{"id":4649,"date":"2013-03-11T20:54:27","date_gmt":"2013-03-11T19:54:27","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4649"},"modified":"2013-05-11T09:37:27","modified_gmt":"2013-05-11T08:37:27","slug":"les-troyens-darmstadt-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4649","title":{"rendered":"LES TROYENS &#8211; Darmstadt, Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote>\n<p align=\"left\">von Hecor Berlioz (1803-1869), Grand Op\u00e9ra in f\u00fcnf Akten, Libretto: H. Berlioz nach Vergil und Shakespeare, UA: 3.-5. Akt: 4. November 1863 Paris, Th\u00e9\u00e2tre-Lyrique; erste vollst\u00e4ndige Gesamtauff\u00fchrung am 3. Mai 1969 Glasgow, Scottish Opera<\/p>\n<p align=\"left\">Regie: John Dew, B\u00fchne: Heinz Balthes, Kost\u00fcme: Jos\u00e9-Manuel V\u00e1zquez, Choreographie: Mei Hong Lin<\/p>\n<p align=\"left\">Dirigent: Martin Lukas Meister, Orchester des Staatstheater Darmstadt, Chordirektion: Markus Baisch<\/p>\n<p align=\"left\">Solisten: Hugh Kash Smith (Aeneas), Katrin Gerstenberger (Kassandra), Erica Brookhyser (Dido), Ninon Dann (Anna), Oleksandr Prytolyuk (Choroebus), Wilfried Zelinka (Narbal), u.v.a.<\/p>\n<p align=\"left\">Besuchte Auff\u00fchrung: 9. M\u00e4rz 2013 (Premiere)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"left\"><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Darmstadt-Troyens.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4650\" title=\"Darmstadt-Troyens\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Darmstadt-Troyens.gif\" alt=\"\" width=\"233\" height=\"350\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Darmstadt-Troyens.gif 233w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Darmstadt-Troyens-199x300.gif 199w\" sizes=\"auto, (max-width: 233px) 100vw, 233px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Nach Jahren der Belagerung freuen sich die Trojaner \u00fcber den Abzug der Griechen. Trotz der Warnungen Kassandras holen sie das von den Griechen zur\u00fcckgelassene h\u00f6lzerne Pferd in die Stadt. Doch in der Nacht klettern griechische Soldaten aus dem Pferd und \u00fcberfallen Troja. Der Geist Hectors befiehlt Aeneas nach Italien zu fl\u00fcchten und dort ein neues Reich zu gr\u00fcnden. Aeneas st\u00fcrmt mit seinem Gefolge zum Hafen. Kassandra und die Frauen t\u00f6ten sich selbst, um nicht von den Griechen versklavt zu werden.<\/p>\n<p align=\"left\">Auf der Reise nach Italien stranden Aeneas und seine Begleiter in Karthago, das von K\u00f6nigin Dido beherrscht wird. Aeneas und Dido verlieben sich ineinander, weshalb Aeneas sich nicht zur Abreise entschlie\u00dfen kann. Aber die Schatten der verstorbenen Trojaner dr\u00e4ngen ihn zum Aufbruch und Aeneas l\u00e4\u00dft die Segel setzen. Dido verflucht ihren Geliebten und nimmt sich dann das Leben. Die Karthager schw\u00f6ren Rache.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Das B\u00fchnenbild setzt auf die Kontraste zwischen den beiden Spielorten Troja und Karthago. Die ersten Akte in Troja sind dunkel gehalten, und es wird viel Nebel eingesetzt. Ein Halbrund aus phallusartigen Felsen begrenzt die B\u00fchne. Auch die Kost\u00fcme sind schwarz und lassen die antiken Vorbilder erkennen. K\u00f6nig Priamus und Gattin erinnern an Napol\u00e9on III. und Kaiserin Eug\u00e9nie. Karthago dagegen wird mit vielen Farben und bunten, glitzernden Kost\u00fcmen gestaltet. Die Felsen Trojas finden in riesigen Marmorquadern ihre Entsprechung, die je nach Bild umgestellt werden k\u00f6nnen. Der letzte Akt spielt sich im Hafen ab: man sieht die Takelage eines Segelschiffes und das Licht wird wieder abgedunkelt. Inmitten des monumentalen B\u00fchnenbildes bewegen sich die S\u00e4nger kaum. Das Bewegungsrepertoire beschr\u00e4nkt sich auf das Singen an der Rampe begleitet von konventionellen B\u00fchnengesten. Etwas Dynamik bringen der Chor und nat\u00fcrlich das Ballett im vierten Akt, das die Choreographin Mei Hong Lin sehr modern und mit viel Komik ausstattete.