{"id":5011,"date":"2013-06-17T20:14:46","date_gmt":"2013-06-17T19:14:46","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5011"},"modified":"2013-06-25T20:18:19","modified_gmt":"2013-06-25T19:18:19","slug":"der-fliegende-hollander-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=5011","title":{"rendered":"DER FLIEGENDE HOLL\u00c4NDER &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner, Romantische Oper in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Richard Wagner, nach Heinrich Heines Die Memoiren des Herren von Schnabelewopski; UA: 2. Januar 1843 Dresden, K\u00f6nigliches S\u00e4chsisches Hoftheater<\/p>\n<p>Regie: Florentine Klepper, B\u00fchne: Martina Segma, Kost\u00fcme: Anna Sofie Tuma, Video: Bastian Trieb<\/p>\n<p>Dirigent: Constantin Trinks, S\u00e4chsische Staatskapelle, S\u00e4chsischer Staatsopernchor,, Vocalensemble Theodore Gouvy, Chor: Pablo Assante<\/p>\n<p>Solisten: Georg Zeppenfeld (Daland), Marjorie Owens (Senta), Will Hartmann (Erik), Tichina Vaughn (Mary), Simeon Esper (Steuermann Dalands), Markus Marquardt (Der Holl\u00e4nder),u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. Juni 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Dresden-Hollaender.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-5012\" alt=\"Dresden-Hollaender\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Dresden-Hollaender.gif\" width=\"350\" height=\"230\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Der fliegende Holl\u00e4nder ist dazu verdammt, auf ewig die Weltmeere zu befahren, bis er durch die Liebe einer Frau seine Erl\u00f6sung im Tod findet. Daland, der in einer Bucht auf ihn trifft, als er Schutz vor einem Sturm sucht, ist von seinen Sch\u00e4tzen beeindruckt und verspricht ihm die Hand seiner Tochter, die ihm auch die erhoffte ewige Treue verspricht. Als der Holl\u00e4nder jedoch mitanh\u00f6ren mu\u00df, wie der J\u00e4ger Erik sie an ein einst ihm gegebenes Treueversprechen erinnert, f\u00fchlt er sich betrogen, kehrt auf sein Schiff zur\u00fcck und lichtet die Anker. Senta st\u00fcrzt sich ins Meer. Das Schiff des Holl\u00e4nders versinkt, Sentas Tod aus Liebe bringt dem Holl\u00e4nder die Erl\u00f6sung.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Optisch eindrucksvoll ist das im mystischen Halbdunkel gehaltene Einheitsb\u00fchnenbild, das eine Klippe an einer namenlosen K\u00fcste zeigt. Nach links verschwindet ein Steg im Nirgendwo, hinten links sitzt Senta im schwarzen Kleid mit einem Koffer auf einem kieloben abgelegten Ruderboot und starrt tr\u00e4umend in den Hintergrund, auf dem Regen, Wolken und Meeresv\u00f6gel projiziert werden. Vorne rechts befindet sich eine Bar, \u00fcber der Schwertfische herab h\u00e4ngen. Hier versammeln sich die Norweger jeden Abend im gelben dreckverschmierten Overall, \u00a0um mit den Bardamen ein Bier zu kippen. F\u00fcr Dalands Haus senkt sich eine Wand mit gardinenverhangenen \u00d6ffnungen. Statt Spinnr\u00e4dern steht hier ein Bett, in dem die Hebamme Mary \u2013 im Akkord \u2013 von jeder Spinnerin ein Kind entbindet. Unter diesem Bett kriecht der J\u00e4ger Erik (mit Kitz im Rucksack) hervor, um Senta zu bedr\u00e4ngen. Zum Schlu\u00dfbild hebt sich die Wand wieder, die Norweger warten im Frack auf die Hochzeit und die Beerdigung. Zum Finale gehen Erik nach rechts, der Holl\u00e4nder nach links ab, w\u00e4hrend Senta mit Koffer sich davonmacht.