{"id":480,"date":"2009-01-11T22:57:32","date_gmt":"2009-01-11T20:57:32","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=480"},"modified":"2009-01-13T23:03:37","modified_gmt":"2009-01-13T21:03:37","slug":"nurnberg-staatstheater-die-entfuhrung-aus-dem-serail","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=480","title":{"rendered":"N\u00fcrnberg, Staatstheater &#8211; DIE ENTF\u00dcHRUNG AUS DEM SERAIL"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Wolfgang A. Mozart (1756-1791); Singspiel in drei Aufz\u00fcgen, Libretto von Johann Gottlieb Stephanie d.J.; UA: 1782, Wien.<br \/>\nRegie: Andreas Baesler, B\u00fchnenbild: Harald Thor<br \/>\nDirigent: Christof Prick, N\u00fcrnberger Philharmoniker, Chor des Staatstheaters N\u00fcrnberg<br \/>\nSolisten: Mehmet Yilmaz (Bassa Selim), Heidi E. Meier (Konstanze), Tilman Lichdi (Belmonte), Melanie Hirsch (Blonde, A-Premiere), Leah Gordon (Blonde, B-Premiere), Jeff Martin (Pedrillo), Guido Jentjens (Osmin).<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 20. Dezember 2008 (A-Premiere), 7. Januar 2009 (B-Premiere mit Zweitbesetzung Konstanze)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"nurnberg-entfuhrung.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/nurnberg-entfuhrung.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"nurnberg-entfuhrung.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/nurnberg-entfuhrung.jpg\" \/><\/a>Das Singspiel greift ein beliebtestes Thema des 18. Jahrhunderts auf: eine Entf\u00fchrungsgeschichte in der T\u00fcrkei mit Liebesgeschichte und deren Verwicklungen. Konstanze, ihre Dienerin Blonde und der Diener Pedrillo befinden sich als Gefangene im Topkapi-Palast des Selim Bassa in Istanbul. Konstanzes Verlobter Belmonte macht die Gefangenen ausfindig und versucht sie zu befreien. Bassa Selim findet Gefallen an Konstanze und will sie zu seiner Geliebten machen. Sein Aufseher Osmin hat es auf Blondchen abgesehen, die sich selbstbewu\u00dft zu wehren wei\u00df. Belmonte und Pedrillo hecken einen Fluchtplan aus. Zwar gelingt es ihnen Osmin betrunken zu machen, die Flucht scheitert aber. Osmin tobt und droht mit furchtbarer Rache, der Bassa aber zeigt Edelmut und gew\u00e4hrt den beiden Paaren ihre Freiheit, obwohl er erf\u00e4hrt, da\u00df Belmonte der Sohn seines \u00e4rgsten Feindes ist.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDas Serail verlegt der Regisseur<strong> Andreas Baesler<\/strong> in den Hinterhof eines Altstadt-Wohnblocks in N\u00fcrnberg. Der Bassa Selim, dargestellt vom bekannten Schauspieler <strong>Mehmet Yilmaz<\/strong>, hat hier das Sagen, die t\u00fcrkischen Mitbewohner  jubeln ihm und seinen beiden schwarz gekleideten Gefolgsleuten mit Schnappmesser zu. Zur wichtigsten Figur aufgestiegen ist Osmin, ein muslimischer Pascha. Er kritisiert die Errungenschaften des Westens, deren gebildeten Damen sich f\u00fcr den Playboy ausziehen. Zwar versucht er Blonde zu dominieren, als sie jedoch zur\u00fcckschl\u00e4gt gibt er klein bei. Zum Schlu\u00df kommt sie noch einmal zur\u00fcck, gibt ihm eine letzte Chance, er aber flieht entsetzt.<br \/>\nBleiben die beiden Liebespaare: Constanze und Belmonte, nur scheinbar ein Musterp\u00e4rchen. Belmonte ist die Karikatur eines geschniegelten Lackaffen, ein typischer BWL-Student. Constanze liebt ebenso die teure Kleidung, sie geht mit dem Bassa einkaufen.