{"id":4594,"date":"2013-02-09T19:41:14","date_gmt":"2013-02-09T18:41:14","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4594"},"modified":"2013-03-27T10:17:20","modified_gmt":"2013-03-27T09:17:20","slug":"orest-hannover-staatsoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4594","title":{"rendered":"OREST \u2013 Hannover, Staatsoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Manfred Trojahn (1949), Musiktheater in sechs Szenen, deutsche Erstauff\u00fchrung, Libretto: Manfred Trojahn, UA: 8. Dezember 2011, De Nederlandse Opera, Amsterdam<br \/>\nRegie: Enrico L\u00fcbbe, Regie-Mitarbeit: Torsten Bu\u00df, B\u00fchne: Etienne Pluss, Kost\u00fcme: Bianca Deigner, Licht: Susanne Reinhardt<br \/>\nDramaturgie: Klaus Angermann<\/p>\n<p>Dirigent: Gregor B\u00fchl; Chor: Dan Ratiu, Nieders\u00e4chsisches Staatsorchester Hannover, Herrenchor der Staatsoper Hannover<\/p>\n<p>Solisten: Bj\u00f8rn Waag (Orest), Latchezar Pravtchev (Menelaos), Tomasz Zagorski (Apollo\/Dionysos), Romy Petrick (Hermione), Dorothea Maria Marx (Helena), Khatuna Mikaberidze (Elektra) und Statisterie der Staatsoper Hannover<br \/>\nBesuchte Auff\u00fchrung: 8. Februar 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Hannover-Orest_ohp_080.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4595\" title=\"Hannover-Orest_ohp_080\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Hannover-Orest_ohp_080.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Hannover-Orest_ohp_080.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Hannover-Orest_ohp_080-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Orest hat seine Mutter aus Rache get\u00f6tet, weil diese seinen Vater get\u00f6tet hat. Er hofft auf die Freisprechung durch Apollo, doch dieser verweist ihn an seinen Onkel Menelaos. Orests Tante Helena kehrt zur\u00fcck. Elektra, Orests Schwester, sieht in ihr die Verantwortliche f\u00fcr alles Leid und den herrschenden Krieg. Sie erlaubt Helena nicht, an das Grab ihrer Schwester zu gehen, stattdessen soll ihre unschuldige Tochter Hermione gehen. Menelaos r\u00e4t Orest zu fliehen. Wegen dieser Haltung bekommt Elektra Ha\u00dfphantasien auf ihn, und er ergreift deswegen die Flucht. Orest sehnt sich nach Liebe und einem anderen Leben, Elektra bedauert ihr Dasein und will, da\u00df Gerechtigkeit herrscht und fordert von ihm weitere Morde an Helena und Hermione. Er t\u00f6tet tats\u00e4chlich Helena, aber Hermione \u00fcberzeugt ihn von der Sinnlosigkeit seiner Tat. Sie t\u00f6tet er nicht, weil er einzig ihren Blick erwidern kann. Orest erh\u00e4lt von Gott den Auftrag, von nun an f\u00fcr, Ordnung zu sorgen, doch er verweigert sich. Zusammen mit Hermione versucht er, der g\u00f6ttlichen Macht zu entkommen.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Zun\u00e4chst sieht man nur Dunkelheit, dann erleuchten sehr helle Licht-Strahler an den \u00e4u\u00dferen und oberen R\u00e4ndern der B\u00fchne, die sie vollends umranden. Dadurch entsteht der Effekt, dass man meint, der Vorhang sei noch geschlossen. Die B\u00fchne von <strong>Etienne Pluss<\/strong> ist ein verfallenes Anwesen. Dreck auf dem Boden, L\u00f6cher in den W\u00e4nden und der Decke, von der gef\u00e4hrlich Balken herunterh\u00e4ngen. \u00dcberall Schutt und ein versifftes Waschbecken. Einen K\u00fchlschrank in ebenso miesem Zustand sieht man auch. Durch unterschiedliche Lichteinstellungen entstehen unterschiedliche