{"id":5258,"date":"2013-11-09T15:57:17","date_gmt":"2013-11-09T14:57:17","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5258"},"modified":"2013-12-03T21:07:35","modified_gmt":"2013-12-03T20:07:35","slug":"les-vepres-siciliennes-die-sizilianische-vesper-london-royal-opera-house","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5258","title":{"rendered":"LES V\u00caPRES SICILIENNES \u2013 DIE SIZILIANISCHE VESPER &#8211; London, Royal Opera House"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Guiseppe Verdi (1813-1901), Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Eug\u00e8ne Scribe und Charles Duveyrier, UA 13. Juni 1853 Paris, Op\u00e9ra, Salle de la rue Le Peletier<\/p>\n<p>Regie: Stefan Herheim, Dramaturgie: Alexander Meier-Doerzenbach, B\u00fchne: Philipp Fuerhofer, Kost\u00fcme: Gesine Voellm, Lichtdesign: Anders Poll, Choreographie: Andr\u00e9 de Jong<\/p>\n<p>Dirigent: Vasko Vassilev, Orchester des Royal Opera House, Choreinstudierung: Renato Balsadonna<\/p>\n<p>Solisten: Lianna Haroutounian (H\u00e9l\u00e8ne), Bryan Hymel (Henri), Michael Volle (Guy de Montfort), Erwin Schrott (Jean Procida) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 7. November 2013<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Londeon-Sizil-Vesper.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5259\" alt=\"LES V\u00caPRES SICILIENNES; ROH, H\u00e9l\u00e8ne; LIANNA HAROUTOUNIAN, Henri; BRYAN HYMEL, Jean Procida; ERWIN SCHROTT, Guy de Montfort; MICHAEL VOLLE, Le Sire de B\u00e9thune; JEAN TEITGEN, Le Comte de Vaudemont; JEREMY WHITE, Ninetta; MICHELLE DALY, Thibault; NEAL COOPER, Robert; JIHOON KIM, Dani\u00e9li; NICOLAS DARMANIN, Mainfroid; JUNG SOO YUN\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Londeon-Sizil-Vesper.jpg\" width=\"378\" height=\"252\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Londeon-Sizil-Vesper.jpg 378w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/11\/Londeon-Sizil-Vesper-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 378px) 100vw, 378px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Sizilien leidet unter franz\u00f6sischer Fremdherrschaft. Die Herzogin H\u00e9l\u00e8ne tr\u00e4umt von Befreiung. Sie verliebt sich in den jungen Sizilianer Henri. Dieser wei\u00df nicht, da\u00df er der uneheliche Sohn Montforts, des franz\u00f6sischen Gouverneurs, ist. Zusammen mit dem Arzt Procida plant das junge Paar Montforts Ermordung. Als sich Monfort jedoch als Henris Vater zu erkennen gibt, vereitelt Henri das geplante Attentat. Procida und H\u00e9l\u00e8ne sollen hingerichtet werden. Der Gouverneur will das Urteil aufheben, wenn Henri sich \u00f6ffentlich zu ihm als Sohn bekennt. Die Hochzeit des Paares sollte den Frieden im Land besiegeln. H\u00e9l\u00e8ne erf\u00e4hrt, da\u00df das L\u00e4uten der Hochzeitsglocken den Sizilianern als Zeichen zum Angriff dienen soll und verweigert daraufhin Henri ihre Hand. Um das Gl\u00fcck seines Sohnes zu bef\u00f6rdern, gibt Montfort schlie\u00dflich das Zeichen zum L\u00e4uten der Glocken. Der blutige Aufstand bricht los.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Procida als Ballettchef ist umgeben von T\u00e4nzerinnen in klassischen Ballett-Tutus, die \u00dcbungen vor einer Spiegelwand an der Ballettstange ausf\u00fchren.<b> <\/b>Im Verlauf des Abends wird die B\u00fchne immer wieder zu einem B\u00fchnenraum auf der B\u00fchne, mit Logen und R\u00e4ngen, vollbesetzt mit b\u00fcrgerlichem Publikum.<\/p>\n<p>Soldaten st\u00fcrmen den Raum, die T\u00e4nzerinnen werden vergewaltigt, eine mitten auf der B\u00fchne von Monfort. Immer wieder tauchen die T\u00e4nzerinnen auf, nun in Schwarz gekleidet, teils schwanger, teils mit einem Kind an der Hand. Montfort wird noch in der Ouvert\u00fcre der Kontakt zu seinem Kind verwehrt, da\u00df ihm immer wieder begegnet und sogar bedroht. Als Procida und H\u00e9l\u00e8ne hingerichtet werden sollen, taucht der Junge als Henker mit Fl\u00fcgeln und \u00fcbergro\u00dfem Beil auf.