{"id":4928,"date":"2013-05-10T08:36:38","date_gmt":"2013-05-10T07:36:38","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4928"},"modified":"2013-05-13T08:43:38","modified_gmt":"2013-05-13T07:43:38","slug":"der-idiot-mannheim-nationaltheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4928","title":{"rendered":"DER IDIOT &#8211; Mannheim, Nationaltheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Mieczys\u0142aw Weinberg (1919-1996), Oper in vier Akten, Libretto: Alexander Medwedjew nach dem Roman von Fjodor M. Dostojewskij, UA: 9. Mai 2013 Mannheim, Nationaltheater<\/p>\n<p>Regie: Regula Gerber, B\u00fchne: Stefan Mayer, Kost\u00fcme: Falk Bauer, Licht: Nicole Berry, Video: Thilo David Heins, Choreographische Mitarbeit: Luches Huddleston jr., Dramaturgie: Oliver Binder<\/p>\n<p>Dirigent: Thomas Sanderling, Orchester des Nationaltheater, Choreinstudierung: Tilman Michael<\/p>\n<p>Solisten: Dmitry Golovnin (F\u00fcrst Myschkin), Steven Scheschareg (Parfjon Rogoschin), Ludmila Slepneva (Nasstasja Filippowna), Bryan Boyce (Tozkij), Lars M\u00f8ller (Lebedjew), Alexander Vassiliev (Iwan Jepantschin), Elzbieta Ardam (Jelisaweta Jepantschina), Anne-Theresa M\u00f8ller (Aglaja), Cornelia Ptassek (Alexandra), u. a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. Mai 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p align=\"left\"><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Mannheim-Der-Idiot.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4929\" title=\"Mannheim-Der-Idiot\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Mannheim-Der-Idiot.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"240\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Mannheim-Der-Idiot.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Mannheim-Der-Idiot-300x205.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">F\u00fcrst Myschkin \u2013 der Idiot \u2013 kommt von einem l\u00e4ngeren Krankenhausaufenthalt aus der Schweiz nach St. Petersburg zur\u00fcck. Sofort ger\u00e4t er, der sich den Glauben an das Gute im Menschen noch erhalten hat, in einen Strudel von Intrigen und Hinterh\u00e4ltigkeiten: Nastassja Filippowna verzaubert alle M\u00e4nner, ist aber als M\u00e4tresse ihres G\u00f6nners Tozkij keine ehrbare Heiratspartie. Als dieser sich mit Aglaja, der Tochter der Jepantschins verm\u00e4hlen m\u00f6chte, mu\u00df er zun\u00e4chst Nastassja los werden. In dieses Geflecht aus Leidenschaften und arrangierten Ehen platzt der kindlich naive Myschkin. Er verf\u00e4llt Nastassja sofort und will sie retten. Gleichzeitig f\u00fchlt er sich von Aglaja angezogen. Im Kampf zwischen beiden Frauen und deren Liebhabern wird er selbst zum Spielball im Netz der erotischen und materiellen Abh\u00e4ngigkeiten. Die Trag\u00f6die kommt erst durch den Tod Nastassjas zu ihrem Ende. Das letzte Bild zeigt den verst\u00f6rten Myschkin in den Armen\u00a0 Rogoschins, des M\u00f6rders.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Schlichte wei\u00dfe Seitenw\u00e4nde mit jeweils drei T\u00fcren f\u00fcr Auf- und Abg\u00e4nge und eine schwarze, verschiebbare R\u00fcckwand: Das ist der Rahmen in dem sich alles abspielt. Das Zentrum des B\u00fchnenbildes ist die Drehb\u00fchne, auf der, einem Karussell gleich, verschiedene B\u00fchnenbildelemente stehen, die zun\u00e4chst ganz unterschiedliche Orte zeigen. So stehen im zweiten Bild ein kleines Zugabteil, ein K\u00fcchentisch mit der Familie Jepantschin und ein Schreibtisch mit dem Gehilfen Ganja auf der B\u00fchne. Bespielt wird immer nur eine dieser \u201eMiniaturb\u00fchnen\u201c. Ein weiteres zentrales Element des Bildes sind die Videoprojektionen, die auf die schwarze R\u00fcckwand geworfen werden. Sie zeigen verschneite Landschaften oder Schneeflocken, vervielfachen aber auch \u2013 \u00e4hnlich wie bei mehreren hintereinander aufgestellten Spiegeln \u2013 das Geschehen auf der Drehb\u00fchne. Die Kost\u00fcme changieren zwischen modernen Anz\u00fcgen und an die Mode des sp\u00e4ten 19. Jahrhunderts.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">In Weinbergs Oper mischen sich Konversationsstil mit einigen wenigen ariose Momente sowie Lieder und Unterhaltungsmusik. Musikalische Formen wechseln abrupt, Stimmungen kippen von der einen auf die andere Sekunde um. Das erfordert h\u00f6chste Konzentration und technische Pr\u00e4zision, sowohl von den S\u00e4ngern, als auch von Dirigent und Orchester. <strong>Thomas Sanderlings <\/strong>Dirigat ist immer transparent, selbst in den lautesten Blechbl\u00e4serstellen war jedes Motiv klar und klangsch\u00f6n zu vernehmen. <strong>Dmitry Golovnin<\/strong> (F\u00fcrst Myschkin) ist darstellerisch wie s\u00e4ngerisch eine Idealbesetzung. Der sehr lyrische Tenor singt die Partie so vielschichtig r\u00e4tselhaft, mal sch\u00fcchtern leise, mal wahnsinnig dramatisch, aber immer sicher in Stimme und Ausdruck. Kongeniales Alter Ego war <strong>Steven Scheschareg<\/strong> als Rogoschin. Sein Ba\u00dfbariton ist nicht einfach nur dunkel-schwarz, sondern zeigt alle Schattierungen des verzweifelten Charakters. <strong>Ludmila Slepneva <\/strong>stellt eine Nastassja dar, hin und hergerissen\u00a0 zwischen Verletzlichkeit und Grausamkeit. Ihre Kontrahentin Aglaja zeigt sich bei<strong> Anne-Theresa M\u00f8ller <\/strong>wunderbar angriffslustig und jugendlich. Beeindruckend ist <strong>Lars M\u00f8ller <\/strong>in der Rolle des<strong> <\/strong>teuflischen Lebedjew, Kommentator des Geschehens. Auch die Nebenrollen \u2013 man mag sie als solche eigentlich gar nicht bezeichnen \u2013 sind hervorragend besetzt.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Ein nicht enden wollender Applaus beendete das vierst\u00fcndige Mammutwerk. Mannheim hat mit dieser rundum gelungenen Darbietung Werbung f\u00fcr den so selten gespielten Mieczys\u0142aw Weinberg gemacht. Die sehr konzentrierte und durchdachte Inszenierung Regula Gerbers war genauso detailverliebt wie Thomas Sanderlings Dirigat und dabei immer noch wundersch\u00f6n anzusehen bzw. anzuh\u00f6ren. Ein ausf\u00fchrliches Programmheft, das auch das Libretto der Oper enth\u00e4lt, erg\u00e4nzte sinnvoll die Auff\u00fchrung.<\/p>\n<p align=\"left\">Jelena Rothermel<\/p>\n<p align=\"left\">Bild: Hans J\u00f6rg Michel<\/p>\n<p align=\"left\">Das Bild zeigt: Anne-Theresa M\u00f8ller (Aglaja), Dmitry Golovnin (F\u00fcrst Myschkin), Diana Matthess, Cornelia Ptassek (Alexandra)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. 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