{"id":5068,"date":"2013-07-05T08:34:05","date_gmt":"2013-07-05T07:34:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5068"},"modified":"2013-11-02T15:57:06","modified_gmt":"2013-11-02T14:57:06","slug":"alcina-ystad-schweden-ystads-teater-3","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5068","title":{"rendered":"ALCINA &#8211; Ystad, Schweden \u2013 Ystads teater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759), Dramma per musica, Libretto nach Ludovico Ariostos Orlando furioso, bearbeitet von Richard S\u00f6derberg, UA: 16. April 1735, London, Covent Garden Theatre<\/p>\n<p>Regie: Richard S\u00f6derberg, Kost\u00fcme: Ann Walton, Licht: Sara Andersson<\/p>\n<p>Dirigent: Johan Reis, Orchester: Kammaropera Syd<\/p>\n<p>Solisten: Laine Quist (Alcina), Elinor Fryklund (Morgana), Johan Palmqvist (Oronte), Lotte Ohlander (Ruggiero), John L\u00f6fgren (Bradamante)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 3. Juli 2013 (italienisch mit schwedischen Dialogen)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Schweden-Ystad-Alcina.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5071\" alt=\"Schweden-Ystad-Alcina\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/07\/Schweden-Ystad-Alcina.gif\" width=\"263\" height=\"350\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>In der Bearbeitung von Richard S\u00f6derberg konzentriert sich die Handlung der Oper auf lediglich f\u00fcnf Personen und deren gegenseitigen Beziehungen. Alcina, wie Circe in der Odyssee, verzaubert Ruggiero, mit ihren Liebesk\u00fcnsten. Ruggiero ist mit seiner als Mann verkleideten Braut Bradamante auf ihrer Insel gestrandet. Von ihrer Schwester Morgana, die von Oronte umworben wird, hilft ihr dabei. Was wie eine Spielerei begann, wird zum Verh\u00e4ngnis, als sich Alcina ernsthaft in Ruggiero verliebt und damit ihre Zauberkraft verliert. Bradamante gewinnt jedoch Ruggiero zur\u00fcck und Alcina gibt die Macht an ihre Schwester Morgana weiter. Oronte, dem die Liebe nicht hold war, w\u00e4hlt den Freitod.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Da die Oper als sommerliche Tourneevorstellung konzipiert ist und mit einem geringen Budget auskommen mu\u00df, sind die Gestaltungsmittel minimalistisch und funktionell, aber voller Phantasie. Barocke Elemente mischen sich mit zeitgen\u00f6ssischen \u2013 zum Schn\u00fcrkorsett werden Schn\u00fcrstiefel getragen, Alcina macht Kaugummiblasen und aus den Lautsprechern kommen elektronisch verst\u00e4rkte Herzger\u00e4usche. Um die effektive Spieldauer der Oper von nahezu drei Stunden auf etwa 90 Minuten zu reduzieren, ersetzt S\u00f6derberg Rezitative durch eigene Dialoge und streicht nicht nur die in H\u00e4ndels Original vorhandene gro\u00dfe Anzahl von Nebenrollen, sondern auch Ouvert\u00fcre, Interludien und Chors\u00e4tze. Damit liegt die musikalische Substanz der Auff\u00fchrung in den Arien. Die in H\u00e4ndels Oper pr\u00e4sente Geschlechtervielfalt, in Form etwa der Kastratenrolle des Ruggiero und der Hosenrolle der Bradamante, wird in der Inszenierung S\u00f6derbergs noch verst\u00e4rkt, da er die Rolle der Bradamante mit einem Ba\u00df anstelle eines Alts besetzt, was stimmlich gewagt, aber realisierbar ist. Inhaltlich-\u00e4sthetisch gesehen erh\u00e4lt die Oper damit eine Richtung, die sich mit der Neudefinition der Geschlechter in unserer Zeit besch\u00e4ftigt. Alcina ist Richard S\u00f6derbergs Regiedebut.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>H\u00e4ndels Partitur ist f\u00fcr diese Low-Budget-Produktion auf ein Ensemble von sechs Musikern reduziert, bestehend aus einem Streichquartett, einer Blockfl\u00f6te und einem (elektronischen) Cembalo, von dessen Pult aus der Dirigent <strong>Johan Reis<\/strong> das Ensemble leitet. Diese Reduktion ist der Bearbeitung der Oper angemessen und klingt erstaunlich stilgerecht. Unter den f\u00fcnf S\u00e4ngern ragen zun\u00e4chst die beiden Primadonnen hervor. <strong>Laine Quist<\/strong> gestaltet die Rolle der Alcina mit Freude und voller \u00dcberzeugung. Ihr lyrischer Koloratursopran ist kraftvoll und glasklar und ihre schauspielerischen Leistungen sind hinrei\u00dfend, sowohl in ihrer Rolle als machtbewu\u00dfte Verf\u00fchrerin als auch in ihrer Resignation am Ende der Oper. <strong>Elinor Fryklund<\/strong> gibt eine gute Morgana ab. Ihr lyrischer Sopran ist geschmeidig und wohlklingend. <strong>Lotte Ohlander<\/strong>, Alt, singt die Hosenrolle des Ruggiero mit viel Einf\u00fchlungsverm\u00f6gen und Ausdruck. Diese Rolle, urspr\u00fcnglich f\u00fcr den Mezzosoprankastraten Giovanni Carestini geschrieben, erfordert eine beachtliche stimmliche Wandlungsf\u00e4higkeit. Die Rolle des Oronte wird von dem Tenor <strong>Johan Palmqvist<\/strong> gestaltet. Er wirkt konzentriert und etwas steif. Die sicherlich schwerste Aufgabe f\u00e4llt dem Ba\u00df <strong>John L\u00f6fgren<\/strong> zu, der die urspr\u00fcnglich als Alt komponierte Hosenrolle der Bradamante singt. Obwohl er als Ba\u00df Schwierigkeiten mit den virtuosen Koloraturen von Bradamantes erster Arie hat, kommt seine weiche Stimme in seiner letzten Arie <em>All\u2019alma fedel \u2013 Den treuen Herzen<\/em> zu ihrem vollen Recht.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>S\u00f6derbergs Alcina ist eine reizende, tiefsinnige Inszenierung, die in dem kleinen neoklassizistischen Theater der Stadt Ystad sehr gut zur Geltung kommt.<\/p>\n<p>Dr. Marion Lamberth<\/p>\n<p>Bild: Rickard S\u00f6derberg<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Laine Quist (Alcina) und Elinor Fryklund (Morgana)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 3. 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