{"id":4672,"date":"2013-03-17T19:54:31","date_gmt":"2013-03-17T18:54:31","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4672"},"modified":"2013-05-11T09:35:03","modified_gmt":"2013-05-11T08:35:03","slug":"i-medici-erfurt-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4672","title":{"rendered":"I MEDICI &#8211; Erfurt, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Ruggero Leoncavallo (1857-1919), Oper in vier Akten, Libertto R. Leoncavallo, UA: 1893 Mailand<\/p>\n<p>Regie: Roman Hovenbitzer, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Roy Spahn<\/p>\n<p>Dirigent: Emanuel Joel-Hornak, Philharmonisches Orchester und Opernchor des Theaters Erfurt, Choreinstudierung: Andreas Ketelhut<\/p>\n<p>Solisten: Juri Batukov (Lorenzo de Medici), Richard Carlucci (Giuliano de Medici), Ilia Papandreou (Simonetta Cattanei), St\u00e9phanie M\u00fcther (Fioretta de Gori), Vazgen Ghazaryan (Giambattista da Montesecco), Sebastian Pilgrim (Francesco Pazzi), Marwan Shamiyeh (Bernardo Bandini), Mate Solyom Nagy (Erzbischof Salviati), Nils St\u00e4fe (Poliziano)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. M\u00e4rz 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Erfurt-I-Medici.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4673\" title=\"Erfurt-I-Medici\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Erfurt-I-Medici.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Erfurt-I-Medici.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Erfurt-I-Medici-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p>Eine der Ursachen der seltenen Auff\u00fchrung dieser Oper ist sicherlich auch die Besetzung \u2013 man ben\u00f6tigt nicht weniger als sieben Hauptdarsteller, die sich harmonisch in ein Septett im\u00a0 dritten Akt einf\u00fcgen, das auch der absolute H\u00f6hepunkt der Oper ist.<\/p>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Mit dieser fast unbekannten Oper plante Leoncavallo eine Trilogie vom Aufstieg und Fall der italienischen Renaissance zu schaffen, was allerdings nicht geschehen ist. Hier erz\u00e4hlt er eine (historisch nicht ganz korrekte) Episode der Medici-Familiengeschichte, die im 15. Jahrhundert Florenz beherrscht. Lorenzo zeigt sich als Freund der K\u00fcnste und gibt K\u00fcnstlerfeste. Auf einem solchen Fest l\u00e4\u00dft sich die kr\u00e4nkliche Simonetta dazu verleiten, bei der <em>Hymne auf Liebe und Sch\u00f6nheit<\/em> mitzutanzen, bis sie zusammenbricht. Ihrer Freundin Fioretta gesteht sie ihre heimliche Liebe zu Giuliano. Als sie erkennt, da\u00df er sich wegen ihrer Krankheit Fioretta zugewandt hat, stirbt sie in seinen Armen. Dann gibt es eine Verschw\u00f6rung gegen die Medici. Bei den Verschw\u00f6rern befindet sich Giuliano, der t\u00f6dlich verwundet wird. Doch Lorenzo kann mit einer leidenschaftlichen Ansprache die Macht zur\u00fcckgewinnen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Ein Ger\u00fcst auf einer Drehb\u00fchne bildet das Skelett des B\u00fchnenbildes. Man kann es stockwerkweise begehen, es l\u00e4\u00dft sich durch Attribute wie S\u00e4ulen erg\u00e4nzen, an ihnen wird ein halbdurchsichtiger Vorhang fixiert, auf den sich Landschaften projizieren lassen. Erg\u00e4nzt wird das B\u00fchnenbild durch Bilder von Sandro Botticelli, einem Hofmaler der Medici: Die historische Person Simonetta Vespucci steht im Mittelpunkt der dargestellten Bildausschnitte. Den Rahmen des Kunstfestes bildet ein Jugendstilportal mit dem Titel <em>Le temps revient<\/em>. Das Kunstfest wirkt wie eine dekadente Revue der 1920er Jahre \u2013 erg\u00e4nzt durch zeitgem\u00e4\u00dfen Tabledance. Ein \u00e4hnliches Mischmasch auch die Kost\u00fcme: Von heutiger Designerkleidung (von der Renaissance inspiriert), edler Sportkleidung, schu\u00dfsicherer Weste, bis hin zum Florett und Pistole ist alles aufgeboten.