{"id":4576,"date":"2013-01-29T21:30:49","date_gmt":"2013-01-29T20:30:49","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4576"},"modified":"2013-02-19T20:11:07","modified_gmt":"2013-02-19T19:11:07","slug":"orlando-dresden-semperoper","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4576","title":{"rendered":"ORLANDO \u2013 Dresden, Semperoper"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759) Opera seria in 3 Akten, Libretto: Unbek. Bearbeiter nach Carlo Sigismondo Capeces Libretto zu Domenico Scarlattis Dramma per musica <em>Orlando ovvero la gelosa pazzia<\/em> (1711), UA: 1733 London<\/p>\n<p>Regie: Andreas Kriegenburg, B\u00fchne: Harald Thor<\/p>\n<p>Dirigent: Jonathan Darlington, Staatskapelle Dresden<\/p>\n<p>Solisten: Christa Mayer (Orlando), Carolina Ullrich (Angelica), Gala El Hadidi (Medoro), Barbara Senator (Dorinda), Georg Zeppenfeld (Zoroastro)<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 27. Januar 2012 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Dresden_Orlando.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4577\" title=\"Dresden_Orlando\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Dresden_Orlando.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"228\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Dresden_Orlando.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Dresden_Orlando-300x195.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Orlando ist verliebt in Angelica, die K\u00f6nigin von Catai. Dies ruft die Sorge des Magiers Zoroastro hervor, da Orlando seine ritterlichen Pflichten vernachl\u00e4ssigt. Dorinda, eine Sch\u00e4ferin, hat sich indessen in den Prinzen Medoro verliebt. Doch dessen Herz schl\u00e4gt allein f\u00fcr Angelica, die ebenfalls in Liebe zu Medoro entbrannt ist. Angelica und Medoro fliehen, als Orlando in eifers\u00fcchtige Raserei ger\u00e4t und glaubt Medoro sowie Angelica dabei get\u00f6tet zu haben. Nun greift Zoroastro ein und erl\u00f6st Orlando vom Liebeswahn. Dieser will sich daraufhin das Leben nehmen, da ihm Dorinda seine Vergehen vorh\u00e4lt. Die beiden durch den Magier geretteten Totgeglaubten halten ihn jedoch davon ab und Orlando erkennt ihre Liebe an.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Harald Thor setzt in ein einsames Waldst\u00fcck mittig ein Holzhaus, in dem alles bis hin zum Kronleuchter und Heizk\u00f6rper aus Holz besteht. Die Frontseite fehlt und erm\u00f6glicht den Blick ins Innere des Hauses. Die Fenster auf der R\u00fcckseite sind blind. Die M\u00f6blierung ist sp\u00e4rlich mit einem Feldbett, St\u00fchlen, Tischen, Sofa und Koffern, die zudem von den T\u00e4nzern ziellos herumgetragen werden. Die Hauptdarsteller tragen dunkle Anz\u00fcge, Angelica ein elegantes rotes, Dorinda ein blaugemustertes Kleid. Die T\u00e4nzer tragen abwechselnd knappe Unterw\u00e4sche, schlichte Kleider, Anz\u00fcge oder dar\u00fcber Wehrmachts-Milit\u00e4rm\u00e4ntel.<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Eigentlich steht und f\u00e4llt eine Vorstellung des Orlando mit der Besetzung der Partie des Orlando. In der Urauff\u00fchrung mit dem legend\u00e4ren Mezzosopran-Kastraten <strong>Senesino<\/strong> besetzt, wird schnell deutlich wie hoch die Anspr\u00fcche an diese Rolle sind. Allein in den fast f\u00fcnfzehn Minuten seine Arie: <em>Ah! Stigie larve! \u2013 Ah, Geister der Unterwelt <\/em>mu\u00df er seine Wahnvorstellungen, die \u00dcberquerung des Styx oder das