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Warum Constantin Trinks als \u201eMeister im Wagnerfach\u201c gehandelt wird, ist offensichtlich: Mit viel Dynamik energisch zupackend wird hier Wagner zelebriert ohne ihn mystisch zu \u00fcberh\u00f6hen \u2013 zu zerdehnen. Hier lebt die Romantik mit ihren Emotionsausbr\u00fcchen, die Trinks mit Tempoversch\u00e4rfungen und Lautst\u00e4rkesteigerungen f\u00fchlbar zu machen wei\u00df. Die Staatskapelle klebt f\u00fchlbar an seinen Lippen. Das Erl\u00f6sungsmotiv erklingt mit Verve \u2013 und findet auf der B\u00fchne keine Entsprechung. Viel Erfahrung mit Wagner hat auch der Chor der s\u00e4chsischen Staatsoper, der jede Note pointiert auskostet und mit einer Einheit gl\u00e4nzt, die seinesgleichen sucht.<\/p>\n<p>Das erwartete Niveau einer Staatsoper k\u00f6nnen die Solisten nur eingeschr\u00e4nkt erf\u00fcllen, denn wegen der Dresdener Urauff\u00fchrungstradition sind die Erwartungen sehr hoch. Sicherlich, <b>Markus Marquardt<\/b> verf\u00fcgt \u00fcber ein wunderbares ba\u00dfbaritonales Stimmmaterial, allein es fehlt die Durchschlagskraft um einen Holl\u00e4nder mit seinem hoffnungsvollen Bangen stimmlich zu gestalten. Dazu kommt, da\u00df er in der Auftrittsarie <i>Die Frist ist um<\/i> auch technisch zu k\u00e4mpfen hat. <b>Marjorie Owens<\/b> singt die Senta mit voller Durchschlagskraft, ihr hochdramatischer Sopran kennt nur wenige Lautst\u00e4rkevariationen: Es fehlen die Farben, die Nuancierung der Stimme. Auch <b>Georg Zeppenfeld<\/b> hatte in dieser Premiere \u00a0Probleme. <b>Will Hartmann<\/b> ist als Erik eingesprungen, kann auch mit tenoral gl\u00e4nzendem Material aufwarten, aber auch hier mu\u00df noch (technisch!) an der Rolle gearbeitet werden. <b>Tichina Vaughn<\/b> chargiert in der Rolle der Mary etwas zu sehr, kann aber technisch \u00fcberzeugen und voll aussingen. <b>Simeon Esper<\/b> ist mit dem Steuermann \u00fcberfordert.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>\u201eStehen die M\u00f6wenschreie in der Partitur?\u201c, murmelt ein Zuschauer, als ein Trauerzug mit einem Sterbebild Dalands die Musik nach der Ouvert\u00fcre unterbricht. Nachdem er auch noch die Vergewaltigung der Senta als Kind durch den Steuermann, die gescheiterte Hochzeit Sentas mit Erik und den Kreissaal der geburtsfreudigen Spinnerinnen erlebt hat, wird er mehrmals gelangweilt auf die Uhr geblickt haben. Diese romantische Oper, in der es um die Erl\u00f6sung durch Liebe geht, in einem Kampf Sentas um Emanzipation umzuinterpretieren, ist so ungeschickt aufgesetzt, da\u00df das Ergebnis durchaus als frauenfeindlich gewertet werden kann. Das gelangweilte Publikum verpa\u00dft beinahe den Auftritt der Regie beim Schlu\u00dfvorhang, buht sie aber dennoch in selten erlebter Heftigkeit ab. Musikalisch dagegen ist der Abend weniger aufregend, die Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Constantin Trinks und der Staatsopernchor stehen f\u00fcr Spitzen-Niveau.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Matthias Creutziger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Die kleine Marjorie Owens (Senta) sucht Schutz bei einer Traumfigur vor den b\u00f6sen Matrosen und Georg Zeppenfeld (Daland).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 15. 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