{"id":4751,"date":"2013-04-23T21:06:05","date_gmt":"2013-04-23T20:06:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4751"},"modified":"2015-04-12T14:30:26","modified_gmt":"2015-04-12T13:30:26","slug":"parsifal-freiburg-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4751","title":{"rendered":"PARSIFAL &#8211; Freiburg, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Aufz\u00fcgen, Libretto: Richard Wagner, nach von Wolfram von Eschenbach, UA: 26. Juli 1882 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Frank Hilbrich, B\u00fchne: Volker Thiele, Kost\u00fcme: Gabriele Rupprecht, Dramaturgie: Heiko Voss, Licht: Michael Philipp<\/p>\n<p>Dirigent: Fabrice Bollon, Orchester: Philharmonisches Orchester Freiburg, Opernchor und Kinderchor des Theater Freiburg<\/p>\n<p>Solisten: Juan Orozco (Amfortas), Jin Seok Lee (Titurel), Frank van Hove (Gurnemanz), Christian Voigt (Parsifal), Neal Schwantes (Klingsor), Sigrun Schell (Kundry), Ulrich Himmelsbach, Jae Seung Yu (Zwei Gralsritter) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. April 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Freiburg-Parsifal.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4752\" title=\"Freiburg-Parsifal\" alt=\"\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Freiburg-Parsifal.gif\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Freiburg-Parsifal.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Freiburg-Parsifal-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Nur der reine, unwissende Tor Parsifal kann den leidenden Gralsk\u00f6nig Amfortas erl\u00f6sen, der einst im Kampf gegen den s\u00fcndigen Zauberer Klingsor und dessen verfluchte Dienerin Kundry mit seinem eigenen heiligen Speer verletzt wurde. Vom Gralsritter Gurnemanz unterrichtet, macht sich Parsifal auf zu Klingsors Zauberburg. Als ihn Kundry \u00fcber seine ungewisse Herkunft aufkl\u00e4rt und anschlie\u00dfend k\u00fc\u00dft, \u00fcberkommt Parsifal die Erkenntnis von Amfortas Leid. Er f\u00e4ngt den Speer auf, den Klingsor auf ihn schleudert, und schl\u00e4gt so das Kreuzzeichen. Klingsor Burg bricht in sich zusammen. Jahre sp\u00e4ter erscheint Parsifal an einem Karfreitag bei der Gralsburg. Gurnemanz ist nun ein Einsiedler, Amfortas verweigert die Enth\u00fcllung des Grals, er m\u00f6chte sterben. Parsifal jedoch schlie\u00dft Amfortas Wunde mit dem heiligen Speer. Parsifal ist der neue Gralsk\u00f6nig, Kundry sinkt, von ihrem Fluch erl\u00f6st, tot zu Boden.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Der in Freiburg als Wagner-Desillusionist etablierte Frank Hilbrich h\u00e4lt auch im Parsifal an seiner Sicht fest. In dieser Gralswelt stehen hinter der kunstreligi\u00f6sen Mystik und Erl\u00f6sungssehnsucht letztlich nur Egoismus. Die Sucht nach dem Rausch und der Wille zur Macht. Zwar beten am Anfang noch Vertreter der Weltreligionen eintr\u00e4chtig miteinander. Und zu Beginn des dritten Aufzuges erscheint der Karfreitags-Friede durchaus real und pr\u00e4sent. Doch schon in der ersten Verwandlungsmusik werden per Videoprojektion Verbrechen, Katastrophen und Kriege mit Bildern religi\u00f6ser Praxis verschr\u00e4nkt. Die spie\u00dfb\u00fcrgerlich sektenhaft gekleidete Gralsgesellschaft berauscht sich am enth\u00fcllten Gral wie am ber\u00fchmt-ber\u00fcchtigten Opium w\u00e4hrend gleichzeitig vor ihnen gut sichtbar der halbnackt-blutende Amfortas leidend kriecht, der von Parsifal bereits jetzt (nicht erst sp\u00e4ter!) bemitleidet wird. Dementsprechend sind gegen Ende in der Gralsburg, als Amfortas die Gralsenth\u00fcllung verweigert, Chaos und Gewalt ausgebrochen. Parsifal heilt Amfortas nicht mit dem Speer, sondern t\u00f6tet ihn. Am Schlu\u00df sitzt Parsifal von der Gralsgesellschaft, verlassen und allein als neuer Herrscher. Klingsors Blumenm\u00e4dchen sind im zweiten Aufzug (wenig \u00fcberraschend) kost\u00fcmiert wie Prostituierte.