{"id":5134,"date":"2013-10-06T15:05:23","date_gmt":"2013-10-06T14:05:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5134"},"modified":"2013-12-03T17:20:27","modified_gmt":"2013-12-03T16:20:27","slug":"die-csardasfurstin-freiburg-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5134","title":{"rendered":"DIE CS\u00c1RD\u00c1SF\u00dcRSTIN &#8211; Freiburg, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Emmerich K\u00e1lm\u00e1n (1882-1953), Operette in drei Akten, Libretto: Leo Stein, Bela Jenbach, UA: 17. November 1915 Wien, Johann-Strau\u00df Theater<\/p>\n<p>Regie: Frank Hilbrich, B\u00fchne: Volker Thiele, Kost\u00fcme: Gabriele Rupprecht, Licht: Michael Philipp, Dramaturgie: Dominica Volkert<\/p>\n<p>Dirigent: Gerhard Markson, Orchester: Philharmonisches Orchester Freiburg, Opernchor des Theater Freiburg, Choreinstudierung: Bernhard Moncado<\/p>\n<p>Solisten: Frank Albrecht (F\u00fcrst Leopold Maria von und zu Lippert-Weylersheim), Helga Eggert (Anhilte, seine Frau), Roberto Gionfriddo (Edwin, ihr erster Sohn), Leon R\u00fcttinger (Eugen, ihr Zweiter Sohn), Sigrun Schell (Komtesse Anastasia, genannt Stasi), Jana Havranov\u00e1 (Sylva Varescu), Christoph Waltle (Graf Boni Kancsianu), Victor Calero (Feri von Kerekes), Wojciech Alicca (Bacsi von Kerekes), J\u00f6rg Golombek (Notar Kiss)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. Oktober 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Freiburg-Csadasf\u00fcrstin.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5135\" alt=\"Freiburg-Csadasf\u00fcrstin\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/10\/Freiburg-Csadasf\u00fcrstin.gif\" width=\"350\" height=\"232\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Edwin von und zu Lippert-Weylersheim liebt die Variet\u00e9 S\u00e4ngerin Sylva Varescu und l\u00e4\u00dft den Ehevertrag mit ihr aufsetzen. Doch haben seine Eltern ohne Edwins Wissen heimlich bereits eine Verbindung mit der Komtesse Stasi arrangiert. Als Sylva die Verlobungsanzeige sieht, taucht sie verkleidet bei den Lippert-Weylersheims mit Edwins adligem Freund Boni als dessen Frau auf, um sich zu r\u00e4chen. Boni verliebt sich in Stasi, und\u00a0Edwin m\u00f6chte die geschiedene Sylva, nun ja, eine Gr\u00e4fin, nach wie vor heiraten. Damit ist wiederum Sylva nicht einverstanden, denn sie m\u00f6chte als Variet\u00e9-S\u00e4ngerin, nicht als Gr\u00e4fin, ernst genommen werden. Nach kom\u00f6dientypischem Hin und Her kommt es jedoch schlie\u00dflich zum gl\u00fccklichen Ende.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Die Freiburger Inszenierung entfernt sich im Zeichen ironisierender Selbstreflexivit\u00e4t stark von der urspr\u00fcnglichen Textvorlage. Viel wurde hinzugef\u00fcgt, manches ver\u00e4ndert oder weggelassen. Aus Sylvas drohendem Abschied nach Amerika wird der \u201eTod der Operette\u201c, man bezeichnet sich gegenseitig als Operettenfigur usw. Heraus kommt vor allem eine Parodie auf Wagner und die Wagners, in der F\u00fcrst Leopold ausgiebig in Stabreimen salbadert und mit seiner Gattin zum musikalischen Beginn des zweiten Aufzugs von <i>Die Walk\u00fcre<\/i> schlecht Ballett tanzt. Fl\u00fcgelhorn-Requisiten, eine steife Wagnerianer-Gemeinde sowie Ausz\u00fcge aus <i>Lohengrin<\/i> und den <i>Meistersingern<\/i> sind inklusiv. Variet\u00e9-gerecht befindet sich das Orchester auf der B\u00fchne, im Guckkasten und mit Vorhang nach hinten verlagert, w\u00e4hrend die Spielfl\u00e4che in allen drei Akten unver\u00e4ndert bleibt. Eugen wird von Edwins Vetter zu dessen kleinem, schleimigen Bruder, der Blockfl\u00f6te \u00fcbt und st\u00e4ndig von den Erwachsenen geschubst und verpr\u00fcgelt wird. Daf\u00fcr darf er am Schlu\u00df seine Aggression mit Kreidezeichnungen ausleben, die auf den historischen Weltkriegszusammenhang verweisen, in dem <i>Die Cs\u00e1rd\u00e1sf\u00fcrstin<\/i> entstand.