{"id":5190,"date":"2013-10-22T20:02:01","date_gmt":"2013-10-22T19:02:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5190"},"modified":"2013-11-02T15:29:26","modified_gmt":"2013-11-02T14:29:26","slug":"written-on-skin-bonn-opernhaus","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5190","title":{"rendered":"WRITTEN ON SKIN  &#8211; Bonn, Opernhaus"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von George Benjamin (geb. 1960), Oper in drei Akten, Libretto: Martin Crimp (geb. 1956) nach einem proven\u00e7alischen Gedicht aus dem 13. Jahrhundert <i>Guillem de Cabestanh \u2013 Le c\u0153ur mang\u00e9<\/i>, UA: 7. Juli 2012 Aix-en-Provence, Grand Th\u00e9\u00e2tre de Provence. (Deutsche Erstauff\u00fchrung 23. Juli 2012, Prinzregententheater, M\u00fcnchen)<\/p>\n<p>Regie: Alexandra Szem\u00e9redy, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Magdolna Parditka<\/p>\n<p>Dirigent: Hendrik Vestmann, Licht: Thomas Roscher<\/p>\n<p>Solisten: Miriam Clark(Darstellerin)\/Elin Rombo (Gesang), Evez Abdulla (Protector), Terry Wey (Erster Engel\/Junge), Susanne Blattert (Marie\/\/Zweiter Engel), Tam\u00e1s Tarj\u00e1nyi ( Dritter Engel\/John)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 20. Oktober 2013 (3. Auff\u00fchrung, Premiere 29. September 2013)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Bonn-Written-on-Skin.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5191\" alt=\"Bonn Written-on-Skin\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Bonn-Written-on-Skin.jpg\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Bonn-Written-on-Skin.jpg 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Bonn-Written-on-Skin-300x199.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Aus der Perspektive der Engel des 21. Jahrhunderts wird die Geschichte aus dem 13. Jahrhundert (Textvorlage) erz\u00e4hlt. Ein reicher Landbesitzer l\u00e4dt einen jungen K\u00fcnstler zu sich nach Hause ein, wo dieser ein illuminiertes Buch kreieren soll. Der Landbesitzer m\u00f6chte, da\u00df das Buch die gewaltsamen Aktionen unter seiner Herrschaft in Bildern festh\u00e4lt und gleichzeitig die friedvolle, heimische Ordnung, die er sehr genie\u00dft, f\u00fcr die Ewigkeit erh\u00e4lt. Verk\u00f6rpert wird diese Ordnung von seiner Frau Agn\u00e8s, ihrer Bescheidenheit und ihrem kindlichen Gehorsam. Die Entstehung des Buches wird jedoch zum Katalysator rebellischer Gef\u00fchle der Frau. Ihr erster Verf\u00fchrungsversuch gilt dem K\u00fcnstler. Er gelingt und sie nutzt ihre neue intime Verbindung, um den Inhalt des entstehenden Buches zu beeinflussen. Auf diese Weise zwingt sie ihren Mann, sie so zu sehen, wie sie wirklich ist. Ihr Mann setzt ihr schlie\u00dflich aus m\u00f6rderischer Eifersucht das Herz ihres Liebhabers als Mahlzeit vor.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung <\/b><\/p>\n<p>Auf der B\u00fchne ist eine steinerne H\u00f6hle zu sehen, ausgestattet mit allgegenw\u00e4rtigen B\u00fcchern, in Regalen geordnet oder zu w\u00fcsten Haufen get\u00fcrmt, unter denen nach und nach geschundene Menschen hervorkriechen. Die linke B\u00fchnenseite nimmt ein separiertes Zimmer ein, dessen schiefe W\u00e4nde einen surrealen, nichtsdestoweniger bedrohlichen Eindruck hinterlassen. Darin sitzt der Landbesitzer und h\u00e4lt seine Frau Agnes an einer goldenen Kette. Durch den wankenden Raum f\u00fchrt eine Treppe. Die B\u00fchne ist dunkel und wirkt gespenstisch. Als sich die Handlung in Gang setzt, nehmen die Bilder des