{"id":5429,"date":"2014-02-03T19:20:38","date_gmt":"2014-02-03T18:20:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5429"},"modified":"2014-02-03T19:20:38","modified_gmt":"2014-02-03T18:20:38","slug":"la-fanciulla-del-west-das-maedchen-aus-dem-westen-paris-opera-bastille","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5429","title":{"rendered":"LA FANCIULLA DEL WEST \u2013 DAS M\u00c4DCHEN AUS DEM WESTEN &#8211; Paris, Op\u00e9ra Bastille"},"content":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Oper in drei Akten, Libretto: Guelfo Civinini und Carlo Zangarini nach David Belascos <i>The girl of the golden West, <\/i>U.A. 10. Dezember 1910 New York, Metropolitan Opera<\/p>\n<p>Regie:<b> <\/b>Nikolaus Lehnhoff, Kost\u00fcme: Andrea Schmidt-Futterer, B\u00fchne: Raimund Bauer, Licht: Duane Schuler, Video: Jonas Gerberding, Choreographie: Denni Savers<\/p>\n<p>Dirigent: Carlo Rizzi, Chor und Orchester der Op\u00e9ra National, Licht: Duane Schuler, Choreinstudierung: Patrick Marie Aubert<\/p>\n<p>Solisten: Nina Stemme (Minnie), Claudio Sgura (Jack Rance), Marco Berti (Dick Johnson\/Ramerrez), Roman Sadnik (Nick), Andrea Mastroni (Ashby), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. Februar 2014 (Premiere, Co-Produktion mit der Nederlandse Opera, Amsterdam)<\/p>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><strong><\/strong><\/p>\n<p>Selbst wenn es eine international bekannte amerikanische Oper eigentlich erst seit Gershwins <i>Porgy and Bess (1935)<\/i> und vor allem seit Bernsteins <i>Westside Story (1957<\/i>) gibt,<i> <\/i>hatte die Metropolitan Opera New York schon vor 1910 bei Puccini eine Oper mit einem Texbuch nach David Belascos <i>The girl of the Golden West <\/i>in<i> <\/i>Auftrag gegeben, um der Welt zu zeigen, da\u00df New York nun gleichwertig mit den europ\u00e4ischen Gro\u00dfst\u00e4dten als Musikzentrum existiert. Die Auff\u00fchrung des Werkes, weitl\u00e4ufig publiziert, war ein Riesenerfolg. Und selbst, wenn man kritisierte: wohl sei das Thema amerikanisch, doch\u00a0 Musik, Sprache und und weitgehend die Ausf\u00fchrenden (Arturo Toscanini, Enrico Caruso) noch\u00a0 italienisch, hat dieses einmalige kulturelle Ereignisse seine Auswirkungen auf die Operngeschichte Amerkas sicherlich nicht verfehlt.<\/p>\n<p>Auch auf Puccinis musikalische Sprache hat dies amerikanische Abenteuer seinen Einflu\u00df gehabt. Es ist zweifellos Puccinis modernste Oper. Nach dem Japan der <i>Butterfly<\/i> ist es diesmal die amerikanische Exotik, die den Komponisten fasziniert. Obwohl<i> <\/i>Debussys Einflu\u00df auch hier noch stark ist, klingt in der <i>Fanciulla<\/i> am Rande auch <i>ragtime<\/i> und andere nordamerikanische Volksmusik an.<strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Paris-La-Fanciulla031.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5430\" alt=\"Paris La Fanciulla031\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Paris-La-Fanciulla031.jpg\" width=\"698\" height=\"466\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Paris-La-Fanciulla031.jpg 698w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/02\/Paris-La-Fanciulla031-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 698px) 100vw, 698px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>In der Polka-Bar in Californien, warten die Goldsucher auf die Gefangennahme des Banditen Ramerrez, dessen Versteck bekannt wurde. In der Zwischenzeit, machen alle der sch\u00f6nen Bardame Minnie den Hof. Aber sie schl\u00e4gt ihre Angebote in den Wind, auch den ernstgemeinten des Sheriffs Jack Rance. Sie hofft auf die gro\u00dfe Liebe. Ein Dick Johnson erscheint, in Wirklichkeit Ramerrez verkleidet. Es ist Liebe auf den ersten Blick. Doch Ramerrez wird entlarvt und in einem Schu\u00dfwechsel verletzt. Er findet in Minnies H\u00fctte Zuflucht, wird aber auch bis dorthin verfolgt. Minnie schl\u00e4gt Jack Rance ein Pokerspiel um ihres Liebhabers Leben vor. Durch Falschspiel gewinnt sie die Partie und Ramerrez geht frei. Aber bald darauf wird er erneut gefunden, gefangen und soll nun h\u00e4ngen. Da erscheint Minnie bewaffnet und hoch zu Ro\u00df, und erinnert daran, f\u00fcr wieviel alle ihr dankbar sein m\u00fcssen. Sie