{"id":5310,"date":"2013-11-23T21:07:35","date_gmt":"2013-11-23T20:07:35","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5310"},"modified":"2013-12-05T21:13:32","modified_gmt":"2013-12-05T20:13:32","slug":"regina-ludwigshafen-theater-im-pfalzbau","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5310","title":{"rendered":"REGINA &#8211; Ludwigshafen, Theater im Pfalzbau"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Albert Lortzing (1801-1851), Oper in drei Akten, Text vom Komponisten, UA der Originalfassung: 14.03.1998 Gelsenkirchen<\/p>\n<p>Regie\/B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Hansg\u00fcnther Heyme<\/p>\n<p>Dirigent: Uwe Sandner, Orchester, Chor und Extrachor des Pfalztheaters, Choreinstudierung: Ulrich Nolte<\/p>\n<p>Solisten: Christoph Stegemann (Fabrikbesitzer Simon), Adelheid Fink (Regina, dessen Tochter), Daniel Ohlmann (Richard, Gesch\u00e4ftsf\u00fchrer), Daniel Henriks (Stephan, Werkmeister), Daniel Kim (Kilian, Bediensteter), Daniel B\u00f6hm (Wolfgang, Freisch\u00e4rler-Anf\u00fchrer), Ludovica Bello (Beate, Bedienstete), Geertje Nissen (Barbara, Kilians Mutter), Daniel Ewald (Freisch\u00e4rler)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. November 2013 (Premiere Ludwigshafen)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Ludwigshafen-Regina.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5311\" alt=\"Ludwigshafen Regina\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Ludwigshafen-Regina.jpg\" width=\"355\" height=\"236\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Ludwigshafen-Regina.jpg 355w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/12\/Ludwigshafen-Regina-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 355px) 100vw, 355px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/b><\/p>\n<p>Albert Lortzings letzte Oper als spannendes Dokument der \u201edeutschen Revolution\u201c von 1848. Koproduktion mit dem Theater Pfalztheater Kaiserslautern<\/p>\n<p><b>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Ein au\u00dfer Kontrolle geratender Streik der Arbeiter kann durch das Verhandlungsgeschick des Gesch\u00e4ftsf\u00fchrers Richard beigelegt werden, weshalb der Unternehmer Simon dem ergebenen Richard die Hand seiner Tochter Regina gibt. Aber auch Werkmeister Stephan wirbt um Regina, wird jedoch abgewiesen. Dieser schlie\u00dft sich den Freisch\u00e4rlern an und entf\u00fchrt Regina. W\u00e4hrend der folgenden Revolutionsk\u00e4mpfe, in denen auch Simons Fabrik in Flammen aufgeht, kann Regina eine Katastrophe verhindern: Bevor ihr Entf\u00fchrer Stephan den Pulverturm sprengen kann, erschie\u00dft sie ihn.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Hansg\u00fcnther Heyme stellt den Freiheitsgedanken in den Mittelpunkt, die revolution\u00e4re Handlung und deren politische Aspekte versucht er neutral zu halten. So sind die Arbeiter kein \u201eLumpenproletariat\u201c, sondern schwarz gekleidete Arbeiter mit einer Stirnlampe und gelbgekleidete Erntehelfer. Es gibt keine marodierende Soldateska, sondern einen eher harmlosen Sch\u00fctzenverein in nicht mehr wei\u00dfen Lumpen. Die Hauptdarsteller tragen zeitlose Anz\u00fcge, Regina ein wei\u00dfes R\u00fcschen-Kleid und Wanderstiefel. Ihr Mantel rutscht immer wieder herunter. Zum Schlu\u00dfchor zeigt sich das Volk in Kleidern der ausgehenden Biedermeier-Zeit mit schwarz-rot-goldenen Fahnen. Diese drei Farben bilden auch \u00fcber weite Strecken den B\u00fchnenhintergrund einer weitgehend leeren B\u00fchne, die immer nur mit den n\u00f6tigsten Requisiten best\u00fcckt wird.