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Jana Havranov\u00e1 und Roberto Gionfriddo<i> <\/i>agieren wie der Rest des Ensembles mit der n\u00f6tigen Leichtigkeit. K\u00e1lm\u00e1ns Gesangsnummern verstrahlen an diesem Abend dank der musikalischen Leistungen ihren unwiderstehlichen Zauber. Die in der Slovakei geborene <b>Havranov\u00e1<\/b><i> <\/i>pflegt, da sie eine ungarische Diva spielt, ihren osteurop\u00e4ischen Akzent und entwickelt Soubretten-Qualit\u00e4t. Die Duette mit <b>Gionfriddo <\/b>werden dank stimmlicher Geschmeidigkeit und W\u00e4rme in der H\u00f6he zu kleinen Schmuckst\u00fccken. Kom\u00f6diantischer \u00dcberschwang, der bisweilen kontrolliert ins Exzessive abdriftet, findet sich auch bei <b>Christoph Waltle, Victor Calero<\/b> und <b>Wojciech Alicca. Sigrun Schell<\/b> gelingt der Spagat zwischen Wagner-Heroine und Operetten-Darstellerin ausgezeichnet. Die Sprechrollen des F\u00fcrstenpaares werden von <b>Frank Albrecht<\/b><i> <\/i>und <b>Helga Eggert<\/b> wunderbar \u00fcberzeichnet gegeben. Das <b>Philharmonische Orchester Freiburg<\/b> unter <b>Gerhard Markson<\/b> zeigt \u201awalzernd\u2018 und \u201azigeunernd\u2018, da\u00df es auch Operette spielen kann, w\u00e4hrend der Opernchor des Theaters Freiburg klanglich etwas brachial wirkt, darstellerisch das Ensemble aber gut erg\u00e4nzt.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p><b>Hilbrichs<\/b> Regie kommt teils als offenes Selbstzitat seiner eigenen vergangenen Freiburger Wagner-Inszenierungen und als Abarbeiten am Wagner-Komplex daher. Das Ausbuchstabieren des alten \u201aKonflikts\u2018 E versus U bzw. Oper versus Operette wirkt im Jahr 2013 aber doch zu abgegriffen, um wirklich clever, geschweige denn zeitgem\u00e4\u00df zu sein. Es sei denn, man versteht Hilbrichs Wagner-Parodie wiederum als Parodie auf den \u201everstaubten Opernbetrieb\u201c. Dies w\u00fcrde insofern Sinn ergeben, als Wagner nicht erst seit Loriot einen dankbaren Parodie-Gegenstand bildet. Hilbrichs eigene Textfassung ist gleichwohl gekonnt, die vielen Ver\u00e4nderungen merkt man ihr kaum an. Komisch ist es allemal, und es funktioniert, nicht zuletzt dank der \u00fcberdurchschnittlichen musikalischen wie schauspielerischen Darbietungen. Das Publikum jedenfalls tobte vor Begeisterung und lie\u00df keine Buhs h\u00f6ren.<\/p>\n<p>Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Maurice Korbel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Roberto Gionfriddo, Frank Albrecht, Jana Havranov\u00e1 und Ensmble<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 5. Oktober 2013 (Premiere)<br \/>\nJana Havranov\u00e1 und Roberto Gionfriddo agieren wie der Rest des Ensembles mit der n\u00f6tigen Leichtigkeit. K\u00e1lm\u00e1ns Gesangsnummern verstrahlen an diesem Abend dank der musikalischen Leistungen ihren unwiderstehlichen Zauber. Die in der Slovakei geborene Havranov\u00e1 pflegt, da sie eine ungarische Diva spielt, ihren osteurop\u00e4ischen Akzent und entwickelt Soubretten-Qualit\u00e4t. 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