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Liebling des Abends ist der technisch brillante Sopran von <strong>Ilia Papandreou<\/strong> als Simonetta mit ihrer sehr sicheren H\u00f6he. Allerdings klingt diese H\u00f6he \u00fcber weite Strecken sehr eng und kehlig. <strong>Richard Carlucci<\/strong> als Giuliano besitzt einen volumin\u00f6sen Tenor f\u00fcr das italienische Fach, kommt mit den hohen technischen Anforderungen an gro\u00dfe Tonh\u00f6henspr\u00fcnge gut zurecht. <strong>Juri Batukov<\/strong> kann die vielschichtige Rolle des Lorenzo mit seinem Charakter-Bariton mitrei\u00dfend gestalten. Seine einschmeichelnde Stimme ist in der H\u00f6he sicher, tremoliert manchmal in der Tiefe gurgelnd. <strong>Marwan Shamiyeh<\/strong> ist ein erfreulich klangsch\u00f6ner Tenor, der die Rolle des Bernardo Bandini mit viel Durchschlagskraft singen kann, aber auch die italienischen Momente gestalten kann. <strong>Mate Solyom-Nagy<\/strong> ist als d\u00e4monischer Erzbischof Salviati \u00fcberzeugend mit seinen Wutausbr\u00fcchen. Ihm gelingen hier deutliche Abstufungen in der Lautst\u00e4rke \u2013 untermalt mit entsprechender Spielfreude. <strong>Stephanie M\u00fcther <\/strong>ist<strong> <\/strong>mit ihrem vollmundigen und ausdrucksstarken tiefen Mezzo<strong> <\/strong>(sie liegt zwischen Mezzo und Alt)<strong> <\/strong>als Fioretta eindeutig unter Wert besetzt. <strong>Vazgen Ghazaryan<\/strong> ist ein volumenstarker Ba\u00df, leider bleibt er zu bla\u00df um dem Attent\u00e4ter Giambattista da Montesecco teuflischen Ausdruck zu verleihen. <strong>Sebastian Pilgrim<\/strong> (Francesco Pazzi) und <strong>Nils St\u00e4fe<\/strong> (Poliziano) komplettieren ein homogen besetztes Ensemble. Auch der Chor agiert wie gewohnt sehr souver\u00e4n. <strong>Emanuel Joel-Hornak<\/strong> gelingt es das Philharmonische Orchester Erfurt auf eine Reise durch die wagnerschen Klangwelten italienischer Pr\u00e4gung mitzunehmen. Jedoch fehlt ihm die Eloquenz die Opulenz der Renaissance oder die italienische Tonsprache in diese Klangwelten einzubinden.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Selten kann man so ein Kuddelmuddel aus Renaissance, Jugendstil und Gegenwartskunst erleben. Ein Augenschmaus ist die Produktion wegen der gro\u00dfformatigen Pr\u00e4sentation der Bilder Sandro Botticellis. Musikalisch ist die Oper auch wegen der Verwandtschaft zu den Werken Richard Wagners. Das Publikum feiert die absolut h\u00f6renswerte Vorstellung (schon das Septett erh\u00e4lt heftigen Szenenapplaus, zu Recht!) lange und heftig, was die Hoffnung weckt, da\u00df wir uns in Zukunft auch mit anderen unbekannten Sch\u00e4tzen aus der Feder Leoncavallos besch\u00e4ftigen d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Lutz Edelhoff<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Richard Carlucci (Giuliano de Medici), Ilia Papandreou (Simonetta Cattanei)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 16. 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