{"id":4880,"date":"2013-10-11T11:42:01","date_gmt":"2013-10-11T10:42:01","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4880"},"modified":"2013-11-03T13:42:47","modified_gmt":"2013-11-03T12:42:47","slug":"interview-mit-kulturstaatsminister-bernd-neumann","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4880","title":{"rendered":"Interview mit Kulturstaatsminister Bernd Neumann"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<h3>Beauftragter der Bundesregierung f\u00fcr Kultur und Medien<\/h3>\n<p>Die Eltern stammen aus Elbing, Westpreu\u00dfen. Sie kamen nach der Flucht in die Stadt Bremen, wo Bernd Neumann das Studium der P\u00e4dagogik aufnahm und Realschullehrer wurde. \u00dcber die Junge Union wurde er Mitglied der Bremischen B\u00fcrgerschaft. Seit 1973 Vorsitzender der CDU-B\u00fcrgerschaftsfraktion kam er 1987 in den Bundestag, wurde stellvertretender Vorsitzender des Bundesfachausschusses Medienpolitik der CDU, sodann Parlamentarischer Staatssekret\u00e4r beim Bundesminister f\u00fcr Bildung, Forschung und Technologie, sp\u00e4ter Obmann der CDU\/CSU-Fraktion im Ausschu\u00df des Bundestages f\u00fcr Kultur und Medien und ist seit 2005 Staatsminister f\u00fcr Kultur und Medien. Er bekam verschiedene Preise, u.a. wurde er \u201eCommandeur des Arts et des Lettres\u201c (2007) und erhielt den Ehrenpreis des Bundesverbandes der Film-und Fernsehschauspieler (BFFS), die Richard-Strauss-Medaille (GEMA) sowie den Sally-Award des Arbeitskreises Mittelst\u00e4ndischer Verlage (AMV).<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Neumann-Bundesregierung-Kug.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4881\" title=\"Neumann-Bundesregierung-Kug\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Neumann-Bundesregierung-Kug.gif\" width=\"237\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Neumann-Bundesregierung-Kug.gif 237w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Neumann-Bundesregierung-Kug-203x300.gif 203w\" sizes=\"auto, (max-width: 237px) 100vw, 237px\" \/><\/a>Z: <\/strong>Herr Staatsminister, Sie kennen unser Magazin OPERAPOINT.<\/p>\n<p>Wir bem\u00fchen uns im unserem Magazin, aber auch in unserem online-Angebot, dem Publikum die Inhalte und den strukturellen Aufbau von Opern und Konzertst\u00fccken besser verst\u00e4ndlich zu machen und dabei Empfehlungen f\u00fcr gute Interpretationen zu geben. Nun stellen wir fest, dass die Printausgaben generell und damit nat\u00fcrlich auch unser Magazin weniger gelesen werden, w\u00e4hrend wir bei unserem Internet-Auftritt \u00fcber eine halbe Million Aufrufe haben. Sehen Sie eine M\u00f6glichkeit, Printmedien gegen\u00fcber der wachsenden Konkurrenz durch das Internet zu st\u00e4rken?<\/p>\n<p><strong><em>B. N.: <\/em><\/strong>Am Beispiel Ihres Magazins kann man gut erkennen, welche Vorteile und Chancen das Internet hat: Es ist mobil, schnell verf\u00fcgbar und bietet die M\u00f6glichkeit der Interaktivit\u00e4t und der Intermedialit\u00e4t. Insbesondere bietet es die M\u00f6glichkeit zur schnellen Recherche, z.B. auch vor Besuch einer Opernauff\u00fchrung oder eines Konzerts. Erfreulicherweise ist ja auch Ihr Netz-Auftritt erfolgreich. Aber: Printmedien bleiben auch im Zeitalter des Internets f\u00fcr Politik und Gesellschaft unverzichtbar. Zeitungen und Magazine sind grundlegende Leitmedien, \u00a0die Auswahl und Orientierung anbieten. Diese Funktion kann das Internet nicht ersetzen. Deshalb ist es wichtig, dass die Kulturredaktionen der Zeitungen auch k\u00fcnftig dar\u00fcber berichten, was in den Museen, Galerien, Konzerts\u00e4len und Theatern stattfindet. Denn die \u00f6ffentlich gef\u00fchrte Reflektion \u00fcber Kunst geh\u00f6rt zum Kunstprozess dazu.