{"id":4953,"date":"2013-06-02T20:00:07","date_gmt":"2013-06-02T19:00:07","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4953"},"modified":"2013-06-04T14:46:59","modified_gmt":"2013-06-04T13:46:59","slug":"mission-essen-philharmonie","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4953","title":{"rendered":"MISSION \u2013 Essen, Philharmonie"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>Agostino Steffani (1674-1728)<\/p>\n<p>Cecilia Bartoli, Mezzosopran, Dirigent: Diego Fasolis, Orchester: <i>I Barocchisti<\/i><\/p>\n<p>Auff\u00fchrung: 31. Mai 2013<\/p><\/blockquote>\n<p><b><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Essen-Bartoli.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4954\" alt=\"Essen-Bartoli\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/06\/Essen-Bartoli.gif\" width=\"350\" height=\"214\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/b><\/p>\n<p>Seit einer Reihe von Jahren stellt die R\u00f6merin Cecilia Bartoli jeweils in einem Konzeptabend einen mehr oder weniger vergessenen Komponisten des 17.\/18. Jahrhunderts mit all seinen Facetten vor. Sie begann 1999 mit Antonio Vivaldi, 2001 folgte Christoph Willibald Gluck, 2003 Antonio Salieri, <i>Sacrificium <\/i>(Kompositionen von Kastraten, Rezension OPERAPOINT I\/2010, S. 52) usw. Seit Herbst 2012 ist sie mit dem italienischen Komponisten Agostino Steffani unterwegs und interpretiert unter dem Titel <i>Mission<\/i> Gesangswerke aus dessen Opern.<\/p>\n<p>Ein solches Konzert besuchte OPERAPOINT in Essen. Der Titel <i>Mission<\/i> soll an Steffanis Leben als Diplomat verschiedener F\u00fcrstenh\u00e4user in Deutschland erinnern. Denn das Komponieren erledigte Agostino Steffani als umtriebiger Diplomat so \u201enebenbei\u201c. Durchweg Opernausschnitte dieses Komponisten, den Cecilia Bartoli f\u00fcr einen der bedeutendsten Komponisten zwischen Monteverdi und Vivaldi h\u00e4lt, standen auf dem Konzertprogramm.<\/p>\n<p><b>Auff\u00fchrung<\/b><\/p>\n<p>Das Orchester <i>I Barocchisti<\/i> spielte stehend unter Diego Fasolis, der im schwarzen Gehrock mit ausladenden Bewegungen von H\u00e4nden und Armen das Tempo oder das Schneller und Langsamerwerden (<i>accelerando\/ritardando<\/i>) sichtbar machte. Er\u00f6ffnet wurde das Konzert stilgerecht mit einer franz\u00f6sischen Ouvert\u00fcre zu <i>Henrico Leone<\/i> (1689) des vielgereisten Italieners Steffani, der sich auch in der Komponierweise eines Jean-Baptiste Lully genau auskannte. Die <i>Barocchisti<\/i> zeigten schon hier eine eindrucksvolle Pr\u00e4zision, die sie \u00fcber den ganzen Konzertverlauf beibehielten. Wirkungsvoll waren ihre auf den Punkt genauen Crescendi und Decrescendi. Gro\u00dfer Applaus.<\/p>\n<p>Dieser steigerte sich noch, als <i>La Bartoli<\/i> in langem, schulterfreiem, t\u00fcrkisfarbenem Kleid auftrat. In den H\u00e4nden hielt sie ein Schellen-Tamburin, eines schon von den \u00c4gyptern benutzten Instruments. Aufmunternd blickte <i>La Gioiosa<\/i> (<i>Die Fr\u00f6hliche<\/i>) auf die Musizierenden, dann ins gro\u00dfe Rund der Zuschauer und begann mit einer Arie des Alarich aus der Oper <i>Ararico di Baltha<\/i>, die mit den Worten beginnt: <i>Unbesiegbare Krieger, z\u00f6gert nicht, auf, eilt zum Beutezug. <\/i>Ihre \u00fcberschnellen Koloraturen und dazu ihre triumphierenden Gesten deuteten an, wie auch sie sich anschickte, das Publikum zu besiegen.