{"id":469,"date":"2008-12-22T13:22:52","date_gmt":"2008-12-22T11:22:52","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=469"},"modified":"2008-12-22T13:22:52","modified_gmt":"2008-12-22T11:22:52","slug":"stockholm-konigliche-oper-samson-und-dalila","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=469","title":{"rendered":"Stockholm, K\u00f6nigliche Oper &#8211; SAMSON UND DALILA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Camille Saint-Sa\u00ebns (1835 \u2013 1921), Oper in drei Akten, Libretto von Ferdinand Lemaire<br \/>\nRegie\/Choreographie: Renaud Doucet, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcm: Andr\u00e9 Barbe, Licht: Guy Simard<br \/>\nDirigent: Johannes Gustavsson, K\u00f6nigliche Hofkapelle, Chor der K\u00f6niglichen Oper, Einstudierung: Folke Alin, Christina H\u00f6rnell<br \/>\nSolisten: Maria Streijffert (Dalila), Lars Cleveman (Samson), Johan Edholm (Oberpriester des Dagon), Sten Wahllund (Abimelek), Michael Schmidberger (ein alter Hebr\u00e4er), Thomas Annmo (ein Bote), Olof Lilja (erster Philister), Ian Power (zweiter Philister)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 17. Dezember 2008<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"stockholm-samson-dalila.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/stockholm-samson-dalila.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"stockholm-samson-dalila.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/stockholm-samson-dalila.jpg\" \/><\/a>Das von den Philistern unterdr\u00fcckte Volk Israel revoltiert in Gaza unter der F\u00fchrung Samsons. Als er den Satrapen Abimelek t\u00f6tet, verflucht ihn der Oberpriester des Dagon. Indessen n\u00e4hert sich die sch\u00f6ne Dalila dem triumphierenden Helden und \u00fcberredet ihn, sie in ihrem Haus zu besuchen. Samson verf\u00e4llt ihr, und als der Oberpriester Dalila Geld f\u00fcr den Verrat des Geheimnisses von Samsons St\u00e4rke bietet, offenbart sie ihr eigentliches Motiv: Rache f\u00fcr den Aufruhr. Nach mehreren erfolglosen Versuchen Dalilas gibt Samson schlie\u00dflich preis, da\u00df seine langen Haare ihm Macht verleihen. Sie l\u00e4\u00dft darauf Soldaten der Philister ein, die Samson \u00fcberw\u00e4ltigen und ihn blenden. Bei einem Freudenfest wird der machtlose Blinde dem h\u00f6hnischen Volk pr\u00e4sentiert. Dalila verspottet ihn und erkl\u00e4rt, sie habe ihn nie geliebt. Samson wendet sich in einem Gebet an Gott mit der Bitte, ihm seine alte St\u00e4rke wiederzugeben. Sie wird erh\u00f6rt, und Samson st\u00f6\u00dft die S\u00e4ulen des Tempels um, der einst\u00fcrzt und ihn und die Philister unter sich begr\u00e4bt.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDas Regieteam hat den Schauplatz Gaza beibehalten, verlegt die Handlung allerdings in das 20. Jh., genauer: in die Zeit von der Staatsgr\u00fcndung Israels bis heute. Nur, wenn man bereit ist, die sich daraus ergebenden Umdeutungen des Librettos zu akzeptieren, wird man an dieser Produktion Gefallen finden. Die zahlreichen Anspielungen auf historische und aktuelle Ereignisse sind sehr deutlich, manchmal \u00fcberdeutlich. Wenn beispielsweise die Alliierten des zweiten Weltkriegs durch M\u00e4nner im Anzug, auf deren R\u00fccken sich die jeweilige Flagge befindet, dargestellt werden, f\u00fchlt man sich doch arg an die Plattit\u00fcden mancher politischen Karikatur in den Tageszeitungen erinnert. Der erste Akt beginnt mit einer Darstellung des Exodus der 1940er Jahre, der Krieg gegen die Philister im ersten Akt wird mit dem arabisch-israelischen Krieg von 1948 gleichgesetzt, die Klage des blinden Samson am Beginn des dritten Akts mit den Geschehnissen seit der Wahl Ariel Scharons und das Freudenfest der Philister am Schlu\u00df der Oper mit einer Propagandaveranstaltung der