imagin\u00e4ren Buches auf der B\u00fchne Gestalt an, die Greueltaten des Protektors werden in krassen Szenen umgesetzt: Massengeburten oder sich selbst vergasende Menschen, kriechende Bettler oder grau gekleidete Konsums\u00fcchtige. Die indisponierte Hauptdarstellerin Miriam Clark kann in der besuchten Vorstellung nur mimisch agieren. Ihr Gesangspart wird von der B\u00fchnenseite aus durch Elin<b> <\/b>Rombo gesungen. Clark bewegt nicht einmal den Mund, so ersch\u00f6pft wirkt sie. Ihre Rolle der Agnes zeigt sie als von kalter Lust besessene Analphabetin. Ihr Mann, der Landbesitzer, ist ihr grausamer Gegenpart, der beim Zuschauer jedoch mehr Sympathiepunkte sammelt, eine sehr verdrehte Darstellung menschlicher Existenzen. Der k\u00fcnstlerische Junge kommt als infantiler, harmloser Mensch dazu. Die beiden Engel in verschiedenen Ausstattungen, als Adam und Eva, als Sado-Maso Gespann, als Spieler und wei\u00dfgekleidete \u00fcberirdische Wesen kommentieren das Geschehen. Eine reich bebilderte Geschichte. Als der Landbesitzer seiner Frau am Ende das Herz des jungen K\u00fcnstlers serviert, gleicht sie dem gekreuzigten Jesus und das Mahl dem des Abendmahls \u2013 eine Versinnbildlichung und gleichzeitige religi\u00f6se Travestie des grausamen Machtspiels.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Die Musik von George Benjamin ist eine gut h\u00f6rbare Komposition, in der einige ungew\u00f6hnliche Instrumente wie Glasharmonika oder Ba\u00df-Viola da Gamba besetzt sind, und die mitunter mit archaischen Kl\u00e4ngen arbeitet.\u00a0 Etwas nervig war die bis kurz vor Vorstellungsbeginn permanente \u00dcberei im Orchestergraben. <b>Hendrik Vestmann<\/b> f\u00fchrte das Beethoven Orchester geschmeidig durch die interessante Partitur, von der jedoch die fast \u00fcberreiche Bilderflut auf der B\u00fchne ziemlich ablenkte. Aus dem durchweg guten Solistenensemble ragte die eingesprungene <b>Elin<\/b> <b>Rombo<\/b> (aus der Amsterdamer Produktion) mit ihrem elastischen Sopran nochmal positiv heraus. <b>Terry Wey<\/b> gl\u00e4nze mit seinem bruchlosen Counter-Tenor und sensiblen Spiel als junger K\u00fcnstler, wie auch <b>Evez Abdulla<\/b> mit solider baritonaler Tiefe und in h\u00f6heren Lagen geschmeidig t\u00f6nendem Bariton als Landbesitzer. <b>Susanne Blattert<\/b> und <b>Tam\u00e1s Tarj\u00e1nyi<\/b> waren als Engel vielseitige Nebendarsteller, die ihren wechselhaften Gesangspartien als Mezzo und Tenor sehr gut gerecht wurden. Ihre abwechslungsreiche Ausstaffierung bestach durch extravagantes Design und war bis hin zu den Frisuren sehenswert und geschmackvoll. F\u00fcr die Massenszenen hatte sich die Regie eine Flut von textinspirierten Handlungen einfallen lassen, in der der Zuschauer sehr viel zu entdecken hatte.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Das Libretto wurde in eine sehr bedr\u00fcckende, ins B\u00fchnendunkel geh\u00fcllte Szenerie umgesetzt und mit einer wahren Bilderflut erz\u00e4hlt, \u00fcber der die Musik fast in den Hintergrund trat. Im Mittelpunkt der Oper stand eine skurrile, fast psychopathische Beziehung um abartige Machtverh\u00e4ltnisse zwischen Mann und Frau. Grandios gesungen und sehr gut musiziert, vom Sujet her allerdings nichts f\u00fcr schwache Gem\u00fcter.<\/p>\n<p>Felicitas Zink<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Miriam Clark (Agn\u00e8s; his wife); Evez Abdulla (The Protector)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 20. 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