<br \/>\nDie Beziehung zwischen Pedrillo und Blonde ist schon mehr gef\u00e4hrdet: Pedrillo ist der d\u00fcmmliche Hausmeister, Blonde schwankt zwischen Osmin und Pedrillo.<br \/>\nDie Inszenierung bietet sehr viel f\u00fcrs Auge: Bassa Selim zieht in das Topkapi genannte Vereinsheim ein und wird von einer t\u00fcrkischen Bilderbuch-Gesellschaft begr\u00fc\u00dft. W\u00e4hrend Konstanze sich als Dame in orientalischen Gew\u00e4ndern mit Kopftuch gibt, \u00fcberzeugt Blonde in geschmackloser britischer Kleidung als Punkerin mit Turnschuhen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger  und  Orchester<\/strong><br \/>\nMusikalisch wird die Leistungsf\u00e4higkeit des Staatstheaters unter Beweis gestellt. In flottem Tempo und gro\u00dfer Lautst\u00e4rke zaubert GMD <strong>Christof Prick <\/strong>einen mitrei\u00dfenden Klangteppich auf die B\u00fchne. Die sehr schwierigen (und zumeist untersch\u00e4tzten!) Rollen der Konstanze, Blonde und Belmonte sind ausgezeichnet besetzt: <strong>Elisabeth Meier<\/strong> (Konstanze) zaubert gerade in den H\u00f6henlagen technisch gl\u00e4nzende Koloraturen, auch wenn sie manchmal etwas zu viel Kraft verwendet. <strong>Melanie Hirsch<\/strong> als Blonde hat einen sehr beweglichen, einschmeichelnden Sopran w\u00e4hrend <strong>Leah Gordon<\/strong> inder B-Premiere sehr viel verspielter und very British wirkt. <strong>Tilman Lichdi<\/strong> als Belmonte ist ein wunderbarer Mozart-Tenor, der mit viel Schmelz den Abend gl\u00e4nzend durchsteht. Der Publikumsliebling <strong>Guido Jentjens<\/strong> (Osmin) meistert die wohl tiefste aller Basspartien scheinbar ohne Anstrengung, auch wenn er die Grenzen in der Tiefe das eine oder andere Mal erreicht.<strong> Jeff Martins<\/strong> kann als Spieltenor-Pedrillo \u00fcberzeugen, auch wenn ihm am Ende die Kondition ausging.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\n\u00dcber die Aktualisierung einer Mozart-Oper kann man geteilter Meinung sein, denn der Ansatz, das Serail in die heutige Zeit einer deutsche Stadt zu verlegen, wirft Fragen auf: Mit welcher Macht sollte der Bassa, dessen T\u00e4tigkeit und Position nicht genau definiert werden kann, Konstanze festhalten oder alle Beteiligten an der Flucht hindern? Auch die Aussage des St\u00fcckes ist fraglich, denn werden nicht statt Fragen zur Ausl\u00e4nderintegration eher Postkarten-Klischees dargeboten?<br \/>\nDer Eingriff ins Libretto durch die Verwendung der t\u00fcrkischen Sprache wurde kontrovers diskutiert. Da\u00df das Publikum dar\u00fcber hinwegsah, lag eindeutig an der gro\u00dfartigen musikalischen Leistung, der perfekten Personenzeichnung (auch in den Massenaufl\u00e4ufen) durch den Regisseur und der schauspielerisch \u00fcberzeugenden Darstellung. Alle Beteiligten wurden in den beiden ausverkauften Premieren vom Publikum gefeiert: Ein unterhaltsamer Abend mit etwas bitterem Nachgeschmack.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Ludwig Olah<br \/>\nDas Bild zeigt: Melanie Hirsch (Blonde), Guido Jentjens (Osmin), Mehmet Yilmaz (Bassa), Tilman Lichdi (Belmonte) und Heidi Elisabeth Meier (Konstanze) v.l.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Wolfgang A. Mozart (1756-1791); Singspiel in drei Aufz\u00fcgen, Libretto von Johann Gottlieb Stephanie d.J.; UA: 1782, Wien. 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