{"id":5408,"date":"2013-12-22T22:42:19","date_gmt":"2013-12-22T21:42:19","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5408"},"modified":"2014-01-17T22:47:43","modified_gmt":"2014-01-17T21:47:43","slug":"lohengrin-greifswald-theater-vorpommern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5408","title":{"rendered":"LOHENGRIN &#8211; Greifswald, Theater Vorpommern"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Text vom Komponisten, UA: 28. August 1850 Weimar, Gro\u00dfherzogliches Hoftheater<\/p>\n<p>Regie: Dirk L\u00f6schner, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Christoper Melching, Dramaturgie: Katja Pfeifer, Choreinstudierung: Anna T\u00f6ller<\/p>\n<p>Dirigent: Golo Berg, Philharmonisches Orchester Vorpommern<\/p>\n<p>Solisten: Junghwan Choi (Lohengrin), Anette Gerhardt (Elsa von Brabant), Thomas Rettensteiner (Friedrich von Telramund), Elena Suvorova (Ortrud), Alexandru Constantinescu (Heerrufer), Tye Maurice Thomas (K\u00f6nig Heinrich), u. a.<\/p>\n<p>Auff\u00fchrung: 21. Dezember 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Greifswald-Lohengrin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5409\" alt=\"mbb_4703\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Greifswald-Lohengrin.jpg\" width=\"416\" height=\"278\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Greifswald-Lohengrin.jpg 416w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2014\/01\/Greifswald-Lohengrin-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 416px) 100vw, 416px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Elsa von Brabant wird von ihrem Vormund Friedrich von Telramund und seiner Frau Ortrud angeklagt, ihren Bruder, den Thronfolger, ermordet zu haben. K\u00f6nig Heinrich sieht sich nicht imstande, \u00fcber sie zu urteilen, und ruft das Gottesgericht an. Doch niemand will f\u00fcr Elsa gegen Telramund antreten. Da erscheint, von einem Schwan getragen, ein strahlender Ritter und bietet Elsa seine Dienste an. Er h\u00e4lt gleichzeitig um ihre Hand an unter der Bedingung, da? sie ihn niemals nach seinem Namen und seiner Herkunft befragen d\u00fcrfe. Der Ritter besiegt Telramund, welcher mit seiner Familie verbannt wird. Allerdings bleibt er in der N\u00e4he; Ortrud versucht, Elsa zu der verbotenen Frage zu bewegen, w\u00e4hrend Telramund das Ansehen des fremden Ritters in den Schmutz zu ziehen trachtet. Schlie\u00dflich kann Elsa ihre Zweifel nicht l\u00e4nger beherrschen und fragt ihren Gemahl nach seinem Namen. Er stellt sich als Gralsritter Lohengrin vor, enth\u00fcllt Ortruds L\u00fcge \u00fcber den Tod von Elsas Bruder, womit Elsas Unschuld bewiesen ist, und entschwindet mit seinem Schwan.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild ist in dieser Auff\u00fchrung als Zirkuszelt mit einer kleinen B\u00fchne gestaltet. Dementsprechend bilden Kost\u00fcme und andere Elemente ein buntes Durcheinander: Das Volk erscheint in einer Mode, die vor dem zweiten Weltkrieg \u00fcblich war, die Soldaten in napoleonisch anmutenden Uniformen, K\u00f6nig Heinrich erinnert an Abraham Lincoln. Lohengrin hebt sich als Samurai-Krieger deutlich ab und wirkt in Kost\u00fcm, Mimik und Gestik wie aus einer traditionellen japanischen Oper ausgeschnitten \u2013 er scheint tats\u00e4chlich aus einer anderen Welt zu kommen. Ortrud und Telramund treten nicht nur als Paar auf, sondern sind im Kontrast zur \u201ereinen\u201c Liebe zwischen Elsa und Lohengrin mit drei Kindern zur Familie erg\u00e4nzt. Ein tanzender Pantomime Pierrot kommentiert das Geschehen.