Gef\u00e4ngnis darstellen k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Noch w\u00e4hrend der Ouvert\u00fcre schmusen Carmen und Escamillo miteinander und schlie\u00dfen sich auf der Toilette ein. Kaum ist Escamillo weg, wird Carmen von einem Einbrecher namens Don Jos\u00e9 gefangengenommen. Sie versucht sich in die Toilette zu retten, doch mit einigen St\u00f6\u00dfen gegen die T\u00fcre zertr\u00fcmmert Jos\u00e9 diese. Carmen kann sich nicht mehr wehren. Die Spannung wird sehr intensiv aufgebaut, jedoch durch das Duett zwischen Mica\u00ebla und Jos\u00e9 (mittels eines Mobiltelefongespr\u00e4chs), unterbrochen und entspannt. Mit einem Kabelbinder an der Stange gefesselt verbringt Carmen die ganze Nacht. Sie scheint trotz aller Tortur und Hilflosigkeit f\u00fcr den Einbrecher Liebesgef\u00fchle zu entwickeln. Es ist r\u00e4tselhaft, weshalb Carmen zum sp\u00e4teren Zeitpunkt keine Hilfe herbeiruft oder nicht einen g\u00fcnstigen Moment f\u00fcr die Flucht nutzt. Nachdem sie sich letztendlich weigert, mit Don Jos\u00e9 den Ort zu verlassen, um ihn zu lieben, erschie\u00dft sie sich mit seiner Pistole auf derselben Toilette.<\/p>\n<p>Escamillo scheint hauptberuflich ein Gesch\u00e4ftsmann oder ein Banker zu sein mit mehreren Geliebten. Sehr eindr\u00fccklich ist sein blaues Torero-Kost\u00fcm mit knalligen rosa Str\u00fcmpfen. Der Knabenchor tritt ebenso in bunten Torero-Kost\u00fcmen auf. Carmen wechselt ihre Kleidung am meisten: Mal ist sie im reizenden schwarzen Unterhemd, dann tr\u00e4gt sie einen Morgenmantel, ein mit G\u00fcrtel zusammengehaltenes knielanges schwarzes Kleid oder \u2013 unter der Drohung Jos\u00e9s \u2013 das lange rotschwarze Flamencokleid.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Vom Anbeginn an wurde der Orchesterklang dem h\u00f6chsten Anspruch gerecht. Die stimmstarken Solisten haben sich stets gut gegen\u00fcber den Instrumentalisten durchgesetzt. Es gab extrem laute Kulminationspunkte in den Ensembles sowie im Chor. Die Chorpartien waren nicht nur perfekt einstudiert und boten den Solisten beste Unterst\u00fctzung, sondern spielten in der Handlung mit und sa\u00dfen permanent im Publikum, links und rechts vor dem Orchestergraben.<\/p>\n<p>Das Ensemble der Solisten zeichnete sich durch ein angenehm klingendes, leichtes Vibrato, guter schauspielerischer Qualit\u00e4ten, deutlichem Duktus, sicherer B\u00fchnenpr\u00e4senz und intensiver Interaktionen aus. Die die Hauptrolle der Carmen singende <b>Carolyn Dobbin <\/b>\u00fcberzeugte neben ihrem wenig vibrierendem Mezzosopran mit ihrem schauspielerischen Talent. Vorz\u00fcglich gestaltete sie die Szene <i>M<\/i><i>\u00ea<\/i><i>lons! Coupons!<\/i> <i>\u2013 mischen wir die Karten!<\/i> mit zwei durchsetzungsstarken und selbstbewu\u00dften Zigeunerm\u00e4dchen <b>Marie-Luise Dressen<\/b> (Merc\u00e9d\u00e8s) sowie <b>Dana Marbach<\/b> (Frasquita).<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>Mit dem souver\u00e4nen <b>William Berger<\/b> war Escamillo gut besetzt. Die angenehme Klangfarbe seiner Stimme sowie deren Klangst\u00e4rke konnte er in <i>Votre toast, je peux vous le rendre<\/i> <i>\u2013 Euren Toast kann ich erwidern <\/i>unter Beweis stellen (2. Akt). Der klare Sopran von<b> Jutta Maria B\u00f6hnert<\/b> (Mica\u00ebla) brillierte solistisch und auch im Duett <i>Parle-moi de ma m\u00e8re<\/i> <i>\u2013 Erz\u00e4hl mir von meiner Mutter<\/i> gemeinsam mit<b> Carlo Jung-Heyk Cho<\/b> (Don Jos\u00e9) im ersten Akt. Dieser war in seinem Stimmklang mild und r\u00fchrend, was eher zu seiner Rolle als Geliebter, aber als Verbrecher und Stalker weniger gut pa\u00dfte. Mit seinen schauspielerischen Aktionen und seinem breitgef\u00e4chertes, musikalischem Talent war er in der Lage, eine spannende Situation zu erzeugen. Die Nebenrollen waren mit namhaften Solisten wie <b>Flurin Caduff <\/b>(Zuniga), <b>Todd Boyce<\/b> (Moral\u00e8s), <b>Utku Kuzuluk<\/b> (Remendado), <b>Robert Maszl<\/b> (Danca\u00efro) ausgezeichnet besetzt.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Der Gesang und die Musik wurden von der Zuh\u00f6rerschaft freundlich aufgenommen. Zwischendurch gab es zustimmenden Applaus, der am Schlu\u00df leicht zur\u00fcckhaltend wurde. Den weniger sexuell aufgekl\u00e4rten Personen im Publikum sind m\u00f6glicherweise manche Handlungselemente unklar geblieben, vor allem die Sado-Maso Szenen. Die Ausstattung der B\u00fchne war weniger stimmig, der moderne Flachbildschirmfernseher mit den vielen Handys pa\u00dften nicht sehr gut in das altmodisch eingerichtete Zimmer, und lenkte dar\u00fcber hinaus vom Gesang ab. Es gab \u00e4sthetisch und k\u00fcnstlerisch wirkende Momente. Manche der vorgef\u00fchrten Szenen wirkten auch erheiternd, dramatisch emotional, aber auch billig.<\/p>\n<p>Ruta Akelyte Hermann<\/p>\n<p>Bild: Ingo H\u00f6hn<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Carolyn Dobbin (Carmen), William Berger (Escamillo)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 23. 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