{"id":5187,"date":"2013-10-21T19:56:42","date_gmt":"2013-10-21T18:56:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5187"},"modified":"2013-11-02T15:30:40","modified_gmt":"2013-11-02T14:30:40","slug":"macbeth-essen-aalto-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5187","title":{"rendered":"MACBETH &#8211; Essen, Aalto-Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1883), Oper in vier Akten, Libretto: Francesco Maria Piave und Andrea Maffei, UA 14. M\u00e4rz 1847 Florenz<\/p>\n<p>Regie: David Hermann, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Christoph Hetzer<\/p>\n<p>Dirigent: Tom\u00e1\u0161 Netopil, Essener Philharmoniker, Chor des Aalto Theaters<\/p>\n<p>Solisten: Tommi Hakala (Macbeth), Gun-Brit Barkmin (Lady Macbeth), Alexey Sayapin (Macduff), Liang Li (Banquo) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. Oktober 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Essen-macbeth_08.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5188\" alt=\"&quot;Macbeth&quot; - Oper in vier Akten von Giuseppe Verdi Aalto Opernhaus Essen Premiere am 19.Oktober 2013 ______________________________ Tommi Hakala (Macbeth) Gun-Brit Barkmin (Lady Macbeth)\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Essen-macbeth_08.jpg\" width=\"350\" height=\"234\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Essen-macbeth_08.jpg 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Essen-macbeth_08-300x200.jpg 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Schottland im fr\u00fchen Mittelalter: Die Feldherren Macbeth und Banquo treffen auf eine Gruppe geheimnisvoller Frauen (Hexen?), die ihnen Gro\u00dfes prophezeien: Macbeth werde nach einer steilen Karriere K\u00f6nig, Banquo aber Vater von K\u00f6nigen. Als Macbeth kurz darauf bef\u00f6rdert wird, scheint sich sein Teil der Prophezeiung zu erf\u00fcllen. Macbeths Frau r\u00e4t, dem Schicksal etwas nachzuhelfen und den derzeitigen K\u00f6nig Duncan zu t\u00f6ten. Gesagt, getan. Auch Banquo mu\u00df sterben, damit er keine zuk\u00fcnftigen K\u00f6nige zeugen kann. Als der Adlige Macduff Verdacht sch\u00f6pft, l\u00e4\u00dft Macbeth kurzerhand dessen gesamte Familie ermorden. Aber das Ende naht: Duncans Sohn Malcolm und Macduff ziehen mit einem englischen Herr gegen Macbeth, der in der Schlacht bei Birnam unter Macduffs Schwert f\u00e4llt. Lady Macbeth hat in der Zwischenzeit, dem Wahnsinn verfallen, Selbstmord begangen.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Schwarz ist die vorherrschende Farbe auf der B\u00fchne f\u00fcr dieses vielleicht d\u00fcsterste Werk Verdis. Markante Akzente setzt die gelegentliche blutrote Ausleuchtung der Hinterb\u00fchne. Die Ausstattung kommt mit einer eisernen Br\u00fccke im Zentrum, einem f\u00fcr Projektionen und Szenenwechsel genutzten W\u00fcrfel und einem Sarkophag aus, der zu einem Wasserbecken oder einem Tisch umfunktioniert werden kann. Die Kost\u00fcme sind modern, nur die Haartracht der M\u00e4nner deutet den archaischen Originalschauplatz an. Die Hexen treten als k\u00f6rperlose Stimmen auf und werden durch Naturgewalten wie einen vom Sturm entwurzelten Baum visualisiert.