<\/p>\n<p>Der Bund unterst\u00fctzt die Printmedien bereits ganz grundlegend z.B. durch den auf sieben Prozent verringerten Mehrwertsteuersatz. Das gerade vom Bundestag verabschiedete Leistungsschutzrecht st\u00e4rkt die Stellung der Presseverlage bei der Vermarktung ihrer Erzeugnisse im Netz. Auch die Medienkompetenz der jungen Generation f\u00f6rdert der Bund durch Modellprojekte. Um ihnen die Printmedien n\u00e4her zu bringen, hat mein Haus z.B. die \u201eNationale Initiative Printmedien\u201c ins Leben gerufen. Die Initiative veranstaltet jedes Jahr einen Sch\u00fclerwettbewerb, bei dem sich Jugendliche mit dem Thema Printmedien auseinandersetzen.<\/p>\n<p><strong>Z: <\/strong>W\u00e4ren Sie einverstanden mit den Behauptungen: <em>Wer nicht <\/em><em>\u00fcber klassische Musik nachliest, <\/em><em>wei\u00df nicht viel \u00fcber sie <\/em>bzw. <em>man <\/em><em>kann nur verstehen, was man <\/em><em>auch wei\u00df<\/em>? Oder sind die Aussagen zu rigoros?<\/p>\n<p><strong><em>B. N.: <\/em><\/strong>F\u00fcr mich ist das eine zu enge Betrachtungsweise. Den besten Zugang zur Musik hat man doch, wenn man selbst musiziert oder z.B. in einem Chor singt. Denn nur \u201e \u00fcber Musik nachzulesen \u201c vermittelt nicht, was es hei\u00dft, eine virtuose Stelle zu meistern oder einen Ton schwingen zu lassen. Ideal w\u00e4re es nat\u00fcrlich, beides zu vereinen. Gerade beim Besuch einer Oper profitiert man davon, wenn man \u00fcber Handlungsverlauf, historische Hintergr\u00fcnde und die musikgeschichtliche Einordnung informiert ist.<\/p>\n<p><strong>Z: <\/strong>Auf Ihrem Internet-Portal las ich, dass Ihr Haus \u201eInitiativen zur Vermittlungsarbeit\u201c unterst\u00fctzt. Wo geschieht das und k\u00f6nnen Sie mir dazu Beispiele nennen?<\/p>\n<p><strong><em>B. N.: <\/em><\/strong>Es ist richtig, ich habe die kulturelle Bildung zu einem Schwerpunkt der Arbeit meines Hauses gemacht. Angebote zur kulturellen Vermittlung finden Sie in allen Einrichtungen, die der Bund institutionell f\u00f6rdert \u2013 seit 2008 ist dies eine bindende Auflage. Au\u00dferdem unterst\u00fctzt mein Haus ganz gezielt Initiativen, die beispielgebend sind, also bundesweit Modellcharakter haben. Das gro\u00dfartige Projekt \u201eJedem Kind ein Instrument\u201c in Nordrhein-Westfalen ist nur mit Unterst\u00fctzung des Bundes m\u00f6glich gewesen. Die Kulturstiftung des Bundes hat eine f\u00fcnfj\u00e4hrige Anschubfinanzierung unter der Bedingung \u00fcbernommen, dass das Land und die beteiligten Kommunen sowie Sponsoren das Vorhaben dann weiterf\u00fchren. Das Projekt ist so erfolgreich, dass es andere Bundesl\u00e4nder auch eingef\u00fchrt haben oder \u00e4hnliche Initiativen f\u00f6rdern.<\/p>\n<p>Derzeit l\u00e4uft zudem das Modellprogramm \u201eKulturagenten f\u00fcr kreative Schulen\u201c. Kunst und Kultur sollen einen festen Platz im Schulalltag bekommen, dazu werden langfristige Kooperationen mit Kultureinrichtungen vor Ort initiiert. Um gelungenen Projekten mehr \u00d6ffentlichkeit zu verschaffen und zum Nachahmen anzuregen, habe ich zudem den \u201eBKM-Preis Kulturelle Bildung\u201c ausgelobt. Mein Haus organisiert auch einen regelm\u00e4\u00dfigen Erfahrungsaustausch zur kulturellen Vermittlungsarbeit, z.B. im vergangenen Herbst die Tagung \u201eKulturelle Bildung \u00f6ffnet Welten\u201c im Deutschen Historischen Museum in Berlin.