{"id":461,"date":"2008-12-18T22:37:49","date_gmt":"2008-12-18T20:37:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/?p=461"},"modified":"2008-12-18T22:37:49","modified_gmt":"2008-12-18T20:37:49","slug":"dresden-semperoper-boris-godunow","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=461","title":{"rendered":"Dresden, Semperoper  &#8211; BORIS GODUNOW"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Modest P. Mussorgski (1839-1881), Musikalisches Drama in sieben Bildern Libretto: Modest P. Mussorgsky nach Alexander Puschkin und Nikolaj Karamsin; UA: 16. Februar 1928 (Urfassung von 1869), Leningrad.<br \/>\nMan spielte die Urfassung von 1869 in russischer Sprache mit deutschen \u00dcbertiteln<br \/>\nRegie; Christian Pade, B\u00fchnenbild\/Kost\u00fcme: Alexander Lintl, Licht: Franz David; Dirigent: Sebastian Weigle, S\u00e4chsische Staatskapelle Dresden, Chor und Kinderchor Dresden.<br \/>\nSolisten: Ren\u00e9 Pape (Boris Godunow), Martin W\u00f6lfel (Fjodor), Lin Lin Fan (Xenia), Hanna Schwarz (Xenias Amme), Wolfgang Schmidt (F\u00fcrst Schuiskij), Matthias Henneberg (Schtschelkalow), John Tomlinson (Pimen), Stefan Margita (Grigorij), Markus Marquardt (Warlaam), Tom Martinsen (Missail), Christa Mayer (Schankwirtin), Gerald Hupach (Leibbojar), Peter Lobert (Pristav), Mitjucha (Sangmin Lee).<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 17. Dezember 2008 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Kurzinhalt<\/strong><br \/>\n<a TITLE=\"dresden-boris-godunow.jpg\" HREF=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/dresden-boris-godunow.jpg\"><img ALIGN=\"right\" ALT=\"dresden-boris-godunow.jpg\" SRC=\"http:\/\/www.operapoint.com\/blog\/wp-content\/uploads\/2008\/12\/dresden-boris-godunow.jpg\" \/><\/a>Das Volk hat sich versammelt, um mit Boris Godunow einen neuen Zaren zu w\u00e4hlen. Der neue Herrscher wird in feierlichem Jubel von der Menge empfangen. Unterdessen schreibt der M\u00f6nch Pimen im Kloster an einer Chronik. Er offenbart seinem Anh\u00e4nger Grigorij, da\u00df er Boris Godunow f\u00fcr schuldig am Tod des rechtm\u00e4\u00dfigen Thronanw\u00e4rters Dimitrij h\u00e4lt, da er den Jungen einst tot in dessen Armen liegen sah. Grigorij macht sich auf, um als falscher Dimitrij nach Litauen zu gelangen und wird von der Miliz gesucht. Bedingt durch das Verhalten des F\u00fcrsten Schuiskij und die Not des Volkes, mehren sich in Godunow die Zweifel an Dimitrijs Tod, die qu\u00e4lende Frage nach seiner rechtm\u00e4\u00dfigen Herrschaft und seiner Schuldhaftigkeit. Als Pimen dem Zaren von einem Wunder an Dimitrijs Grab berichtet, bricht Godunow endg\u00fcltig zusammen und stirbt.<br \/>\n<strong>Auff\u00fchrung<\/strong><br \/>\nDie B\u00fchnenausstattung ist durch Reduktion auf wesentliche Elemente gekennzeichnet. Beim ersten Bild f\u00e4llt der Blick auf graue, facettierte Stellw\u00e4nde, vor denen sich das in bunte Lumpen geh\u00fcllte Volk tummelt. M\u00fcllbeutel fallen herab und erst jetzt setzt die Musik ein. Die Kr\u00f6nungsszene, mit einem in \u00fcbergro\u00dfer, funkelnder Krone und glei\u00dfendem Brokat gekleideten Zaren, spielt sich vor einer, von oben herabgesenkten, dreiseitigen Stellwand ab. Im Klosterbild dominiert eine Projektionsfl\u00e4che hinter einem Schreibpult, auf der in \u00dcberblendung die Chronikeintr\u00e4ge Pimens dargestellt werden. Der M\u00f6nch selber ist in einen modernen Anzug geh\u00fcllt. Die Schenke wird zum grauen Wartesaal mit Stuhlgruppen, plakatierten Portraits und Toiletteneing\u00e4ngen, geleitet von einer Wirtin in Lackstiefeln und Pelz. Der Zarenpalast ist wieder die dreiseitige Stellwand, nur blutverschmiert, vor der Godunow in Lederjacke und Jeans agiert.