fordert sie auf, Ramerrez freizugeben. Die Goldgr\u00e4ber k\u00f6nnen ihr nicht wiederstehen, und so galoppiert sie mit ihrem Geliebten neuen Abenteuern entgegen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Der erste Akt spielt in einer New Yorker Ganoven-Bar (nicht in einer Goldgr\u00e4berstadt), alle M\u00e4nner in schwarzer Lederkleidung mit Sonnenbrillen, Minnie in Stra\u00dfenkleid mit St\u00f6ckelschuhen. Eine hervorragende Choreographie (vielleicht auf <i>Westside Story<\/i> hinweisend) und eine darauf abgestimmte Beleuchtung schafft bei Puccinis aufpeitschender Musik eine faszinierende Atmosph\u00e4re. Im zweiten Akt, mit seiner Liebesszene und dem Pokerspiel, geht der innen rosarot ausgeschlagene Wohnwagen Minnies mit den zwei Pappmach\u00e9-Rehen, deren Augen elektrisch aufleuchten, fast \u00fcber das ertr\u00e4gliche Kitschniveau hinaus. Aber schon im dritten Akt befindet man sich auf einem Autofriedhof wieder in derselben Gro\u00dfstadtatmosph\u00e4re, mit derselben elektrisierenden Choreographie wie am Anfang. Die Final-Apotheose liegt ganz folgerichtig im Zeichen von <i>American dream-Might and Glory-Hollywood <\/i>(der Hollywood-Film <i>Johnny Guitar<\/i> von 1954 mit Joan Crawford behandelt dasselbe Thema): Zwischen den \u00fcbereinander geh\u00e4uften Automobilen taucht pl\u00f6tzlich eine beleuchtete Glamourstiege auf, von der Minnie in rotem Glitzer-Abendkleid herabsteigt, gefolgt von ihrem Liebhaber im Smoking, nicht um einen Oscar zu empfangen, sondern das von ihr geforderte Pardon. Dahinter erscheint als riesiges B\u00fchnenhintergrundvideo der Metro-Goldwyn-Mayer-L\u00f6we, der aus dem <i>Ars Gratia Artis-<\/i>Spruchband stumm in die Gegend herausbr\u00fcllt.<strong> <\/strong><\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Um die Rolle der Minnie zu meistern geh\u00f6rt nicht nur eine gewaltige Stimme, sondern auch ein enormes Durchhalteverm\u00f6gen. So ist es nicht erstaunlich, da\u00df man <strong>Nina Stemme<\/strong>, einer der bekanntesten Wagners\u00e4ngerinnen, diese Rolle anvertraut hat. Ihr gewaltiges Vokalvolumen und ihre erstaunliche stimmlich und schauspielerische Intensit\u00e4t h\u00e4lt sie meisterhaft bis zum Ende dieser schwierigen Partie durch. <strong>Marco Berti<\/strong> ist kein Caruso, aber er hat eine klangvolle, vor allem in der H\u00f6he metallisch wohltimbrierte Tenorstimme.<strong> Claudio Sguras<\/strong> Bariton ist voll und farbenreich, er spielt \u00fcberzeugend den eifers\u00fcchtig-ha\u00dferf\u00fcllten Sheriff. Im \u00fcbrigen ist <i>La Fanciulla<\/i> vor allem eine Ensemble-Oper in der die Nebenrollen und der hervorragend einstudierte Chor eine Hauptrolle spielen.<\/p>\n<p><strong>Carlo Rizzi<\/strong> dirigiert energisch die abwechslungsreiche Partitur, manchmal mit soviel Schwung, da\u00df zwar das Orchester voll zur Geltung kommt, die Stimmen aber \u00fcberdeckt werden.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><strong> <\/strong><\/p>\n<p>In dem Streit der Biographen Puccinis, ob das Libretto der Oper ernst zunehmen sei oder nicht, hat sich Nicolaus Lehnhoff und sein Team sichtlich auf die Seite der letzteren geschlagen. Von diesem Standpunkt aus hat er eine durchaus glaubw\u00fcrdige, witzige und einfallsreiche Klamauk-Inszenierung auf die Beine gestellt.<\/p>\n<p>Man mu\u00df der Direktion der Opea an der Bastille dankbar sein, dieses ungew\u00f6hnliche Werk endlich auch auf die Pariser B\u00fchne gebracht haben. Die Auff\u00fchrung wurde mit viel Applaus bedacht, wenn auch nicht alle Zuschauer mit der Inszenierung einverstanden waren.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Op\u00e9ra national de Paris\/Charles Duprat<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Nina Stemme (Minnie) auf der Freitreppe, li. auf dem Autowrack: Marco Berti (Dick Johnson) Mitte: Claudio Sgura (Jack Rance)<strong> <\/strong><strong><\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 1. Februar 2014 (Premiere, Co-Produktion mit der Nederlandse Opera, Amsterdam), Um die Rolle der Minnie zu meistern geh\u00f6rt nicht nur eine gewaltige Stimme, sondern auch ein enormes Durchhalteverm\u00f6gen. 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