{"id":476,"date":"2009-01-02T11:40:42","date_gmt":"2009-01-02T09:40:42","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=476"},"modified":"2009-01-02T11:40:42","modified_gmt":"2009-01-02T09:40:42","slug":"erfurt-theater-werther","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=476","title":{"rendered":"Erfurt, Theater  &#8211; WERTHER"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Jules Massenet (1868-1912), Lyrisches Drama in vier Akten von Edouard Blau nach Johann Wolfgang von Goethe<br \/>\nUA: 1892, Wien, in deutscher Sprache; 1893, Paris, Originalfassung<br \/>\nRegie: Andrejs Zagars, B\u00fchne: Ieva Kaulina, Kost\u00fcme: Kristine Pasternaka<br \/>\nDirigent: Walter E. Gugerbauer, Philharmonisches Orchester, Philharmonischer Kinder- und Jugendchor der Musikschule Erfurt<br \/>\nSolisten: Richard Carlucci (Werther), Carola Guber (Charlotte), Mate Solyom-Nagy (Albert), Julia Neumann (Sophie), Juri Batukov (Le Bailli, Amtmann), Johann und Schmidt wurden gestrichen.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 13. Dezember 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"erfurt-werther.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/erfurt-werther.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"erfurt-werther.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2009\/01\/erfurt-werther.jpg\" \/><\/a>Bereits im Sommer studiert der Amtmann mit seinen Kindern Weihnachtslieder ein. Die \u00e4lteste Tochter Charlotte hat nach dem Tod der Mutter deren Rolle \u00fcbernommen und k\u00fcmmert sich r\u00fchrend um die j\u00fcngeren Geschwister. Werther begleitet Charlotte auf ein Fest, da ihr Verlobter Albert noch auf Reisen ist. Werther gesteht Charlotte seine Liebe. Diese hat auch Gef\u00fchle f\u00fcr ihn, versprach jedoch ihrer Mutter am Sterbebett, Albert zu heiraten.<br \/>\nAlbert und Charlotte sind nun verheiratet. Albert bietet Werther seine Freundschaft an, doch er kann seine Gef\u00fchle nicht kontrollieren. Charlotte r\u00e4t ihm, bis Weihnachten fortzugehen. Werther hat seinen Selbstmord klar vor Augen.<br \/>\nIn Winter liest Charlotte voll Trauer wieder und wieder die Briefe Werthers. Weder die Schwester Sophie noch ein Gebet kann sie aufmuntern. Werther will Charlotte ein letztes Mal sehen. Er sucht sie auf und offenbart ihr seinen Todeswunsch. Charlotte weist ihn endg\u00fcltig zur\u00fcck. Brieflich bittet Werther Albert, ihm  seine Pistolen zu leihen. Dieser bittet Charlotte, sie Werther zu \u00fcbergeben. Sie versucht, Werther zu finden, erreicht ihn jedoch zu sp\u00e4t. Im Moment seines Todes gesteht auch Charlotte ihm ihre Liebe. Werther stirbt in Charlottes Armen. Es ist die Weihnachtsnacht. Aus der Ferne h\u00f6rt man das Weihnachtslied der Kinder.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDer ungarische Regisseur <strong>Andrejs Zagars<\/strong> versucht die mystisch-verkl\u00e4rte Beziehung zwischen Werther und Lotte als normale Dreiecksbeziehung darzustellen, jedoch will es ihm nicht gelingen, da Albert sich nicht einf\u00fcgen will: Zum einen ist er offensichtlich mit Charlotte gl\u00fccklich verheiratet, zum anderen nimmt er die Beziehung zwischen Charlotte und Werther nicht ernst. Sein Wutausbruch bleibt dabei unverst\u00e4ndlich.