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Die Hauptlast dieser Oper trug der <strong>Chor.<\/strong> In Darmstadt bekam er deshalb auch genauso begeisterten Applaus wie die Solisten. Es gab zwar hier und da einige Abstimmungsschwierigkeiten mit dem Orchester, und es schlichen sich auch manchmal kleine Intonationswackler ein, aber der Chor beeindruckte durch den Nuancenreichtum der verschiedenen Chorgruppierungen. So wurde in Darmstadt auch viel mit den Klangwirkungen hinter der B\u00fchne oder hinter dem Vorhang experimentiert. Unterst\u00fctzt wurde der Chor von dem hervorragend spielendem Orchester unter der Leitung von <strong>Martin Lukas Meister<\/strong>. Die sorgsam durchdachte Instrumentierung von Berlioz konnte dank des pr\u00e4zisen Zusammenspiels und der klar herausgearbeiteten Soli wunderbar wirken. Jede Orchestergruppe wird bei Berlioz zum Solisten und darf trotzdem die Verbindung zum Gesamtklang nicht abrei\u00dfen lassen. Schade nur, da\u00df das Staatstheater auf Instrumente wie die Ophikleide oder Saxh\u00f6rner verzichtet hat. Aber man gab sich reichlich M\u00fche, die Farben dieser heute nur selten zu h\u00f6renden Instrumente mit Klangwitz zu ersetzen. S\u00e4ngerisch war dies der Abend zweier gro\u00dfer Frauen. <strong>Katrin Gerstenberger<\/strong> sang und spielte grandios. Kassandra, immer zwischen Wahn und Klarsicht changierend, zeigte sie manchmal spr\u00f6de, dann wieder dramatisch auftrumpfend. Alle Facetten der Rolle konnten stimmlich und darstellerisch nachempfunden werden. Die Mezzosopranistin <strong>Erica Broohyser<\/strong> stellte die frisch verliebte Dido entsprechend jugendlich dar. Aber wenn es die Rolle verlangte, konnte auch der glasklare Klang ins Br\u00fcchige abrutschen. Eine Entdeckung ist die junge <strong>Ninon Dann<\/strong>, die die Schwester der Dido Anna sang. Sie beherrschte alle Lagen perfekt, zeigte Spielfreude und artikulierte jedes Wort \u00fcberaus verst\u00e4ndlich. Letzteres kann man leider von den \u00fcbrigen S\u00e4ngern nicht sagen, so da\u00df die \u00dcbertitel leider unabk\u00f6mmlich waren. <strong>Hugh Kash Smith<\/strong> mu\u00dfte die anspruchsvolle Partie des Aeneas bew\u00e4ltigen und tat sich schwer damit. Die Mischung aus lyrischen und dramatischen Passagen gelang nur selten. In den mittleren Lagen wirkte sein Tenor zwar voll und rund, die hohen T\u00f6ne aber klangen gepre\u00dft und zeigten einige Patzer in der Intonation. Die \u00fcbrigen Solisten stemmten ihre Rollen sicher und klangvoll, allen voran <strong>Wilfried Zelinka<\/strong> als Narbal und <strong>Oleksandr Prytolyuk<\/strong> als Kassandras Verlobter.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Die f\u00fcnf Stunden Opernabend gingen schneller vor\u00fcber als erwartet. Dies lag haupts\u00e4chlich am abwechslungsreich spielenden Orchester und weniger an der Inszenierung. Au\u00dfer gewaltigen Kulissen und Lichtspielen, die manchmal in Kitsch zu kippen drohten, bot Regisseur <strong>John Dew <\/strong>nicht viel f\u00fcr das Zuschauerauge. Exotismen, die Berlioz auch in seine Musik einflie\u00dfen lie\u00df, wurden durch die Kost\u00fcme verst\u00e4rkt und karikiert. Aber Regie und B\u00fchnenbild dr\u00e4ngten sich nicht auf und wurden f\u00fcr ihre Zur\u00fcckhaltung mit Applaus belohnt. Die st\u00e4rksten Beifallsst\u00fcrme galten Chor und Orchester sowie den drei Solisten der Kassandra, Dido und des Aeneas.<\/p>\n<p align=\"left\">Jelena Rothermel<\/p>\n<p align=\"left\">Bild: Barbara Aum\u00fcller<\/p>\n<p align=\"left\">Das Bild zeigt: Erica Brookhyser (Dido), Ensemble<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. 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