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>So steif und stilisiert <b>Junghwan Choi <\/b>(Lohengrin) in dieser Inszenierung auch auftreten mu\u00df, so flexibel und facettenreich klingt doch sein klarer, lyrischer Tenor, den er mit feinem Gestaltungsreichtum und h\u00f6chster Musikalit\u00e4t einsetzt. Der minimale asiatische Akzent, den er gelegentlich bei der ansonsten ausgezeichneten Textartikulation erkennen l\u00e4\u00dft, pa\u00dft hervorragend zur Rollendarstellung. An seiner Seite \u00fcberzeugt <b>Anette Gerhardt <\/b>(Elsa) durchweg mit hellem, lupenreinem Sopran und au\u00dferordentlicher emotionaler Intensit\u00e4t. Die dunkle, geheimnisvolle Stimme von <b>Elena Suvorova <\/b>(Ortrud) bildet dazu einen wunderbaren Kontrast. Durchschlagskr\u00e4ftig und ausdrucksstark pr\u00e4sentiert sich<b> Thomas Rettensteiner <\/b>(Friedrich von Telramund), ebenso wie in etwas milderem Ma\u00df <b>Alexandru Constantinescu <\/b>(Heerrufer). <b>Tye Maurice Thomas <\/b>(K\u00f6nig Heinrich) wirkt ganz zu Beginn in den Randregistern etwas indisponiert und kann seinen warmen, vollt\u00f6nenden Ba\u00df erst im weiteren Verlauf der Oper voll zur Geltung bringen. Alle Darsteller bieten wieder einmal eine faszinierende, schauspielerische Leistung, die den Zuschauer unweigerlich in ihren Bann zieht.<\/p>\n<p>Der Chor des Theaters Vorpommern, dessen eigene Personalst\u00e4rke f\u00fcr ein solches Gro\u00dfprojekt nicht ausgereicht h\u00e4tte, wird vom Chor der Oper Stettin verst\u00e4rkt. Beide Ch\u00f6re wurden von <b>Anna T\u00f6ller <\/b>hervorragend vorbereitet und nehmen aktiv an der Handlung teil, auch wenn die Bewegungsfreiheit in den Massenszenen auf der kleinen B\u00fchne stark eingeschr\u00e4nkt ist.<\/p>\n<p>Das Orchester l\u00e4uft angesichts der gro\u00dfen Herausforderung zu H\u00f6chstform auf. <b>Golo Berg <\/b>leitet souver\u00e4n, die Abstimmung zwischen allen Registern sowie zwischen S\u00e4ngern und Orchester funktioniert hervorragend. Ungewohnt differenziert, durchsichtig und ohne Hang zum Kitsch wird die hochromantische Musik pr\u00e4sentiert, wohl auch deshalb, weil die Besetzung im engen Graben nicht die sonst \u00fcbliche St\u00e4rke erreichen kann \u2013 wieder einmal macht das kleine Theater aus der Not eine Tugend.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Wenn das bunte Durcheinander auf der B\u00fchne auch zun\u00e4chst wenig Zusammenhang erkennen l\u00e4\u00dft, so bleiben doch einzelne gro\u00dfartige Ideen der Inszenierung in Erinnerung: Lohengrin als Samurai-Krieger mit Origami-Schwan aus einer anderen Welt erscheinen zu lassen, ist eine davon. Sein v\u00f6llig ber\u00fchrungsloses Verh\u00e4ltnis zu Elsa im Gegensatz zu ihren sehr emotionalen Reaktionen, durch die ihre Beziehung von Anfang an zum Scheitern verurteilt scheint, eine andere.<\/p>\n<p>Den Zuschauern bot sich ein \u00fcberw\u00e4ltigendes Spektakel mit hochklassiger Musikdarbietung in einer Stimmgewalt, die in dem kleinen Haus stellenweise \u00fcber die Schmerzgrenze hinausging. Will man unbedingt Kritik \u00fcben, so mu\u00df es diese sein: Dem empfindlichen Ohr sei in den Massenszenen Geh\u00f6rschutz empfohlen.<\/p>\n<p>Anna-Juliane Peetz-Ullman<\/p>\n<p>Bild: Barbara Braun \/ MuTphoto<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: (v. l. n. r.) Anette Gerhardt (Elsa von Brabant), Junghwan Choi (Lohengrin), Mitglieder des Chores<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Auff\u00fchrung: 21. 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