{"id":5031,"date":"2013-05-25T12:16:23","date_gmt":"2013-05-25T11:16:23","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5031"},"modified":"2013-06-30T12:19:39","modified_gmt":"2013-06-30T11:19:39","slug":"tannhauser-und-der-sangerkrieg-auf-wartburg-zwickau-theater-plauen","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5031","title":{"rendered":"TANNH\u00c4USER UND DER S\u00c4NGERKRIEG AUF WARTBURG &#8211; Zwickau, Theater Plauen"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), Gro\u00dfe romantische Oper in 3 Akten, Text: Richard Wagner, UA: 19. Oktober 1845 Dresden, Hoftheater<\/p>\n<p>Regie: Roland May, B\u00fchne\/Video: Oliver Kostecka, Kost\u00fcme: Luisa Lange<\/p>\n<p>Dirigent: GMD Lutz de Veer, Philharmonisches Orchester Plauen-Zwickau, Opernchor und Extrachor, Choreinstudierung: Friedemann Schulz, Ballettsolisten,<\/p>\n<p>Solisten: Karsten Schr\u00f6ter (Landgraf Hermann), Ricardo Tamura (Tannh\u00e4user), Hinrich Horn (Wolfram), Raphael Wittmer (Walther), Marek Kalbus (Biterolf), Marcus Sandmann (Heinrich), Martin Scheepers (Reinmar), Katrin Kapplusch (Elisabeth), Nathalie Senf (Venus), Chrissa Maliamani (Hirt), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 24. Mai 2013 (Premiere, Dresdner Fassung)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Zwickau-Tannhaeuser.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5032\" alt=\"Zwickau-Tannhaeuser\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Zwickau-Tannhaeuser.gif\" width=\"350\" height=\"232\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Der Minnes\u00e4nger Tannh\u00e4user hat lange Zeit im Venusberg zugebracht, dem legend\u00e4ren Zufluchtsort der Liebesg\u00f6ttin. Tannh\u00e4user verl\u00e4\u00dft sie, als er der erotischen Ekstase \u00fcberdr\u00fcssig wird. Von seinen Freunden und k\u00fcnstlerischen Konkurrenten wird er \u00fcberredet auf die Wartburg zu einem S\u00e4ngerwettstreit zur\u00fcckzukehren. Thema des Wettstreits ist das Wesen der Liebe. Der Preis wird von Elisabeth, der Tochter des th\u00fcringischen Landgrafen, vergeben, die Tannh\u00e4user in Zuneigung ergeben ist. W\u00e4hrend seines Beitrags gesteht Tannh\u00e4user jedoch seinen Aufenthalt im Venusberg, und nur dank des Eintretens Elisabeths \u00fcberlebt er, unter der Bedingung, nach Rom zu pilgern und f\u00fcr seine Verfehlung beim Papst um Absolution zu bitten. Der aber \u00fcberantwortet Tannh\u00e4user der ewigen Verdammnis, vor der ihn das selbstlose Opfer Elisabeths rettet.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Die Wartburg hat sich in einen Operettenstaat in der \u00dcbergangszeit der Achtzigerjahre des letzten Jahrhunderts verwandelt. Viele Milit\u00e4r- und Feuerwehruniformen im deutschen Schnitt treffen auf das Volk in Tracht und Lederhose (Hirt) sowie zeitlose, angegraute Abendkleidung. Tannh\u00e4user ist der b\u00e4rtige Intellektuelle in Lederjacke oder abgewetzten Parka. Die B\u00fchne variiert nur hinsichtlich des Hintergrundes, an den Seiten Rampen f\u00fcr den Chor, in der Mitte ein Podium f\u00fcr den S\u00e4ngerkrieg \u2013 zu letzterem senkt sich noch ein Kronleuchter herab. Der Venusberg wird durch einen Lichtstrudel im Hintergrund symbolisiert. Der Bacchanten-Reigen ist eine anspruchsvolle Balletteinlage im fleischfarbenen hautengen Adams Kost\u00fcm. Danach \u00f6ffnet sich die R\u00fcckwand mit einem Blick ins Wartburgtal \u2013 mit einem Baum im Vordergrund. Im letzten Akt f\u00e4llt noch Laub auf die B\u00fchne.