{"id":465,"date":"2008-12-21T13:11:48","date_gmt":"2008-12-21T11:11:48","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=465"},"modified":"2008-12-22T13:24:41","modified_gmt":"2008-12-22T11:24:41","slug":"stockholm-konigliche-oper-batseba","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=465","title":{"rendered":"Stockholm, K\u00f6nigliche Oper &#8211; BATSEBA"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Sven-David Sandstr\u00f6m (geb. 1942), Oper in zwei Akten, Libretto von Leif Janzon nach Torgny Lindgrens Roman \u201eBat Seba\u201c in der englischen \u00dcbersetzung von Tom Geddes<br \/>\nRegie: David Radok, B\u00fchnenbild: Lars \u00c5ke Thessman, Kost\u00fcm: Karin Erskine, Licht: Torkel Blomquist<br \/>\nChoreographie: H\u00e5kan Mayer<br \/>\nDirigent: Leif Segerstam, K\u00f6nigliche Hofkapelle<br \/>\nSolisten: Elin Rombo (Batseba als junge Frau), Hillevi Martinpelto (Batseba als reife Frau), Michael Weinius (K\u00f6nig David), Ingrid Tobiasson (Ahionam), IVA (Tamar), Marianne Ekl\u00f6f (Naomi), Marie Alexis, Jeanette Bjurling, Johanna E. Martell und Marianne Hellgren Staykov (vier kleine Prophetinnen), Gueorgui Elkin (Uria), Karl-Magnus Fredriksson (Absalom), Carl Unander-Scharin (Amnon), Tomas Bergstr\u00f6m (Kommandeur), Annica Nilsson (erste Frau), Anna Norrby (zweite Frau)<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 13. Dezember 2008 (Urauff\u00fchrung)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"stockholm-batseba-2.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/stockholm-batseba-2.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"stockholm-batseba-2.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/stockholm-batseba-2.jpg\" \/><\/a>K\u00f6nig David sieht die sch\u00f6ne Batseba und befiehlt ihr, sich ihm hinzugeben. Einem kleinen Jungen, der Zeuge ihrer Vergewaltigung wird, l\u00e4\u00dft er die Augen ausstechen. David schickt Batsebas Gemahl Uria auf ein kriegerisches Himmelfahrtskommando, bei dem er umkommt, und nimmt daraufhin Batseba zur Frau. Als Strafe f\u00fcr diesen Frevel wird das Kind, das Batseba von ihm empfangen hat, tot geboren. Der zweite Akt spielt 15 Jahre sp\u00e4ter. Batseba hat inzwischen einen zweiten Sohn mit David, Salomo, den sie durch gezielte Intrigen zum Thronfolger macht. Die Macht im Lande liegt mittlerweile faktisch bei ihr. Als sich Kronprinz Amnon an seiner Halbschwester Tamar vergeht, t\u00f6tet ihn deren Bruder Absalom, dem Batseba von der Schandtat berichtet, und l\u00e4\u00dft sich zum K\u00f6nig ausrufen. Daf\u00fcr zieht David in den Krieg gegen Absalom, vermag aber nicht, ihn zu t\u00f6ten, als sich die Gelegenheit dazu bietet. Statt seiner f\u00fchrt Batseba den t\u00f6dlichen Streich. Damit ist der Weg frei f\u00fcr Salomo, der nach dem Tod des alten und resignierten David K\u00f6nig von Israel wird.<br \/>\n<strong>Musik<\/strong><br \/>\nSandstr\u00f6ms Musik zeichnet sich durch eine au\u00dfergew\u00f6hnliche Farbigkeit aus, die Instrumentierung ist stets wohlklingend. Diese Oper ist vor allem denjenigen Besuchern zu empfehlen, die sich vorrangig im sp\u00e4ten 19. Jh. heimisch f\u00fchlen. Die Tonsprache ist, wenn man so sagen darf, einfacher und eing\u00e4ngiger als beispielsweise die von Strauss-Opern wie Salome oder Elektra, ohne ihnen an orchestraler Pracht und Wucht nachzustehen. Diese Musik zeichnen lange Spannungsb\u00f6gen aus, wie sie f\u00fcr Wagner oder Puccini kennzeichnend sind, und eine Melodik, die in jedem Fall das Pr\u00e4dikat \u201esangbar\u201c verdient. Beeindruckend sind die Chors\u00e4tze, was nicht weiter verwundert, denn Sandstr\u00f6m ist neben seinem Orchesterwerk vor allem als Komponist sakraler Chormusik bekannt; die schwedische evangelische Kirche hat ihm j\u00fcngst deswegen einen h\u00f6chst ungew\u00f6hnlichen Kompositionsauftrag erteilt: die Vertonung eines vollst\u00e4ndigen Zyklus liturgischer Musik f\u00fcr alle Sonntage des Kirchenjahres. Stellenweise n\u00e4hert sich seine Oper durch die Ch\u00f6re wie die schnellen Wechsel der Handlungsschaupl\u00e4tze der Gattung des Oratoriums an. Sie erz\u00e4hlt die Geschehnisse aus weiblicher Perspektive. Sandstr\u00f6m hat sich \u00fcberaus einfallsreich darauf verstanden, die vielen von Frauen gesungenen Passagen mit h\u00f6chst unterschiedlichen Stimmf\u00e4chern und Timbres zu besetzen. Beispielsweise sind die vier Prophetinnen mit vier Koloratursopranen oder Tamar mit einer \u2013 mit Mikrophonverst\u00e4rkung singenden \u2013 Rocks\u00e4ngerin besetzt. Dadurch, da\u00df das Libretto in englischer Sprache geschrieben ist und die Verse sich durch eine oftmals lakonische Schlichtheit auszeichnen, ist die Oper einem weiten H\u00f6rerkreis au\u00dferhalb Schwedens zug\u00e4nglich.