{"id":4587,"date":"2013-02-04T19:53:05","date_gmt":"2013-02-04T18:53:05","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4587"},"modified":"2013-03-26T18:49:05","modified_gmt":"2013-03-26T17:49:05","slug":"don-carlo-mannheim-nationaltheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4587","title":{"rendered":"DON CARLO \u2013 Mannheim, Nationaltheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Joseph M\u00e9ry und\u00a0 Camille du Locle nach Friedrich Schiller <em>Don Carlos, Infant von Spanien<\/em>, UA: 11. M\u00e4rz 1867 Paris, Op\u00e9ra.\u00a0 Bearbeitung des franz\u00f6sischen Texts und danach auf italienisch in vier Akten, \u00dcbersetzer: Achille de Lauzi\u00e8res und Angelo Zanardini,\u00a0 UA: 10. Januar 1884 Mailand, Teatro alla Scala<\/p>\n<p align=\"left\">Regie: Jens-Daniel Herzog, B\u00fchne: Mathis Neidhardt, Kost\u00fcme: Mathis Neidhardt, Verena Polkowski, Licht: Nicole Berry, Dramaturgie: Christiane Plank-Baldauf<\/p>\n<p align=\"left\">Dirigent: Alois Seidlmeier, Orchester des Nationaltheater Mannheim, Choreinstudierung: Tilman Michael<\/p>\n<p align=\"left\">Solisten: Sung-Heon Ha (Philipp II.), Roy Cornelius Smith (Don Carlo), Jorge Lagunes (Rodrigo, Marquis von Posa), Thomas Jesatko (Gro\u00dfinquisitor), Galina Shesterneva (Elisabetta), Heike Wessels (Prinzessin Eboli), u.a.<\/p>\n<p align=\"left\">Besuchte Auff\u00fchrung: 2. Februar 2013 (Premiere)<\/p>\n<\/blockquote>\n<p align=\"left\"><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Mannheim-Don-Carlo1.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4592\" title=\"Mannheim-Don-Carlo\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Mannheim-Don-Carlo1.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"246\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Mannheim-Don-Carlo1.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Mannheim-Don-Carlo1-300x210.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Die Geliebte des spanischen Infanten Don Carlo, Elisabetta, mu\u00dfte aus politischen Gr\u00fcnden seinen Vater, K\u00f6nig Philipp II. von Spanien, heiraten. Rodrigo will mit Carlo zusammen f\u00fcr die Befreiung Flanderns von der spanischen Knechtschaft k\u00e4mpfen. Carlo wehrt Prinzessin Ebolis Liebeswerben ab, und sie schw\u00f6rt Rache. Carlo nutzt die Gelegenheit, um vor dem Volk gegen seinen Vater zu rebellieren. Eboli enth\u00fcllt dem K\u00f6nig die Liebe zwischen Carlo und Elisabetta. Philipp ist nun entschlossen, seinen Sohn zu t\u00f6ten. Rodrigo f\u00e4llt der Inquisition zum Opfer, doch Carlo will sein politisches Verm\u00e4chtnis vollenden. Sein Abschied von Elisabetta wird durch K\u00f6nig und Gro\u00dfinquisitor gest\u00f6rt. Ein M\u00f6nch rettet den Infanten.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Seitenw\u00e4nde und R\u00fcckwand sind klassizistische wei\u00dfe Fassaden, die an den Rand der B\u00fchne oder die Mitte hinein verschoben werden k\u00f6nnen. Dadurch entsteht so f\u00fcr jedes Bild ein neuer B\u00fchnenraum. Notausgangsschilder und abgebl\u00e4tterte R\u00fcckw\u00e4nde der Fassaden erinnern einmal an ein Museum, einmal an die Tristesse von 60er-Jahre-Bauten. Auf der B\u00fchne steht historisierendes Mobiliar wie der h\u00f6lzerne K\u00f6nigsthron neben modernen Requisiten. Auch die Kost\u00fcme sind ein Spiel mit den Epochen. W\u00e4hrend Don Carlo, K\u00f6nig Philipp und Elisabetta in Renaissancekleider gewandet sind, tragen die \u00dcbrigen moderne Anz\u00fcge und Kost\u00fcme. Nach dem Tod Rodrigos erscheint auch Carlo im Anzug. Die Hinrichtung der Verurteilten im zweiten Akt wird als eine Mischung aus Abendmahl und einer Versammlung von Milit\u00e4rs interpretiert. Immer wieder zitieren Requisiten die Bildwelten vergangener sozialistischer Regimes oder aktueller Kriegsschaupl\u00e4tze. Das Ende der Oper wurde vom Regisseur umgedeutet. Nicht der Leichnam Karls V., sondern der von Rodrigo wird \u00f6ffentlich zur Schau gestellt. Und Carlo fl\u00fcchtet nach dem Eingreifen des M\u00f6nchs nicht in das Kloster, sondern macht sich nach Flandern auf, um dort gegen seinen Vater zu k\u00e4mpfen.