{"id":4638,"date":"2013-03-10T20:00:00","date_gmt":"2013-03-10T19:00:00","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4638"},"modified":"2013-03-27T10:18:45","modified_gmt":"2013-03-27T09:18:45","slug":"pique-dame-freiburg-theater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4638","title":{"rendered":"PIQUE DAME &#8211; Freiburg, Theater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Peter Iljitsch Tschaikowski (1840-1893), Oper in drei Akten und sieben Bildern, Libretto: Modest Tschaikowski, nach der gleichnamigen Erz\u00e4hlung von Alexander Puschkin. UA: 7.\/19. Dezember 1890 St Petersburg, Marinskij-Theater<\/p>\n<p>Regie: Eva-Maria H\u00f6ckmayr, B\u00fchne: Nina von Essen, Rena Donsbach, Kost\u00fcme: Julia R\u00f6sler, Dramaturgie: Dominica Volkert, Licht: Michael Philipp, Dirigent: Fabrice Bollon, Philharmonisches Orchester Freiburg, Opernchor, Kinderchor des Theater Freiburg<\/p>\n<p>Solisten: Luis Chapa (Hermann), Sergej Tolstov (Tomskij\/Plutus), Alejandro L\u00e1rraga Schleske (F\u00fcrst Jeletzkij), Michael Pflumm (Tschekalinsky), Evert Sooster (Ssurin), Anja Jung (Die Gr\u00e4fin), Christina Vasileva (Lisa), Qin Du (Paulina\/Daphnis), Susana Schnell (Mascha\/Chloe), Anna Shiryaeva (Gouvernante), Shinsuke Nishioka (Tschaplitzkij\/Festordner), Taiyu Uchiyama (Narumow), Levi B\u00f6hm (Kleiner Kommenadeur), Alison Luz (Pianistin), V\u00e9ronique Weber (Venus von Moskau), Michael Gugel (Graf St. Germain), Sara-Lena M\u00f6llenkamp (Ballerina)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 9. M\u00e4rz 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Freiburg-Pique-Dame.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4639\" title=\"Freiburg-Pique-Dame\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Freiburg-Pique-Dame.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"232\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Freiburg-Pique-Dame.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Freiburg-Pique-Dame-300x198.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Der mittellose Hermann ist in die adelige Lisa verliebt, deren Gro\u00dfmutter das Geheimnis zu drei Karten kennt, mit deren Hilfe man beim Spiel immer gewinnt. Hermann gesteht Lisa seine Liebe, die sie trotz ihrer Verlobung mit einem F\u00fcrsten erwidert. Besessen von der Idee der drei Karten, will Hermann die Gr\u00e4fin zwingen, ihm diese zu verraten. Die Gr\u00e4fin stirbt jedoch zuvor, als Gespenstererscheinung nennt sie ihm die Karten sp\u00e4ter jedoch noch. Der wie verr\u00fcckte Hermann erz\u00e4hlt Lisa von seinem Geheimnis, diese ertr\u00e4nkt sich aus Entsetzen dar\u00fcber und weil er ihre Liebe verraten hat. Im Spielcasino gewinnt Hermann dank der Karten zweimal hintereinander. Beim dritten Mal wird jedoch die Karte \u201ePique Dame\u201c und nicht das \u201eAs\u201c, wie vorhergesagt, gelegt. Im Wahnsinn ersticht sich Hermann.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Die Freiburger <em>Pique<\/em> <em>Dame<\/em> setzt auf eine psychologisierende Sicht der Ereignisse. So legt der Beginn der Auff\u00fchrung nahe, da\u00df sich die gesamte Handlung aus der R\u00fcckschau des toten oder sterbenden Hermann abspielt. Das zwischen Feudalit\u00e4t und Abstraktion schwankende B\u00fchnenbild \u2013 vergoldete Holzw\u00e4nde und unverkleidete B\u00fchnenteile \u2013 dient somit auch als Projektionsraum f\u00fcr innere Vorstellungen. Die Venus von Moskau sowie der Graf St. Germain aus Tomskijs Erz\u00e4hlung sind zus\u00e4tzliche stumme Figuren, die als gespenstischer Doppelg\u00e4nger der eigentlichen Personen und zugleich als Symbole menschlicher Abgr\u00fcnde dienen. Auf diese Weise wird vieles visualisiert