<\/p>\n<p>B\u00fchnenverschiebungen, der Spiegel als Raumerweiterung und auch Tor zu neuem B\u00fchnenraum, eine Opernkulisse der Grand Opera und ein d\u00fcsterer Kerker lassen die Spielst\u00e4tten der einzelnen Handlungsstrecken immer wieder neu entstehen.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Bei<b> Lianna Haroutounian <\/b>(H\u00e9l\u00e8ne) ist besonders ihre Soloarie <i>Viens \u00e0 nous, Dieu tut\u00e9laire<\/i> <i>\u2013 Komm, sch\u00fctzender Gott<\/i> zu Beginn der Oper hervorzuheben. Ihr farbenreicher Sopran, in den H\u00f6hen \u00a0messerscharf, ist in den Tiefen warm und erholsam. Die komplexen Koloraturen, die einen gro\u00dfen Tonambitus umspannen, erscheinen anf\u00e4nglich m\u00fchelos. Doch im letzten Akt merkt man deutlich Erm\u00fcdungsescheinungen, und bei ihrer Soloarie <i>Merci, jeunes amies \u2013 Danke, junge Freundinnen <\/i>vermag sie es nicht mehr, den gesamten Saal stimmlich einzunehmen. Allerdings ist ihre Darstellung der Zerrissenheit ihres Charakters zwischen Ha\u00df, Rache und Leidenschaft ausgezeichnet. Einige Beispiele: Verwirrt tr\u00e4gt sie den verwesenden Kopf ihres ermordeten Brudes mit sich herum, doch genauso entschlossen schw\u00f6rt sie Rache und beteuert ihre Liebe zu Henri.<\/p>\n<p>Bariton <b>Michael Volle<\/b> ist ein Gl\u00fccksgriff in der Besetzung des Montfort. Seine Ausdrucksst\u00e4rke steigert sich \u00fcber den Abend hinweg und seine Strategie der Kr\u00e4fteeinteilung scheint aufzugehen. W\u00e4hrend er in den ersten beiden Akten Boshaftigkeit und Machtbessenheit ausstrahlt, zeigt sich schon bald seine emotionale Leere und Sehnsucht nach N\u00e4he, die jedoch immer wieder zur\u00fcckgewiesen wird. Seine Verzweiflung kulminiert im dritten Akt in <i>Au sein de la puissance<\/i> \u2013 inmitten der Macht und dem Rezitativ <i>Je n&#8217;en puis revenir \u2013 ich kann\u2019s nicht fassen <\/i>als er Henri offenbart, da\u00df er sein Vater ist. Der Tenor <b>Bryan Hymel<\/b> (Henri) steht Volle in nichts nach und setzt seinen schlanken Tenor eindrucksvoll ein. Insbesondere in den h\u00f6heren Lagen ist er zu Hause; eine Eigenschaft, die ihm bei der von Verdi insgesamt relativ hoch angesetzten Tenor-Rolle sehr zugute kommt.<\/p>\n<p>Der tief klingende Ba\u00df <b>Erwin Schrotts<\/b> (Jean Procida) ist der gelungen besetzte Counterpart zu Michael Volle. Das gro\u00dfe Chorfinale <i>C\u00e9l\u00e9brons ensemble l&#8217;hymen glorieux<\/i> \u2013 <i>feiern wir zusammen den herrlichen Gesang<\/i> vor der Massenexekution bringt noch einmal einen G\u00e4nsehautmoment. Das Royal Opera Orchester unter der Leitung von <b>Antonia Pappano<\/b> ist musikalisch ein Genu\u00df.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Im Verdijahr pr\u00e4sentiert Covent Garden die Verdi Oper in der original franz\u00f6sischen Form.<\/p>\n<p>Die Produktion versetzt die Handlung aus dem 13. Jahrhunderts nach Paris 1855. Diese Versetzung ist nichts Neues. Stefan Herheim weicht in Teilen entscheidend von der Vorlage ab: Procida ist nicht von Beginn an als Freiheitsk\u00e4mpfer charakterisiert, sondern agiert als Ballettchef. Manche Anspielungen auf die franz\u00f6sische Knechtschaft erscheinen etwas plump, wie beispielsweise als Procida als schwarz verkleidete Frau (Kontrapunkt zu H\u00e9l\u00e8ne in der Hochzeitsrobe) alle Anwesenden mit der Spitze der franz\u00f6sischen Flagge ersticht. Trotzdem l\u00e4\u00dft die Inszenierung keine Langeweile aufkommen und Dank der S\u00e4nger und ihrer schauspielerischen Leistung ist die Auff\u00fchrung dieser Oper einen Besuch wert.<\/p>\n<p>Katharina Rupprich<\/p>\n<p>Bild: Bill Cooper<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: (v.l.n.r.) Erwin Schrott (Jean Procida), Lianna Haroutounian (H\u00e9l\u00e8ne), Michael Volle (Guy de Montfort), Bryan Hymel (Henri)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 7. November 2013<br \/>\nBei Lianna Haroutounian (H\u00e9l\u00e8ne) ist besonders ihre Soloarie Viens \u00e0 nous, Dieu tut\u00e9laire \u2013 Komm, sch\u00fctzender Gott zu Beginn der Oper hervorzuheben. 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