{"id":5527,"date":"2014-02-23T21:32:33","date_gmt":"2014-02-23T20:32:33","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5527"},"modified":"2014-02-28T21:38:37","modified_gmt":"2014-02-28T20:38:37","slug":"ricardo-primo-richard-loewenherz-karlsruhe-staatstheater-haendel-festspiele","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5527","title":{"rendered":"RICARDO PRIMO (RICHARD L\u00d6WENHERZ) &#8211; Karlsruhe, Staatstheater, H\u00e4ndel Festspiele"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Libretto: Paolo Antonio Rolli nach Francesco Briani <i>Isacio Tiranno<\/i>, UA: 11. November 1727 London, King\u2019s Theatre, Haymarket<\/p>\n<p>Regie: Benjamin Lazar, B\u00fchne: Adeline Caron, Kost\u00fcme: Alain Blanchot, Lichtdesign: Christophe Naillet, Dramaturgie: Bernd Feuchtner,<\/p>\n<p>Dirigent: Michael Hofstetter, Deutsche H\u00e4ndel-Solisten<\/p>\n<p>Solisten: Franco Fagioli (Riccardo Primo), Emily Hindrichs (Costanza), Lisandro Abbadie (Isacio), Claire Lefilli\u00e2tre (Pulcheria), Nicholas Tamagna (Oronte), Andrew Finden (Berardo)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. Februar 2014 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Karlsruhe-R_Primo_1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5528\" alt=\"Karlsruhe R_Primo_1\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Karlsruhe-R_Primo_1.jpg\" width=\"638\" height=\"319\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Karlsruhe-R_Primo_1.jpg 638w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Karlsruhe-R_Primo_1-300x150.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 638px) 100vw, 638px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/b><\/p>\n<p>Vor vier Jahre wurde bei den Karlsruher H\u00e4ndelfestspielen die Oper <i>Radamisto<\/i> von Sigrid T\u2019Hooft in einer authentischen Inszenierung dargeboten (Interview\/Rezension OPERAPOINT, Heft 2\/2010).<\/p>\n<p>Nun gab es bei den H\u00e4ndelfestspielen erneut eine Auff\u00fchrung, die sehr viel der \u00fcberlieferten Szenenanweisungen (Gesten) des 18. Jahrhunderts ber\u00fccksichtigte. Der Franzose Lazar hielt sich in vielem an die Quellen, erreichte aber kaum die profunde Darstellung der belgischen Regisseurin T\u2019Hooft. Dennoch ist das Staatstheater gegen\u00fcber den immer noch in den Kinderschuhen steckenden H\u00e4ndel-Inszenierungen auf dem richtigen Weg, die H\u00e4ndeloper dem heutigen Opernbesucher nahzubringen. Die diesj\u00e4hrige Inszenierung \u00fcberragte bei weitem die Regiearbeiten fr\u00fcherer Jahre.<\/p>\n<p><b>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Costanza \u00fcberlebte den Untergang ihres Schiffes vor der K\u00fcste Zyperns. Sie und ihr Vetter Berardo stellten sich als Dienerpaar des englischen K\u00f6nigs dem zyprischen K\u00f6nig Isacio vor. Richard L\u00f6wenherz, der ebenfalls den Schiffsuntergang \u00fcberlebt hatte, begegnete K\u00f6nig Isacio als Gesandter des englischen K\u00f6nigs. Isacio, der sich sogleich in Costanza verliebte, veranla\u00dfte seine Tochter Pulcheria, sich als Costanza auszugeben, denn L\u00f6wenherz hatte seine Braut Costanza noch nie gesehen. Pulcheria war zwar mit Oronte, dem F\u00fcrst von Syrien, verlobt, unterwarf sich aber der Anordnung ihres Vaters. Doch Oronte er\u00f6ffnete L\u00f6wenherz den Betrug. Die folgende kriegerische Auseinandersetzung gewann L\u00f6wenherz zusammen mit Oronte, der sich ihm spontan angeschlossen hatte. Nun k\u00f6nnen sich L\u00f6wenherz und Costanza sowie Oronte und Pulcheria gl\u00fccklich in die Arme schlie\u00dfen.