und zugleich interpretiert, was im Libretto nur angedeutet wird. Eingebildetes und Wirkliches verschwimmt ineinander, ein besonderes Beispiel hierf\u00fcr ist der Maskenball. W\u00e4hrend sich hier auf dem vorderen Teil der B\u00fchne die vorgegebene Handlung abspielt, sieht man im hinteren Bereich Hermanns Wahnvorstellungen. Die Lichtgestaltung sowie die Kost\u00fcme akzentuieren durch starke Schwarz-Wei\u00df-Kontraste die extremen psychischen Zust\u00e4nde und die d\u00fcsteren Seiten der Musik. Die Personenf\u00fchrung orientiert sich stark an der Musik, weniger an den Regieanweisungen der Partitur. Hermann zum Beispiel erw\u00fcrgt die Gr\u00e4fin, anstatt da\u00df diese allein vor Schreck stirbt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Musikalisch wird die Expressivit\u00e4t von allen Beteiligten konstant hoch gehalten. Das<em> <\/em>Philharmonische Orchester Freiburg<em> <\/em>unter GMD <strong>Fabrice Bollon<\/strong> weist aufgrund der Gr\u00f6\u00dfe des Orchestergrabens nur einen schmal besetzten, und daher f\u00fcr ein m\u00e4chtiges Cantabile eigentlich zu d\u00fcnn klingenden Streicherapparat auf, der durch Einzelleistungen wie etwa der Violoncelli jedoch wieder an Intensit\u00e4t gewinnt. Ansonsten agiert das Blech mit viel Sch\u00e4rfe und setzt sich so gegen\u00fcber den weicher klingenden Holzbl\u00e4sern ab, w\u00e4hrend Bollons Zugriff stets entschieden wirkt. Auf den <strong>Opern- und Kinderchor <\/strong>f\u00e4rbt das denkbar ab. Scheinen die Damen zu Beginn noch unsicher, steigert sich der gesamte Verbund sowohl gesanglich als auch darstellerisch immer weiter, \u00fcber die diversen Einzelszenen im zweiten Akt bis zum furiosen Finale im Spielcasino. <strong>Luis Chapa<\/strong><em> <\/em>kann als Exempel f\u00fcr das grunds\u00e4tzlich gut intonierte Russisch in dieser Auff\u00fchrung gelten. Seinem Hermann gelingt das Hin und Herschwanken zwischen Liebesbesessenheit und der fatalen Begierde nach Reichtum vortrefflich. Im dritten Akt haben auch die Spitzent\u00f6ne jene Geschmeidigkeit, die sein Vortrag zuvor bereits in den tieferen Lagen aufwies. <strong>Christina Vasilevas<\/strong> Lisa steht dem in nichts nach. Ihre an Dramatik reiche Gestaltung der innerlich zerrissenen Protagonistin bleibt stimmlich jederzeit tragf\u00e4hig wie darstellerisch anr\u00fchrend. <strong>Sergej Tolstovs <\/strong>Erz\u00e4hlung des Tomskij zur Venus von Moskau erh\u00e4lt berechtigten Zwischenapplaus. Partner auf gleichem Niveau im Ensemble sind <strong>Michael Pflumm <\/strong>(Tschekalinskij) und <strong>Evert Sooster (<\/strong>Ssurin). Obwohl seine Figur vergleichsweise uninteressant erscheint, verleiht <strong>Alejandro L\u00e1rraga Schleske<\/strong> dem F\u00fcrsten Jeletzkij ein individuelles Profil. Die von <strong>Qin Du<\/strong><em> <\/em>gegebene Romanze der Pauline verstrahlt zartes Melos. <strong>Anja Jung<\/strong> hingegen ist in bew\u00e4hrter Weise ganz Autorit\u00e4t: Als Gr\u00e4fin ist ihr durchdringender Vortrag so tadellos wie machtvoll.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Viel Jubel f\u00fcr alle Beteiligten am Premierenabend, auch f\u00fcr die Regie. Die Freiburger <em>Pique Dame<\/em> \u00fcberzeugt sowohl musikalisch als auch darstellerisch.<\/p>\n<p>Aron Sayed<\/p>\n<p>Bild: Maurice Korbel<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Das Ensemble, davor liegend Luis Chapa (Hermann)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Peter Iljitsch Tschaikowski (1840-1893), Oper in drei Akten und sieben Bildern, Libretto: Modest Tschaikowski, nach der gleichnamigen Erz\u00e4hlung von Alexander Puschkin. UA: 7.\/19. 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