{"id":5062,"date":"2013-06-09T08:52:58","date_gmt":"2013-06-09T07:52:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5062"},"modified":"2013-08-07T08:56:08","modified_gmt":"2013-08-07T07:56:08","slug":"platee-nurnberg-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5062","title":{"rendered":"PLAT\u00c9E &#8211; N\u00fcrnberg, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jean-Philippe Rameau (1683-1764), Ballet bouffon in einem Prolog und drei Akten, Libretto: Adrien-Joseph Le Valois d\u2019Orville nach dem gleichnamigen Ballett von Jacques Autreau, UA: 31. M\u00e4rz 1745 Versailles, Th\u00e9\u00e2tre de la Ecurie<\/p>\n<p>Regie: Mariame Cl\u00e9ment, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Julia Hansen, Choreographie: Joshua Monten<\/p>\n<p>Dirigent: Herv\u00e9 Niquet, Staatsphilharmonie N\u00fcrnberg und Chor, Choreinstudierung: Tarmo Vaask<\/p>\n<p>Solisten: Tilman Lichdi (Plat\u00e9e), Leah Gordon (Thalie\/La Folie), Martin Platz (Thespis\/Mercure), Randall Jakobsh (Jupiter), Lussine Levoni (Junon), S\u00e9bastien Parotte (Momus\/Cith\u00e9ron), Franziska Kern (Amor\/Clarine) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. Juni 2013<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Nuernberg-Platee.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5063\" alt=\"Nuernberg-Platee\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/08\/Nuernberg-Platee.gif\" width=\"350\" height=\"232\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Momus, Thespis und Thalia k\u00fcndigen an, das Publikum mit einem Spiel zu unterhalten, bei der G\u00f6tter und Menschen l\u00e4cherlich gemacht werden. Eine ausgelassene, von einem Spielmacher (La Folie) angeheizte Kom\u00f6die beginnt: Cith\u00e9ron und sein Volk leiden unter schlechtem Wetter, verursacht durch die chronische Eifersucht von Jupiters Gattin Junon. Gemeinsam mit dem G\u00f6tterboten Mercure findet Cith\u00e9ron die L\u00f6sung: Eine Intrige mu\u00df her, um Junon die Eifersucht ein f\u00fcr alle Mal auszutreiben. So macht sich Jupiter an die h\u00e4\u00dfliche, in einem Sumpf lebende Nymphe Plat\u00e9e heran und l\u00e4\u00dft verbreiten, er wolle sie heiraten. Junon platzt emp\u00f6rt in die Scheinhochzeit und rei\u00dft Plat\u00e9e den Schleier vom Kopf. Zerknirscht durchschaut die G\u00f6ttergattin die Intrige, w\u00e4hrend die gedem\u00fctigte Plat\u00e9e unter allgemeinem Gel\u00e4chter in ihre S\u00fcmpfe flieht.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Eines mu\u00df man dieser Produktion lassen: Man hat mit viel Aufwand ein komplexes B\u00fchnenbild im Baukastensystem gebaut, das sich immer wieder blitzschnell ver\u00e4ndert, um Auftrittsm\u00f6glichkeiten f\u00fcr die Tanzgruppe zu schaffen oder \u00a0f\u00fcr spektakul\u00e4re Arrangements der Solisten. So findet die G\u00f6tterwelt zun\u00e4chst in einer Regal-Schachtelwand statt, Plat\u00e9e sitzt in einem Terrarium, auf das die G\u00f6tter zuerst herablassend blicken \u2013 bevor sie Plat\u00e9e vergr\u00f6\u00dfert in ihre Welt setzen, um sie am Ende wieder in deren Welt zu verbannen: Zur\u00fcck ins Terrarium! Die 50er Jahre und sein US-gepr\u00e4gter Way of Live stehen im Mittelpunkt: Petticoat, Haar Gel und Elvis Tolle, Ford Thunderbird, American Diner oder Grease, alte Staubsauger und Freiheitsstatue \u2013 da gibt es viel Opulentes zu sehen.