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>M\u00e4chtige, hochaufragende, sandsteinfarbene Mauern und Palastw\u00e4nde bilden die Geb\u00e4ude auf der Drehb\u00fchne. Immer wieder werden sie, je nach Szene, gegeneinander verschoben. Einige Male stellen sie den Innenhof des Palastes dar, der mit B\u00e4umen geschm\u00fcckt ist. Gegen Opernende wird der innere gro\u00dfr\u00e4umige Palastplatz gezeigt, wobei man auch Blicke in die Palastr\u00e4ume werfen kann, die mit vielen Kerzen, aber auch Fackeln erhellt werden. Die Protagonisten sind in bunte, teils goldbestickte Kleider im Stil des 12. Jahrhunderts, der Zeit von Richard L\u00f6wenherz gekleidet. Costanza tr\u00e4gt als k\u00f6nigliche Hoheit gro\u00dfe Robe mit langer Schleppe, die sie auch vorteilhaft zu zeigen vermag.<\/p>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Karlsruhe-R_Primo_2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5529\" alt=\"Karlsruhe R_Primo_2\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Karlsruhe-R_Primo_2.jpg\" width=\"671\" height=\"298\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Karlsruhe-R_Primo_2.jpg 671w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Karlsruhe-R_Primo_2-300x133.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 671px) 100vw, 671px\" \/><\/a>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Schon bei der Ouvert\u00fcre ist man vom z\u00fcgigen Tempo angetan. Es ist ein ziemlich gro\u00dfes Orchester mit zwei Cembali, zwei Theorben, Ba\u00dflaute und dann und wann erg\u00e4nzt mit Naturh\u00f6rnern.<\/p>\n<p>Allerdings waren vom Sitz des Rezensenten in der ersten Reihe der Empore die beiden Ba\u00dfgeigen wenig zu vernehmen, so da\u00df das Orchester eine gewisse Ba\u00dfgrundierung entbehrte.<\/p>\n<p>Nach anf\u00e4nglicher Befangenheit wurde <b>Emily Hindrichs<\/b> (Costanza) Sopran nach und nach frei und wohlt\u00f6nend. Ihre Sopranstimme leuchtete bei <i>Di notte il pellegrino se perde il suo cammino \u2013 wenn der Wanderer in der Nacht vom Wege abkommt <\/i>und hob mit schwingendem Rhythmus die Einzigartigkeit dieser Arie (2. Akt) auf ein hohes Niveau. Ein wenig verschliff sie die kleinen Intervalle bei den Koloraturen. Doch das hemmte kaum den wunderbaren Gesangsflu\u00df ihrer Melodief\u00fchrung. Rhythmisch genau waren ihre Triolen und bei <i>il passo errante \u2013 den irrenden Schritt<\/i> konnte sie die gro\u00dfe Linie unter einen Atem nehmen. Unterst\u00fctzt und mit gro\u00dfer Eleganz lie\u00df das Orchester dieses Andante geradezu schweben, ein H\u00f6hepunkt!