pal\u00e4stinensischen Hamas. Kinder mit Maschinenpistolen und Kampfanz\u00fcgen sowie Selbstmordattent\u00e4ter mit Sprengstoffg\u00fcrteln bev\u00f6lkern hier die Szene. Das beherrschende Symbol des B\u00fchnenbildes ist ein gewaltiger roter Faden, der in allen Akten zu sehen ist und der \u2013 was als Utopie oder als Apokalypse verstanden werden kann \u2013 am Ende von Samson zerrissen wird. Da\u00df der rote Faden die Kontinuit\u00e4t der Gewalt im Nahen Osten symbolisieren soll, ist offensichtlich, und da\u00df Samson das moderne Israel und Dalila das pal\u00e4stinensische Volk repr\u00e4sentieren soll, ebenso.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nBeeindruckend ist die Stimme von <strong>Maria Streijffert<\/strong> als Dalila. Es gelingt ihr, die lyrischen Passagen mit einem dezenten und dennoch ungeheuer f\u00fclligen Klang zu singen, sehr fein nuanciert und dynamisch ausgewogen. <strong>Lars Clevemans<\/strong> Samson bleibt ein wenig bla\u00df, obwohl ihm ein imposantes Heldentenortimbre zur Verf\u00fcgung steht. Die schw\u00e4chste s\u00e4ngerische Leistung war mit Sicherheit die von <strong>Sten Wahllund<\/strong> als Abimelek. Sowohl die Intonation als auch die technische Beherrschung der Stimme lie\u00dfen hier einiges zu w\u00fcnschen \u00fcbrig, was leider auch f\u00fcr das Dirigat von<strong> Johannes Gustavsson<\/strong> gilt. Zwar vermochte es das <strong>Orchester<\/strong>, unter seiner Leitung ausdrucksvoll vorzutragen, doch fehlte es mitunter an der notwenigen rhythmischen Pr\u00e4zision im Zusammenspiel mit den Ch\u00f6ren und Ensembles, besonders in den einstimmigen Passagen.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nEs gelingt dem Regieteam, sich dieses \u00e4u\u00dferst heiklen und polarisierenden Themas anzunehmen, ohne f\u00fcr eine Seite Partei zu ergreifen. Stellenweise ist die Wahl der Mittel vielleicht etwas zu plakativ, wenn etwa der alte Hebr\u00e4er wie David Ben Gurion aussieht, die Hebr\u00e4er im ersten Akt gleich an zwei unterschiedlichen Stellen Gott vor einer Klagemauer um Hilfe anrufen oder w\u00e4hrend des Orchestervorspiels zum dritten Akt ein Portrait von Jitzchaq Rabin eingeblendet wird. Ein engagiertes Regiekonzept, das von der originalen Handlung erheblich abweicht, gute S\u00e4nger in den Hauptpartien und ein mittelpr\u00e4chtiges Dirigat zeichnen diese Produktion aus. Der Gesamteindruck ist trotz allem \u00fcberwiegend positiv, weil die Kommentierungen und Umdeutungen der Regie zumeist in sich schl\u00fcssig und dabei verst\u00e4ndlich formuliert sind.<br \/>\nDr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild:  Hans Nilsson<br \/>\nDas Bild zeigt Maria Streijffert als Dalila.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Camille Saint-Sa\u00ebns (1835 \u2013 1921), Oper in drei Akten, Libretto von Ferdinand Lemaire Regie\/Choreographie: Renaud Doucet, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcm: Andr\u00e9 Barbe, Licht: Guy Simard Dirigent: Johannes Gustavsson, K\u00f6nigliche Hofkapelle, Chor der K\u00f6niglichen Oper, Einstudierung: Folke Alin, Christina H\u00f6rnell Solisten: Maria Streijffert<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=469\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,96],"tags":[],"class_list":["post-469","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-stockholm-konigliche-oper"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/469","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=469"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/469\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=469"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=469"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=469"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}