{"id":4661,"date":"2013-03-18T19:03:16","date_gmt":"2013-03-18T18:03:16","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4661"},"modified":"2013-05-11T09:31:58","modified_gmt":"2013-05-11T08:31:58","slug":"parsifal-essen-aalto-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4661","title":{"rendered":"PARSIFAL &#8211; Essen, Aalto Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Richard Wagner (1813-1883), B\u00fchnenweihfestspiel in drei Aufz\u00fcgen, Dichtung: Richard Wagner, nach dem mittelalterlichen Epos von Wolfram von Eschenbach UA: 26. Juli 1882 Bayreuth, Festspielhaus<\/p>\n<p>Regie: Joachim Schloemer, B\u00fchne: Jens Kilian, Kost\u00fcme: Nicole von Graevenitz<\/p>\n<p>Dirigent: Stefan Soltesz, Essener Philharmoniker<\/p>\n<p>Solisten: Jeffrey Dowd (Parsifal), Heiko Trinsinger (Amfortas), Jane Dutton (Kundry), Magne Fremmerlid (Gurnemanz), Almas Svilpa (Klingsor) u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. M\u00e4rz 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Essen-Parsifal.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4662\" title=\"Essen-Parsifal\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Essen-Parsifal.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Essen-Parsifal.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Essen-Parsifal-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Amfortas, H\u00fcter und K\u00f6nig des ewiges Leben spendenden Grals, hat den heiligen Speer an den Zauberer Klingsor verloren und mit der geheimnisvollen Kundry, Klingsors Werkzeug, sein Keuschheitsgel\u00fcbde gebrochen. Klingsor schlug Amfortas au\u00dferdem mit dem Speer eine Wunde, die nicht mehr heilt \u2013 bis ein \u201ereiner Tor\u201c Mitleid mit Amfortas\u2018 Schicksal hat und den Speer zur\u00fcckerobert. Der Retter l\u00e4\u00dft auf sich warten, und Amfortas weigert sich, sein elendes Leben durch Enth\u00fcllung des Grals zu verl\u00e4ngern. Da erscheint Parsifal, ein unbedarfter J\u00fcngling, den Amfortas\u2018 Vertrauter Gurnemanz zun\u00e4chst vergeblich auf seine Berufung aufmerksam macht. Erst die Beinah-Verf\u00fchrung durch Kundry \u00f6ffnet Parsifal die Augen, er gewinnt den Speer zur\u00fcck, Klingsor ist entmachtet und Kundry frei von ihm. Parsifal folgt Amfortas auf den Gralsthron nach.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Im Zentrum der B\u00fchne beherbergt ein Glascontainer die Intensivstation, auf der der schwer verletzte Amfortas dahinvegetiert. Hier l\u00e4uft im ersten Akt eine immer gleiche Szene ab: Amfortas rei\u00dft sich den Verband herunter, kriecht mit blutender Wunde zum Fenster und pre\u00dft seinen K\u00f6rper gegen die Scheibe. \u00c4rzte und Reinigungskommando r\u00fccken an, um die Spuren zu beseitigen. W\u00e4hrenddessen f\u00fchrt Gurnemanz die Amtsgesch\u00e4fte, unterst\u00fctzt von der Gralsritterschaft (einer Mischung aus Trachtenverein und Burschenschaft) sowie von Kundry und ihrer Doppelg\u00e4ngerin. Das Krankenhauszimmer ist auch Schauplatz der Gralszeremonie, bei geschlossenen Vorh\u00e4ngen. Erst am Schlu\u00df, in einem Endzzeitszenario der Verw\u00fcstung mit Gurnemanz als Obdachlosem, wird der Zuschauer den Gral zu Gesicht bekommen: eine Kraft spendende Leuchtkugel. Erst dann werden auch Teile des Chors sichtbar, der bisher nur auf der verdunkelten Hinterb\u00fchne und auf dem dritten Rang des Zuschauerraums plaziert war. W\u00e4hrend Amfortas sich mit dem Speer t\u00f6tet, finden sich alle Beteiligten zum Finale zusammen. Kundrys Doppelg\u00e4ngerin schwebt erl\u00f6st zum Himmel.