<\/p>\n<p>Bei <b>Lisandro Abbadie<\/b> (Isacio) fielen seine gut gef\u00fchrte Ba\u00dfstimme und seine ungemeine rhythmische Genauigkeit, schon bei den Rezitativen, auf. Die f\u00fcr <i>Ti vedr\u00f2 regnar sul trono \u2013 ich werde auf dem Thron herrschen<\/i> n\u00f6tige Kraft und \u00dcberlegenheit gelang eindrucksvoll und gab ihm die f\u00fcr seine Rolle n\u00f6tige Herrscherw\u00fcrde. Auch <b>Andrew Finden<\/b> (Berardo) gefiel in seiner Rolle als Vertrauter Costanzas mit seinem Ba\u00df, der sowohl in den H\u00f6hen und wie den Tiefen wohlt\u00f6nend erklang. <b>Claire Lefilli\u00e2tre<\/b> (Pulcheria), die zwischen Gehorsam gegen\u00fcber ihrem Vater Isacio und Zuneigung zu Costanza letztlich zur letzterer sich bekannte, setzte ihren Mezzosopran temperamentvoll ein, obwohl sie ziemlich sorglos mit den Koloraturen umging. Bei den Wiederholungen der Da-Capo-Arien war sie in ihrem Element, indem sie weitschwingende und hohe T\u00f6ne herausschleuderte. Nur h\u00e4tte man gerne den Vergleich mit dem ersten Durchgang der Arie gehabt, wo sie meist schon ihre eigene Version wiedergab, anstatt die notierten Triolen und Triller auszusingen. Trotz allem zeigte sie eine \u00e4u\u00dferst lebhafte Darstellung, die nat\u00fcrlich in den Schranken der vorgeschriebenen symbolisch-h\u00f6fischen Arm und Handbewegung blieb. Zuletzt noch <b>Franco Fagioli<\/b> (Riccardo Primo), der \u201eHeld\u201c des Abends sowohl als S\u00e4nger wie als Darsteller. Fagioli ist ein versierter und technisch \u00fcberragender Counter. Sein Atem reicht \u00fcber viele Takte, seine Dynamik kommt v\u00f6llig nat\u00fcrlich, seine Intonation ist unbestechlich und seine Koloraturen sind einzigartig in Rhythmus und Genauigkeit. Allerdings m\u00fc\u00dfte er nicht schon die Rezitative wie auch einige Arien mit so starkem Vibrato verdunkeln und so oft ins Brustregister bei den tieferen T\u00f6ne (h\u00b0 und c\u2018) fallen. Beinahe alle S\u00e4nger bekamen langen Applaus und waren im Niveau durchaus gleich.<\/p>\n<p><b>Fazit <\/b><\/p>\n<p>Eine Anmerkung: Die immer wieder zu verschiebenden Mauern und Pal\u00e4ste wurden bei offenem Vorhang get\u00e4tigt. Zeigte der Regisseur damit seine Vertrautheit und Akzeptanz mit der abgetakelten Brecht-Manier?<\/p>\n<p>Die vom Regisseur mit den S\u00e4ngern einstudierten Gesten sind von gro\u00dfer Eindringlichkeit, wenn man sie auch alle nicht verstehen konnte. Schade, da\u00df der Zuschauerraum durch seine Gr\u00f6\u00dfe verhinderte, da\u00df man \u2013 etwa auf der Empore \u2013 die Gesten verfolgen konnte. Erstaunlich war, da\u00df keine S\u00e4ngerin oder S\u00e4nger Intonationsschwierigkeiten hatte. Hinlegen, Niedersinken oder Aufrichten, schnelles Drehen, Laufen und dergleichen waren ja auch bei den historisch vorgeschriebenen Gesten nicht vorhanden. So waren die Ges\u00e4nge au\u00dferordentlich deutlich zu vernehmen. Es war ein Vergn\u00fcgen!<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bilder: Falk von Traubenberg<\/p>\n<p>Die Bileder zeigen:<\/p>\n<p>1) Franco Fagioli (Riccardo) re, Emily Hindrichs (Costanza) Mitte, Claire Lefilli\u00e2tre (Pulcheria) li., Statisterie<\/p>\n<p>2) v. li. n. re. Andrew Finden (Berardo), Emily Hindrichs (Costanza), Franco Fagioli (Riccardo), Claire Lefilli\u00e2tre (Pulcheria), Nicholas Tamagna (Oronte), Statisterie<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. Februar 2014 (Premiere), Emily Hindrichs (Costanza) Sopran nach und nach frei und wohlt\u00f6nend. 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