<br \/>\n<strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><br \/>\nDie B\u00fchne wird eindeutig durch <strong>Ren\u00e9 Pape<\/strong> (Boris Godunow) beherrscht. Die Gewissensqualen des Zaren werden von ihm stimmlich-schauspielerisch in nuancenreichen Charakterfarben meisterhaft in Szene gesetzt, wobei die Wiedergabe der zunehmend  inneren Seelenfolter, insbesondere im letzten Bild, absolut \u00fcberzeugt und tief bewegt. Auch <strong>Sir John Tomlinson<\/strong> (Pimen) zeigt stimmlich ein stark differenziertes Charakterspiel voller Eindringlichkeit. Seine Schilderung im letzten Bild ger\u00e4t zum Meisterst\u00fcck. <strong>Wolfgang Schmidt<\/strong> (F\u00fcrst Schuiskij) belebt seine Rolle mit stimmlich solider Leistung. In seiner bewegend dramatischen Schilderung des toten Fjodor im f\u00fcnften Bild erlebt er einen seiner H\u00f6hepunkte. Auch die weiteren Charaktere sind bis in die Nebenrollen stark besetzt. So gl\u00e4nzt das Feuer in der Stimme von <strong>Stefan Margita <\/strong>(Grigorij) im Klosterbild und die Bettelm\u00f6nche werden von <strong>Markus Marquardt<\/strong> (Warlaam) und <strong>Tom Martinsen<\/strong> (Missail) \u00fcberzeugend stimmsicher als versoffene Halunken gegeben. Die wahnwitzige Einfalt des Narren ist von <strong>Timothy Oliver<\/strong> (Gottesnarr) gekonnt in Szene gesetzt und auch <strong>Hanna Schwarz<\/strong> (Xenias Amme) sowie <strong>Peter Lobert<\/strong> (Polizeioffizier) zeigen gro\u00dfe B\u00fchnenpr\u00e4senz. <strong>Lin Lin Fan<\/strong> (Xenia) und <strong>Martin W\u00f6lfel<\/strong> (Fjodor) f\u00fcllen ihre Rollen in gut gespielter kindlicher Naivit\u00e4t aus, wobei letzterer bisweilen im Stimmvolumen etwas bla\u00df erscheint.<br \/>\nDie <strong>Ch\u00f6re <\/strong>waren stimmlich sehr gut pr\u00e4pariert, wobei die <strong>S\u00e4chsische Staatskapelle Dresden<\/strong> unter <strong>Sebastian Weigle<\/strong> im ersten Bild akustisch ein wenig M\u00fche hatte, dagegen anzuspielen. In den weiteren Bildern lie\u00df das Orchester das tiefe, innere Gl\u00fchen der Musik voll erstrahlen und setzte auch wuchtig, schroffe Passagen nicht \u00fcbersteuert schneidend, sondern in mitrei\u00dfend differenzierter Spielweise gekonnt um.<br \/>\n<strong>Fazit<\/strong><br \/>\nDie Inszenierung sorgte f\u00fcr einen geteilten Eindruck. Die Reduktion der B\u00fchnenausstattung lenkte die Konzentration zwar auf die Handlung der Akteure, wobei das Gesamtkonzept jedoch zu statisch anmutete. So entstanden in der Dynamik des B\u00fchnengeschehens, insbesondere bei den Volksszenen, teilweise L\u00e4ngen. Effekthascherische Elemente, wie das brennende Bett im letzten Bild, wirkten zudem deplaziert. Die Darbietung der S\u00e4nger und des Orchesters lie\u00dfen die Auff\u00fchrung zu einem musikalischen Fest werden, welches vom Publikum auch mit zahlreichen Bravorufen und \u00fcberschw\u00e4nglichem Applaus quittiert wurde.<br \/>\nDr. Andreas Gerth<\/p>\n<p>Bild: Matthias Creutziger<br \/>\nDas Bild zeigt Ren\u00e9 Pape (Boris Godunow) und Chor sowie Kinderchor der S\u00e4chsischen Staatsoper Dresden.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Modest P. Mussorgski (1839-1881), Musikalisches Drama in sieben Bildern Libretto: Modest P. Mussorgsky nach Alexander Puschkin und Nikolaj Karamsin; UA: 16. Februar 1928 (Urfassung von 1869), Leningrad. 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