Treffen mit dem H\u00f6llenhund, lediglich mit seinem Gesang darstellen. <strong>Christa Mayer<\/strong> tat ihr Bestes, dauerhaft eine m\u00e4nnlich klingende Bruststimme zur Geltung zu bringen, jedoch kann man schwerlich leugnen, da\u00df sie im Wagnerfach tief verwurzelt ist und das Klangbild einer Waltraute oder Erda mit einem Orlando nicht in Einklang zu bringen ist. Ebenfalls als Wagner-S\u00e4nger weltweit begehrt ist <strong>Georg Zeppenfeld<\/strong>, der dem Magier Zoroastro den samtenen und dominanten Glanz eines K\u00f6nig Heinrichs verleiht. Seine barocken Koloraturen wirken zur\u00fcckhaltend, sind aber wegen seiner absoluten technischen Sauberkeit h\u00f6renswert. <strong>Carolina Ullrich<\/strong> hat sich von der Soubrette zu einer wohlt\u00f6nenden und klaren Sopran-Stimme weiterentwickelt. Allerdings fehlt ihr noch das Standverm\u00f6gen, um die Leiden der Angelica stimmlich darstellen zu k\u00f6nnen. <strong>Barbara Senator<\/strong> hingegen wirkt frischer, vielseitiger und variabler \u2013 ihr humorvoller Mezzo kann die ungl\u00fcckliche Sch\u00e4ferin Dorinda in <em>S\u2019\u00e8 corriposto un core \u2013 wenn ein Liebhaber Erwiderung findet <\/em>zum Leben erwecken. Eine Barock-Spezialistin ist sie jedoch h\u00f6rbar nicht. <strong>Gala El Hadidi<\/strong> ist ein Mezzo-Sopran mit tiefliegendem rauchigem Timbre. Daher hat sie keine Probleme, die Hosenrolle des Prinzen Medoro auszuf\u00fcllen und dabei Gef\u00fchle \u00fcber die Rampe zu bringen.<\/p>\n<p>Die S\u00e4chsische Staatskapelle sind verst\u00e4rkt durch vier Barock-Spezialisten in der Continuo-Gruppe sowie durch zwei Viola d\u2019amore. Diese sind der Bratsche \u00e4hnlich, klingen aber heller und damit lieblicher. Aber trotz dieser Unterst\u00fctzung bleibt die Staatskappelle dem harten wuchtigen Klang der Romantik verhaftet. Keine Hilfe hierbei ist der Dirigent <strong>Jonathan Darlington<\/strong>, der bislang wenig Erfahrung mit barocker Musik sammeln konnte. Und so gelingt es ihm nicht der Staatskapelle die barocken Denkans\u00e4tze oder Klangbilder oder die Koloraturkaskaden barocker Klangwunder zu vermitteln.<\/p>\n<p><strong>Fazit<\/strong><\/p>\n<p>Zwei der Solisten sind im Wagnerfach zu Hause und wirken in dieser Produktion deplaziert. Das Ergebnis: Kaum barocke Harmonie, wenig perlende Koloraturen, doch schwerer, mit aller Kraft gespielter romantische Klang. H\u00e4ndel hat mehr zu bieten als solch glattgeb\u00fcgelter Wohlklang ohne wirklichen Tiefgang. Erschwerend kommt hinzu, da\u00df das Konzept von <strong>Andreas Kriegenburg<\/strong> die Handlung durch zehn T\u00e4nzer kommentieren zu lassen, nicht aufgehen kann. Gef\u00fchle kann man kaum kommentieren. Da\u00df es um einen aus Liebeswahn rasenden Orlando geht, konnte man in der Wahnsinnsszene an einem eingefrorenen Orlando, der gef\u00fchlte f\u00fcnfzehn Minuten eine Sense hochh\u00e4lt, kaum ahnen. Freundlicher Applaus eines aufgeweckten Publikums nach mehr als drei Stunden szenischer und streckenweise musikalischer Langeweile.<\/p>\n<p>Oliver Hohlbach<\/p>\n<p>Bild: Matthias Creutziger<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: Barbara Senator (Dorinda), Gala El Hadidi (Medoro), Christa Mayer (Orlando), Georg Zeppenfeld (Zoroastro), Carolina Ullrich (Angelica)<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Georg Friedrich H\u00e4ndel (1685-1759) Opera seria in 3 Akten, Libretto: Unbek. 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