{"id":4775,"date":"2013-04-29T14:56:08","date_gmt":"2013-04-29T13:56:08","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4775"},"modified":"2013-05-10T18:23:05","modified_gmt":"2013-05-10T17:23:05","slug":"lear-malmo-opera-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4775","title":{"rendered":"LEAR &#8211; Malm\u00f6, Opera"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>\u00a0von Aribert Reimann (*1936), Libretto: Klaus H. Henneberg nach Skakespeare, UA: 1978 M\u00fcnchen<\/p>\n<p>Regie: Stefan Johansson, B\u00fchne: Richard Andersson, Kost\u00fcme: Dina Sandberg und Michael Glas, Licht &amp; Video: Torben Lendorph<\/p>\n<p>Dirigent: Erik Nielsen, Orchester der Oper Malm\u00f6, Choreinstudierung: Elisabeth Bostr\u00f6m<\/p>\n<p>Solisten: Fredrik Zetterstr\u00f6m (K\u00f6nig Lear), AnnLouice L\u00f6gdlund (Goneril), Karolina Andersson (Regan), Elsebeth Dreisig (Cordelia), Lars Arvidson (Gloster), Matthew Shaw (Edgar\/Tom), Lars Humble, Sprechrolle (Narr), u. a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. April 2013 (skandinavische Erstauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Malmoe-Lear1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4778\" title=\"Malmoe-Lear\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Malmoe-Lear1.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Malmoe-Lear1.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/05\/Malmoe-Lear1-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Reimanns Musik im Lear ist deutlich in der atonalen und expressionistischen Tonsprache der Zweiten Wiener Schule verankert, die er jedoch mit Viertelt\u00f6nen bereichert, die den Grad der Dissonanzen noch verst\u00e4rken. Reimann hat, gepr\u00e4gt durch seine langj\u00e4hrige T\u00e4tigkeit als Liedbegleiter, ein gutes Gesp\u00fcr f\u00fcr Singstimmen und verlangt keine unnat\u00fcrliche Stimmbehandlung. Der Orchesterklang reicht von kammermusikalischer Transparenz bis hin zum monumentalen breiten Klang, wobei in der Schlagzeugsektion u.a. sowohl das Klirren der Waffen nachgeahmt als auch monotones rituelles Trommeln erzeugt wird..<\/p>\n<p>Wie relevant ist eine Oper \u00fcber K\u00f6nig Lear heute? Mehr als man anf\u00e4nglich vermuten mag. Shakespeares Trag\u00f6die greift Themen auf, die damals wie heute aktuell sind, und es auch morgen sein werden: Politische Macht, Generationswechsel und das Problem des Alterns. Reimanns Musik findet dazu die richtige Sprache.<br \/>\nDer Komponist, der bei dieser Auff\u00fchrung zugegen war, zeigte sich von der skandinavischen Erstauff\u00fchrung seines Lear sichtlich angetan.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<br \/>\n<\/strong>Der alternde K\u00f6nig Lear will seine Macht seinen T\u00f6chtern \u00fcbergeben und fordert sie auf, ihm den Grad ihrer Zuneigung zu schildern. Die beiden \u00e4ltesten, Goneril und Regan, machen gro\u00dfe Worte, w\u00e4hrend die j\u00fcngste, Cordelia, ihm schlicht und einfach erkl\u00e4rt, sie liebe ihn wie eben eine Tochter ihren Vater liebe, woraufhin sie vom Vater, der vermutlich beginnt, dement zu werden, versto\u00dfen wird. Zwischen den beiden \u00e4ltesten spielen sich Machtk\u00e4mpfe ab, begleitet von dem Unwillen, sich des abgedankten K\u00f6nigs anzunehmen. In einer parallel verlaufenden Geschichte wird Graf Gloster, der nach