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die Kompromi\u00dflosigkeit, mit der alle Beteiligten in ihren Rollen aufgehen, hat mit Engagement nichts mehr zu tun. Diese Produktion hat f\u00fcr jeden Ausnahmestatus. <strong>Heiko Trinsinger<\/strong> (Amfortas) schl\u00e4gt mit seiner lyrischen, nobel timbrierten Stimme Heldenbariton-T\u00f6ne an, die man so von ihm noch nicht geh\u00f6rt hat. Da\u00df er sich bei seiner gro\u00dfen Szene <em>Wehe mir der Qual<\/em> allein auf der B\u00fchne befindet und man sich so ganz auf ihn konzentrieren kann, verst\u00e4rkt diesen Eindruck noch. Ein Gewinn ist auch Gast <strong>Magne Fremmerlid <\/strong>(Gurnemnanz): Der Norweger beherrscht sein Riesen-Organ bis ins Kleinste, kann so allen Facetten der Partie, von Z\u00e4rtlichkeit \u00fcber durchaus brutale Autorit\u00e4t bis hin zur religi\u00f6sen Verz\u00fcckung <em>O Gnade, h\u00f6chstes Heil<\/em>, uneingeschr\u00e4nkt gerecht werden. Star-Potential hat <strong>Jane Dutton<\/strong> (Kundry), die in Essen nahtlos an ihr ph\u00e4nomenales Rollendeb\u00fct an der English National Opera 2011 daran ankn\u00fcpft: Die einen gewaltigen Stimmumfang fordernde Partie lotet sie von der satten mittleren und tiefen Lage bis zu den ekstatisch-strahlenden Spitzent\u00f6nen genu\u00dfvoll aus. Besonders beeindruckend: der ber\u00fcchtigte Intervallsprung auf dem Wort \u201e<em>lachte<\/em>\u201c in der Erz\u00e4hlung <em>Grausamer! F\u00fchlst du im Herzen<\/em>. <strong>Jeffrey Dowd<\/strong> (Parsifal) scheint sich an diesem Abend mit sonorem Brustregister und herrlich metallischer H\u00f6he in die erste Riege der Parsifal-Interpreten vorsingen zu wollen. Nicht nur die wallende blonde Per\u00fccke (\u00fcber Geschmack l\u00e4\u00dft sich streiten) erinnert an Peter Hofmann, einen der bedeutendsten S\u00e4nger der Partie. Leider lassen Dowds Kr\u00e4fte gegen Schlu\u00df nach. Der d\u00e4monisch-grobschl\u00e4chtige Hexenmeister von <strong>Almas Svilpa<\/strong> (Klingsor) rundet das Protagonisten-Quintett ab.<\/p>\n<p>Bleiben noch der mit sensationeller Klangf\u00fclle <em>Zum letzten Mal<\/em> aufsingende <strong>Chor<\/strong> des Aalto-Theaters und vor allem die <strong>Essener Philharmoniker<\/strong> unter ihrem scheidenden GMD <strong>Stefan Soltesz<\/strong>: ein internationalen Ma\u00dfst\u00e4ben standhaltender musikalischer Gl\u00fccksfall. Der z\u00e4rtliche Streicherteppich des Karfreitagszaubers, die sinnlich-rauschhaften Ausbr\u00fcche des zweiten Aktes oder die monumentale Wucht der finalen Gralszeremonie \u2013 alles Momente, die wohl erst einmal unverge\u00dflich bleiben d\u00fcrften.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Der Schlu\u00dfakkord des ersten Aktes ist noch nicht ganz verklungen, da erhebt sich in den vorderen Reihen ein Zuschauer und schreitet demonstrativ zum Ausgang. Wie so mancher andere wird er nicht zur\u00fcckkehren \u2013 schade, denn er hat einiges vers\u00e4umt. Vor allem ein musikalisches Fest, bei dem alle Mitwirkenden wie im Rausch agieren. <strong>Joachim Schloemers<\/strong> mitunter \u00fcberfrachtete Inszenierung ist gew\u00f6hnungsbed\u00fcrftig, nicht zuletzt wegen der Mengen an B\u00fchnenblut. Neben unfreiwillig komischen handwerkliche Schw\u00e4chen stehen aber auch Momente von gr\u00f6\u00dfter emotionaler Intensit\u00e4t, die kaum jemanden unber\u00fchrt lassen d\u00fcrften. In jedem Fall ist dieser <em>Parsifal <\/em>ein mehr als w\u00fcrdiger Beitrag zum Wagner-Jahr, und ein H\u00f6hepunkt der zu Ende gehenden Amtszeit von GMD Stefan Soltesz.<\/p>\n<p>Dr. Eva-Maria Ernst<\/p>\n<p>Bild: Thilo Beu<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Heiko Trinsinger (Amfortas), im Hintergrund Marcel Rosca (Titurel)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 17. 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