{"id":4645,"date":"2013-03-10T20:49:20","date_gmt":"2013-03-10T19:49:20","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4645"},"modified":"2013-03-11T20:52:04","modified_gmt":"2013-03-11T19:52:04","slug":"kleider-machen-leute-stralsund-theater-vorpommern","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4645","title":{"rendered":"KLEIDER MACHEN LEUTE &#8211; Stralsund, Theater Vorpommern"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Alexander Zemlinsky (1871-1942), Musikalische Kom\u00f6die in einem Vorspiel und zwei Akten, Libretto: Leo Feld nach der Novelle von Gottfried Keller, UA: 2. Oktober 1910 Wien, Volksoper<\/p>\n<p>Regie: Horst Kupich, B\u00fchne\/Kost\u00fcme: Christoph von B\u00fcren, Dramaturgie: Katja Pfeifer<\/p>\n<p>Dirigent: Golo Berg, Philharmonisches Orchester Vorpommern<\/p>\n<p>Solisten: Bragi Bergth\u00f3rsson (Wenzel Strapinski), Dirk L\u00f6schner (Schneidermeister), Thomas Rettensteiner (Amtsrat\/Kutscher), Liubov Belotserkovskaya (Nettchen), Alexandru Constantinescu (Melchior B\u00f6hni), Tye Maurice Thomas (Adam Litumlei), Doris H\u00e4drich (Frau Litumlei), Johannes Richter (Polykarpus Federspiel), Christina Winkel (Frau H\u00e4berlein), Bernhard Leube (Wirt), u. a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. M\u00e4rz 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Stralsund-Kleider.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4646\" title=\"Stralsund-Kleider\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Stralsund-Kleider.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Stralsund-Kleider.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Stralsund-Kleider-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der arme Schneider Wenzel Strapinski besitzt nichts als einen feinen Mantel und eine Pelzm\u00fctze, die er sich selbst geschneidert hat. Er trennt sich von seinen Gesellen und begibt sich auf Wanderschaft. Ein Kutscher nimmt ihn mit und pr\u00e4sentiert ihn im Dorf Goldach als Graf Strapinski aus Polen. Alle Bewohner des Dorfes machen ihm zu seiner \u00dcberraschung den Hof. Er gewinnt die Liebe des heftig umworbenen Nettchens, die ihn kurzerhand zu ihrem Verlobten ausruft. Sein Nebenbuhler Melchior B\u00f6hni bemerkt seine zerstochenen Finger und stellt Nachforschungen an. Als er Strapinski schlie\u00dflich mit Hilfe eines Puppenspiels entlarvt, rechtfertigt sich dieser damit, dass er sich selbst nie als Graf ausgegeben hat, und da\u00df die Bewohner sich selbst l\u00e4cherlich gemacht haben. Nur an Nettchen sei er schuldig geworden. Er will sich von ihr verabschieden, doch sie macht sich nichts aus dem Schwindel und heiratet ihn trotzdem.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Wie auch schon in den vergangenen Produktionen inszeniert das Theater Vorpommern Zemlinskys Werk mit einem Thema, das sich wie ein roter Faden durch die Oper zieht. Diesmal steht das Motto <em>Soll ich Dir meine Briefmarkensammlung zeigen? <\/em>\u00fcber allem, die Briefmarke wird zum Symbol der Anbiederung, sie schm\u00fcckt W\u00e4nde, Kleider und Notenst\u00e4nder und dient sogar als Genu\u00dfmittel. Das B\u00fchnenbild, ein schlichter gestufter Backsteinbau, wird dadurch interessant, da\u00df das Orchester hineinplaziert ist, nicht frontal zum Publikum, sondern schr\u00e4g seitlich. Der Dirigent steht an der linken Seite der B\u00fchne. Durch die Anordnung der S\u00e4nger vor dem Orchester ergeben sich in dem kleinen Haus akustische Vorteile.