<br \/>\nAuch die Frage warum gro\u00dfe Teile im  ersten und zweiten Akt gestrichen wurden kann die Inszenierung nicht beantworten. Die Nebenrollen (Johann und Schmidt) sind gestrichen, jedoch gelingt keine Fokussierung auf die Hauptrollen und die Reduzierung der Handlung bleibt minimal \u2013 es gibt in diesem St\u00fcck kaum Handlung, nur innere Spannung &#8211; und die gelingt es im Verlauf des St\u00fcckes immer weniger zu vermitteln.<br \/>\nEbenso kann das B\u00fchnenbild keine zus\u00e4tzlichen Antworten geben: Ein Einheitsb\u00fchnenbild, das die Empfangshalle eines Hauses mit integrierter Bibliothek zeigt. Im letzten Akt ist die Bibliothek ausgebrannt, die verbrannten B\u00fccher wecken eine Analogie zur Anna-Amalia-Bibliothek in Weimar, sind aber f\u00fcr das Verst\u00e4ndnis der Inszenierung nicht hilfreich, sondern f\u00fchren zu neuen Fragen, warum das St\u00fcck in die heutige Zeit verlegt wurde, zumal die Kost\u00fcme nichtssagend sind. Die Personenregie bleibt meist statisch (Rampentheater!), die Personen wirken meist unbeholfen. Eine Ausnahme ist nur Julia Neumann (Sophie), die die jugendliche Naive (ergo den Teenager) wahrlich erfrischend und \u00fcberzeugend spielt.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nMusikalisch ist dies ein sch\u00f6ner Abend auf solidem Stadttheaterniveau. Stimmlich k\u00f6nnen alle S\u00e4ngerdarsteller \u00fcberzeugen, aber die inneren Gef\u00fchle, die seelischen Spannungen k\u00f6nnen sie nicht darstellen \u2013 auch als Folge der Inszenierung. <strong>Richard Carlucci<\/strong> (Werther) ist ein guter Tenor, dem ein wenig die Strahlkraft fehlt. <strong>Carola Guber<\/strong> (Charlotte) ist als dramatischer Wagnersopran etwas \u00fcberbesetzt, da sie manchmal etwas zu viel Kraft verwendet. <strong>Mate Solyom-Nagy<\/strong> erf\u00fcllt alle Anforderungen an die schwierige Rolle des Albert. Entdeckung des Abends ist <strong>Julia Neumann<\/strong>, der es gelingt, den jugendlichen Charme der Sophie sowohl darstellerisch als auch stimmlich gl\u00e4nzend darzustellen. Die Nebenrollen sind leider den Strichen zum Opfer gefallen, auch <strong>Juri Batukov<\/strong> kommt als Amtmann zu kurz. Der<strong> Kinderchor<\/strong> kann zwar \u00fcberzeugen, jedoch wirkt es sehr st\u00f6rend, da\u00df er nur per Mikroport zusammengef\u00fchrt werden kann. Das <strong>Orchester<\/strong> unter <strong>Walter E. Gugerbauer<\/strong> hat einen fehlerfreien harten deutschen Klang, dem an diesem Abend der franz\u00f6sische Esprit ein wenig fehlt.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nJe weiter der Abend fortschreitet, desto mehr gewinnt der geneigte Zuschauer die \u00dcberzeugung, da\u00df der ungarische Regisseur <strong>Andrejs Zagars<\/strong> den tieferen Sinn dieser Liebesbeziehung zwischen Werther und Charlotte nicht verstanden hat. F\u00fcr ihn scheint das nur eine Liebesbeziehung auf \u201eSoap-Oper-Niveau\u201c zu sein. Darunter leidet auch die Wirkung beim Publikum: Am Schlu\u00df freundlicher Applaus f\u00fcr einen Opernabend mit nur scheinbar viel Gef\u00fchl!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: L. Edelhoff<br \/>\nDas Bild zeigt Sophie (Julia Neumann)und Werther (Richard Carlucci) vor der B\u00fccherwand.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Jules Massenet (1868-1912), Lyrisches Drama in vier Akten von Edouard Blau nach Johann Wolfgang von Goethe UA: 1892, Wien, in deutscher Sprache; 1893, Paris, Originalfassung Regie: Andrejs Zagars, B\u00fchne: Ieva Kaulina, Kost\u00fcme: Kristine Pasternaka Dirigent: Walter E. 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