{"id":4567,"date":"2013-01-28T12:07:26","date_gmt":"2013-01-28T11:07:26","guid":{"rendered":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4567"},"modified":"2013-03-27T10:22:18","modified_gmt":"2013-03-27T09:22:18","slug":"la-vestale-karlsruhe-badisches-staatstheater","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4567","title":{"rendered":"LA VESTALE \u2013 Karlsruhe, Badisches Staatstheater"},"content":{"rendered":"<blockquote><p>von Gaspare Spontini (1774-1851), Trag\u00e9die-lyrique in drei Akten, Libretto: Victor-Joseph \u00c9tienne de Jouy nach Johann Joachim Winckelmann<\/p>\n<p>UA: 15. Dezember 1807 Paris, Salle Montansier<\/p>\n<p>Regie: Aron Stiehl, B\u00fchne: Frank Philipp Schl\u00f6\u00dfmann, Kost\u00fcme Franziska Luise Jacobsen<\/p>\n<p>Dirigent: Johannes Willig, Badische Staatskapelle, Choreinstudierung: Ulrich Wagner<\/p>\n<p>Solisten:\u00a0 Barbara Dobrzanska (Julia), Katharine Tier (Grande Vestale), Andrea Shin (Licinius), Steven Ebel (Cinna), Konstantin Gorny (Hohepriester), u.a.<\/p>\n<p>Besuchte Auff\u00fchrung: 26. Januar 2013 (Premiere)<\/p><\/blockquote>\n<p><strong>Vorbemerkung<\/strong><\/p>\n<p><em>La Vestale<\/em> erlebte ihre Urauff\u00fchrung drei Jahre nachdem Napoleon sich am 2. Dezember 1804 die Kaiserkrone aufgesetzt und damit das erste Kaiserreich Frankreichs begr\u00fcndet hatte.<\/p>\n<p>Es war eine wegweisende Oper, da Spontini die dramaturgische Idee gegen\u00fcber der Musik herausstellte, was sp\u00e4tere Komponisten wie Rossini, Bellini, Verdi u.a. nachahmten. Der Grundkonflikt der Vestalin Julia zwischen Pflicht und Liebe war uralt. Dennoch staunten die damaligen Zuschauer \u00fcber die neuartige musikalische Struktur und Aussagen der Oper. Keinesfalls aber war sie gedacht als Huldigung f\u00fcr Napoleon, eher f\u00fcr die Kaiserin Jos\u00e9phine, der Spontini die Auff\u00fchrung dieser Oper verdankte.<\/p>\n<p><strong><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Karlsruhe-Vestalin.gif\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignright size-full wp-image-4568\" title=\"Karlsruhe-Vestalin\" src=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Karlsruhe-Vestalin.gif\" alt=\"\" width=\"350\" height=\"233\" srcset=\"http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Karlsruhe-Vestalin.gif 350w, http:\/\/www.operapoint.com\/wp-content\/uploads\/2013\/02\/Karlsruhe-Vestalin-300x199.gif 300w\" sizes=\"auto, (max-width: 350px) 100vw, 350px\" \/><\/a>Kurzinhalt<\/strong><\/p>\n<p>Bei seiner R\u00fcckkehr aus Gallien nach Rom erf\u00e4hrt Licinius, da\u00df Julia, die er liebt, Priesterin der Verstalinnen geworden war. Doch ausgerechnet Julia wird dazu bestimmt, dem Sieger beim Fest den Lorbeer aufs Haupt zu setzen. Dabei verabreden beide ein Stelldichein im Vestalinnen-Tempel w\u00e4hrend der kommenden Nacht. Beim Treffen erlischt das Altarfeuer, das Julia anvertraut ist. Licinius kann fliehen, doch Julia wird verhaftet und zum Tode verurteilt, indem sie lebendig begraben werden soll. Am ge\u00f6ffneten Grab best\u00fcrmt Licinius den Oberpriester, das Todesurteil aufzuheben. Doch dieser lehnt ab. Als Julia mit den Vestalinnen erscheint ordnet der Oberpriester an, Julias Schleier auf den Altar zu legen. Sollte er sich durch eine Flamme von allein entz\u00fcnden, so der Oberpriester, sei sie unschuldig. Da f\u00e4hrt aus den dunklen Wolken ein Blitz hernieder, der den Schleier verbrennt. Julia sinkt ihrem Licinius dankbar in die Arme.