{"id":5093,"date":"2013-09-14T10:04:15","date_gmt":"2013-09-14T09:04:15","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5093"},"modified":"2013-11-02T15:49:14","modified_gmt":"2013-11-02T14:49:14","slug":"alceste-paris-palais-garnier","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5093","title":{"rendered":"ALCESTE &#8211; Paris, Palais Garnier"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Christoph Willibald Gluck (1714-1787), Oper in drei Akten, Libretto: Fran\u00e7ois-Louis Gand le Bland du Roullet nach Ranieri de\u2019 Calzabigiua,\u00a0 UA: 26. Dezember 1767 Wien, Burgtheater (Franz\u00f6sische Version), 23. April 1776 Paris, Acad\u00e9mie royale de musique (Salle des Tuileries)<\/p>\n<p>Regie: Olivier Py, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Pierre-Andr\u00e9 Weitz, Licht: Bertrand Killy<\/p>\n<p>Dirigent: Marc Minkowski, Orchester und Chor Les Musiciens du Louvre Grenoble, Choreinstudierung: Christophe Grapperton<\/p>\n<p>Solisten: Yann Beuron (Adm\u00e8te), Sophie Koch (Alceste), Jean-Fran\u00e7ois Lapointe (Hoher Priester des Apollon), Stanislas de Barbeyrac (Evandre\/Coryph\u00e9e\u00a0 t\u00e9nor), Florian Sempey (ein Herold\/Apollon\/Coryph\u00e9e, basse), Franck Ferrari (Hercule), Marie-Adeline Henry (Coryph\u00e9e, soprano), Fran\u00e7ois Lis (Das Orakel, Unterweltgott), Bertrand Dazin (Coryph\u00e9e, alto)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. September 2013 (Premiere, franz\u00f6sische Version)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Paris_Alceste.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5098\" alt=\"Paris_Alceste\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/09\/Paris_Alceste.gif\" width=\"350\" height=\"232\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Das Volk klagt um den schwer kranken K\u00f6nig Admet. Um die M\u00f6glichkeit einer Heilung zu erforschen, ruft der Oberpriester Apollos Orakel an. Der Schiedsspruch lautet: nur ein freiwilliges Menschenopfer k\u00f6nne den K\u00f6nig retten. Alle fliehen entsetzt, nur die K\u00f6nigin Alceste erkl\u00e4rt sich bereit f\u00fcr ihren Gemahl zu sterben. Als Admet vom Opferwillen seiner K\u00f6nigin erf\u00e4hrt, beschlie\u00dft er, sie ins Totenreich zu begleiten. Doch als Helfer in der Not erscheint Herkules. Als Alceste am Tor des Hades erscheint, wird sie befragt, ob sie immer noch bereit sei, sich f\u00fcr ihren Mann zu opfern. Sie bejaht. Doch als sie die Schwelle ins Totenreich \u00fcberschreiten will,\u00a0 st\u00fcrzt sich Herkules in den Kampf gegen die M\u00e4chte des Hades. Schlie\u00dflich erscheint Apollo selbst und erkl\u00e4rt Thanatos als besiegt. Admet und Alcest d\u00fcrfen unter den Lebenden bleiben. Das Volk jubelt.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Die Zusammenarbeit von Oliver Py und Pierre-Andr\u00e9 Weitz beruht auf dem Prinzip eines \u201eDekors, das sich mit der Musik zu bewegen versucht, wie eine visuelle Gleichstellung mit der st\u00e4ndigen Bewegung der Partitur\u201c. Das Problem, <i>Alceste,<\/i> eine Oper voll innerer Dramatik, aber\u00a0 mit wenig Handlung, wirksam auf die B\u00fchne zu bringen, wird daher originell durch eine lebendige Choreograpie des Chors gel\u00f6st, vor allem aber durch fortlaufende Sch\u00f6pfungen von Kreidezeichnungen auf kleinen oder gro\u00dfen schwarzen Tafeln. Diese Zeichnungen, die von den f\u00fcnf K\u00fcnstlern immer wieder gel\u00f6scht und durch neue ersetzt werden, haben Bezug auf das Geschehen auf der B\u00fchne.