{"id":4622,"date":"2013-03-04T11:59:49","date_gmt":"2013-03-04T10:59:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4622"},"modified":"2013-03-05T10:07:02","modified_gmt":"2013-03-05T09:07:02","slug":"manon-lescaut-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4622","title":{"rendered":"MANON LESCAUT &#8211; Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Dramma lirico in 4 Akten, Libretto: Ruggero Leoncavallo, Marco Praga, Domenico Oliva, Giulio Ricordi, Luigi Illica, Giuseppe Giacosa, UA: 1. Februar 1893, Turin<\/p>\n<p>Regie: Stefan Herheim, B\u00fchne: Heike Scheele, Kost\u00fcme: Gesine V\u00f6llm<\/p>\n<p>Dirigent: Christian Thielemann, S\u00e4chsische Staatskapelle Dresden<\/p>\n<p>Solisten: Norma Fantini (Manon Lescaut), Christoph Pohl (Lescaut), Thiago Arancam (Renato Des Grieux), Maurizio Muraro (Geronte di Ravoir), Giorgio Berrugi (Edmondo), Scott Conner (Wirt), Christel L\u00f6tzsch (Ein Musiker) u. a.<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 2. M\u00e4rz 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Dresen-Manon.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4623\" title=\"Dresen-Manon\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Dresen-Manon.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"234\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Dresen-Manon.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/03\/Dresen-Manon-300x200.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\nDer Student Des Grieux ist in die sch\u00f6ne Manon Lescaut, die mit ihrem Bruder unterwegs ist, verliebt. Auch der alte, wohlhabende Geronte will Manon f\u00fcr sich gewinnen. Er beschlie\u00dft sie zu entf\u00fchren, jedoch gestehen sich Manon\u00a0 und Des Grieux ihre Liebe und beide fliehen. Doch Manon, die dem Luxus fr\u00f6nt,\u00a0 zieht es bald zum reichen Geronte. Auch hier findet sie kein Gl\u00fcck und als Manon wieder mit Des Grieux fliehen will und einiges von Gerontes Schmuck mitnehmen will, wird sie festgenommen und nach Nordamerika verbannt. In der W\u00fcste Arizonas stirbt Manon in den Armen ihres Geliebten.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nRegisseur Stefan Herheim verlegt die Handlung nach Paris um das Jahr 1880. Dabei er\u00f6ffnet das B\u00fchnenbild den Einblick in das Atelier von Fr\u00e9d\u00e9ric-Auguste Bartholdi, dem Erschaffer der New Yorker Freiheitsstatue. Des Grieux nimmt in der Auff\u00fchrung die Rolle dieses K\u00fcnstlers ein, wobei auf der B\u00fchne neben Holzger\u00fcstkonstruktionen gro\u00dfe Teilst\u00fccke der Freiheitsstatue zu sehen sind. Die Anordnung der genannten Aufbauten \u00e4ndert sich im Zuge der Auff\u00fchrung. Die Protagonisten tragen teilweise Kleidung des 18. Jh. und teilweise welche vom Ende des 19. Jh., so da\u00df Puccinis Zeitangabe f\u00fcr das Werk ebenso mit in die Handlung einflie\u00dft. Selbst der Komponist taucht mit Melone, Schn\u00e4uzer und Zigarette im Mund als stumme Rolle auf. Dabei wird vermittelt, wie \u201ePuccini\u201c z. B. in den einzelnen Akten gerade das St\u00fcck komponiert, wobei er zudem den Akteuren Notenbl\u00e4tter und ein Textbuch entgegenh\u00e4lt.