{"id":4713,"date":"2013-03-09T21:13:21","date_gmt":"2013-03-09T20:13:21","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4713"},"modified":"2013-04-15T21:22:06","modified_gmt":"2013-04-15T20:22:06","slug":"die-tote-stadt-hof-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4713","title":{"rendered":"DIE TOTE STADT &#8211; Hof, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957), Oper in drei Bildern, Libretto: E. W. Korngold und Paul Schott, UA: 1920, Hamburg und K\u00f6ln<\/p>\n<p>Regie: Jens Pesel, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Siegfried E. Mayer<\/p>\n<p>Dirigent: Arn Goerke, Hofer Symphoniker, Opernchor und Extrachor des Hofer Theaters, Einstudierung: Cornelius Volke.<\/p>\n<p>Solisten: Daniel Kirch (Paul, Premiere), Wolfgang Schwaninger (Paul, 13.April), Jennifer Maines (Marietta\/Marie), Birger Radde (Frank\/Fritz), Stefanie Rhaue (Brigitta), Inga Lisa Lehr (Juliette), Masako Iwamoto-Ruiter (Lucienne), Mathias Frey (Victorin), Karsten Jesgarz (Graf Albert)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 8. M\u00e4rz 2013 (Premiere, Hof) und 13. April 2013 (Bayreuth)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Hof-Totestadt.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4714\" title=\"Hof-Totestadt\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Hof-Totestadt.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Hof-Totestadt.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Hof-Totestadt-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>In der \u201eToten Stadt\u201c Br\u00fcgge lebt Paul zur\u00fcckgezogen nach dem Tod seiner Frau Marie. Unversehens begegnet er der T\u00e4nzerin Marietta, die eine auffallende \u00c4hnlichkeit mit seiner verstorbenen Frau hat. Auf Maries Laute begleitet sich Marietta beim ber\u00fchmten Lied <em>Gl\u00fcck, das mir verblieb.<\/em> F\u00fcr Paul verschwimmen Wirklichkeit und Traum zu einer Vision: Marietta verl\u00e4\u00dft, von Liebhabern umschw\u00e4rmt, das Theater und spielt die diabolische Nonnenerweckung aus Giacomo Meyerbeers Oper <em>Robert le Diable<\/em>. Paul beschuldigt Marietta daraufhin der Gottlosigkeit. Marietta folgt Paul in sein Haus, tanzt mit der \u201eReliquie\u201c, der Haarflechte der verstorbenen Marie, bis Paul sie in h\u00f6chster Erregung erdrosselt. Paul erwacht aus seiner Vision und beschlie\u00dft, Br\u00fcgge zu verlassen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Das B\u00fchnenbild zeigt eigentlich eine Ansammlung von Kunstobjekten, deren Sinn sich erst durch die Handlung und durch die Assoziation mit surrealen Traumwelten, erschlie\u00dft. Rechts steht Maries Haarlocke in einer Vitrine, eine Puppe tr\u00e4gt ihr letztes Kleid und Schal. Links sieht man Maries Laute, flankiert durch zwei Harfen, die keinen Platz mehr im Orchestergraben gefunden haben. Den Hintergrund bildet eine schwarze Projektionsfl\u00e4che, auf das ein Auge aufgemalt ist, hinten rechts ein \u00fcberdimensionales Bild von Marie, das sich in einen Spiegel verwandeln kann. Im Vordergrund steht ein dunkel verwitterter Kahn als Bettersatz, dahinter ein kahler Baum. Sein Laub liegt um den Kahn verteilt. Die Kost\u00fcme der Hauptdarsteller sind der Mode der 1920er Jahre entnommen, die Kleidung des Schauspieltruppe, der Nonnen und der Kirchenprozession sind kunterbunt surreal verzerrt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Theoretisch\u00a0 ist die <em>Tote Stadt<\/em> nur eine \u201ekleine Oper\u201c, denn mit zwei Haupt- und zwei Nebendarstellern, wird nicht viel Personal ben\u00f6tigt. Jedoch ist die Besetzung