<\/p>\n<p><strong>Z: <\/strong>Das ist sehr zu begr\u00fc\u00dfen. Aber was ist mit den nicht vom BKM gef\u00f6rderten Einrichtungen? Muss der Appell nicht auch an die Opern- oder Konzerth\u00e4user oder auch an private Initiativen gehen, welche sich oft hinter Vereinen verbergen? Und ist dort auch eine F\u00f6rderung m\u00f6glich?<\/p>\n<p><strong><em>B. N.: <\/em><\/strong>Unsere Unterst\u00fctzung konzentriert sich nicht nur auf BKM-gef\u00f6rderte Einrichtungen, sondern wir unterst\u00fctzen auch zahlreiche Projekte anderer Einrichtungen und Initiativen. H\u00f6hepunkt dabei ist die j\u00e4hrliche Verleihung des Preises f\u00fcr Kulturelle Bildung in Genshagen. Davon profitieren ganz besonders auch die Projekte von nicht vom BKM gef\u00f6rderten Tr\u00e4gern. Ich hoffe nat\u00fcrlich, dass diese Beispiele auch in den L\u00e4ndern Schule machen, denn diese sind f\u00fcr die kulturelle Bildung prim\u00e4r zust\u00e4ndig.<\/p>\n<p><strong>Z: <\/strong>Aus Anlass des f\u00fcnfzigj\u00e4hrigen Jubil\u00e4ums des Elys\u00e9e-Vertrages spricht man zur Zeit viel von der deutschfranz\u00f6sischen Freundschaft. Sie haben auf die intensive kulturelle Zusammenarbeit der beiden L\u00e4nder hingewiesen, die von Ihnen unterst\u00fctzt wird. Sind darunter auch private Initiativen?<\/p>\n<p><strong><em>B. N.: <\/em><\/strong>Mit keinem anderen Land hat Deutschland einen so intensiven kulturellen Austausch wie mit Frankreich. Das gilt f\u00fcr kulturelle Institutionen wie Museen, Theater, Bibliotheken, Orchester wie auch f\u00fcr private Projekte. F\u00fcr private Initiativen stehen in Bund und L\u00e4ndern viele verschiedene F\u00f6rderinstrumente zur Verf\u00fcgung.<\/p>\n<p>F\u00fcr mein Haus gesprochen, gibt es z.B. im Bereich der Musik den Fonds \u201eImpuls Neue Musik\u201c, mit dem die Zusammenarbeit zwischen Komponisten und Musikern in beiden L\u00e4ndern gef\u00f6rdert wird. Auch der Austausch von Kunstgalerien wird unterst\u00fctzt. 2010 habe ich den deutsch-franz\u00f6sischen Literaturpreis, den Franz-Hessel-Preis, ins Leben gerufen. Und es gibt einen eigenen Fonds zur F\u00f6rderung von deutschfranz\u00f6sischen Kinoproduktionen.<\/p>\n<p><strong>Z: <\/strong>Das Buch <em>Der Kulturinfarkt <\/em>(berichtet im Magazin OPERAPOINT 3\/2012) behauptet, dass in Deutschland f\u00fcr die Kultur, also Kunst, Theater, Oper, VHS u.a. eigentlich zu viel Geld, und zwar meist f\u00fcr staatlich gef\u00f6rderte Kultureinrichtungen ausgegeben w\u00fcrde. Dagegen w\u00fcrde man Initiativen innerhalb der Zivilgesellschaft (Vereine, private Initiativen etc.) nicht ausreichend f\u00f6rdern. Ist da etwas Wahres dran?<\/p>\n<p><strong><em>B. N.: <\/em><\/strong>Nein, die Thesen in diesem Buch teile ich \u00fcberhaupt nicht. Wenn f\u00fcnfzig Prozent der kulturellen Einrichtungen geschlossen werden, wie von den Autoren gefordert, dann sind davon gerade die kleineren, innovativen und die in der Fl\u00e4che betroffen. Richtig ist nat\u00fcrlich, dass die L\u00e4nder und Kommunen immer wieder neu entscheiden m\u00fcssen, wie sie die historisch gewachsene kulturelle Infrastruktur weiter finanzieren und zugleich neue Entwicklungen m\u00f6glich machen wollen. Der Bund hat hier vor allem daf\u00fcr zu sorgen, dass die Rahmenbedingungen f\u00fcr die Kultur insgesamt stimmen.<\/p>\n<p>Dazu geh\u00f6ren z.B. die F\u00f6rderung des b\u00fcrgerschaftlichen Engagements insbesondere im Bereich des Steuer- und Sozialrechts, die Unterst\u00fctzung bei der sozialen Absicherung durch die K\u00fcnstlersozialkasse und ein Urheberrecht, das auch im digitalen Zeitalter wirksam ist.