<\/p>\n<p><strong>Auff\u00fchrung<\/strong><\/p>\n<p>Eine Wand aus Stahlrohren mit einem riesigen Lorbeerkranz, davor zwei sich kreuzende Maschinengewehren, wieder davor ein riesiges \u201eV\u201c in intensiv roter Farbe. Blau-graue W\u00e4nde, zum B\u00fchnenhintergrund schr\u00e4g auf einen imagin\u00e4ren Zentralpunkt zulaufend, begrenzen die B\u00fchne. Im weiteren Verlauf werden die W\u00e4nde immer wieder von rechts hineingerollt, so da\u00df meist ein langgestreckter Raum entsteht. Auf einer etwas erh\u00f6hten, zum Hintergrund verlaufenden Ebene, die durch einige Stufen von vorne erreichbar ist, steht am vorderen Rand ein rundes Becken, in dem eine Flamme z\u00fcngelt. Zum Opernende im Vordergrund zwei geschlossene und ein offener Sarg, wo Julia lebendig begraben werden soll.<\/p>\n<p>[Im Libretto wird der Ort an der Porta Collina, einem antike Stadttor der Servianischen Mauer auf dem Quirinalsh\u00fcgel in Rom angegeben.]<\/p>\n<p><strong>S\u00e4nger und Orchester<\/strong><\/p>\n<p>Die acht Minuten lange Ouvert\u00fcre beginnt recht langsam und kommt erst im <em>Presto<\/em> in Fahrt. Die Musik verbreitet eine grandiose Pracht, die bei der \u00d6ffnung des Vorhangs sich vollst\u00e4ndig verfl\u00fcchtigt. Diese Entt\u00e4uschung f\u00fcrs Augen bleibt bis ans Opernende. Sie schm\u00e4lert erheblich den Genu\u00df der reichen und glanzvollen Musik. Die strengen Uniformen von Andrea Shin (Licinius) und Steven Ebel (Cinna), die sich auf dem schmalen Podest vor der Maschinengewehr-Wand treffen, lassen keine Stimmung aufkommen. Bei seiner Er\u00f6ffnungsarie m\u00fcht sich <strong>Steven Ebel<\/strong> (Cinna) mit seinem dunkel gef\u00e4rbten Tenor in den H\u00f6henlagen recht und schlecht, doch sonst kommen die T\u00f6ne klar heraus. Im Duett mit Andrea Shin (Licinius) harmonieren beide Stimmen in deutlichen Linien. Sp\u00e4ter \u2013 bei Arien \u2013 macht sich eine gewisse Kehligkeit bei <strong>Andrea Shin <\/strong>(Licinius) bemerkbar.<\/p>\n<p>Mit der Morgenhymne: <em>Fille du ciel \u2013Tochter des Himmels, unsterbliche Vesta<\/em> treten die Vestalinnen auf, angef\u00fchrt von der Gro\u00dfvestalin. Schon bei diesem ersten Auftreten ist man vom <strong>Chor<\/strong> angetan, er bringt Glanz und eine gewisse Grandiosit\u00e4t auf die B\u00fchne, die so notwendig f\u00fcr diese Oper ist. Gro\u00dfen Anteil an der Dynamik und der rhythmischen Stringenz hat dabei sicher die Einstudierung durch <strong>Ulrich Wagner<\/strong>. Die Gro\u00dfvestalin<strong> \u00a0Katharine Tier \u00a0<\/strong>besitzt einen in der H\u00f6he starken, gradlinigen Sopran, doch in der Tiefe ist sie so leise, da\u00df die Stimme im Orchester verschwindet.<\/p>\n<p>Der musikalische Schwerpunkt ist die Rolle der Julia. Mit ihr steht und f\u00e4llt alles! Und hier ist ohne Einschr\u00e4nkung <strong>Barbara Dobrzanska<\/strong> lobend anzuf\u00fchren. Ihr wirklich angenehm lyrischer Sopran entsch\u00e4digt f\u00fcr das karge B\u00fchnenbild und erh\u00f6ht sogar die Handlung. Wenn auch bei ihr die Lautst\u00e4rke der tiefen T\u00f6ne leiser wird, so h\u00f6rt man sie doch allenthalben wohllautend durch. In <em>Licinius, je vais donc te revoir \u2013 ich werde dich also wiedersehen<\/em> ist die Sehnsucht deutlich h\u00f6rbar. Noch eindrucksvoller gestaltet sie ihre gro\u00dfe, fast zehnmin\u00fctige Arie zu Beginn des zweiten Akts: <em>Toi que j\u2019implore avec effroit \u2013 dich, die ich mit Entsetzen anflehe. <\/em>Sie kommt mit