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Das<em> <\/em><strong>Philharmonische Orchester Freiburg<\/strong><em> <\/em>unter GMD <strong>Fabrice Bollon<\/strong> mausert sich an diesem Abend zum waschechten Parsifal-Orchester. Schon das Vorspiel ger\u00e4t wunderbar schwebend, in den Streichern glei\u00dfend weich, aus denen die hohe Trompete hervorstrahlt. Der fahlen Harmonik und unendlichen Melodik nimmt man sich sensibel und mit konstant hohem Klangsinn an. Die M\u00e4nnerstimmen des <strong>Opernchores<\/strong><em> <\/em>trumpfen bei den Gralsenth\u00fcllungsszenen fast zu m\u00e4chtig, gewaltsam, auf, was allerdings zur Inszenierung pa\u00dft. Das Sextett der Blumenm\u00e4dchen entfaltet einen weichen Ensembleklang von bet\u00f6render Intensit\u00e4t, der von den restlichen Frauenstimmen des Opernchores trefflich umrahmt wird. <strong>Frank van Hove<\/strong> (Gurnemanz)<em>\u00a0<\/em>ist der erwartete vokale H\u00f6hepunkt der Auff\u00fchrung. Bei musterg\u00fcltig klarer Wagner-Deklamation, man versteht jedes Wort, verleiht van Hove seinem Gurnemanz trotz vergleichsweise leichter Ba\u00dfstimme bedeutungsvoll Nachdruck. Seine Intonation ist jederzeit klangsch\u00f6n und von abgerundeter Phrasierung. Alleine wegen ihm lohnt dieser Parsifal schon. <strong>Juan Orozco\u00a0<\/strong>(Amfortas) wuchtiger Vortrag macht vergessen, da\u00df er die meiste Zeit im Liegen singt. Den dahinsiechenden Gralsk\u00f6nig gibt er verst\u00f6rend authentisch. <strong>Christian Voigt <\/strong>(Parsifal) ist kein ahnungsloser Tor, sondern kommt stimmlich gereift daher. Auch er hat Wagners Sprechgesang l\u00e4ngst verinnerlicht, war am Premierenabend jedoch weniger durchschlagskr\u00e4ftig.\u00a0 Sigrun Schell verleiht ihrer Kundry vokal schillernde Farben und darstellerisch Wandlungsreichtum. <strong>Neal Schwante\u00a0<\/strong> gibt seinen t\u00e4towierten Klingsor weniger als B\u00f6sewicht, denn als resignativen Gegenherrscher der Gralswelt, gleichwohl ist auch er nicht weniger stimmstark und theatralisch aufgelegt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Da\u00df der Schlu\u00df Jubel so laut ausf\u00e4llt \u2013 viele Bravi gab es f\u00fcr beinahe alle Beteiligten \u2013, ist aufgrund der herausragenden Leistungen zwar verst\u00e4ndlich, irritierte jedoch ebenfalls aufgrund der pessimistischen Sicht auf diesen <em>Parsifal<\/em>. Diese \u00fcberzeugt gerade, weil sie die Schattenseiten der Gralswelt hervorkehrt. Alles in allem ein weit \u00fcberdurchschnittlicher Premierenabend im Wagner-Jubil\u00e4umsjahr, nicht nur f\u00fcr Freiburger Verh\u00e4ltnisse.<\/p>\n<p>Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Maurice Korbel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Christian Voigt (Parsifal), Chor<\/p>\n<p>Sigrun Schell<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 21. 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