<\/p>\n<p><strong>Z: <\/strong>Der fr\u00fchere Frankfurter Kulturdezernent Hilmar Hoffmann pr\u00e4gte den Ausdruck \u201eKultur f\u00fcr alle\u201c. Unternimmt Ihr Haus nicht Initiativen mit einer \u00e4hnlichen Zielrichtung? Wie sehen Sie hier die Rolle des Bundes?<\/p>\n<p><strong><em>B. N.: <\/em><\/strong>Heute ist das zum Gl\u00fcck Konsens zwischen allen im Bundestag vertretenen Parteien. Die Basis ist dabei immer die \u201e kulturelle Grundversorgung \u201c f\u00fcr die B\u00fcrgerinnen und B\u00fcrger \u2013 also der Unterhalt von Museen, Opern, Theatern, Orchestern, Musikschulen oder Bibliotheken. Dies ist und bleibt allerdings eine Aufgabe der L\u00e4nder und Kommunen. Und \u2013 wie schon gesagt \u2013 f\u00fcr den Bund ist es selbstverst\u00e4ndlich, dass er bei allen seinen F\u00f6rderungen darauf achtet, einen breiten Zugang zu erm\u00f6glichen und auch Menschen anzusprechen, die die kulturellen Angebote, z.B. weil sie aus einem kulturfernen Umfeld kommen, bislang nicht wahrgenommen haben.<\/p>\n<p><strong>Z: <\/strong>Ihr Haus unterst\u00fctzt Projekte zur F\u00f6rderung des k\u00fcnstlerischen Nachwuchses. Was ist das Besondere daran, da es doch in Deutschland schon viele Wettbewerbe gibt, wie z. B. \u201eNeue Stimmen\u201c in G\u00fctersloh, &#8222;DEBUT Europ\u00e4ischer Gesangswettbewerb&#8220;, &#8222;Competizione dell\u2019 Opera&#8220; in Dresden usw.?<\/p>\n<p><strong><em>B. N.: <\/em><\/strong>Der Bund f\u00fchrt im Bereich der F\u00f6rderung des k\u00fcnstlerischen Nachwuchses Wettbewerbe durch, die die Nachwuchsf\u00f6rderung der L\u00e4nder erg\u00e4nzen. Sie stellen eine l\u00e4nder\u00fcbergreifende Spitzenf\u00f6rderung dar und haben daher bundesweite Bedeutung. Beispiele sind der Deutsche Musikwettbewerb oder der Bundeswettbewerb Gesang.<\/p>\n<p>Eine andere Art der F\u00f6rderung ist das vom Deutschen Musikrat getragene Dirigentenforum. Hier durchlaufen junge Dirigenten unter der Mentorschaft namhafter Dirigenten ein mehrstufiges System von Arbeitsphasen und Kursen. Auch der Musikinstrumentenfonds, den der BKM gemeinsam mit der Deutschen Stiftung Musikleben unterh\u00e4lt, ist beim Bund in guten H\u00e4nden, weil begabte junge Musiker bundesweit leihweise mit hochwertigen Musikinstrumenten arbeiten k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><strong>Z: <\/strong>Sie f\u00f6rdern auch den Film. Sind dabei auch sog. Doku-Filme m\u00f6glich, die sich die Aufgabe gestellt haben, z.B. Menschen mit der klassischen Musik vertraut zu machen?<\/p>\n<p><strong><em>B. N.: <\/em><\/strong>Ja, solche Filme k\u00f6nnen im Rahmen der kulturellen Filmf\u00f6rderung unterst\u00fctzt werden. Allerdings gibt es f\u00fcr musikbezogene Filme kein eigenes Programm, die Antr\u00e4ge konkurrieren also mit anderen Themen. Es hat aber immer wieder gute Beispiele f\u00fcr eine erfolgreiche F\u00f6rderung in diesem Bereich gegeben, z.B. <em>Trip to Asia<\/em>, vom BKM gef\u00f6rdert, ein klanggewaltiger Dokumentarfilm \u00fcber das Asiengastspiel der Berliner Philharmoniker.<\/p>\n<p>Der Film <em>Rhythm is it!<\/em>, der eine Strawinsky-Auff\u00fchrung mit 250 Kindern aus sozialen Brennpunkten \u2013 ein gro\u00dfartigesBeispiel f\u00fcr kulturelle Bildung \u2013 dokumentiert, wurde dadurch unterst\u00fctzt, dass er seinerzeit mit dem Deutschen Filmpreis f\u00fcr den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet worden ist.<\/p>\n<p><strong>Z: <\/strong>Wo und wie sehen Sie generell f\u00fcr die Zukunft Ans\u00e4tze, ein breiter angesiedeltes und nachhaltiges Interesse f\u00fcr klassische Musik zu f\u00f6rdern?