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Diese Vorteile nutzen alle S\u00e4nger f\u00fcr sich aus, um die Musik dynamisch und abwechslungsreich zu gestalten. <strong>Bragi Bergth\u00f3rsson<\/strong> (Wenzel Strapinski) gl\u00e4nzt in der Titelrolle mit variablem, umfang- und facettenreichem Tenor. Seine B\u00fchnenpartnerin <strong>Liubov Belotserkovskaya <\/strong>(Nettchen) sieht nicht nur sehr h\u00fcbsch aus, sondern sie besticht auch durch stimmlichen Gestaltungsreichtum und warmen, ausdrucksstarken Sopran. Nur ihre Textartikulation k\u00f6nnte deutlicher sein. Kernig und kraftvoll pr\u00e4sentiert sich <strong>Alexandru Constantinescu <\/strong>(Melchior B\u00f6hni), der au\u00dferdem im zweiten Akt die Gelegenheit erh\u00e4lt, sein Talent als Pianist unter Beweis zu stellen. Mit volumin\u00f6sem Bariton \u00fcberzeugt auch <strong>Thomas Rettensteiner <\/strong>(Amtsrat\/Kutscher), der in Stimmgewalt lediglich vom sehr klangvollen tiefen Ba\u00df von <strong>Tye Maurice Thomas <\/strong>(Adam Litumlei) \u00fcbertroffen wird. <strong>Johannes Richter<\/strong> (Polykarpus Federspiel) zeigt mit hellem, beweglichem Tenor gute schauspielerische F\u00e4higkeiten, ebenso wie <strong>Jonathan Boudevin <\/strong>(Sohn H\u00e4berlein) und <strong>Yuji Natsume <\/strong>(Sohn P\u00fctschli-Nievergelt). Auch die anderen S\u00e4nger spielen ihre Rollen mit Hingabe, fallen dabei stimmlich weder positiv noch negativ auf. Insgesamt profitiert die Vorstellung vom gro\u00dfen schauspielerischen Einsatz aller Beteiligten, denen es gelingt, ihre Freude am Auftritt dem Publikum zu vermitteln. Das gilt in besonderer Weise f\u00fcr die Mitglieder des Chores, die die vielen kleinen Nebenrollen der Oper besetzen und von <strong>Anna T\u00f6ller <\/strong>wie immer hervorragend vorbereitet waren.<\/p>\n<p>Das Orchester erh\u00e4lt als Bestandteil des B\u00fchnenbildes erh\u00f6hte Aufmerksamkeit. Unter dem souver\u00e4nen Dirigat von <strong>Golo Berg <\/strong>treten selten Unsicherheiten auf, und auch die sonst gelegentlich problematische Intonation ist ohne bedeutenden Makel. Die Enge des kleinen Orchestergrabens bei der sp\u00e4tromantischen Besetzung zu vermeiden, ist eine Idee, die sich auszahlt. Dank Monitortechnik funktioniert die Abstimmung mit den S\u00e4ngern ausgezeichnet, obwohl sie meist mit dem R\u00fccken zum Orchester stehen.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Wieder einmal scheut sich das Team vom Theater Vorpommern nicht, neue Wege zu beschreiten und gute Ideen zur F\u00f6rderung der eigenen M\u00f6glichkeiten umzusetzen. Es ist nicht unbedingt entscheidend, wie umfangreich das finanzielle Budget f\u00fcr eine Produktion ist, solange das am Hause vorhandene Potential wirksam eingesetzt wird. Dabei spielt das pers\u00f6nliche Engagement eine wichtige Rolle, und davon besitzt das kleine Theater gerade erfreulich viel. So entstand eine durchweg gelungene, vor Spielfreude strotzende Auff\u00fchrung, die vom zahlreich erschienenen Stralsunder Publikum verdienterma\u00dfen mit langanhaltendem Applaus belohnt wurde.<\/p>\n<p>Anna-Juliane Peetz-Ullman<\/p>\n<p>Bild: Gunnar Luesch\/MuTphoto<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: \u00a0Liubov Belotserkovskaya (Nettchen), Bragi Bergth\u00f3rsson (Wenzel Strapinski) v. l. n. r.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Alexander Zemlinsky (1871-1942), Musikalische Kom\u00f6die in einem Vorspiel und zwei Akten, Libretto: Leo Feld nach der Novelle von Gottfried Keller, UA: 2. 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