der Hauptdarsteller so schwierig, da\u00df auch das Theater Hof auf zwei G\u00e4ste zur\u00fcckgreifen mu\u00df \u2013 und sie haben eine gute Wahl getroffen. Da ist <strong>Jennifer Maines<\/strong> als Marie\/Marietta, die \u00fcber einen konditions- und ausdrucksstarken, dramatischen Sopran verf\u00fcgt. Der Schwerpunkt liegt auf einer sicheren und durchschlagsstarken Mittellage. Leider klingt die H\u00f6he etwas eindimensional, was beim Forcieren doch manchmal hervortritt. <strong>Daniel Kirch<\/strong> (Paul) ist ein strahlend sch\u00f6ner Belcanto-Tenor, unendliche Melodie verbunden und Poesie ausstrahlend. Im Forte fehlt ihm noch ein wenig Sicherheit. Eine der Nebenrollen ist eigentlich keine, denn die Rolle des Frank und der Pierrots Fritz ist zusammengelegt und da hier nichts gestrichen ist, ist dies durchaus eine Herausforderung f\u00fcr <strong>Birger Radde<\/strong>, der daran w\u00e4chst. Diesem dreiteiligen Charakter (Freund, Zerrbild eines Freundes und Pierrot mit der Arie <em>Mein Sehnen<\/em>) kann dieser durchschlagstarke, facettenreiche Spielbariton gerecht werden. <strong>Stefanie Rhaue<\/strong>, der dunkel timbrierte Haus-Mezzo, verleiht der Brigitta das trauernde Moment einer verzweifelten Hausdame, die ins Kloster geht, als ihr klar wird, da\u00df sie Paul nicht bekommen kann. <strong>Wolfgang Schwaninger<\/strong>, der den Paul in der Vorstellung in Bayreuth singt, ist mittlerweile ein Heldentenor der alten Schule. Er \u00fcberzeugt mit voll ausgesungenen langatmigen Phrasierungen und erreicht in <em>Gl\u00fcck, das mir verblieb<\/em>, die strahlenden hohen T\u00f6ne m\u00fchelos, besonders wenn man das getragene Tempo bedenkt, das <strong>Arn Goerke<\/strong> vorgibt. Die Hofer Symphoniker meistern das schwierige St\u00fcck mit Bravour, die sp\u00e4tromantischen\/ impressionistischen Klangfarben kommen klar zur Geltung und die dargestellten Gef\u00fchlswelten bringen die Zuschauer in Wallung. Auch hinsichtlich der Lautst\u00e4rke kann Goerke differenzieren \u2013 bis hin zu einem wirklich infernalischen Fortissimo. So wird die N\u00e4he des St\u00fcckes zu den Welten (und dem Schwierigkeitsgrad) Richard Wagners deutlich. Solide auch der Chor, auch wenn per Lautsprecher von der Hinterb\u00fchne zugespielt.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Zu den vielen erfreulichen Momenten dieser Produktion z\u00e4hlt, da\u00df die B\u00fchnen-Handlung entsprechend der auskomponierten Handlung umgesetzt wird. Da\u00df der Gro\u00dfteil (vom Ende des ersten Bildes bis zum Finale) eine Traumsequenz ist, wird durch ein surreal farbenfrohes B\u00fchnenbild verdeutlicht. Da wird auch die fast ungek\u00fcrzte musikalische Spielfassung mit Nonnenballett (mit h\u00f6rbarem Meyerbeer Zitat aus <em>Robert der Teufel<\/em>) und Festprozession zum freudenspendenden Erlebnis. Da auch die s\u00e4ngerische Umsetzung im Publikum Begeisterung ausl\u00f6st, wird die Produktion lange und ausgiebig gefeiert, und zwar sowohl in Hof wie in Bayreuth!<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: SFF-Fotodesign<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Mathias Frey (Victorin), Jennifer Maines (Marietta), Florian B\u00e4nsch (Gaston), Birger Radde (Fritz), Karsten Jesgarz (Graf Albert) v.l.n.r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Erich Wolfgang Korngold (1897-1957), Oper in drei Bildern, Libretto: E. W. Korngold und Paul Schott, UA: 1920, Hamburg und K\u00f6ln Regie: Jens Pesel, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Siegfried E. 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