gro\u00dfer Inbrunst und \u2013 im schnellen Teil \u2013 mit sicherer Singtechnik und rhythmischer Pr\u00e4gnanz daher. Im Duett mit Andrea Shin rei\u00dft sie sogar diesen S\u00e4nger zur hohen Meisterschaft empor! Genau, tonsch\u00f6n und pr\u00e4zis die Horn-Soli und die im Duett reizvolle Kombination von Horn und Klarinette. Ein letzter gesanglicher H\u00f6hepunkt: die Preghiera im letzten Akt mit ihrer wegweisenden triolischen Begleitung: <em>O des infortun\u00e9s d\u00e9esse titulaire \u2013 o Schutzg\u00f6ttin der Ungl\u00fccklichen.<\/em><\/p>\n<p><strong>Fazit <\/strong><\/p>\n<p>Es ist ein gro\u00dfer Verdienst des Staatstheaters Karlsruhe, Spontinis <em>La<\/em> <em>Vestale<\/em> aufzuf\u00fchren! Aber ist es Ideologie, eine in musikalischer und darstellerischer Pracht angelegte Oper, die uns die Zeit des napoleonischen ersten Kaiserreichs einf\u00e4ngt, ins heutige, industrielle Zeitalter zu verlegen? Was will der <strong>Regisseur<\/strong> damit? Wird <em>La Vestale <\/em>damit f\u00fcr uns heute verst\u00e4ndlicher? Indem er den Schleier auf dem Altar mit einem Streichholz entz\u00fcndet, singt \u00a0<strong>Konstantin Gorny<\/strong> (Hohepriester) : <em>Durch ein Wunder hat der Himmel seinen Willen offenbart<\/em> (letzte Szene). Sie weisen auf das in der Musik deutlich dargestellte Gewitter und die Blitze hin, die den Schleier Julias auf dem Altar entz\u00fcnden. Was nun bedeuten des Hohepriesters Worte? Was will ein Opernhaus mit einer solchen Darstellung beim Publikum erreichen? Dieses buhte heftig und beklatschte ausreichend die musikalische Darbietung.<\/p>\n<p>Dr. Olaf Zenner<\/p>\n<p>Bild: J\u00fcrgen Frahm<\/p>\n<p>Das Bild zeigt: im Vordergrund Barbara Dobrzanska (Julia), Klaus Schneider (Hohepriester), Mitte, Vestalinnen und Soldaten<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<p>strong<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>von Gaspare Spontini (1774-1851), Trag\u00e9die-lyrique in drei Akten, Libretto: Victor-Joseph \u00c9tienne de Jouy nach Johann Joachim Winckelmann UA: 15. Dezember 1807 Paris, Salle Montansier Regie: Aron Stiehl, B\u00fchne: Frank Philipp Schl\u00f6\u00dfmann, Kost\u00fcme Franziska Luise Jacobsen Dirigent: Johannes Willig, Badische Staatskapelle,<span class=\"ellipsis\">&hellip;<\/span><\/p>\n<div class=\"read-more\"><a href=\"http:\/\/www.operapoint.com\/?p=4567\">Weiterlesen \u203a<\/a><\/div>\n<p><!-- end of .read-more --><\/p>\n","protected":false},"author":2,"featured_media":0,"comment_status":"closed","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[91,1],"tags":[],"class_list":["post-4567","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-karlsruhe-badisches-staatstheater","category-allgemein"],"_links":{"self":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4567","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/2"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=4567"}],"version-history":[{"count":8,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4567\/revisions"}],"predecessor-version":[{"id":4571,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/4567\/revisions\/4571"}],"wp:attachment":[{"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=4567"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=4567"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"http:\/\/www.operapoint.com\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=4567"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}