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Selbst im Wagnerjahr 2013 ist es schwierig, die Titelrolle des Tannh\u00e4users ad\u00e4quat zu besetzen \u2013 man sucht h\u00e4nderingend Personal f\u00fcr die vielen Produktionen \u2013 landauf und landab. Da \u00fcberzeugt <b>Ricardo Tamura<\/b> mit eisenhartem Stimmmaterial. Er ist ein strahlender Heldentenor mit viel Verve in der Mittellage und gl\u00e4nzenden m\u00fchelosen Strahlen in der H\u00f6he \u2013 auch wenn er manchmal technische und konditionelle Probleme hat. Er profitiert vom Dirigat <b>Lutz de Veers<\/b>, dem es gelingt, das Orchester zum perfekten Begleiter der Singstimmen zu machen mit optimalem Tempo und Lautst\u00e4rke. Dagegen stehen mit epochaler Wucht Orchesterst\u00fccke wie Ouvert\u00fcre, Bacchanal und Finale. Fulminant, wie im Finale der bestens pr\u00e4parierte Chor <i>Der Gnade Heil<\/i> forte verk\u00fcndet und das Schlu\u00dfmotiv in der Ewigkeit versandet. Aufmerksamkeit erregt<b> Hinrich Horn <\/b>als wohlklingender Wolfram. Er verf\u00fcgt \u00fcber einen warmen und vollt\u00f6nenden, dabei sehr beweglichen lyrischen Bariton, der \u00fcber das Potential f\u00fcr zahlreiche Gestaltungsm\u00f6glichkeiten und Klangfarben verf\u00fcgt. Gro\u00dfe Freude bereitet dem Publikum der Auftritt von <b>Chrissa Maliamani <\/b>als junger Hirt. Ihre glockenklare, technisch sichere H\u00f6he h\u00f6rt sich sehr f\u00fcllig an. <b>Katrin Kapplusch<\/b> ist ein hochdramatischer, klarer, leicht fokussierender Sopran. Lyrische Momente findet man in der <i>Hallenarie<\/i> und im Gebet der Elisabeth <i>Allm\u00e4chtige Jungfrau<\/i> weniger. Daf\u00fcr findet der Dialog mit Tannh\u00e4user <i>Oh F\u00fcrstin<\/i> auf gleicher Augenh\u00f6he statt. <b>Nathalie Senf<\/b> ist mit zur\u00fcckhaltenden warmen Mezzo eine verf\u00fchrerische Venus w\u00e4hrend <b>Marek Kalbus<\/b> dem Biterolf mit seinem hart klingenden Helden-Bariton eine unnahbare Gestalt gibt. <b>Karsten Schr\u00f6ter <\/b>st\u00f6\u00dft mit Landgraf Hermann an seine Grenzen und <b>Raphael Wittmer <\/b>kann den Kurzauftritt des Walther im S\u00e4ngerkrieg nur wenig gestalten.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>In der zweiten H\u00e4lfte des letzten Jahrhunderts wurde an mitteldeutschen Theatern \u201eviel Wagner\u201c gespielt \u2013 mit einem soliden Ensemble als Basis. In dieser Tradition darf man diesen Abend sehen, bis auf Ricardo Tamura und Marek Kalbus k\u00f6nnen die zentralen Rollen aus dem \u201eengeren Umfeld\u201c des Theaters Plauen-Zwickau besetzt werden, die sich hochmotiviert einsetzen. Die Regie versucht die Wartburg als einen farbenfrohen Operettenstaat auch mit Videoprojektionen zu bebildern, h\u00e4tte zwar auf manchen Einfall besser verzichtet, und \u2013 wenn man schon das hauseigene Ballett einbindet \u2013 das ganze Bacchanal der Pariser Fassung statt den k\u00fcrzeren Bacchanten-Reigen tanzen lassen. Das Publikum bedankt sich mit frenetischem Applaus bei allen Beteiligten.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Peter Awtukowitsch<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: S\u00e4ngerkrieg auf der Wartburg<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Richard Wagner (1813-1883), Gro\u00dfe romantische Oper in 3 Akten, Text: Richard Wagner, UA: 19. 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