{"id":4698,"date":"2013-04-09T13:20:03","date_gmt":"2013-04-09T12:20:03","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4698"},"modified":"2013-05-10T19:37:22","modified_gmt":"2013-05-10T18:37:22","slug":"simon-boccanegra-aachen-stadttheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4698","title":{"rendered":"SIMON BOCCANEGRA &#8211; Aachen, Stadttheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Melodrama in einem Prolog und drei Akten, Libretto: Arrigo Boito nach einem Theaterst\u00fcck von Antonio Garc\u00eda Guti\u00e9rrez UA: 24. M\u00e4rz 1881 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p>Regie: Nadja Loschky, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Gabriele Jaenecke, Dramaturgie Michael D\u00fchn<\/p>\n<p>Dirigent: Kazem Abdullah, das Sinfonieorchester Aachen, , Opernchor,\u00a0 Extrachor Theater sinfonischer Chor, Einstudierung: Andreas Klippert<\/p>\n<p>Solisten: Tito You (Simon Boccanegra), Irina Popova (Amelia Grimaldi), Ulrich Schneider (Jacopo Fiesco), Alexey Sayapin (Gabriele Adorno), Hr\u00f3lfur Saemundsson (Paolo Albini)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 7. April 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Aachen-Simon-Bocca.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4699\" title=\"Aachen-Simon-Bocca\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Aachen-Simon-Bocca.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Aachen-Simon-Bocca.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/04\/Aachen-Simon-Bocca-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>W\u00e4hrend Simon Boccanegra vom Volk zum Dogen von Genua gew\u00e4hlt wird, erf\u00e4hrt er, da\u00df seine Geliebte Maria, die Tochter des Patriziers Fiesco, gestorben ist. Ihre gemeinsame Tochter war vor langer Zeit entf\u00fchrt worden. Als Boccanegra im Namen Paolos, eines G\u00fcnstlings des Dogen, um die Hand von Amelia Grimaldi anh\u00e4lt, erkennt er, da\u00df sie seine Tochter ist. Amelia aber ist in Gabriele Adorno verliebt, der eine Verschw\u00f6rung gegen den Dogen plant. Als Adorno erf\u00e4hrt, da\u00df Boccanegra Amelias Vater ist, wechselt er die Seite und k\u00e4mpft gegen die Verschw\u00f6rer. Boccanegra vers\u00f6hnt er sich mit Fiesco und bringt ihn mit seiner Enkelin Amelia zusammen. Doch Paolo, einer der Mitverschw\u00f6rer, hat Boccanegra ein vergiftetes Getr\u00e4nk gegeben. Boccanegra segnet Adorno und Amalia als Paar und ernennt Adorno zum neuen Dogen. Doch der Gifttrank wirkt und er stirbt.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Im Zentrum eines grauen Einheitsb\u00fchnenbilds befindet sich eine Drehscheibe, die von grauen Steinmauern umrandet ist, was an ein Monument erinnert. Die Handlung vollzieht sich auf der Drehscheibe im Inneren. Ebenso karg wie der Schauplatz sind die Kost\u00fcme: die Patrizier tragen Anz\u00fcge in Grau und Dunkelblau, die Plebejer Kost\u00fcme in erdfarbenen T\u00f6nen. Regisseurin <strong>Nadja Loschky<\/strong> setzt verschiedene Hilfsmittel ein, um die urspr\u00fcngliche Handlung aufzubrechen. Vor den Akten wird beispielsweise Meeresrauschen eingespielt, um Genua als Hafenstadt zu verdeutlichen, und es wird eine Liebesszene zwischen Boccanegra und Maria nachgestellt, die Boccanegras Vergangenheit verdeutlicht. Abgesehen davon l\u00e4\u00dft die Inszenierung sehr viel Freiraum f\u00fcr die Entfaltung des Seelenlebens der Figuren.