Stimmungen, doch immer bewegen sie sich im gr\u00e4ulich-blauen und deswegen bedrohlichen Bereich. Der einfach gekleidete und verwahrloste Orest kauert auf einer Pritsche und wird im Traum von seiner Mutter verfolgt, die durch unz\u00e4hlige Statistinnen im lila Neglig\u00e9 und blutigem K\u00f6rper dargestellt wird. Auch Elektra und Hermione sind einfach gekleidet, die eine im Hosenazug, die andere im Sommerkleid. Weitaus grotesker ist da Apollo, der wie ein Zuh\u00e4lter mit Fliegerbrille, dicken Klunkern, langem protzigen Mantel und t\u00e4towierten Oberamen auftritt. Als Kr\u00f6nung lutscht er einen Lolly. Im Lichtkegel des starken Strahlers, der das Publikum blendet, sieht man nur noch seine Silhouette. Ebenso schr\u00e4g ist die Erscheinung von Helena: Platinblond im Pelzmantel und mit Sonnenbrille reist sie an.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Aus allen Ecken des Opernhauses erklingt die Stimme von Orests Mutter als sechsstimmiger Frauenchor von Tonbandaufnahmen, die noch von der Urauff\u00fchrung in Amsterdam stammen. Die Mutter nennt ihn immer wieder beim Namen, was eine beklemmende Atmosph\u00e4re hervorruft: man wei\u00df nicht, was Wahn und was Realit\u00e4t ist. <strong>Bj\u00f8rn Waag<\/strong> (Orest) ist fremdbestimmt und kann nicht fassen, was er getan hat. Mal erklingt seine Stimme \u00e4ngstlich leise, dann wieder in lauter Ersch\u00fctterung, oft kann er nur noch schreien. Er schafft es, das Publikum zu jedem Zeitpunkt in den Bann seiner ausweglosen Situation zu ziehen, so da\u00df es 80 Minuten in Anspannung auf seinem Platz sitzt. Auch wenn man es kaum f\u00fcr m\u00f6glich h\u00e4lt, kann <strong>Khatuna Mikaberidze<\/strong> als seine Schwester Elektra die Beklemmung noch steigern. Jede Silbe pre\u00dft sie fassungslos hervor, auf der Suche nach Gerechtigkeit befindet sie sich wahrhaftig <em>im Augenblick der tiefsten Qual.<\/em>. <strong>Dorothea Maria Marx <\/strong>(Helena) und <strong>Romy Petrick <\/strong>(Hermione) setzen mit ihren H\u00f6hen dem Ganzen die klaustrophobische Krone auf. Einzig Orest Blick und Hermiones Aussage <em>Orest, sieh mich an! Kannst du mich ansehen?<\/em> schwingt ein letzter Fetzen an Hoffnung mit. Das <strong>Nieders\u00e4chsische Staatsorchester Hannover<\/strong> unter der Leitung von <strong>Gregor B\u00fchl<\/strong> bringt die Gratwanderung zwischen abgr\u00fcndiger Dissonanz und hoffnungsvoller, aufblitzender Harmonie stets gut zum Ausdruck.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Das Publikum bleibt am Ende verst\u00f6rt zur\u00fcck und wei\u00df nicht, was es von der Inszenierung von <strong>Enrico L\u00fcbbe<\/strong> und der Musik von <strong>Manfred Trojahn<\/strong> halten soll, weswegen der Applaus lange, aber verhalten ist. Am eindeutigsten ist er noch f\u00fcr das Orchester und seinen Dirigenten Gregor B\u00fchl.<strong> <\/strong>Der Komponist kommt am Ende selbst auf die B\u00fchne und bedankt sich f\u00fcr die erste Inszenierung seiner Oper in Deutschland.<\/p>\n<p>Frederike Arns<\/p>\n<p>Bild: Thomas M Jauk<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Khatuna Mikaberidze (Elektra) li und Dorothea Maria Marx (Helena) re<\/p>\n<p>strong<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Manfred Trojahn (1949), Musiktheater in sechs Szenen, deutsche Erstauff\u00fchrung, Libretto: Manfred Trojahn, UA: 8. 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