wie vor dem K\u00f6nig ergeben ist, von seinem unehelichen Sohn Edmund betrogen und verst\u00f6\u00dft daraufhin seinen richtigen Sohn, Edgar. Dieser, als Bettler Tom verkleidet, begibt auf die Flucht. Letztlich sind es jedoch Cordelia und Edgar, die sich um ihre V\u00e4ter k\u00fcmmern, w\u00e4hrend ihre Geschwister in Machtk\u00e4mpfen umkommen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<br \/>\n<\/strong>Die Inszenierung der Oper hat Z\u00fcge des Elisabethanischen Theaters, d.h. es gibt kein B\u00fchnenbild oder Vorhang und beschr\u00e4nkt sich auf wenige Requisiten. Die S\u00e4nger, in phantasievoller, farbenpr\u00e4chtiger Kleidung, agieren wie zu Shakespeares Zeiten im Proszenium dicht am Publikum. Auch geben die Farben ihrer Roben \u2013 rubinrot, smaragdgr\u00fcn und brillantwei\u00df \u2013 einen subtilen Hinweis auf Shakespeares Original, in dem Lears T\u00f6chter als Juwelen bezeichnet werden. Die Darsteller agieren mit minimalen Bewegungen und verbergen, wenn sie nicht singen, ihre Gesichter hinter metallisch gl\u00e4nzenden Masken, die wie Insektenpanzer aussehen. Der Chor, in schmutzgrauen Kleidern, erinnert in seiner zur\u00fcckhaltenden Rolle an den Chor der griechischen Trag\u00f6die. Im Hintergrund der B\u00fchne, abgetrennt durch einen durchsichtigen Vorhang, das 84 Mann starke Orchester, mit verst\u00e4rkten Streichern und sechs Schlagzeugern, dessen visuelle Pr\u00e4senz die zentralen Bedeutung der Musik zum Ausdruck bringt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<br \/>\n<\/strong>Das Malm\u00f6er Ensemble besteht aus \u00fcberwiegend jungen Kr\u00e4ften, die ihre Partien mit Bravour meistern.\u00a0<strong>Fredrik Zetterstr\u00f6m<\/strong>, ein erfahrener S\u00e4nger, zeigt Lear mit gro\u00dfer Autorit\u00e4t. \u00c4hnlich verh\u00e4lt es sich mit den drei Sopranen, die die Rollen der Goneril (<strong>AnnLouice L\u00f6gdlund<\/strong>), Regan (<strong>Katarina Andersson<\/strong>) und Cordelia (<strong>Elsebeth Dreisig<\/strong>) sangen. Sie gestalten ihre Figuren sicher. Den st\u00e4rksten Eindruck hinterl\u00e4\u00dft jedoch <strong>Matthew Shaw<\/strong> in der Rolle des Edgar, dessen Stimmlage jeweils der Rolle angepa\u00dft wird, in der er agiert: Als Edgar singt er in Tenor- und in seiner Verkleidung als Tom in Counter-Tenorlage. Der Wandel vollzieht sich manchmal innerhalb eines einzigen Taktes, wenn er beispielsweise als Edgar denkt und als Tom spricht. Das Orchester wird von dem amerikanischen Dirigenten <strong>Erik Nielsen<\/strong> geleitet, einem Spezialisten f\u00fcr Neue Musik. Mit der Musik Aribert Reimanns ist er seit vielen Jahren vertraut. Seine freundliche Autorit\u00e4t und musikalische Souver\u00e4nit\u00e4t wirkte sich auf das Orchester positiv aus.<\/p>\n<p><strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Insgesamt imponiert die Auff\u00fchrung durch ihren zeitlosen Charakter, der die Verbindung von Reimanns Opus zu Shakespeares Vorlage wie auch zur griechischen Trag\u00f6die unterstreicht.<\/p>\n<p>Dr. Marion Lamberth<br \/>\nBild: Malin Arnesson<br \/>\nDas Bild zeigt: Karolina Andersson (Goneril), Fredrik Zetterstr\u00f6m (Lear), AnnLouice L\u00f6gdlund (Regan) und Elsebeth Dreisig (Cordelia)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. 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