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Alois Seidlmeier<\/strong> \u00fcbertrieb leider etwas mit dem Pathos. Auch wenn die Lautst\u00e4rke des Orchesters auf die S\u00e4nger abgestimmt war und die Balance innerhalb des Orchesters gut gewahrt blieb, h\u00e4tte er die Tempi etwas schneller nehmen k\u00f6nnen. Einzelne Phrasierungen verdienten mehr Klarheit und Akzentuierung, um die Musik nicht allzu beh\u00e4big erklingen zu lassen. <strong>Roy Cornelius Smith<\/strong> (Don Carlos) wirkte mit seiner Rolle \u00fcberfordert. Selten gelangen die Registerwechsel ohne Br\u00fcche, in den hohen Lagen neigte er fast zum Schreien. Besonders im Duett zu Beginn des ersten Aktes <em>Dio che nell\u2019alma \u2013 Gott, der in die Seele sieht<\/em> mit <strong>Jorge Lagunes<\/strong> (Rodrigo) wurde deutlich, da\u00df er mehr f\u00fcr sich als mit dem Orchester und seinem Duettpartner sang. Dieser wirkte zu Beginn stimmlich etwas schwach, steigerte sich aber schnell und ber\u00fchrte sp\u00e4testens in der Gef\u00e4ngnisszene (3. Akt) <em>Io morr\u00f2, ma lieto in core \u2013 Ich sterbe, aber heiter im Herzen <\/em>mit seiner nuancenreichen Tongebung. Leider konnten auch <strong>Galina Shesterneva<\/strong> (Elisabetta) und <strong>Heike Wessels<\/strong> (Prinzessin Eboli) nicht durchweg \u00fcberzeugen. Beide zeigten ein sch\u00f6nes Timbre und eine fehlerlose Technik, konnten aber ihre Partien nicht mit Leben f\u00fcllen. Da fehlte die Leichtigkeit beim Singen, zu eint\u00f6nig und unbeweglich waren die Stimmen. Sowohl s\u00e4ngerisch als auch darstellerisch erstklassig war <strong>Sung-Heon Ha<\/strong> als Philipp II. Sein Ba\u00df klang volumin\u00f6s und gleichzeitig flexibel, seiner Arie <em>Ella giammai m\u2019amo \u2013 Sie hat mich nie geliebt<\/em> zu Beginn des dritten Aktes galten zu Recht die ersten begeisterten Bravo-Rufe.<\/p>\n<p align=\"left\"><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p align=\"left\">Jens-Daniel Herzogs Lesart der Oper als durchweg politisches Werk ist zwar nicht neu, wurde hier aber mit intelligenten Einf\u00e4llen durchgef\u00fchrt, die \u00fcber den Abend hin zum Nachdenken animierten. Ihm gelang es, mithilfe von B\u00fchnenbild und Kost\u00fcm die unterschiedlichen Legitimationsformen von Macht durch die Epochen hindurch miteinander in Beziehung zu setzen und gleichzeitig die privaten Konflikte nicht aus dem Auge zu verlieren. Ein gelungener und trotz der nicht rundum \u00fcberzeugenden musikalischen Leistungen empfehlenswerter Opernabend, der von den Zuschauern mit viel Applaus und nur vereinzelten Buh-Rufen f\u00fcr das Regie-Team honoriert wurde.<\/p>\n<p align=\"left\">Jelena Rothermel<\/p>\n<p align=\"left\">Bild: Hans J\u00f6rg Michel<\/p>\n<p align=\"left\">Das Bild zeigt: Galina Shesterneva (Elisabetta), Jorge Lagunes (Rodrigo, Marquis von Posa)<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Giuseppe Verdi (1813-1901), Oper in f\u00fcnf Akten, Libretto: Joseph M\u00e9ry und\u00a0 Camille du Locle nach Friedrich Schiller Don Carlos, Infant von Spanien, UA: 11. 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