<\/p>\n<p><strong><em>B. N.: <\/em><\/strong>Wenn man von Kindheit an lernt, Musik zu h\u00f6ren und zu verstehen, Musikveranstaltungen besucht, vielleicht ein Instrument lernt, dann ist damit der entscheidende Grundstein f\u00fcr Nachhaltigkeit gelegt. Es muss also in musikalische Bildung investiert werden. Und dies ist genau der Grund, weswegen ich immer wieder an die Bundesl\u00e4nder und die Kommunen appelliere, ihrer Verantwortung f\u00fcr die musikalische Bildung gerecht zu werden.<\/p>\n<p>Ein regelm\u00e4\u00dfiger, qualifizierter Musikunterricht muss in der Schule stattfinden und darf auch nicht der verk\u00fcrzten Gymnasialzeit zum Opfer fallen. In Kindheit und Jugend werden schlie\u00dflich die Grundlagen f\u00fcr das Interesse an Musik gelegt.<\/p>\n<p><strong>Z: <\/strong>Es wird zur musikalischen F\u00f6rderung der Jugend viel unternommen, wenig dagegen zur F\u00f6rderung der Laienmusik \u00e4lterer Erwachsener. Sehen Sie Handlungsbedarf und k\u00f6nnte da von Ihrem Haus aus etwas getan werden?<\/p>\n<p><strong><em>B. N.: <\/em><\/strong>Auch hier sind zun\u00e4chst wieder die L\u00e4nder und Kommunen gefragt. Auf kommunaler Ebene finden sich vor allem bei den Volkshochschulen Angebote speziell f\u00fcr \u00e4ltere Menschen. Der Bund kann nur vereinzelt Impulse geben. Das geschieht auch, z.B. f\u00f6rdern wir das \u201eDeutsche Orchestertreffen 60+\u201c, das von der Bundesvereinigung Deutscher Orchesterverb\u00e4nde f\u00fcr Laienorchester veranstaltet wird.<\/p>\n<p><strong>Z: <\/strong>Daniel Barenboim hat sich in einem Interview mit der FAZ vom 15. November 2012 folgenderma\u00dfenge\u00e4u\u00dfert: <em>Ab etwa 2050 wird die Musik in unserer Gesellschaft <\/em><em>kaum noch eine Rolle spielen<\/em>. Welchen Stellenwert sehen Sie f\u00fcr die \u201eklassische\u201c Kultur beim multimedialen \u201eMassenpublikum\u201c der Zukunft?<\/p>\n<p><strong><em>B. N.: <\/em><\/strong>Daniel Barenboim w\u00e4re nicht Daniel Barenboim, wenn er nicht im Nachsatz gleich darauf verwiesen h\u00e4tte, dass seine Barenboim-Said-Akademie, deren Aufbau vom Bund unterst\u00fctzt wird, dieser Entwicklung entgegentritt. Also ist er selbst \u00fcberzeugt, dass man Einfluss nehmen kann. Und auch ich bin der \u00dcberzeugung, dass die klassische Musik einen festen Platz in der Gesellschaft behalten wird. Gerade Deutschland kann auf seine einzigartige Dichte an Orchestern und Konzerth\u00e4usern durchaus stolz sein.<\/p>\n<p>Und wenn ich res\u00fcmiere, was an jungen Talenten nachw\u00e4chst, was von vielen Seiten unternommen wird, um Kinder und Jugendliche an Musik heranzuf\u00fchren, dann bin ich optimistisch. Allein an dem von Bund, L\u00e4ndern und Kommunen gemeinsam finanzierten Wettbewerb \u201eJugend musiziert\u201c, der im n\u00e4chsten Jahr sein 50j\u00e4hriges Bestehen feiert, haben bislang fast 500.000 Kinder und Jugendliche teilgenommen. Und es werden jedes Jahr mehr. Unz\u00e4hlige Male deb\u00fctierten hier junge Musik-Talente, manche von ihnen sind heute international bekannte Stars.<\/p>\n<p><strong>Z: <\/strong>Herr Staatsminister, herzlichen Dank f\u00fcr Ihre ausf\u00fchrlichen Antworten.<\/p>\n<p>Die Fragen wurden von Dr. Olaf Zenner gestellt. Das orginal Interview ist im April 2013 in der OPERAPOINT-Printausgabe 2\/2013 erschienen.<\/p>\n<p>Bild: <em>Bernd Neumann, Bundesregierung \u2013 Kugler<\/em><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Wenn man von Kindheit an lernt, Musik zu h\u00f6ren und zu verstehen, Musikveranstaltungen besucht, vielleicht ein Instrument lernt, dann ist damit der<\/p>\n<p>entscheidende Grundstein f\u00fcr Nachhaltigkeit gelegt. 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