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nPassend zum biblischen Stoff ist die Inszenierung sehr streng und ein wenig abstrahierend. B\u00fchnenbild und Kost\u00fcme sind \u201eklassisch\u201c schlicht. Die Choreographie und Personenregie ist in ihrer Reduktion allerdings nirgends langweilig, sondern im Gegenteil h\u00f6chst effektiv und schafft dadurch Raum f\u00fcr die Musik. Die zentrale Idee der Oper, die Schilderung von geschichtlichen Ereignissen aus der Perspektive der Frau, die in der damaligen Gesellschaft mehr oder weniger als Eigentum ihres Mannes oder ihrer Familie betrachtet wurde, kommt in der Stockholmer Produktion klar und deutlich zum Tragen.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nMan kann diese Urauff\u00fchrung nur als perfekt bezeichnen. Alle S\u00e4nger gaben stimmlich und darstellerisch so \u00fcberzeugende Leistungen, da\u00df der Totaleffekt wahrhaft packend war. Der in letzter Minute eingesprungene <strong>Carl Unander-Scharin<\/strong>, der die Rolle des Amnon im Orchestergraben sang, w\u00e4hrend ein Regieassistent die Darstellung \u00fcbernahm, lie\u00df die behelfsm\u00e4\u00dfige L\u00f6sung dieses Problems vergessen. <strong>Michael Weinius<\/strong> gab einen d\u00fcsteren David, der an der Last der K\u00f6nigsw\u00fcrde zugrunde geht.<br \/>\nDie Stimmen aller Hauptrollen sind technisch tadellos, sie klingen in allen Lagen vollkommen ausgeglichen und trotzdem kr\u00e4ftig durchschlagend. Hier mag nat\u00fcrlich das relativ kleine Opernhaus mit seiner hervorragenden Akustik eine wichtige Rolle spielen. <strong>Elin Rombo<\/strong> (Batseba als junge Frau), <strong>Hillevi Martinpelto<\/strong> (Batseba als reife Frau) erhielten f\u00fcr ihre Leistungen verdienterma\u00dfen den lautesten Beifall. Segerstams Dirigat entlockte dem Orchester buchst\u00e4blich nie geh\u00f6rte Kl\u00e4nge, der Vortrag aller Beteiligten war sehr suggestiv und stets \u00fcberzeugend. Man hatte alle Gelegenheit, die ungemein phantasievollen Klangmischungen der Partitur zu bewundern.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nAlles in allem ist festzustellen, da\u00df man sich in Stockholm vor Pathos in der Darstellung \u00fcberhaupt nicht scheut \u2013 mit \u00fcberzeugendem Resultat. Das Publikum dankte Dirigent, Regisseur und Komponist einhellig mit stehenden Ovationen, ein Vorkommnis, das auch in Schweden alles andere als allt\u00e4glich ist.<br \/>\nDiese Oper in dieser Produktion zu sehen ist allemal eine Reise nach Stockholm wert. Unbedingt anschauen!<br \/>\nDr. Martin Knust<\/p>\n<p>Bild: Carl Thorborg<br \/>\nDas Bild zeigt Elin Rombo (Batseba) Michael Weinius (K\u00f6nig David).<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Sven-David Sandstr\u00f6m (geb. 1942), Oper in zwei Akten, Libretto von Leif Janzon nach Torgny Lindgrens Roman \u201eBat Seba\u201c in der englischen \u00dcbersetzung von Tom Geddes Regie: David Radok, B\u00fchnenbild: Lars \u00c5ke Thessman, Kost\u00fcm: Karin Erskine, Licht: Torkel Blomquist Choreographie:<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=465\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1,96],"tags":[],"class_list":["post-465","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-allgemein","category-stockholm-konigliche-oper"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/465","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=465"}],"version-history":[{"count":0,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/465\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=465"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=465"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=465"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}