{"id":4979,"date":"2013-06-10T20:53:03","date_gmt":"2013-06-10T19:53:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4979"},"modified":"2013-06-13T15:12:47","modified_gmt":"2013-06-13T14:12:47","slug":"i-masnadieri-die-rauber-essen-aalto-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4979","title":{"rendered":"I MASNADIERI \u2013 DIE R\u00c4UBER &#8211; Essen, Aalto-Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in vier Akten, Libretto: Andrea Maffei nach Friedrich Schillers <i>Die R\u00e4uber, <\/i>UA: 22. Juli 1847 London, Her Majesty\u2019s Theatre<\/p>\n<p>Regie: Dietrich W. Hilsdorf, B\u00fchne\/Kost\u00fcme:\u00a0 Johannes Leiacker, Dramaturgie: Norbert Grote<\/p>\n<p>Dirigent: Srboljub Dinic, Essener Philharmoniker, Choreinstudierung\u00a0 Alexander Eberle<\/p>\n<p>Solisten: Marcel Rosca (Maximilian, Graf von Moor), Zurab Zurabishvili (Karl), Aris Argiris\u00a0 (Franz), Liana Aleksanyan (Amalia, eine Waise, Nichte des Grafen), Rainer Maria R\u00f6hr (Arminio), Marcel Rosca (Pfarrer Moser), Ren\u00e9 Aguilar (Rolla, Gef\u00e4hrte Karls)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. Juni 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Essen-Masnadieri.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4980\" alt=\"Essen-Masnadieri\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Essen-Masnadieri.gif\" width=\"350\" height=\"231\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Durch Intrige von Franz erreicht er, da\u00df sein \u00e4lterer Bruder Karl aus dem Schlu\u00df vertrieben wird. Karl schlie\u00dft sich einer R\u00e4ubertruppe an. Als im Auftrag von Franz sein Diener Arminio dem Vater mitteilt, Karl sei im Kampf gefallen, f\u00e4llt dieser in Ohnmacht. Alle halten ihn f\u00fcr tot, doch Franz kerkert ihn im Schlo\u00dfkeller ein. Danach will er Amalia zwingen, ihn zu heiraten, was sie entschieden ablehnt. Sie flieht in die W\u00e4lder und trifft auf Karl mit seiner Bande. Karl begibt sich zum Schlo\u00df, wo er seinen Vater findet. Doch Franz kann der R\u00e4uberbande entgehen. Karl sieht sich au\u00dferstande, sich von der R\u00e4uberbande zu trennen und bringt lieber Amalia um, damit diese nicht sein Leben als R\u00e4uberhauptmann mit ihm teilen mu\u00df.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Man sieht rechts, links und in der Mitte rechtwinklig zueinander geordnete Treppenstufen aus schwarzem Marmor, die einen Platz umranden. Auf der linken Seite f\u00fchren die breiten Treppen zu einer hohen T\u00fcr. Die Wand auf dem rechten Treppenabsatz ist mit S\u00e4ulen gegliedert. In B\u00fchnenmitte befindet sich ein Schreibtisch, und um diesen Schreibtisch wird die Handlung des ersten und zweiten Akts vollzogen: die R\u00e4uberschenke, das Schlo\u00dfinnere mit Salon und Schlafzimmer, im zweiten Akt: Stehtische mit Computer, der Boden ist \u00fcbers\u00e4t mit weggeworfenem Papier. Kein B\u00f6hmerwald mit Blick auf Prag, das die R\u00e4uber brandschatzen und wovon sie frohlockend berichten, wie im Libretto angegeben. In den beiden letzten Akten bleibt alles in der B\u00f6rse mit weiterflimmernden Computern.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Die ausgedehnte, auffallend sch\u00f6ne Kantilene im Preludio (Ouvert\u00fcre) \u2013 Verdi schrieb sie f\u00fcr seinen Freund Alfredo Piatti, der bei der Urauff\u00fchrung der Oper im Orchester von Her Majesty\u2019s Theatre Dienst tat \u2013 gestaltet der Violoncellist voll im Ausdruck. Vielleicht wird das Tempo ein wenig zu langsam genommen, aber das ist wom\u00f6glich Geschmackssache. Der lange Schlu\u00dftriller kommt jedenfalls sehr tonsch\u00f6n.