{"id":5100,"date":"2013-09-16T16:44:44","date_gmt":"2013-09-16T15:44:44","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5100"},"modified":"2013-11-02T15:48:14","modified_gmt":"2013-11-02T14:48:14","slug":"musikfest-bremen-glocke-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5100","title":{"rendered":"Musikfest Bremen, Glocke"},"content":{"rendered":"<h2><b><i>L\u2019incoronazione di Dario <\/i><\/b><\/h2>\n<blockquote><p>von Antonio Vivaldi (1678-1741), Dramma per musica in drei Akten, Libretto: Adriano Morselli, UA: 1717 in Venedig<\/p>\n<p>Dirigent: Ottavio Dantone und die <i>Academia Bizantina<\/i><\/p>\n<p>Solisten: Anders Dahlin (Dario), Sara Mingardo (Statira), Delphine Galou (Argene), Riccardo Novaro (Niceno, Hauslehrer), Lucia Cirillo (Oronte), Sofia Soloviy (Arpago), Guiseppina Bridelli (Hofdame), Roberta Mameli (Alinda)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. September 2013 (konzertant)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Bremen-Incornatione.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5101\" alt=\"Bremen-Incornatione\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Bremen-Incornatione.gif\" width=\"350\" height=\"174\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Um den Nachfolger des verstorbenen Herrschers Cyrus von Persien zu kr\u00f6nen, soll seine \u00e4ltere Tochter Statira einen Ehemann finden. Dario kommt als erster Bewerber an den K\u00f6nigshof und offenbart seine Gef\u00fchle f\u00fcr Statira ihrer j\u00fcngeren Schwester Argene, die sich ebenfalls in Dario verliebt. Diese spinnt einige intrigante Verwicklungen, um eine m\u00f6gliche Beziehung zwischen Dario und Statira zu verhindern. H\u00f6hepunkt ist ihre Behauptung, ihre Schwester sei tot, woraufhin sie versucht, ihre Stelle einzunehmen. Dario verhindert eine blutige Auseinandersetzung zwischen zwei weiteren rivalisierenden Bewerbern, Arpago und Oronte, die sich darauf einigen, wer Statira heiratet, bekommt den Thron. Oronte ist mit der Prinzessin von Medien, Alinda, verbunden, doch als Argene ihm ihre Hand verspricht, will er Alinda t\u00f6ten. Nachdem Dario die vermeintlich tote Statira im Wald gefunden hat, entthront und bestraft er Argene, und einer Heirat der beiden Liebenden steht nichts mehr im Wege.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Auch wenn man sich auf das konzertante Arrangement dieser Oper mit an Notenpulten stehenden und aus Notenheften singenden Solisten erst einmal einlassen mu\u00dfte, die 26 auf historischen Instrumenten spielenden Musiker der <i>Akademia Bizantina<\/i> lie\u00dfen die fehlende Inszenierung sofort vergessen. Im K\u00f6rper des kraft- und temperamentvoll leitenden Ottavio Dantone, der gleichzeitig eines der beiden Cembali spielte, lag die Orientierung des Ensembles. Der flie\u00dfende \u00dcbergang mit abrupten Tempowechseln zwischen den Rezitativen und den Da-capo-Arien bestand in einer tanzend-malenden Bewegung des Dirigenten, und alle Musiker atmeten mit ihm. Als wenn es sich um einen Dialog zwischen Rede und Gegenrede handelte, gestalteten die Musiker ihre oft im Prestissimo dahinfliegenden Musik mit ungeheurer rhythmischer Exaktheit. Besonders beeindruckten die Bl\u00e4ser mit ihrer geschmeidigen Regulierung der Lautst\u00e4rke. Der seidene Klang der Barockstreicher lie\u00df sich besonders in den Accompagnato Rezitativen genie\u00dfen, die oftmals mit Arpeggien durch die Theorbe ausklangen.