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDie Aufmerksamkeit des Publikums ganz auf sich vereinend gelingt <strong>Norma Fantini<\/strong> (Manon Lescaut) das <em>In quelle trine morbide \u2013 In den kalten Spitzen hier<\/em> mit ber\u00fcckender Emphase, gl\u00fchend leuchtenden Spitzen und pulsierend dynamischer Phrasierung. Ihre Arie im Schlu\u00dfakt gewinnt zudem durch ihre mitrei\u00dfend dramatische Interpretation mit stimmlich breit angelegtem Fundament und sich weit \u00f6ffnenden H\u00f6hen an immenser Tiefensch\u00e4rfe. Eine v\u00f6llig desolate Leistung bringt hingegen <strong>Thiago Arancam<\/strong> (Des Grieux). Sein\u00a0 <em>Donna non vidi mai<\/em> \u2013 <em>Nie sah ich eine Frau<\/em> changiert unausgewogen zwischen lyrisch lediglich fahl-blasser Klangf\u00e4rbung und gepre\u00dft flatternden H\u00f6hen, denen jegliche jugendliche Frische und gl\u00fchendes Feuer der Leidenschaft abgeht. <strong>Christoph Pohls<\/strong> (Lescaut) Bariton hingegen strahlt mit seidig-geschmeidigem Timbre, und er verf\u00fchrt mit warmen Klangspektren und jugendlicher Leichtigkeit. <strong>Maurizio Muraro<\/strong> (Geronte di Ravoir) profiliert sich mit schlankem Ba\u00df, der mit klarem Duktus aufhorchen l\u00e4\u00dft. Tenor <strong>Giorgio Berrugi<\/strong> (Edmondo) besticht zudem durch lichte Klangfarben und straffe Linienf\u00fchrung.<\/p>\n<p>Die S\u00e4chsische Staatskapelle Dresden unter <strong>Christian Thielemann<\/strong> spannt einen gro\u00dfen Bogen spannungsgeladener Spieldynamik mit glei\u00dfend erbl\u00fchenden Klangkaskaden, die von sirrender Schw\u00fcle bis hin zu wuchtig ausgekosteter Eleganz gro\u00dfe Emotionen atmet.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><br \/>\nRegisseur Stefan Herheims Versuch, den Spagat zwischen zwei Zeiten \u2013 dem des urspr\u00fcnglichen Werkes und der Zeit der Entstehung der Miss Liberty \u2013 \u00a0auf der B\u00fchne darzustellen, wirkt wie eine hilflose Aneinanderreihung von allegorischen Versatzst\u00fccken, die nicht so recht zueinander finden wollen und stark konstruiert wirken.\u00a0 Zwar gibt es auch einige gro\u00dfe Bilder, jedoch bleiben sie als reine Selbstdarstellung v\u00f6llig inhaltsleer bez\u00fcglich der mitrei\u00dfenden Gef\u00fchlswelt des Werkes. Herheim entgleiten v\u00f6llig die F\u00e4den, als er auch noch \u201ePuccini\u201c selber auf der B\u00fchne auftauchen l\u00e4\u00dft. Die stumme Rolle spielt sich mit pantomimischem Mitsingen und nervigem Herumfuchteln unverst\u00e4ndlich stark in den Vordergrund. Dies geht im letzten Akt, bei der Manon den stummen \u201ePuccini\u201c anstatt Des Grieux als Bezugspartner ansingt, ganz auf Kosten der Handlung. Statt eines mitrei\u00dfend aufwallenden St\u00fcckes verdurstet durch derartige Mi\u00dfgriffe die ganze Emotion in der W\u00fcste Arizonas. Eines erreichte die Inszenierung jedoch: Eine kontroverse Zuschauerrektion, wie sich beim Schlu\u00dfapplaus bzw. Buhrufen zeigte.<\/p>\n<p>Dr. Andreas Gerth<\/p>\n<p>Bild: Matthias Creutziger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Thiago Arancam (Renato Des Grieux), Norma Fantini (Manon Lescaut), Giorgio Berrugi (Edmondo), Muraro (Geronte di Ravoir)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giacomo Puccini (1858-1924), Dramma lirico in 4 Akten, Libretto: Ruggero Leoncavallo, Marco Praga, Domenico Oliva, Giulio Ricordi, Luigi Illica, Giuseppe Giacosa, UA: 1. 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