{"id":5334,"date":"2013-12-16T20:55:31","date_gmt":"2013-12-16T19:55:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5334"},"modified":"2013-12-16T20:55:31","modified_gmt":"2013-12-16T19:55:31","slug":"falstaff-mannheim-nationaltheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5334","title":{"rendered":"FALSTAFF &#8211; Mannheim, Nationaltheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Commedia lirica in drei Akten, Libretto: Arrigo Boito nach William Shakespeare, UA: 9. Februar 1893 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie: Christof Nel, B\u00fchne: Roland Aeschlimann, Kost\u00fcme: Barbara Aigner, Licht: Jan Hartmann, Szenische Analyse: Martina Jochem, Dramaturgie: Merle Fahrholz<\/p>\n<p>Dirigent: Dan Ettinger, Orchester des Nationaltheater Mannheim, Choreinstudierung: Tilman Michael, Solisten: Thomas Jesatko (Sir John Falstaff), Lars M\u00f8ller (Ford), Juhan Tralla (Fenton), Uwe Eik\u00f6tter (Dr. Cajus), Benedikt Nawrath (Bardolfo), Sebastian Pilgrim (Pistola), Iris Kupke (Mrs. Alice Ford), Eunju Kwon (Nannetta), Edna Prochnik (Mrs. Quickly), Franziska Rabl (Mrs. Meg Page), u. v. a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. Dezember 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p align=\"left\"><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Mannheim-Falstaff.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5335\" alt=\"Mannheim Falstaff\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Mannheim-Falstaff.jpg\" width=\"375\" height=\"249\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Mannheim-Falstaff.jpg 375w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Mannheim-Falstaff-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 375px) 100vw, 375px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p align=\"left\">Sir John Falstaff, ein in die Jahre gekommener und zur Fettleibigkeit neigender Ritter, hat ein Problem: Mit seinen Finanzen steht es nicht gerade zum Bestem. Um seine wirtschaftliche Lage zu verbessern schreibt er Mrs. Ford und Mrs. Page zwei gleichlautende Liebesbriefe in der Hoffnung, da\u00df diese seinem Charme erliegen und ihm die Geldkassetten ihrer verm\u00f6genden Ehem\u00e4nner \u00f6ffnen. Stattdessen verb\u00fcnden sich die Frauen und hecken eine Intrige aus, in deren Folge Falstaff zun\u00e4chst in einem Korb voll Dreckw\u00e4sche und dann in der Themse landet.<\/p>\n<p align=\"left\">Gefahr droht ihm aber auch von dem eifers\u00fcchtigen Mr. Ford, der unabh\u00e4ngig von seiner Frau dem alternden Casanova eine Falle stellen m\u00f6chte. Die Sp\u00e4\u00dfe kulminieren in einer Einladung an Falstaff, sich um Mitternacht mit Alice Ford im Park zu einem Stelldichein zu treffen. Dort angekommen, wird Falstaff von vermeintlichen Geistern arg geschunden, die sich aber schnell als die Eheleute Ford, Tochter Nanetta, deren Geliebten Fenton und weiterer B\u00fcrgern von Windsor herausstellen. Falstaff mu\u00df das Versprechen ablegen, nie wieder verheirateten Frauen nachzustellen; die Oper endet in der ber\u00fchmten Schlu\u00dffuge <i>Tutto nel mondo \u00e8 burla \u2013 Alles auf Erden ist Spa\u00df<\/i>, in die die versammelte Gesellschaft einstimmt.