<\/p>\n<p>Alle S\u00e4nger beherrschten das unangestrengte Singen auf ausstr\u00f6mender Atemluft, das ehemals von den Kastraten als Belcanto-Singen erfunden wurde, ebenso wie eine klare Wortverst\u00e4ndlichkeit. Diesen virtuosen Gesangsstil kr\u00f6nte vor allem in Arien des zweiten Aktes das Hervortreten einer Instrumentengruppe, z.B. der Traversfl\u00f6ten, der Oboen oder eines Barockvioloncellos (zwischen Waden und Knien ohne Benutzung eines Stachels gespielt).<\/p>\n<p><b>Anders Dahlin<\/b> (Dario) sang mit durchsichtigem Tenor und war weniger der durchsetzungsstarke Empork\u00f6mmling, den man h\u00e4tte erwarten k\u00f6nnen, als ein nachdenklicher, zuweilen unsicherer, auf Vers\u00f6hnung ausgerichteter Mensch. <b>Sara Mingardo<\/b> (Statira) pa\u00dfte in ihrem vordergr\u00fcndig naiv-unerfahrenen Habitus zu ihm. Sie gl\u00e4nzte mit einer au\u00dferordentlich ausgewogenen Tiefe und warmer Klangfarbe ihrer Altstimme. <b>Delphine Galou<\/b> (Argene) legte ihre Rolle der Intrigantin mimisch bis ans Komische grenzenden Ausdruck an. Mit gehetzten Koloraturen beklagt sie leidenschaftlich ihr Schicksal in der Arie <i>Ferri, ceppi,<\/i> <i>sangue,morte \u2013 Qual, in Ketten, Blut, Tod<\/i> (3.Akt). <b>Riccardo Novaro <\/b>(Niceno) sang mit vollt\u00f6nendem, kraftvollen Ba\u00df, verk\u00f6rperte den Mann, der wei\u00df, was richtig ist, und brachte eine Arie gemeinsam mit der virtuos spielenden Fagottistin Monica Fischalek so zum Klingen, da\u00df man meinen konnte, es sei moderne Rockmusik. Die Mezzosopranistin <b>Lucia Cirillo<\/b> (Oronte) gab den Rivalen des Dario mit Stolz und hoher Spannung in ihren Arien wieder, in denen sie Hoffnung, Verwirrung und Grausamkeit beschw\u00f6ren konnte. <b>Sofia Soloviy<\/b> (Arpago) zeigte mit ihrer hohen und leicht wirkenden Sopranstimme die seltene F\u00e4higkeit, ihrer Rolle des Rivalen tiefgr\u00fcndige Heiterkeit zu verleihen. <b>Guiseppina Bridelli<\/b> gestaltete die Rolle der Hofdame mit koketter Mimik und einem klaren Mezzosopran, mit dem sie auch hohe Koloraturbewegungen gut kontrollieren konnte. <b>Roberta Mameli<\/b> (Alinda) fiel mit ihrer \u00e4u\u00dferst beweglichen Sopranstimme, ihrer beeindruckenden Pr\u00e4senz und ihrer leidenschaftlichen Ausdrucksf\u00e4higkeit auf.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Angesichts dieses herausragenden barockmusikalischen Feuerwerks verga\u00df sich das Publikum an diversen Stellen und klatschte spontan, obwohl doch alle gebeten wurden, absolute Ruhe walten zu lassen, weil diese Auff\u00fchrung einer gleichzeitig einer CD-Aufnahme diente. In den beiden Pausen und erst recht am Ende der dreieinhalbst\u00fcndigen Auff\u00fchrung brach nicht endend wollender, begeisterter Jubel los. So fand das diesj\u00e4hrige Bremer Musikfest mit diesem selten aufgef\u00fchrten Werk von Antonio Vivaldi seinen kr\u00f6nenden Abschlu\u00df.<\/p>\n<p>Carola Jakubowski<\/p>\n<p>Bild:\u00a0 C. Jakubowski<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: die Solisten mit dem Dirigenten Ottavio Dantone in der Mitte<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 14. 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