{"id":4969,"date":"2013-06-10T21:13:58","date_gmt":"2013-06-10T20:13:58","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4969"},"modified":"2013-06-10T21:16:27","modified_gmt":"2013-06-10T20:16:27","slug":"aufstieg-und-fall-der-stadt-mahagonny-freiburg-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4969","title":{"rendered":"AUFSTIEG UND FALL DER STADT MAHAGONNY &#8211; Freiburg, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Kurt Weill (1900-1950), Oper in drei Akten, Libretto: Bertolt Brecht, UA: 1930 Leipzig, Neues Theater<br \/>\nRegie: Tom Ryser, B\u00fchne\/ Kost\u00fcme: Stefan Rieckhoff, Dramaturgie: Heiko Voss, Licht: Markus B\u00f6nzli, Dirigent: Johannes Knapp, Orchester: Philharmonisches Orchester Freiburg, Opernchor des Theater Freiburg<br \/>\nSolisten: Anja Jung (Begbick), Christoph Waltle (Fatty), Neal Schwantes (Dreieinigkeitsmoses), Aleksandra Zamojska (Jenny), Roberto Gionfriddo (Jim Mahoney), Fausto Reinhart (Jack O&#8217;Brien &amp; Toby Higgins), Alejandro L\u00e1rraga Schleske (Bill), Frank Schneiders (Joe), Melanie L\u00fcningh\u00f6ner (Schauspielerin), Julia Vogels\u00e4nger (Pianistin)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. Juni 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Freiburg-Mahagonny.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4970\" alt=\"Freiburg-Mahagonny\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Freiburg-Mahagonny.gif\" width=\"350\" height=\"233\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/b><\/p>\n<p>Die Gauner Begbick, Dreieinigkeitsmoses und Fatty gr\u00fcnden nach einer Panne mitten im Nirgendwo die Stadt Mahagonny, um den Goldgr\u00e4bern, die auf dem Weg zur K\u00fcste sind, ihr Geld abzunehmen. Als nach einigen Prostituierten auch die Holzf\u00e4ller Jim, Jack, Bill und Joe dort eintreffen, ger\u00e4t Leben in die Stadt. Jim ist mit den Verboten in der Stadt unzufrieden. Nachdem ein Tornado die Stadt verschont, folgen alle Jims neuer Devise: <i>Du darfst.<\/i> Jack fri\u00dft sich zu Tode, Joe wird von Dreieinigkeitsmoses im Boxkampf erschlagen und Jim wird gesetzlich hingerichtet, weil er nach einem Bes\u00e4ufnis seine Rechnung nicht bezahlen kann und niemand f\u00fcr ihn einspringen will. Am Schlu\u00df herrscht in Mahagonny das Chaos<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Die Inszenierung geht keine besonderen Wagnisse ein: Als B\u00fchnenteiler dient der an einer Leine aufgeh\u00e4ngte, als solcher kenntlich gemachte \u201aBrecht-Vorhang\u2018 mit der Aufschrift <i>Mahagonny<\/i>. Das \u00fcber alle Akte hinweg gleiche Standardb\u00fchnenbild besteht in einer dunklen ruinenhaften H\u00e4userfassade, hinter der mal der Mond von Alabama und dann wieder die Sterne zu sehen sind. Die Prostituierten erscheinen als Stewardessen gekleidet \u2013 gleichsam als Servicepersonal der vergn\u00fcgungss\u00fcchtigen Gesellschaft \u2013, die M\u00e4nner im Musiktheater-Standarddress mit Hosentr\u00e4ger und Anzug. \u00dcberhaupt ist von der urspr\u00fcnglichen Skandaltr\u00e4chtigkeit des St\u00fccks wenig zu sehen. Der nazi\u00e4hnliche Fackelzug am Schlu\u00df steht in Reih und Glied, die restlichen Massenszenen spulen sich \u00e4hnlich geordnet ab. Anstatt der drei K\u00e4lber verspeist Jack Kinder, die nach seinem Tod wieder aus seinem Bauch heraus schl\u00fcpfen. Ansonsten wird viel mit Pappe und Konfetti gearbeitet.<\/p>\n<p><b>S\u00e4nger und Orchester<\/b><\/p>\n<p>Was auf der B\u00fchne an Anarchie und Witz fehlt, gleicht das von Beginn an hitzig aufspielende <b>Philharmonische Orchester Freiburg<\/b> unter <b>Johannes Knapp<\/b> im Orchestergraben wieder aus. So viel gekonnt in Szene gesetztes Geschrammel, Get\u00f6se, Gejazze und Gerummse h\u00f6rt man selten. Besonders hervor taten sich das pr\u00e4zise, markant schrill zu Werke gehende Blech sowie die zus\u00e4tzlichen Saiteninstrumente in Form von Ba\u00dfgitarre oder Banjo. <b>Anja Jung<\/b> als Stewardess-Puffmutter Begbick verleiht dem Ensemble mit ihrem strengen Alt das Quentchen traditioneller Oper. <b>Roberto Gionfriddos<\/b> Jim Mahoney ist an diesem Abend in seiner ad\u00e4quaten Schr\u00e4gheit vokal vielleicht eine Spur zu gepre\u00dft, was sich in seinem gro\u00dfen Solo nach seiner Verhaftung bemerkbar macht. <b>Aleksandra Zamojskas<\/b> (Jenny) gelingen viele sch\u00f6ne T\u00f6ne, schauspielerisch bleibt sie hinter der Vielseitigkeit ihrer Figur etwas zur\u00fcck. <b>Melanie L\u00fcningh\u00f6ners<\/b> (Erz\u00e4hlerin) darf sich am Ende sogar als (machtloser) Gott zu erkennen geben, w\u00e4hrend <b>Fausto Reinhart<\/b> stimmlich schwach bleibt, darstellerisch aber in einer Doppelrolle auftrumpfen darf. <b>Christoph Waltle<\/b> als Fatty und <b>Neal Schwantes<\/b> als Dreieinigkeitsmoses geh\u00f6ren zu den Leistungstr\u00e4gern des Abends.<\/p>\n<p><b>Fazit<\/b><\/p>\n<p>Die Freiburger Premiere von Weills Oper wirkte trotz gewohnt gro\u00dfen Schlu\u00dfapplauses \u00fcber weite Strecken eher wie eine Pflichtveranstaltung, sieht man vom herausragenden Orchester ab. Das kritisch-anarchische Potential von Brechts Text wurde auf der B\u00fchne nur ansatzweise umgesetzt. So geriet Mahagonny zu dem, was es laut Brecht eigentlich nicht sein sollte, zur blo\u00dfen \u201aAbendunterhaltung\u2018, bei der die Frage offen bleibt, warum man das St\u00fcck \u00fcberhaupt noch spielt.<\/p>\n<p>Aaron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Maurice Korbel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Anja Jung, Roberto Gionfriddo, Aleksandra Zamojska und Chor<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. 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