<\/p>\n<p>Hilfreich war, da\u00df man im Programmheft (f\u00fcr nur ein Euro!) die Texte in Italienisch und Deutsch mitlesen konnte, da der Saal nur halb abgedunkelt war.<\/p>\n<p>Ganz in der Dramaturgie der Kontraste folgte aus <i>Tasilone<\/i> eine \u00e4u\u00dferst ruhige Arie: <i>Meine Braut, ich werde ohnm\u00e4chtig \u2026 und deiner Treue sicher, sterbe ich gl\u00fccklich. \u00a0<\/i>Unendlich lang angehaltene Tonlinien der Oboe\u00a0 untermalte die resignative Ruhe eindrucksvoll. Hier war die K\u00fcnstlerin in ihrem Element: ihre <i>Mezza di voce<\/i> (halbe Stimme) war keineswegs ein halbes oder ged\u00e4mpftes Forte, sondern ein leuchtendes Piano von gro\u00dfer Klangf\u00fclle, das mit einem Triller mit kleinsten Ausschl\u00e4gen endete. Noch deutlicher kam ihre expressive Intensit\u00e4t und sanften Pianissimi bei der Arie der Niobe aus der gleichnamigen Oper: <i>Liebe mich, und du wirst sehen, da\u00df Amor keine Pfeile mehr hat, er scho\u00df sie alle f\u00fcr dich in meine Brust<\/i> zur Geltung. Die subtilen Gesangslinien drangen direkt ins Ohr, da nur eine Theorbe begleitete. Hier konnte Cecilia Bartoli vollkommen \u201eungest\u00f6rt\u201c ihren mild-s\u00fc\u00dfen Gesangs darstellen.<\/p>\n<p>Ihre un\u00fcberbietbare B\u00fchnenpers\u00f6nlichkeit kam dann in einer Arie zum Ausdruck, die sozusagen das Einschlafen darstellte. Und tats\u00e4chlich g\u00e4hnte sie herzergreifend und \u2013 als Zeichen des Einschlummerns \u2013 streckte sie starr ihre Arme vom K\u00f6rper weg als l\u00e4ge sie auf einer Couch. Das Publikum verstand alles und unterdr\u00fcckte ein Lachen. Der Schlu\u00dfgesang <i>Der heitere L\u00e4rm der Bl\u00e4ser<\/i> aus <i>Arminio<\/i> (1707) war ein Feuerwerk aus Trompetensolo mit dazu abwechselnden schnellen Koloraturen. Ein Lob auch dem Trompetenspieler, der keinen Ton auf seiner ventillosen Trompete \u201everpatzte\u201c! Dieses <i>Um die Wette Singen<\/i> wie es fr\u00fcher die Kastraten taten und zum Entz\u00fccken der damaligen Zuh\u00f6rer f\u00fchrte, wiederholte Cecilia Bartoli kunstgerecht.<\/p>\n<p>Schlie\u00dflich gab es vier (!) Zugaben, die frenetisch beklatscht wurden. Eine davon war die ber\u00fchmte H\u00e4ndel-Arie aus dem Oratorium <i>Il Trionfo del Tempo e del Disinganno \u2013 Lascia la spina, coglie la rosa \u2013 la\u00df die Dornen, pfl\u00fccke die Rose. <\/i><i>I Barocchisti<\/i> und <i>La Bartoli<\/i> zeigten hier eine Einheit von Orchesterbegleitung und Stimme, wie sie wohl selten vorkommt. Dabei hatte man manchmal das Gef\u00fchl, als bliebe die Musik regelrecht stehen, so verlangsamt wurde das Tempo. Au\u00dferordentlich!<\/p>\n<p>Zum Schlu\u00df noch eine Anmerkung: CD-Rezension <i>Mission<\/i> OPERAPOINT (I\/2013, S. 40)<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: Sven Lorenz<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: I Barocchisti mit Diego Fasolis und Cecilia Bartoli bei ihrem ersten Auftreten<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Agostino Steffani (1674-1728)<br \/>\nCecilia Bartoli, Mezzosopran, Dirigent: Diego Fasolis, Orchester: I Barocchisti<br \/>\nAuff\u00fchrung: 31. 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