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Handlung von zentraler Bedeutung sind Kinder: Schon w\u00e4hrend des Orchester-Vorspiels begegnen sich Macbeth und seine Frau an einem Grab: dem ihres Sohnes, wie sich im Laufe des Abends herausstellt. Der tote Sohn taucht an zentralen Stellen der Handlung immer wieder auf, stellt sich Macbeth sogar in den Weg. Bei Macbeths Vision im dritten Akt hat sich das Kind vervielfacht, ist zu einer stummen Horde geworden, die den M\u00f6rder in die Enge treibt. Vers\u00f6hnlich ist dagegen das Ende: Der t\u00f6dlich verletzte Macbeth streckt die Hand nach seinem Sohn aus und erreicht ihn, bevor er stirbt.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p><b>Tom\u00e1\u0161 Netopil<\/b>, neuer Generalmusikdirektor der <b>Essener Philharmoniker<\/b>, gelingt mit seiner ersten Premiere ein fulminanter Einstieg: eine pulsierende, sich in fast schroffen Ausbr\u00fcchen Luft machende Spannung, dazu, im Kontrast, d\u00fcstere Melancholie, und ein stets fein ausgewogenes Klangbild ohne die vor allem bei deutschen Orchestern oft notorische Blechlastigkeit: Selten nehmen au\u00dferhalb Italiens Dirigent und Musiker eine Verdi-Partitur(zumal aus der fr\u00fchen Schaffensperiode) so ernst.<\/p>\n<p>F\u00fcr die weibliche Hauptrolle w\u00fcnschte sich Verdi bekanntlich eine \u201eh\u00e4\u00dfliche Stimme\u201c. Die hat <b>Gun-Brit Barkmin<\/b> (Lady Macbeth) wahrhaftig nicht, aber sie wei\u00df, da\u00df diese Partie mit purem Sch\u00f6ngesang nichts zu tun hat. Es ist faszinierend, wie sie ihre hochexpressive Stimme zu d\u00e4monischen Farben in <i>La luce langue \u2013 Das Licht schwindet <\/i>oder qualvoll erstickten T\u00f6nen in <i>Una macchia \u00e8 qui tuttora \u2013 Dieser Fleck ist immer da<\/i> greifen l\u00e4\u00dft. Ein Gl\u00fccksfall f\u00fcr die Auff\u00fchrung ist auch <b>Tommi Hakala<\/b> in der Titelpartie, der Macbeth von Anfang an als gebrochenen, traumatisierten Charakter darstellt. Seinem dunklen, bis zuletzt kraftvollen Bariton liegt der pathetische Machtgestus der Figur in ebenso wie ihre nicht nur unterschwellige Verletzlichkeit in <i>Piet\u00e0, rispetto, amore \u2013 Gnade, Respekt, Liebe. <\/i>Den pr\u00e4chtigen musikalischen Gesamteindruck best\u00e4tigen <b>Liang Li<\/b> (Banquo) mit rabenschwarz timbriertem, aber sensiblem Ba\u00df sowie der bestens aufgelegte \u2013 und zeitweise im Zuschauerraum plazierte \u2013 <b>Chor<\/b> des Aalto Theaters. Etwas zur\u00fcckstecken mu\u00df der junge Tenor <b>Alexey Sayapin<\/b> (Macduff): Die Arie <i>Oh figli miei \u2013 Oh meine Kinder <\/i>singt er klangsch\u00f6n und stilvoll, seine Stimme ist allerdings (noch) zu klein, um sich im Ensemble durchzusetzen.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Musikalisch wie szenisch hat der Abend eine suggestive Kraft, die manchen Zuschauer auch nach dem letzten Vorhang nur schwer loslassen d\u00fcrfte. Da\u00df f\u00fcr den Schlu\u00df die harte, abrupt endende Fassung ohne Finalchor gew\u00e4hlt wurde, tr\u00e4gt wesentlich dazu bei. Regisseur <b>David Hermann<\/b> und sein B\u00fchnenbildner <b>Christoph Hetzer<\/b> setzen das blutr\u00fcnstige Werk in atemberaubende Bilder und mit Sinn f\u00fcr perfektes Timing um. Auch die tiefenpsychologische Deutung der Figuren \u00fcberzeugt: Hier zeigt sich, da\u00df Hermann nicht nur die Oper, sondern auch die Vorlage, Shakespeares St\u00fcck, sehr genau studiert hat. Besser h\u00e4tte die neue Spielzeit in Essen nicht starten k\u00f6nnen!<\/p>\n<p>Eva-Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: Matthias Jung<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Tommi Hakala (Macbeth), Gun-Brit Barkmin (Lady Macbeth)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 19. 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