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Die Arie des Narren (La Folie) <i>Aux langueurs d\u2019Apollon<\/i> wird\u00a0 bei <b>Leah Gordon<\/b> zu einer italienischen Bravourarie, einem Beispiel f\u00fcr die gelungene Mischung aus sp\u00f6ttischem Lachen und dem feierlichen Schwelgen zum Ruhm der G\u00f6tter \u2013 respektive des franz\u00f6sischen Thronfolgers. Das Werk wurde anl\u00e4\u00dflich seiner Hochzeit mit einer Habsburger-Prinzessin uraufgef\u00fchrt, deren H\u00e4\u00dflichkeit legend\u00e4r war und gewisse R\u00fcckschl\u00fcsse auf die Rolle der h\u00e4\u00dflichen Nymphe Plat\u00e9e nahelegt. Sie singt \u00fcber weite Strecken in einsilbigen Worten, die sich bei <i>dis donc pourquoi? Quoi? Quoi?<\/i> in eine Art Quaken verwandelt. <b>Tilmann Lichdi <\/b>setzt dies wunderbar um, erf\u00fcllt auch die Anforderungen an einen Haute-Contre \u2013 wir w\u00fcrden das heute einen Counter-Tenor nennen. Er bleibt in einer h\u00f6heren Gesangslinie, verwendet auch manchmal das Falsett, um dieses weibliche Klangbild zu erreichen. Ihm gelingt dies ohne zu pressen \u2013 einfach federleicht. Der zweite Tenor in diesem St\u00fcck darf sich wie ein echter Tenor gerieren: <b>Martin Platz<\/b> befindet sich noch am Anfang seiner Laufbahn und gestaltet die kleineren Rollen als Thespis und Mercure wie ein angehender Charaktertenor. <b>Randall Jakobsh<\/b> ist ein durchschlagsstarker Ba\u00df-Bariton, f\u00fcr seine Gestaltung des G\u00f6ttervaters Jupiter fehlt ihm jedoch der Wohlklang in der Stimme. <b>S\u00e9bastien Parotte<\/b> als Momus\/Cith\u00e9ron hinterl\u00e4\u00dft hierbei im direkten Vergleich den besseren Eindruck. Seine Rolle ist allerdings \u00e4hnlich kurz wie von <b>Lussine Levoni<\/b> (Junon), die eigentlich nur einen kurzen Auftritt als Furie hat. <b>Herv\u00e9 Niquet<\/b> ist ein Spezialist f\u00fcr Barockoper: es gelingt ihm auch die Staatsphilharmonie in die Welten des franz\u00f6sischen Barocks einzuf\u00fchren. Rameaus Charakterisierung, seine rhythmische Lebendigkeit, die rapiden Tempi-Wechsel, das Imitieren von Tierstimmen und die mitrei\u00dfende flie\u00dfende Gestaltung der langen, aber keinesfalls langweiligen Ballett-St\u00fccke, sind ihm vertraut. Die Zusammenarbeit mit Solisten und Chor (vor allem in die Ballett-Ensembles) gelingt beispielhaft exakt.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Die Verlagerung der Handlung in das Gesellschaftsbild der 50er Jahre entmonumentalisiert die Handlung. So ergibt sich ein sehr unterhaltsamer und sehenswerter Klamauk in einer mythischen Aura, auch wenn die urspr\u00fcngliche Geschichte von der Beziehung der h\u00e4\u00dflichen Nymphe Plat\u00e9e zum G\u00f6ttervater Jupiter nicht unbedingt hineinpa\u00dft. Das Publikum liebt den unterhaltsam-lustigen Abend und die musikalische Umsetzung \u2013 besonders dank Tilman Lichdi, der seine Traumrolle gefunden hat. Auch die detailverliebte Choreographie der Ballett-Einlagen verdient hohe Anerkennung. St\u00fcrmisches Gel\u00e4chter w\u00e4hrend der Auff\u00fchrung, st\u00fcrmischer Applaus zum Schlu\u00df.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Tilman Lichdi (Plat\u00e9e) mit der Handtasche und Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. 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