<\/p>\n<p>Es beginnt schon vor Anfang der Oper bei offener B\u00fchne mit einer Zeichnung der Fassade des Palais Garnier, dessen Kuppel von einer Apollostatue gekr\u00f6nt wird, die Oper wird also als ein Symbol des Apollotempels gewertet. Andere Symbole sind nicht immer so offensichtlich. Das B\u00fchnenbild ist sonst ein kompliziertes System verschiebbarer und sich \u00f6ffnender Elemente. Die Dekors sind durchgehend schwarz\/wei\u00df, samtliche Mitwirkenden tragen schwarze Anz\u00fcge und Kleider, nur Alceste in der Opferszene ein einfaches wei\u00dfes Kleid, und der Arzt (das Orakel) einen wei\u00dfen Kittel.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p><b>Sophie Koch <\/b>ist mit vollem, auch in den hohen Lagen noch weichem Mezzo eine bewegende Alceste. Ein wohlkontrolliertes Vibrato verleiht ihr in den dramatischen Momenten verst\u00e4rkten Ausdruck, wie in <i>Divinit\u00e9s du Styx, ministres de la mort!<\/i> \u2013 <i>G\u00f6tter des Styx, Todesdiener<\/i> (1. Akt, 7. Szene). Doch ihre reichhaltige Stimme kommt vor allem ab dem zweiten Akt voll zur Entfaltung wie in <i>D\u00e9robe-moi vos pleurs, cessez de m\u2019attendrir<\/i> <i>\u2013 Erspart mir eure Tr\u00e4nen, sucht mich nicht zu r\u00fchren<\/i> (2. Akt, 4. Szene). <b>Yann Beuron<\/b> als Adm\u00e8te hat eine klare, wohlklingende Tenorstimme, die langsam ihr sch\u00f6nes lyrisches Timbre enth\u00fcllt, wie in <i>O moment d\u00e9licieux! \u2013<\/i> <i>Oh Augenblicke des Gl\u00fccks<\/i> (2. Akt, 3. Szene). <b>Jean-Fran\u00e7ois Lapointe<\/b> ist mit kraftvoller Baritonstimme ein w\u00fcrdiger Oberpriester des Apollon. Die vier Koryph\u00e4en (Chorf\u00fchrer in der altgriechischen Trag\u00f6die) <b>Stanislas de Barbeyrac, Marie-Adeline Henry, Florian Sempey<\/b> und <b>Bertran Dazin<\/b> bilden ein wohlklingendes Quartett. <b>Franck Ferrari<\/b> als Hercules und <b>Fran\u00e7ois Lis <\/b>als Orakel<b> <\/b>vollenden das ausgezeichnete Ensemble. Ein besonderes Lob gilt dem <b>Chor<\/b>, der in Anlehenung an altgriechische Tradition, eine \u00fcberragende Rolle in der Oper spielt.<\/p>\n<p>Marc Minkowski dirigiert Chor, Solisten und die <i>Musiciens du Louvre <\/i>meisterlich, wobei die vielf\u00e4ltige Klangfarbe des Orchesters besonders im dritten Akt hervortritt, wo es auf der B\u00fchne plaziert ist.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Die Reformoper<i> Alceste<\/i> hat nicht den bet\u00f6renden Charme von Glucks <i>Orpheus und Euridike<\/i>, ist jedoch eine hochdramatische, musikalisch reiche Trag\u00f6die mit <i>happy end<\/i>, die vor allem in ihrer franz\u00f6sischen Version einen anhaltenden, weltweiten Erfolg gehabt hatte.<\/p>\n<p>So war sie auch in einer originellen Neuinszenierung und in einer musikalisch hochwertigen Interpretation ein sehr gelungener und entsprechend gefeierter Saisonanfang in der Pariser Oper.<\/p>\n<p>Alexander Jordis-Lohausen<\/p>\n<p>Bild: Agathe Poupeney, Op\u00e9ra national de Paris<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Sophie Koch (Alceste)\u00a0mit ihren beiden Kindern (stumme Rollen) vor der Zeichnung des Palais Garnier mit den 4 Koryph\u00e4en in der \u00d6ffnung oben.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 12. 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