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p><strong>Tito You<\/strong> (Simon Boccanegra) ist durch seine Stimmgewalt und seine erhabene Ausstrahlung eine perfekte Besetzung der Titelrolle. Er<strong> <\/strong>hat einen wuchtigen Bariton, der durch sein helles Timbre, besonders in den H\u00f6hen, gl\u00e4nzt. Im Prolog h\u00e4lt er sich im Forte, doch schauspielerisch erscheint er eher k\u00fchl und distanziert. Das Wiederfinden der Tochter im ersten Akt wirkt wie ein Wendepunkt. Hier singt er die Gesangslinien piano und haucht das <em>figlia<\/em> am Ende des Duetts des ersten Akts im <em>sotto voce<\/em>, was Vers\u00f6hnlichkeit anzeigt. Gef\u00fchlvoll wirkt auch <strong>Irina Popova<\/strong> (Amelia Grimaldi) in ihrer Rolle. Ihr heller Sopran pa\u00dft vom Timbre her gut zur Gestalt einer liebevollen Tochter. Besonders im <em>sotto<\/em> <em>voce<\/em> klingt ihre Stimme sehr anmutig. Ebenso \u00fcberzeugend sind ihre Gestik und Mimik (weinen, schluchzen etc.). Einziger Wehrmutstropfen ist ihr ausgepr\u00e4gtes Vibrato in den Spitzent\u00f6nen. \u00dcberraschend eindrucksvoll ist <strong>Alexey Sayapin<\/strong> (Gabriele Adorno) mit seinem technischen K\u00f6nnen. Sein gl\u00e4serner, heller Tenor ist sehr wandlungsf\u00e4hig. So singt er im ersten Akt <em>Cielo di stele orbato<\/em> \u2013 <em>Engel den vom Himmel mir sandte<\/em> sehr legato, wobei er seine Stimme an-und abschwellen l\u00e4\u00dft. Im dritten Akt im Duett mit Amelia <em>Tu qui?&#8230;Du hier, Amelia? \u00a0<\/em>bringt er dagegen die Silben sehr akzentuiert heraus, die Wut ist ihm an den Augen abzulesen. Ein weiterer gesanglicher H\u00f6hepunkt erleben die Zuschauer in <strong>Ulrich Schneider <\/strong>(Jacopo Fiesco). Er spielt den gequ\u00e4lten Vater am Boden kauernd und sein st\u00e4hlerner Ba\u00df ist warm in der Tiefe und glanzvoll in der H\u00f6he. Die T\u00f6ne des <em>Delle faci festanti al barlume<\/em> \u2013 <em>In des Festes laut jubelndem Treiben<\/em> im dritten Akt singt er mit Inbrunst mit Bruststimme. Lobenswert ist auch die Leistung des Orchesters unter der Leitung von <strong>Kazem Abdullah<\/strong>. Die Tempiwechsel sowie die dynamischen Steigerungen gelingen einwandfrei, auch wenn das Anfangstempo des Prologs ein bi\u00dfchen zu schnell dirigiert wird. Das Vorspiel zum dritten Akt \u00fcberzeugt durch ein rhythmisch genaues Presto und eine sehr gute Dynamik in Streichern und Bl\u00e4sern.<\/p>\n<p><strong>Fazit<br \/>\n<\/strong>Regisseurin Nadja Loschky trifft den Nerv der Verdi-Oper, indem sie die Emotionen der Figuren in den Vordergrund stellt. So wirkt die Inszenierung lebensecht. Daf\u00fcr wird sie vom Publikum mit Applaus gew\u00fcrdigt. Die musikalische Darbietung ist in allen Bereichen exzellent. Am Ende gibt es stehenden Beifall, besonders f\u00fcr Tito You, der sich unter Tr\u00e4nen vor dem Publikum verbeugt. Ein unverge\u00dflicher Opernabend!<\/p>\n<p>Melanie Joannidis<\/p>\n<p>Bild von: Carl Brunn<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Ulrich Schneider (Fiesco), Tito You (Simon Boccanegra), Statisten im Hintergrund, Alexey Sayapin (Gabriele Adorno), Irina Popova (Amelia)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 7. 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