<\/p>\n<p>Mit gro\u00dfem Elan setzt <b>Zurab Zurabishvili<\/b> (Karl) seinen starken Tenor ein. Es fehlt nur die n\u00f6tige Dynamik, denn er singt fast immer forte und markiert zu viele Schluchzer. Zudem sind seine Spitzent\u00f6ne meist gepre\u00dft und die Koloraturen in seine Auftrittsarie <i>O mio paterno castello \u2013 o, mein v\u00e4terliches Schlo\u00df<\/i> wenig ausgesungen. Doch in den schnellen Gesangspartien wei\u00df er die Zuh\u00f6rer mitzurei\u00dfen, die nicht mit Applaus sparen. Sein Gegenspieler ist <b>Aris Argiris\u00a0<\/b> (Franz), ausgestattet mit einem Bariton, der wom\u00f6glich noch volumin\u00f6ser als der von Zurab Zurabishvili ist. Doch auch er bleibt in der Dynamik seiner Darstellung zu gleichm\u00e4\u00dfig und expressive Kontraste finden sich wenig. Doch <b>Marcel Rosca<\/b> (Maximilian) entsch\u00e4digt f\u00fcr vieles: seine wohlt\u00f6nende Ba\u00dfstimme hat viel Klang, und er wei\u00df, wie man sie geschickt einsetzt. Selbst in tiefliegender Stimmf\u00fchrung sind die T\u00f6ne rund und weich. Bewundernswert gestaltet er seine Arie: <i>Carlo io muoio ed, ahi \u2013 Carol ich sterbe und wehe! <\/i>Ein ausgezeichneter Verdi-Ba\u00df!<i> <\/i>Die dann zum Duett erweiterte Arie singen er und <b>Liana Aleksanyan<\/b> (Amalia) mit Inbrunst und sch\u00f6ner Einheitlichkeit. Der Schlu\u00dftriller von Liana Aleksanyan kommt klar und wohlgeordnet, ihre Stimme hat viel lyrischen Schmelz. Dagegen sind ihre Koloraturen, besonders in der Arie, in der sie ihrer Freude, da\u00df Carlo lebt, Ausdruck verleiht, ziemlich wenig konturiert, h\u00e4ufig sogar verwischt. Die vielen Triller, die besonders ihre Stimmung wiedergeben sollen, sind kaum zu vernehmen. Schon in ihrer Auftrittsarie singt sie im Anblick des Grafen mit leuchtendem Sopran: <i>Lo sguardo avea degli angeli \u2013 sein Gesicht hatte das L\u00e4cheln der Engel. <\/i>Dabei machen sich aber oft Intonationstr\u00fcbungen in den Spitzent\u00f6nen bemerkbar, etwas, was leider den ganzen Opernverlauf \u00fcber bestehenbleibt. Hinzu kommt, da\u00df in dieser Arie ihre Dreiklangsaufschw\u00fcnge noch durch Orchesterinstrumente zugedeckt werden. Doch sie erntet viel Applaus.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Hilsdorfs Verlagerung der Handlung in einen B\u00f6rsensaal &#8211; nicht gerade originell, da schon oft verwandt &#8211; ergab viele Ungereimtheiten: so las man in der \u00dcbertitelung bei der in den B\u00f6rsensaal hineinst\u00fcrzenden Amalia: <i>Unbekannt in dieser Einsamkeit<\/i> und von Carlo vernahm man: <i>Wie herrlich und gro\u00dfartig ist der Sonnenuntergang<\/i> und das in einem fensterlosen Raum! Fehlte daher der Text des Librettos im Programmheft? Und ganz unverst\u00e4ndlich war, da\u00df man das Finale des zweiten Akts auf den Anfang des dritten Akts verlegt hatte.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Zurab Zurabishvili\u00a0(Karl) vorne, hinter der Stuhllehne: Marcel Rosca (Maximilian), dahinter die \u201eR\u00e4uber\u201c im B\u00f6rsensaal<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. 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