<\/p>\n<p align=\"left\"><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p align=\"left\">Der Blick des Zuschauers auf die B\u00fchne mu\u00df zun\u00e4chst eine rot gerahmte \u00d6ffnung passieren, einen Mund, auf dessen Unterlippe die S\u00e4nger im Verlauf der Oper herumtollen und sich verstecken k\u00f6nnen. Dahinter verbirgt sich ein hohes Ger\u00fcst aus Eisenstangen, das meist von stummen Rollen bespielt oder als Garderobe genutzt wird. Die Szenerie bleibt die Oper \u00fcber unver\u00e4ndert. Mit vielf\u00e4ltigen Requisiten deutet Christof Nel die unterschiedlichen R\u00e4ume an. Die Kost\u00fcme von Barbara Aigner versetzen den Stoff in die Bundesrepublik der 50er Jahre und auch die n\u00e4chtliche Feenszene scheint einem Kost\u00fcmball dieser Zeit entsprungen zu sein. Christof Nels Regie ist aufs Burleske ausgelegt, hier ist alles Spa\u00df, alles Spiel. Auch Falstaff verkleidet sich als dicker Ritter und polstert seinen Bauch mit Kissen aus.<\/p>\n<p align=\"left\"><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p align=\"left\"><i>Falstaff<\/i>, Verdis letzte Oper, zeigt, wie jede gute Kom\u00f6die, auch die Abgr\u00fcnde der Gesellschaft auf. F\u00fcr die S\u00e4nger, die hier mehr als sonst auch Schauspieler sein m\u00fcssen, bedeutet das ein immerw\u00e4hrendes Changieren zwischen Witz und Tragik. Sie spielten und sangen mehrere Rollen zugleich. Auf geniale Weise meisterte dies <b>Thomas Jesatko<\/b> als Falstaff. Sein Ba\u00dfbariton, dem es etwas an Durchschlagskraft mangelte, blieb immer flexibel. Er stellte den Trinker, dann mit viel Schmelz den Liebhaber dar. Schnell und scharf intonierte er die Schlu\u00dffuge.<\/p>\n<p align=\"left\">Seine Kontrahentinnen, das Dreiergespann aus <b>Iris Kupke<\/b> (Mrs. Alice Ford), <b>Edna Prochnik<\/b> (Mrs. Quickly) und <b>Franziska Rabl<\/b> (Mrs. Meg Page), standen ihm stimmlich und darstellerisch in nichts nach. Exzellente Koloraturen lieferte Iris Kupke, und Franziska Rabl begeisterte mit ihrem wattig-warmen Mezzosopran. Brillant zeigten sie sich im Finale des ersten Aktes, in der M\u00e4nnerensemble, Frauengespann, Fenton und das Orchester jeweils ganz eigene Rhythmen an den Tag legen mu\u00dften. <b>Juhan Tralla<\/b> (Fenton) konnte sich hier mit seinem strahlenden Tenor gut durchsetzen. Ihm zur Seite stand <b>Eunju Kwons<\/b> (Nanetta), die zu Recht den meisten Applaus erhielt: Fast samtig weich klang ihre Mittellage und brillant die H\u00f6he. Dabei blieb die Stimme immer beweglich und flink, bereit f\u00fcr jedes Sp\u00e4\u00dfchen.<\/p>\n<p align=\"left\">Auf hohem Niveau musizierte auch das Orchester des Nationaltheaters unter der Leitung von <b>Dan Ettinger<\/b>. Bei einem solch rasanten Tempo, wie es Ettinger anschlug, erstaunten Pr\u00e4zision und Schwung der Musiker. Das Mannheimer Orchester war nicht nur Begleitung, sondern eigenst\u00e4ndiger Protagonist im Verwirrspiel um Illusion und Wirklichkeit.<\/p>\n<p align=\"left\"><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p align=\"left\">Der Mannheimer <i>Falstaff<\/i> bot einen vergn\u00fcglichen Abend mit S\u00e4ngern und Musikern auf hohem Niveau. Wundersch\u00f6n und auch aus akustischer Sicht sehr praktikabel zeigte sich das B\u00fchnenbild von Roland Aeschlimann. Die Inszenierung von Christof Nel war am\u00fcsant, mehr aber auch nicht. Eine eigene Deutung von Verdis letzter Oper lie\u00df Nel vermissen.<\/p>\n<p align=\"left\">Jelena Rothermel<\/p>\n<p align=\"left\">Bild: Hans J\u00f6rg Michel<\/p>\n<p align=\"left\">Das Bild zeigt: Thomas Jesatko (Sir John Falstaff), Edna Prochnik (Mrs. Quickly), Iris Kupke (Mrs. Alice Ford), Lars M\u00f8ller (Ford), Eunju Kwon (Nannetta), Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. Dezember 2013 (Premiere),<br \/>\nFalstaff, Verdis letzte Oper, zeigt, wie jede gute Kom\u00f6die, auch die Abgr\u00fcnde der Gesellschaft auf. 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