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>In dieser Freiheitsoper nimmt der vergr\u00f6\u00dferte Chor eine zentrale Rolle ein, bestens eingestimmt, harmonisch und klangsch\u00f6n vorbereitet von <b>Ulrich Nolte<\/b>: Zun\u00e4chst als Arbeiterchor: <i>Beschlossen ist, zu Ende sei die Knechtschaft und die Tyrannei,<\/i> sp\u00e4ter als Volk im walzerseligen Finale. Die musikalische Wiederauferstehung der Lortzing Oper wird gen\u00fc\u00dflich von <b>Uwe Sandner<\/b> zelebriert, besonders die heiteren Ans\u00e4tze einer Spieloper arbeitet er heraus, aber ebenso die Harmonien einer romantischen Oper klingen mit revolution\u00e4rem Pathos (auch ein wenig d\u00fcster!) schon im Vorspiel an. Leider klappert es im Graben aber etwas zu h\u00e4ufig, jedoch die S\u00e4nger m\u00fchen sich redlich: \u00dcber einen tollen heldenbaritonal gef\u00e4rbten Ba\u00df verf\u00fcgt der Wagner erprobte <b>Christoph Stegemann<\/b> als Fabrikbesitzer Simon, der <i>rings im Lande Sturmgebraus <\/i>feststellt. <b>Daniel Henriks<\/b> ist der revolution\u00e4re Eiferer Stephan, der zwar vom <i>irdischen Paradies<\/i> singt, jedoch das Publikum mit <i>Nun ist mein Los entschieden<\/i> mit baritonaler Wucht traumatisiert. Nicht verdient hat <b>Daniel Ohlmann<\/b> als Richard, da\u00df er Regina bekommt, denn sein kleiner Tenor kann nicht durchdringen und ist in den tenoralen H\u00f6henlagen sp\u00e4testens ab der Kopfstimme nicht mehr tragend. Wie er die Arbeiter mit der Feststellung <i>Verstand! Frei geboren sind wir alle! <\/i>\u00fcberzeugen will? \u00dcberzeugen kann auch nicht <b>Adelheid Fink<\/b>, die sehr bla\u00df blieb, ihr Sopran ist nicht frei von Sch\u00e4rfen. Symptomatisch ihr Duett mit Richard: <i>Oh steh uns bei! <\/i><\/p>\n<p>Insgesamt gelungen die Besetzung der Nebenrollen. Da ist der dritte Tenor dieser Oper <b>Daniel B\u00f6hm<\/b>, der sehr zur\u00fcckhaltend und lyrisch weich den R\u00e4uberhauptmann Wolfgang spielt. Besonders zu nennen der sehr bewegliche und ausdrucksstarke Spieltenor <b>Daniel Kim<\/b> als Kilian, der den Aufruf an die Obrigkeit singt: <i>Hinaus, Diridum, was nicht dem Land zu nutze ist\u2026 der mit gestohl\u2018nem Glanz umh\u00fcllt, nur stets den eigenen S\u00e4ckel f\u00fcllt!<\/i><\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Es ist das gro\u00dfe Verdienst von <b>Hansg\u00fcnther Heyme,<\/b> diese wichtige (und eigentlich einzige) deutsche Freiheitsoper der Vergessenheit entrissen zu haben. Es ist unfa\u00dfbar, da\u00df dies erst die zweite unzensierte vollst\u00e4ndige Produktion ist. Ebenso schlimm, da\u00df viele Deutsche mit den Ereignissen des Vorm\u00e4rz 1848 wenig anfangen k\u00f6nnen, einen fragenden Sch\u00fcler setzt Heyme daher an den B\u00fchnenrand. Wenn der \u201eFreiheit gro\u00dfer Morgen\u201c heraufd\u00e4mmert, badet die Inszenierung in den Revolutionsfarben Schwarz, Rot und Gold, der Schlu\u00dfchor ist die \u201eDeutsche Volkshymne\u201c des Paulskirchenparlaments von 1848: <i>Heil Freiheit dir \u2026 und einig seid<\/i>! Auch musikalisch ist der Abend eine Entdeckung, Lortzing ist viel mehr als die heitere Spieloper <i>Zar und Zimmermann<\/i>. Beim Applaus orientiert sich das Publikum zun\u00e4chst an der etwas zu sehr in den Vordergrund ger\u00fcckten konturlosen Dreiecks-Liebes-Geschichte, feiert jedoch die musikalische Ausgrabung. Eine Musik- und Geschichtsstunde, die man geh\u00f6rt haben mu\u00df: <i>Das St\u00fcck wartet auf bessere Zeiten (Lortzing)!<\/i><\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Hans-J\u00fcrgen Brehm-Seufert (Pfalztheater Kaiserslautern)<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: v. l.n.r. Christoph Stegemann (Simon), Adelheid Fink (Regina), Daniel Ohlmann (Richard), Daniel Henriks (Stephan), Mitglieder des Chores<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. 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