{"id":553,"date":"2009-02-18T23:15:14","date_gmt":"2009-02-18T21:15:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=553"},"modified":"2009-02-23T23:29:16","modified_gmt":"2009-02-23T21:29:16","slug":"erfurt-theater-die-meistersingerinnen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=553","title":{"rendered":"Erfurt, Theater &#8211; DIE MEISTERSINGERINNEN"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Samuel B\u00e4chli; Eine Kammeroper in einem Akt, Text und Musik von Richard Wagner; UA: 2006, Gelsenkirchener Fassung.<br \/>\nRegie: Barbara Kunze, B\u00fchnenbild: Jeannine Cleemen<br \/>\nDirigent: Samuel B\u00e4chli, Mitglieder des Philharmonischen Orchesters Erfurt<br \/>\nSolisten: Stephanie M\u00fcther (Sachs), Ilia Papandreou (Stolzing), Alice Rath (Beck), Susanne Rath (Messer), David Umstadt (David)<br \/>\n12. Februar 2009 (Urauff\u00fchrung der Erfurter Fassung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"erfurt-meidtersingerinnen.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/erfurt-meidtersingerinnen.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"erfurt-meidtersingerinnen.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/02\/erfurt-meidtersingerinnen.jpg\" \/><\/a>Der \u00fcber der Suche nach der wahren Kunst wahnsinnig gewordene Hans Sachs qu\u00e4lt ein chaotisches Musikgewirr. Da erklingt Stolzings Preislied Morgendlich leuchtend im rosigen Schein  von Sachs als Ideal der Kunst erkannt. Leider verschwindet es in den Intrigen der Gegenspieler Beck, Messer und David bzw. in dem von ihnen ausgelegten Regelwerk. Sachs beginnt seine Suche nach dem verlorenen Ideal und stellt es gegen den Willen seiner Gegenspieler wieder her.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie Handlung orientiert sich an der Oper Die Meistersinger von N\u00fcrnberg, die &#8211; auf eine Kammeropern-Fassung reduziert &#8211; aller Elemente der mittelalterlichen Butzenscheiben-Romantik und der spie\u00dfb\u00fcrgerlichen Festwiesen-Gesellschaft beraubt wurde. Es geht um eine Fokussierung auf den Kunstbegriff aus der Sicht Richard Wagners, \u2013 so wie es Egon Voss formuliert hat und Samuel B\u00e4chli nun in Musik umgesetzt hat.<br \/>\nSachs ist auf der Suche nach der wahren Kunst und qu\u00e4lt sich durch die gesammelten Werke Richard Wagners. Da erscheint Stolzing mit seinem Preislied als verkl\u00e4rendes Ideal \u2013 ganz in rot gekleidet. Doch er verf\u00e4ngt sich in den Fallstricken des Regelwerkes und die wahre Kunst droht zu scheitern. Sachs versucht nun zwischen Beck, Messer und David, den zynischen Regelw\u00e4chtern, und den regellosen Stolzing auf der anderen Seite zu vermitteln. Der Weg zum hehren K\u00fcnstlerideal f\u00fchrt \u00fcber zahllose Regale und Schr\u00e4nke voller Regelwerke sowie alle Arten von Fallstricken und Fallt\u00fcren bis das hehre K\u00fcnstlerideal erreicht ist, bis Stolzing (und die hehre Kunst!) wieder im hellen Rot erstrahlt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\n<strong>Samuel B\u00e4chli<\/strong> reduziert die Orchesterbesetzung von 91 Musikern auf 12 Musiker, d.h. die Gr\u00f6\u00dfe eines Kammerorchesters. Die gro\u00dfen Orchesterst\u00fccke wie <em>Pr\u00fcgelfuge<\/em> oder <em>Festwiese<\/em> entfallen, aber \u00e4hnlich wie das <em>Siegfried-Idyll<\/em> Themen aus dem <em>Ring<\/em> musikalisch zusammenfa\u00dft, so f\u00fchrt die verkleinerte Besetzung die musikalische Grundfrage vor Augen.<br \/>\nS\u00e4ngerisch f\u00fchrt die Besetzung von Stolzing, Beckmesser und Sachs mit weiblichen Stimmen zu dem Problem, da\u00df man z.B. nicht einfach die Noten von Tenor zu Sopran umschreiben kann, denn die Breite der Register ist unterschiedlich. Ein Tenor \u2013 eigentlich ein \u201eBariton mit H\u00f6he\u201c \u2013 entspricht nicht dem Sopran. <strong>Ilja Papandreou<\/strong> ist zwar ein hervorragender Sopran mit leuchtender Strahlkraft, aber die Spitzent\u00f6ne in Stolzings Preislied wirken sehr aufgesetzt. Besser kommen die beiden Mezzo-Soprane <strong>Alice Rath<\/strong> (Beck) und <strong>Susanne Rath<\/strong> (Messer) zurecht, die sich die Bariton-Partie des Beckmessers teilen. Sie spielen sich die B\u00e4lle sehr eindrucksvoll zu beim Herunterbeten der Regeln oder der Darstellung ihrer Auffassung des Kunstbegriffs in <em>Den Tag seh\u2019 ich erscheinen<\/em>. Der Tenor <strong>Peter Umstadt<\/strong> stellt unter Beweis, da\u00df er die richtige Partie des David  an einem gro\u00dfen Haus singen und auch spielen k\u00f6nnte \u2013 und \u00fcberraschenderweise gilt das auch f\u00fcr die transponierte Ba\u00dfpartie des Nachtw\u00e4chters. Die \u00fcberraschende Erkenntnis des Abends ist, da\u00df eine S\u00e4ngerin, die stimmlich zwischen Mezzo-Sopran und Alt liegt (wie <strong>Stephanie M\u00fcther<\/strong>), die Rolle des Sachs fast so wie ein m\u00e4nnlicher Sachs singen kann. Die Johannisnacht war sehr nachdenklich und die Eva aus dem Paradies wurde lautstark vertrieben. Und auch der gef\u00fcrchtete Schlu\u00dfmonolog konnte leicht gek\u00fcrzt \u00fcberzeugen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEin Abend, der mit viel Beifall in der leider nur zur H\u00e4lfte besetzten Studiob\u00fchne aufgenommen wurde. Das Ergebnis kann man \u00e4hnlich Maurice Bejarts  Ballett \u201eDer Ring um den Ring\u201c als Erl\u00e4uterung zum Verst\u00e4ndnis aller Werke des Meisters werten. Auch hier konnten einige interessante neue Aspekte zum Werkverst\u00e4ndnis Richard Wagners deutlich gemacht werden \u2013 und worauf er eigentlich mit den Meistersingern abzielte: Seiner Verherrlichung als K\u00fcnstler. Richard Wagner w\u00fcrde beif\u00e4llig nicken!<br \/>\nOliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: L. Edelhoff<br \/>\nBildlegende: Alle bedr\u00e4ngen Stolzing: Was ist die wahre Kunst?<br \/>\n(Beck, Sachs, Stolzing, Messer, David)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Samuel B\u00e4chli; Eine Kammeroper in einem Akt, Text und Musik von Richard Wagner; UA: 2006, Gelsenkirchener Fassung. 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